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Panama Papers:2,6 Terabyte Daten - und darin die Namen mehrerer Staats- und Regierungschefs

Der Süddeutschen Zeitung hat eine anonyme Quelle 2,6 Terabyte Daten aus der Kanzlei Mossack Fonseca zugespielt - 11,5 Millionen Dokumente zu mehr als 214 000 Briefkastenfirmen. Unterlagen dieser Kanzlei spielten bereits eine Rolle in Steuer-Ermittlungsverfahren gegen drei deutsche Banken und deren Kunden.

In den Daten finden sich die Namen mehrerer Staats- und Regierungschefs. So gehören oder gehörten offenbar dem saudi-arabischen König Salman ibn Abd al-Asis, dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und dem früheren georgischen Ministerpräsidenten Bidsina Iwanischwili Offshore-Firmen.

Islands Premier Sigmundur Davíð Gunnlaugsson besaß bis Ende 2009 zusammen mit seiner jetzigen Frau eine Briefkastenfirma, in der auch Anleihen wichtiger isländischer Banken deponiert waren. Der Premier erklärte auf Anfrage, die Firma habe immer seiner Frau gehört; Firmen, die nicht wirklich Geschäfte machen, seien zudem nicht meldepflichtig.

Daneben tauchen in Dokumenten auch Personen wie der Cousin von Syriens Präsident Baschar al-Assad auf, gegen die die UN Sanktionen verhängt haben. Im Fall Syrien dienten Briefkastenfirmen offenbar dazu, Sanktionen der UN zu umgehen.

In den kommenden Tagen werden etwa 100 Medien ihre Ergebnisse veröffentlichen

Ein Datenleck dieser Größe, aus dem Journalisten Material zugespielt wurde, hat es, soweit bekannt, bislang nicht gegeben. Weil die Menge der Unterlagen so riesig ist und die darin vorkommenden Personen auf so viele Länder weltweit verteilt sind, hat die Süddeutsche Zeitung die Recherche gemeinsam mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) in Washington organisiert. An ihr wirkten etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern mit. In den kommenden Tagen werden etwa 100 Medien unter dem Titel "Panama Papers" ihre Ergebnisse veröffentlichen, darunter auch der Guardian, die BBC und Le Monde. In Deutschland waren auch der NDR und der WDR beteiligt.

Mossack Fonseca gründet und verwaltet seit fast 40 Jahren Briefkastenfirmen. In Deutschland wird nach SZ-Informationen seit einiger Zeit wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen Mitarbeiter der Kanzlei ermittelt. Die Kanzlei betonte auf Anfrage, sie arbeite "seit 40 Jahren ohne jede Beanstandung. Nie sind wir einer Straftat beschuldigt oder angeklagt worden." Zudem bedauere man "jedweden Missbrauch von Gesellschaften, die wir angemeldet haben, oder von Dienstleistungen, die wir erbracht haben". Solche Fälle versuche man "so weit wie möglich zu stoppen". Zu konkreten Fällen lehnte die Kanzlei jeden Kommentar ab.

Fußballer Lionel Messi taucht in den Panama Papers auf

Die geleakten Dokumente betreffen auch den Sport. So ist der argentinische Fußballspieler Lionel Messi, der Ende Mai wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung in Spanien vor Gericht stehen wird, in den Unterlagen als Begünstigter einer der Staatsanwaltschaft bis dato unbekannten Offshore-Firma geführt. Auf Anfrage wollte sich der Fußballer nicht zu der Angelegenheit äußern.

Zudem finden sich in den Unterlagen Spuren zur Fifa-Affäre. So hat der uruguayische Anwalt Juan Pedro Damiani, der als Mitglied der Fifa-Ethikkommission den Sportverband säubern soll, offenbar ausgerechnet drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen, über die womöglich Funktionäre bestochen wurden. Die Fifa-Ethikkommission hat nun Vorermittlungen gegen ihr eigenes Mitglied eingeleitet. Damiani versicherte auf Anfrage, die Kommission über die Geschäftsverbindungen informiert zu haben. Allerdings geschah dies erst, nachdem die SZ Damiani zu dem Fall befragt hatte.

© SZ vom 04.04.2016

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