Kultur und Freizeit:Diese kleinen Münchner Kinos sollten Sie kennen

Filmtheater mit Geschichte, einem ausgewählten Programm oder dem vielleicht besten Popcorn der Stadt: Unsere Empfehlungen für zehn besondere Kinos.

Von Alessa Becker und Ana Maria Michel

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Museum Lichtspiele

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Quelle: Stephan Rumpf

Im Jahr 1907 eröffnete Carl Gabriel in München ein Kino, das später als eines der ältesten der Welt gelten sollte. Das Gabriel Filmtheater an der Dachauer Straße musste jedoch 2019 nach fast 112 Jahren schließen, denn der Betrieb lohnte sich nicht mehr. Doch es war nicht das einzige Haus des Kinopioniers in München. 1910 gründete Carl Gabriel gegenüber vom Müllerschen Volksbad nahe der Ludwigsbrücke in einem früheren Varieté-Theater ein zweites Kino, das seinen Namen trug. Heute kennt man es als die Museum Lichtspiele. Dort gibt es das vielleicht beste Popcorn der Stadt und vier unterschiedlich gestaltete Säle. Beliebt ist vor allem Saal 2 im Rokoko-Stil mit plüschigen roten Sesseln. Hier läuft zweimal pro Woche in der Spätvorstellung die "Rocky Horror Picture Show" - und das bereits seit fast 45 Jahren. Der Film wird wie fast alle Produktionen im Kino auf Englisch gezeigt. Auch bei Familien sind die Museum Lichtspiele beliebt, da viele Kinderfilme im Programm stehen. Für Kinder bis einschließlich elf Jahren kostet der Eintritt 6,50 Euro. Alle anderen zahlen zwischen 9,50 und 10,50 Euro.

Museum Lichtspiele, Lilienstr. 2, 81669 München, 089/482403

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Filmtheater am Sendlinger Tor

Filmtheater am Sendlinger Tor in München, 2009

Quelle: Stephan Rumpf

Das Filmtheater am Sendlinger Tor war das dritte Münchner Kino, das von Carl Gabriel eröffnet wurde. Seit 1913 werden hier Filme gezeigt, seit 1945 ist das Kino in der Hand der Familie Preßmar. Diese würde das Filmtheater gerne auch weiterhin betreiben und streitet deshalb mit dem Eigentümer des Gebäudes vor Gericht. Das Kino ist denkmalgeschützt, ein pompöser Saal mit einem Balkon und 400 roten Sitzen erwartet die Besucher. Besonders ist auch die Fassade des Kinos mit ihren handgemalten Filmplakaten. Auf dem Programm stehen gehobener Mainstream, deutsche Filme und Arthouse. Sonntags werden gelegentlich Aufzeichnungen von Opern- oder Ballettpremieren des Londoner Royal Opera House gezeigt. Die regulären Tickets kosten zwischen sieben und zehn Euro. Montag und Dienstag ist jeweils Kinotag, dann kostet der Eintritt sieben Euro.

Filmtheater am Sendlinger Tor, Sendlinger-Tor-Platz 11, 80336 München, 089/554636

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Astor Film Lounge im Arri

Neues Arri-Kino in der Türkenstraße

Quelle: Florian Peljak

Ende 2018 eröffnete das Arri-Kino in der Maxvorstadt neu - und setzt seitdem auf Luxus. Es heißt nun Astor Film Lounge im Arri und statt einem Saal gibt es jetzt drei, die mit modernster Kinotechnik ausgestattet sind. Etwa zehn Millionen Euro hat der Umbau des Traditionskinos gekostet. Im Arri bekommt man seither Cocktails, kann Filme auf einer der größten Leinwände der Stadt sehen und es sich auf Sitzen mit verstellbaren Rückenlehnen oder Logensesseln mit ausfahrbaren Fußteilen bequem machen. Einer der Säle ist eine Art Clubkino mit Bücherregalen, besonders kuscheligen Sitzen und Service am Platz. Auf dem Spielplan stehen gehobener Mainstream und gelegentlich auch Live-Übertragungen aus der New Yorker Metropolitan Opera. Das Publikum soll sich wohlfühlen, das hat allerdings seinen Preis. Erwachsene zahlen bis 16 Uhr 12,50 Euro Eintritt, danach 14,50 Euro. Für einen Logenplatz zahlt man 15 Euro bzw. 17 Euro. Etwas günstiger sind die Tickets für Kinder bis 14 Jahren, Vorstellungen vor 16 Uhr und die Matinée am Sonntagvormittag.

Astor Film Lounge im Arri, Türkenstr. 91, 80799 München

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Neues Maxim

Neues Maxim

Quelle: Neues Maxim, Martina Dobrusky

1912 eröffnete das Lichtspieltheaters des Westens in einem früheren Kaufhaus in Neuhausen. Ein paar Namenswechsel und viele Filmvorführungen später sollte nach 104 Jahren Schluss sein im drittältesten Kino der Stadt. Doch dann verhinderte die Kino- und Eventmanagerin Anne Harder zusammen mit ein paar Mitstreitern den Tod des Maxim und machte, auch mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne, daraus das Neue Maxim. Das Programm bestand vorher vor allem aus Filmkunst, die meist nicht dem Massengeschmack entsprach. Seitdem das Kino 2016 renoviert wurde, laufen hier Arthouse-, Dokumentar- und Kinderfilme. Manche davon werden im Original mit Untertiteln gezeigt. Regelmäßig finden auch Vorstellungen statt, bei denen Babys ausdrücklich erwünscht sind. Zwei Säle hat das Neue Maxim, einer ist ein kleines Wohnzimmerkino mit wenigen Plätzen, wobei vier davon Sitzsäcke sind. Der reguläre Eintritt kostet 10,50 Euro, der ermäßigte Preis liegt bei 8,50 Euro. Für Kinderfilme zahlt man etwas weniger, für Überlänge etwas mehr. Dienstags ist Kinotag, dann bekommt man für sieben Euro ein Ticket.

Neues Maxim, Landshuter Allee 33, 80637 München, 089/89059980

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Theatiner Film

Theatiner Kino in München, 2017

Quelle: Alessandra Schellnegger

Die Sitze sind vielleicht nicht die bequemsten, doch das Theatiner muss man als Filmliebhaber einfach mögen. Nicht nur der alte denkmalgeschützte Saal mit der Ahorntäfelung hat einen gewissen Charme. Dieses Kino erzählt Filmgeschichte. Im Foyer hängen alte Filmpalakate aus dem Verleih Neue Filmkunst von Walter Kirchner. Er kaufte das Kino 1957 und brachte bedeutende Filme der französischen Nouvelle Vague und damals weitgehend unbekannte Klassiker von Buster Keaton, Sergej M. Eisenstein oder Alfred Hitchcock nach Deutschland. Nur ein Jahr nach der Eröffnung übernahm Marlies Kirchner, die Ehefrau von Walter Kirchner, die Leitung des Hauses - und sie führt es bis heute. Das Theatiner zeigt vor allem aktuelle Arthouse-Filme im Original mit Untertitel, französische Filme stehen zum Beispiel häufig im Programm. Ein Popcorn-Kino ist das Theatiner nicht, dafür gibt es andere Süßigkeiten und Getränke. Die regulären Tickets kosten 8,50 oder 9,50 Euro. Montags und dienstags ist jeweils Kinotag.

Theatiner Film, Theatinerstr. 32, 80333 München, 089/223183

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Arena und Monopol

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Quelle: Stephan Rumpf

Mit dem Arena im Glockenbachviertel und dem Monopol in Schwabing hat Christian Pfeil (im Bild) zwei Münchner Kinos wiederbelebt. Das Arena gibt es bereits seit 1912; bevor Pfeil es 2006 zusammen mit Markus Eisele übernahm, lief das Geschäft jedoch nicht besonders gut. Die neuen Betreiber erweiterten das Kino um einen Saal und modernisierten es ein wenig, ohne dabei den alte Charme aufzugeben. Das Monopol führt Pfeil seit 2005, später kam auch hier Eisele dazu. Nachdem das Kino nahe der Münchner Freiheit 2011 einem Neubau weichen musste, eröffneten sie es in einer früheren Kegelbahn in der Nähe des Nordbads neu. Vier Kinosäle gibt es hier nun, einer davon ist eine kleine Kinobar. Die Zuschauer können es sich dort auf gemütlichen Sitzen bequem machen und Getränke oder Snacks auf kleinen Tischen abstellen. Popcorn gibt es jedoch weder im Arena noch im Monopol. Das passt für die Betreiber nicht zu den Arthouse-Filme, die sie zeigen wollen. Einige davon laufen in den beiden Kinos im Original mit Untertiteln. Im Arena findet außerdem jeden ersten Mittwoch im Monat ein tschechischer Filmabend statt, jeden zweiten Mittwoch ist Queerfilmnacht. Im Monopol werden viele Dokumentarfilme gezeigt, sonntags steht eine Sneak Preview auf dem Programm, bei der Filme im Original mit Untertiteln gezeigt werden. Die Tickets kosten in beiden Kinos regulär 10,50 Euro. Der Eintritt für die Kinobar im Monopol ist mit 11,50 Euro etwas teurer. Im Arena ist dienstags Kinotag, im Monopol donnerstags, dann kosten die Tickets 8,50 Euro. 2021 haben Pfeil und Eisele übrigens auch noch den Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz übernommen.

Arena, Hans-Sachs-Str. 7, 80469 München, 089/2603265 / Monopol, Schleißheimer Str. 127, 80797 München, 089/38888493

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Cinema

"Met" Oper in Münchner Kino übertragen, 2007

Quelle: Stephan Rumpf

Das Cinema an der Nymphenburger Straße soll Ende der Siebzigerjahre das erste deutsche Programmkino gewesen sein, in dem es Popcorn zu kaufen gab. Das Popcorn gilt auch heute noch als eines der besten der Stadt. Das Kino zeichnet sich außerdem durch seinen guten Sound aus, die Technik wird regelmäßig erneuert. In dem Saal mit den 411 Sitzplätzen, die über das Parkett und einen Balkon verteilt sind, wird gehobener Mainstream gezeigt, aber auch Blockbuster. Alle Filme laufen auf Englisch ohne Untertitel. Auch im Foyer hört man viel Englisch, denn das Kino wird gerne von Menschen besucht, die etwa aus den USA oder aus England nach München gezogen sind. Die Tickets kosten zwischen 6,90 und 9,90 Euro.

Cinema, Nymphenburger Straße 31, 80335 München, 089/555255

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Studio Isabella

Isabellastraße, Straßenporträt Schwabing

Quelle: Florian Peljak

"Filmkunst in Schwabing seit 1919": Mit diesem Spruch wirbt das Studio Isabella für sich. Die großen Blockbuster findet man im Programm tatsächlich nicht. Dafür werden Independent-Filme gezeigt, und zwar in Originalsprache mit deutschem Untertitel. Jeden Mittwoch läuft in der Reihe "Cine Español" ein Film aus Spanien oder Lateinamerika im Original mit Untertitel. Die regulären Tickets kosten zwischen 8,50 und neun Euro. Montags ist Kinotag, dann kann man schon für sieben Euro Filme schauen.

Studio Isabella, Neureutherstr. 29, 80799 München, 089/2718844

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Filmmuseum

Stadtcafe in München, 2011

Quelle: Robert Haas

Retrospektiven, thematische Filmreihen und sogar Stummfilme: Das Filmmuseum am Sankt-Jakobs-Platz ist ein Paradies für Filmfans. Man kann dort zum Beispiel Klassiker wie "Metropolis" oder Filme von Münchner Regisseuren sehen. Alle Filme werden im Originalformat und in der Originalsprache mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. Gelegentlich stellen sich nach den Vorführungen Regisseure oder Schauspieler den Fragen des Publikums. Der Eintritt kostet vier Euro.

Filmmuseum, Sankt-Jakobs-Platz 1, 80331 München, 089/23396450

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Werkstattkino

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Quelle: Catherina Hess

In einem Keller im Hinterhof des Wirtshauses Fraunhofer verbirgt sich das Werkstattkino. Bevor dieser Ort ein Kino wurde, war er die Kegelbahn der Gaststätte. Das kleine Programmkino mit 46 Plätzen zeigt seit 1976 kein Mainstream-Kino, sondern Independent-Filme und manchmal auch Abwegiges. Betrieben wird es von einem Verein, die Mitglieder spüren die Filme selbst auf. Splatter, Western, Dokumentarfilme: Das Programm wechselt von Woche zu Woche und ist immer gut für Überraschungen. Der Eintritt kostet zwischen 4,50 und 5,50 Euro.

Werkstattkino, Fraunhoferstr. 9, 80469 München, 089/2607250

© SZ.de/imei
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