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Kultur:Das "Neue Maxim Kino" feiert Wiedereröffnung

München:  Neustart MAXIM-Kino an der Landshuter Allee

Die Eventmanagerin Anne Harder übernimmt die Geschäftsführung im Neuen Maxim.

(Foto: Johannes Simon)
  • Das Neue Maxim Kino eröffnet am Donnerstag, das Gebäude wurde seit Juni komplett saniert.
  • Bei der Eröffnung wird der Film "24 Wochen" gezeigt. Zu sehen gibt es in Zukunft aber nicht nur Arthouse-Filme.

Von Josef Grübl

Der Filmtitel passt nicht ganz, ansonsten läuft aber alles nach Plan: Mit "24 Wochen" eröffnet das Neue Maxim Kino am morgigen Donnerstag, in der Realität dauerte der Neustart des Neuhauser Traditionskinos aber gerade einmal fünfzehn Wochen. Ende Juni gingen im drittältesten Kino der Stadt nach 104 Jahren die Lichter aus. Natürlich war das Gejammer groß und vom Niedergang der Kultur die Rede, von geldgeilen Immobilienhaien und vom endgültigen Ausverkauf Münchens.

Online unterzeichneten fünftausend Menschen eine Petition für den Erhalt des Kinos, offline ließ sich kaum einer von ihnen dort sehen. Manchmal kamen gar keine Zuschauer mehr vorbei, oft nur ein paar wenige Stammgäste.

Das Maxim stammte aus einer Zeit, in der Kinos noch Lichtspielpaläste hießen, als es noch kein Fernsehen gab und keine Streaming-Dienste. Die Filme ratterten durch einen sehr analogen Filmprojektor, der Ton kämpfte gegen den Straßenlärm von draußen. Für Investitionen oder eine Renovierung war kein Geld da, und als dem bisherigen Kinobetreiber Siegfried Daiber die Miete erhöht wurde, musste er aufgeben. Es sah ganz danach aus, als ob auch das Maxim Opfer des Münchner Kinosterbens werden würde, das Filmcasino, das Tivoli oder die Lupe sind bereits Geschichte, demnächst muss das Eldorado schließen. An deren Stelle finden sich Cafés, Clubs oder Ladengeschäfte, Kultur bringt keine Rendite.

Doch das Schicksal meinte es gut mit dem Maxim, nur wenige Wochen nach dem Ende stand "Kino Neueröffnung im Oktober" in roten Lettern über der Tür. Gleich mehrere Interessenten hatten sich um die Räumlichkeiten bemüht. Den Zuschlag erhielten vier filmbegeisterte Münchner, die den Hausbesitzer Carsten Nickel mit ihrem Konzept eines Neuhauser Stadtteilkinos überzeugen konnten. "Es kann nicht meine Aufgabe sein, ein Geschäftsmodell zu subventionieren, das nur schlecht funktioniert", sagte Nickel noch im vergangenen Jahr, gegen einen Kinobetrieb habe er aber nichts einzuwenden. Dass das keine leeren Worte waren, konnte man in den letzten Wochen an der verkehrsumtosten Landshuter Allee deutlich sehen: Bauarbeiter stemmten die Außenwandbögen ein, der alte Kinosaal wurde entkernt, auch im Keller wurde eifrig gewerkelt.

Die Geschäftsführung des Neuen Maxim übernimmt die Kino- und Eventmanagerin Anne Harder, unterstützt wird sie von Regina Stoiber, Beate Muschler und Bernd Krause. Während im alten Maxim Filmkunst auf dem Spielplan stand, die mal politisch, mal poetisch, meistens aber jenseits des Massengeschmacks war, zeigen die vier neuen Betreiber aktuelle Programmkinohits wie "Tschick" oder das eingangs genannte Drama "24 Wochen".

Man werde aber auch Dokumentar- und Kinderfilme aufführen, sagt Beate Muschler, die als Sprecherin der Gruppe auftritt. Sogar Festivals sollen hier stattfinden. So zeige man gleich am Eröffnungswochenende "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" des philippinischen Regisseurs Lav Diaz im Rahmen des Underdox-Festivals, der Berlinale-Wettbewerbsbeitrag ist damit zum ersten Mal in München zu sehen.

Die neuen Betreiber haben viel Geld investiert, in neue Sessel, Digitalprojektoren, Soundanlage, Kassensystem - in eben alles, was man für einen modernen Kinobetrieb braucht. Einen Teil davon wollen sie mit einer Crowdfunding-Kampagne wieder hereinholen, noch bis Ende des Monats können sich Filmfans finanziell beteiligen, im Gegenzug gibt es Poster, Taschen oder Freikarten. Über Kosten wolle man nicht reden, sagt Muschler, ebenso wenig wie über die Monatsmiete, über die im Vorfeld so viel spekuliert wurde.

Der Hausbesitzer scheint aber an das Kino zu glauben: Er stellte den Betreibern einen weiteren Raum im Keller zur Verfügung, so dass es jetzt zwei Kinosäle gibt, einen mit achtzig Plätzen und einen mit dreißig. Auch die Fassade ließ er erneuern: Die vor Jahrzehnten zugemauerten Außenbögen wurden eingerissen, stattdessen hat der große Kinosaal hohe, schalldichte Fenster. "Man fühlt sich jetzt ein bisschen wie in einem Aquarium", sagt Beate Muschler lachend, die Autos rauschen nun lautlos vorbei. Bei Kinovorstellungen wird der Saal komplett abgedunkelt, ansonsten sei man auch für andere Veranstaltungen offen, Konzerte oder Lesungen etwa. "Die Verankerung im Neuhauser Kulturleben ist uns wichtig."

Übrigens war das Maxim nicht immer ein Kino: Bevor es im Jahr 1912 als "Lichtspieltheater des Westens" eröffnet wurde, residierte hier ein Kaufhaus. Während vielerorts Kinos in Konsumtempel umgewandelt werden, verlief es hier also andersrum. Ein schönes Modell, es sollte Schule machen.

Neues Maxim Kino, Eröffnung am Donnerstag, 6. Oktober, Landshuter Allee 33, www.neues-maxim.de

© SZ vom 05.10.2016/jord
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