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Corona-Krise:Welche Regeln in Bayern gelten und was sich jetzt ändert

Bis zu 100 Besucher in Innenräumen, bis zu 200 im Freien: Diese Höchstzahl gilt für alle Geburtstags- oder Hochzeitspartys, aber auch für Schulabschluss-Feiern.

(Foto: Christian Endt)

In Bayern gelten nach wie vor strenge Regeln, die helfen sollen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Auch in dieser Woche wurden aber weitere Vorschriften gelockert, für private Feiern, für Sportmannschaften oder auch Freizeiteinrichtungen. So wie bereits viele Einschränkungen schrittweise aufgehoben worden. Ein Überblick über die Regeln, die jetzt gelten, und weitere geplante Lockerungen:

Sukzessive Öffnung von Gastronomie und Tourismus

In Speiselokalen und Biergärten gilt keine Corona-Sperrstunde mehr. Gäste können also so lange bewirtet werden wie vor der Corona-Krise. In der Gastronomie gelten diverse Hygieneregeln: An einem Tisch zusammensitzen darf, wer sich nach den Regeln der Kontaktbeschränkungen treffen darf - also Verwandte und Angehörige zweier Haushalte oder Gruppen von bis zu zehn Personen. Ansonsten gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern. Gäste müssen ihren Namen und ihre Adresse angeben und dürfen den Mundschutz nur am Tisch ablegen, das Servicepersonal muss eine Atemmaske tragen. Generell geschlossen bleiben Discos und Bars. Mitte Juni kündigte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger an, bis Anfang Juli einen Weg zu finden, wie auch reine Schankwirtschaften (also Bars oder Kneipen) wieder öffnen dürfen. Das aber ist bislang ausgeblieben.

In Wirtschaften darf man seit dem 22. Juni wieder in größerer Runde einen Geburtstag, eine Hochzeit oder den Schulabschluss feiern. Auch Vereine oder Parteien dürfen sich dann wieder treffen. Für solche Feiern gilt seit dem 8. Juli als zulässige Teilnehmer-Höchstzahl: 100 Personen in Innenräumen und 200 im Freien. Dies gilt auch, wenn die Feier nicht in einem gastronomischen Betrieb über die Bühne geht.

Hotels dürfen inzwischen wieder Touristen beherbergen, allerdings keine Gruppen. Das gilt genauso für Campingplätze. Auch touristische Angebote wie Freizeitparks, die Seenschifffahrt oder Seilbahnen haben Ende Mai den Betrieb aufgenommen, Flusskreuzfahrten sind seit dem 8. Juli erlaubt. Eine Obergrenze für die Zahl der Gäste gibt es in den Hotels nicht, wohl aber strenge Hygieneauflagen. Gemeinsam in ein Zimmer darf zum Beispiel, wer sich auch sonst nach den Regeln der Kontaktbeschränkungen treffen darf. Bei Büfetts gibt es Einschränkungen. Saunen oder Schwimmbäder dürfen die Hotels seit dem 22. Juni wieder öffnen - unter Beachtung von Hygieneregeln.

Messen und Kongresse sollen in Bayern von September an wieder möglich sein.

Eingeschränkter Betrieb in Freizeiteinrichtungen

Theater, Kinos, Konzertsäle und andere Orte von Kulturveranstaltungen dürfen seit dem 15. Juni wieder öffnen. Für Veranstaltungen dort gilt eine Obergrenze von 100 Besuchern in geschlossenen Räumen und 200 Besuchern im Freien. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat aber bereits angekündigt, dass das Kabinett bei seiner Sitzung am 14. Juli diese Höchstzahlen verdoppeln werde. Alle Besucher einer solchen Veranstaltung müssen beim Betreten und Verlassen des Gebäudes eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, dürfen sie aber abnehmen, wenn sie Platz genommen haben. Gemeinsam musizieren dürfen Laienmusiker mit einem Mindestabstand von zwei Metern (bei Blasinstrumenten: drei Metern) und maximal zu zehnt (inklusive Leiter). Und wenn die recht strengen Auflagen beachtet werden, können inzwischen auch Chöre wieder proben.

Museen, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten haben ebenfalls unter Einschränkungen offen. Besucher sollten sich vorher über Öffnungszeiten informieren, Tickets sollte man in der Regel vorher online kaufen. Das gilt auch etwa für einen Besuch im Zoo, denn überall wird nur eine bestimmte Anzahl an Menschen zugelassen, die sich an der Größe der jeweiligen Einrichtung orientiert. Für die Tierparks ist neu, dass sie seit Mittwoch, 8. Juli, auch die Häuser wieder für Besucher aufsperren dürfen. Auch die Bibliotheken, Sprach- und Volkshochschulen haben wieder geöffnet.

Inzwischen stehen auch alle Bäder offen, also auch Hallenbäder und Thermen. Für Freibäder galt dies schon seit dem 8. Juni - genauso wie für Fitnessstudios, Indoor-Sportstätten und Tanzschulen (zumindest für kontaktlosen Tanz und Paartanz mit einem festen Partner). Auch hier gelten die allgemeinen Kontaktbeschränkungen. Seit dem 8. Juli an dürfen alle Freizeiteinrichtungen in Gebäuden den Betrieb aufnehmen - also zum Beispiel Indoor-Spielplätze, Spielscheunen oder entsprechende Angebote in Freizeitparks.

Was beim Sport möglich ist

Sogenannter kontaktloser Einzelsport wie Tennis, Leichtathletik, Golf und Segeln ist erlaubt, sowohl Training wie auch Wettkampf - und zwar seit dem 8. Juli an nicht mehr nur im Freien, sondern auch in der Halle. Auch Reitunterricht ist möglich.

In Mannschaftssportarten, wo es auch zu Körperkontakt kommen kann, sind Wettkämpfe hingegen nach wie vor tabu (mit Ausnahme des Profi-Bereichs). Sportmannschaften dürfen aber trainieren, ohne dass es eine generelle Obergrenze gäbe. Die richtet sich im Einzelfall nach der jeweiligen Trainingsstätte. Bis zum 7. Juli waren hier nur kontaktfreie Trainingsformen erlaubt (im Fußball zum Beispiel Schussübungen, aber kein Übungsspiel). Diese Einschränkung hat die Staatsregierung zum 8. Juli gestrichen, wenn in festen Gruppen trainiert wird. Bei Kampfsportarten darf eine solche Trainingsgruppe nicht größer als fünf Personen sein.

Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht

Seit dem 6. Mai gilt in Bayern eine Kontaktbeschränkung. Jeder ist grundsätzlich verpflichtet, möglichst wenige Menschen zu treffen, die nicht mit ihm zusammenleben, und dabei einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. War es bis Mitte Juni nur erlaubt, die engere Familie zu treffen und zu besuchen oder Angehörige eines weiteren Hausstands, so ist diese Regel inzwischen deutlich gelockert. Für Treffen daheim werden keine Beschränkungen oder Höchstzahlen mehr vorgeschrieben; man soll sich aber auch dort an den Mindestabstand halten. Im öffentlichen Raum dürfen sich nun auch Gruppen von bis zu zehn Menschen treffen, unabhängig davon, ob sie verwandt sind oder mit wem sie zusammenleben.

In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens gilt seit dem 27. April eine Maskenpflicht - in Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln, Arztpraxen, Altenheimen und vielen mehr. Man muss dort aber keine richtige Schutzmaske tragen, es reicht eine Bedeckung von Mund und Nase, die man sich auch selber nähen kann, ein Schal oder Tuch. Zugleich müsse der Mindestabstand von 1,5 Metern unbedingt weiter eingehalten werden, fordern Experten. Eine Bedeckung tragen muss jeder ab dem sechsten Geburtstag. Wer das nicht tut, muss 150 Euro Strafe zahlen. Die Polizei und das Personal in Bussen und Bahnen sollen kontrollieren, dass die Maskenpflicht eingehalten wird. Im Nahverkehr heißt das konkret: Die Maskenpflicht gilt nicht nur in Bussen, Bahnen oder Taxis, sondern auch beim Warten an der Haltestelle oder am Bahnsteig.

Wieder mehr Besuche in Kliniken und Pflegeheimen in Bayern erlaubt

Angesichts der deutlich gesunkenen Corona-Zahlen hat Bayern Ende Juni die Besuchsbeschränkungen in Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen gelockert. Die Einrichtungen sollen damit wieder deutlich mehr Besuche ermöglichen können. Zuvor gab es Ausnahmen nur für Geburts- und Kinderstationen, für Palliativstationen und Hospize sowie für je eine feste Kontaktperson. Vorgeschrieben sind aber weiter Mindestabstände, Hygieneregeln und ein Betretungsverbot bei Krankheitssymptomen. Seit Ende Mai gilt auch das Verbot für Alten- oder Behindertenheime nicht mehr, neue Bewohner aufzunehmen. Ob sie das tun, sollen die Einrichtungen selbst entscheiden - sie brauchen dafür ein eigenes Schutzkonzept.

Geschäfte wieder offen

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Alle Geschäfte in Bayern dürfen unabhängig von ihrer Größe öffnen - auch Kaufhäuser und Shoppingcenter. Sie alle brauchen dafür ein Sicherheits- und Hygienekonzept: zum Beispiel Einlasskontrollen und einen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen einzelnen Personen im Laden. Rechnerisch darf sich auf zehn Quadratmetern Fläche jeweils nur ein Kunde aufhalten.

Friseure arbeiten unter Einhaltung spezieller Schutzmaßnahmen: Hier gilt ebenfalls die Maskenpflicht. Haarewaschen ist obligatorisch, Zeitschriften und Kaffeetrinken sind verboten. Alle Kunden müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen. Auch Nagel- und Kosmetikstudios dürfen ihre Dienste wieder anbieten.

Schulen und Kitas öffnen langsam wieder

Die Kindertagesstätten sind bis 1. Juli schrittweise wieder geöffnet worden. Seit dem 25. Mai durften alle Vorschulkinder wieder in den Kindergarten - und auch ihre Geschwister, sofern sie dieselbe Einrichtung besuchen. Auch die Waldkindergärten sowie die Großtagespflege für maximal zehn Kinder gleichzeitig, die von zwei oder drei Personen betreut werden, sind jetzt wieder geöffnet. Seit dem 15. Juni, also seit den Pfingstferien, wurden die Kinder in die Kitas aufgenommen, die im Schuljahr 2021/22 schulpflichtig werden, sowie die Krippenkinder, die im Herbst in den Kindergarten kommen. Und seit dem 1. Juli an dürfen alle Kinder wieder ihre Einrichtung besuchen. Auch können sich bis zu drei Familien zusammentun, um im Wechsel die Kinder zu betreuen. Einen Spielplatz zu besuchen, ist seit Anfang Mai wieder möglich.

Der Betrieb an den Schulen wurde Ende April nach einer langen Zwangspause mit den Abschlussklassen wieder aufgenommen. Nach und nach kamen die anderen Klassenstufen dazu - und seit dem Ende der Pfingstferien gibt es wieder Präsenzunterricht für alle Schüler und alle Altersklassen. Auch der Sportunterricht inzwischen zulässig. Von einem normalen Schulalltag kann allerdings noch keine Rede sein: Die Staatsregierung empfiehlt, dass ein wöchentlicher Wechsel zwischen Präsenzunterricht in der Schule und Unterricht zu Hause stattfindet. Manche Schulen wechseln auch tageweise. Unterrichtet wird in Gruppen von höchstens 15 Schülern, Tische werden auseinandergerückt. Eine Maskenpflicht gilt nicht während des Unterrichts, aber etwa auf den Gängen oder den Toiletten. Die Staatsregierung hat das Ziel ausgegeben, dass nach den Sommerferien an den Schulen wieder ein "Regelbetrieb" möglich sein soll - dann ohne Mindestabstand und nach dem normalen Stundenplan.

Demonstrationen erlaubt - unter einer Bedingung

Seit dem 15. Juni sind weitgehende Beschränkungen für Versammlungen und Demonstrationen entfallen. Sie sind nun generell wieder erlaubt, so lange alle Teilnehmer untereinander und auch zu Dritten (wie zum Beispiel Passanten) den Mindestabstand einhalten. Die örtlichen Behörden müssen das gegebenenfalls durch Auflagen sicherstellen - oder indem sie eine Demo auf 100 Personen an einem festen Ort beschränken. Das generelle Verbot von Demonstrationszügen oder auch die Höchstdauer von einer Stunde sind gestrichen worden.

Gottesdienste seit 4. Mai möglich

Religiöse Zusammenkünfte sind unter Auflagen erlaubt. Dazu gehört laut Staatsregierung ein Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Besuchern, sofern sie nicht in einem Haushalt zusammenleben. Beim Betreten oder Verlassen einer Kirche, Synagoge oder Moschee muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden. Zudem sind spezielle Hygieneregeln nötig - zum Beispiel: keine Berührung bei der Ausgabe der Kommunion, kein Kuss auf die Thora in der Synagoge, in den Moscheen soll jeder seinen Gebetsteppich und Koran selbst mitbringen, in den Kirchen das Gesangsbesuch, Kirchentüren sollen offen stehen. Zum 22. Juni wurde nicht nur der Mindestabstand reduziert; entfallen sind auch die zulässige Höchstdauer eines Gottesdienstes von einer Stunde und die generelle Maskenpflicht.

Keine Großveranstaltungen bis 31. August

Großveranstaltungen und Feste bleiben auch in Bayern weiter grundsätzlich untersagt. Zahlreiche Volksfeste, Veranstaltungen und Festivals sind dementsprechend bereits abgesagt worden - zum Beispiel das Münchner Oktoberfest.

© SZ.de/mmo/huy
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