Corona-Krise im Freistaat:Welche Regeln aktuell in Bayern gelten

Maskenpflicht im Unterricht Grundschule

Am Platz gilt in den Schulen keine Maskenpflicht mehr, nur in den Gängen. In den Grundschulen reicht dafür ab sofort auch eine Stoffmaske.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Maskenpflicht an Schulen ist weiter entschärft, Klubs und Discos haben offen, in Restaurants müssen keine Kontaktdaten mehr angegeben werden: Ein Überblick über die gelockerten Corona-Einschränkungen.

Von Max Ferstl und Kassian Stroh

In Bayern sind die Corona-Regeln inzwischen weitgehend gelockert worden. Auch Clubs dürfen wieder öffnen, Volksfeste sind erlaubt. Zudem müssen Schülerinnen und Schüler seit dem 4. Oktober am Platz keine Maske mehr tragen, sondern nur noch außerhalb des Klassenzimmers. Auch volle Fußballstadien oder volle Konzertsäle sind nun wieder möglich, wenn sich der Veranstalter für die 2-G-Regel oder die sogenannte 3-G-plus-Regel entscheidet. Bei der 2-G-Regel haben nur Geimpfte und von Corona Genesene Zutritt. Bei der 3-G-plus-Regel dürfen auch Ungeimpfte kommen, wenn sie einen gültigen PCR-Test vorlegen können; ein Antigen-Schnelltest reicht dann nicht mehr aus.

Die jüngste Lockerung: Seit Freitag, 15. Oktober, entfällt in vielen Betrieben und Einrichtungen die Pflicht, die Kontaktdaten der Besucher zu erfassen. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Regelungen im Überblick.

2G, 3G oder 3G plus

Kernstück der Corona-Regelungen in Bayern ist die 3-G-Regel. Sie besagt, dass viele Innenräume nur noch Menschen betreten dürfen, die vollständig gegen Corona geimpft sind, die im zurückliegenden halben Jahr Covid-19 hatten oder die einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen (3G: geimpft, genesen, getestet). Das gilt zum Beispiel bei Kultur- oder Sportveranstaltungen, beim Friseur, in der Gastronomie, Altenheimen und Kliniken. Die 3-G-Regel gilt aber nicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln, in privaten Räumen (also zum Beispiel Wohnungen), bei Veranstaltungen im Freien (sofern nicht mehr als 1000 Menschen dorthin kommen), bei Gottesdiensten und Demonstrationen. Für Schulen und Kitas gibt es Sonderregeln (siehe unten).

Überall dort, wo 3G vorgeschrieben ist, kann der jeweilige Veranstalter oder Hausherr freiwillig die 3-G-Regel erweitern: entweder auf 3G plus oder auf 2G. 3G plus ist dasselbe wie 3G, allerdings gilt dann nur ein negativer PCR-Test, kein Schnelltest. Und 2G bedeutet, dass nur Geimpfte und Genesene Zutritt bekommen, nicht aber negativ Getestete. In beiden Fällen gelten für die jeweilige Einrichtung oder Veranstaltung Erleichterungen: Dann entfallen die Maskenpflicht und Personenobergrenzen, auch Fußballstadien dürfen dann zum Beispiel voll besetzt werden; es muss kein Mindestabstand eingehalten werden und man darf auch bei Großveranstaltungen Alkohol verkaufen. In allen Bereichen, in denen 3G, 3G plus oder 2 G gilt, müssen sich auch Mitarbeiter mit Kundenkontakt an die jeweilige Regel halten.

Ausgenommen von 3G sind Kinder bis zum sechsten Geburtstag und noch nicht eingeschulte Kinder. Und alle, die zur Schule gehen und dort regelmäßig getestet werden (siehe unten), müssen keinen eigenen Testnachweis vorlegen, hier reicht beispielsweise ein Schülerausweis. Bei 3G plus gelten sie ebenfalls als getestet.

Die 2-G-, 3-G- und 3-G-plus-Regelungen gelten nicht in jenen Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz weniger als 35 beträgt (das ist aktuell in einem guten Dutzend Kommunen in Bayern der Fall). In Alten- und Pflegeheimen, bei Messen und bei Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern, auch im Freien, gilt 3G auch bei einer Inzidenz von weniger als 35.

Testnachweise müssen beim Zutritt schriftlich vorgelegt werden (ausgedruckt oder auf dem Handy). Ein PCR-Test darf nicht mehr als 48 Stunden zurückliegen, ein Schnelltest nicht mehr als 24 Stunden. Ein Selbsttest reicht nur, wenn er unter Aufsicht vorgenommen wurde, was schriftlich bestätigt wird (maximal 24 Stunden alt).

Wo 3G überall greift: bei Veranstaltungen, in Sportstätten, Fitnessstudios, allen Kultureinrichtungen inklusive Kinos, in Museen und Gedenkstätten, Beherbergungsbetrieben, Hochschulen, Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern, Bibliotheken und Archiven, und es betrifft auch die außerschulischen Bildungsangebote wie Musikschulen und Fahrschulen sowie die Erwachsenenbildung, außerdem Freizeiteinrichtungen einschließlich Bädern, Saunen, Freizeitparks, Indoorspielplätzen, Seilbahnen und Ausflugsschiffen, Spielhallen und -banken, Wettannahmestellen sowie den touristischen Reisebusverkehr. 3G gilt auch bei "Dienstleistungen, bei denen eine körperliche Nähe zum Kunden unabdingbar ist", also zum Beispiel beim Friseur, nicht aber bei Ärzten oder Therapeuten.

Die Maskenpflicht

In vielen Bereichen musste in Bayern bisher eine FFP2-Maske getragen werden, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Geschäften; diese Regel war strenger als in anderen Bundesländern. Mittlerweile wurde diese Vorschrift gelockert und umgewandelt in die Pflicht, eine medizinische Maske zu tragen, also eine sogenannte OP-Maske. (Auch FFP2-Masken sind natürlich weiter erlaubt.)

Im Freien gibt es generell keine Maskenpflicht mehr - mit einer Ausnahme: die Eingangs- und Begegnungsbereiche bei größeren Veranstaltungen, also etwa die Zugänge oder der Weg zur Toilette im Fußballstadion.

Pflicht ist die Maske generell in öffentlichen Verkehrsmitteln (dazu zählen auch Taxen) und in Bahnhöfen, sofern diese nicht im Freien sind, sowie in geschlossenen Räumen (mit Ausnahme von Privaträumen). In letzteren darf sie aber abgenommen werden, wenn zum Beispiel bei einer Veranstaltung oder im Kino an jedem Platz zuverlässig ein Mindestabstand von 1,5 Meter zu anderen Personen eingehalten wird, mit denen man nicht zusammenlebt, oder wenn der Veranstalter die 2-G- oder 3-G-plus-Regel anwendet, dann darf auch jeder Platz im Kino besetzt sein. Abgenommen werden dürfen Masken immer in der Gastronomie am Platz.

Kontaktbeschränkungen und Personen-Obergrenzen

Die alten Kontaktbeschränkungen, die sich zuletzt nach der örtlichen Inzidenz richteten, sind komplett entfallen. Man darf sich in Bayern also treffen, mit wem und wann und wo man will - in öffentlichen wie in privaten Räumen.

Generell gestrichen sind auch die Besucher-Limits in Geschäften und Dienstleistungsbetrieben.

Ganz generell soll aber jeder weiter, wo immer möglich, zu anderen Menschen einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten sowie auf Handhygiene und die gute Belüftung von Innenräumen achten.

Schulen, Kitas und Hochschulen

An den Schulen gibt es Präsenzunterricht - unabhängig von der Inzidenz sowie der Größe der Räume oder der Klassen. Alle bisherigen Regelungen zu Wechsel- oder Distanzunterricht sind also gestrichen.

Die Maskenpflicht an den Schulen ist seit dem 4. Oktober gelockert. Seitdem müssen Schülerinnen und Schüler am Platz - anders als bisher - keine Maske mehr tragen. Außerhalb des Klassenzimmers im Schulhaus gilt die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske weiterhin, in den Grundschulen reicht auch eine Maske aus Stoff.

An den Schulen wird getestet: Dreimal die Woche gibt es für alle Kinder und Jugendlichen einen Selbsttest unter Aufsicht, sofern sie nicht einen negativen Schnell- oder PCR-Test vorlegen. An den Grund- und Förderschulen soll es für alle sogenannte Lolli-Tests geben, also PCR-Pooltests - dann nur noch zweimal die Woche. Geimpfte und genesene Schüler sind von der Testpflicht befreit. Weiterhin sollen Klassen nicht als ganze in Quarantäne geschickt werden, wenn dort ein Corona-Fall auftritt, sondern allenfalls noch Schülerinnen und Schüler, die engen Kontakt zu der infizierten Person hatten - das wird im Einzelfall entschieden. Diese Quarantäne kann dann bereits nach fünf Tagen durch einen negativen Corona-Test beendet werden; diese Verkürzung ist auch für Lehrer möglich.

Die mögliche Verkürzung einer Quarantäne auf fünf Tage gilt jetzt auch in den Kindertagesstätten, also Krippen, Kindergärten und Horten - und zwar für Kinder wie Personal. In den Kitas wurde ansonsten die Vorschrift gestrichen, bei einer Inzidenz von mehr als 100 nur einen eingeschränkten Regelbetrieb anzubieten. Es gibt also inzidenzunabhängig überall regulären Betrieb. Kitas, heilpädagogische Tagesstätten und schulvorbereitende Einrichtungen müssen den Kindern zweimal wöchentlich einen freiwilligen Selbsttest anbieten - das soll es bis Jahresende weiter geben. Beschäftigte müssen sich mindestens dreimal in der Woche testen, wenn sie nicht geimpft oder genesen sind. Es sollen künftig auch PCR-Pool-Tests, wie an den Schulen, angeboten werden.

An den Hochschulen gilt die 3-G-Regel, damit sollen Präsenzveranstaltungen wieder zur Normalität werden. Für Studentinnen und Studenten bleiben Corona-Tests bis zum Ende des Jahres kostenlos. Wird der Mindestabstand nicht eingehalten, muss auch am Platz eine Maske getragen werden.

Regeln für Gastronomie, Hotels und Volksfeste

In der Gastronomie darf die Maske abgenommen werden, wenn man am Tisch sitzt; in reinen Schankwirtschaften darf man jetzt auch wieder am Tresen stehen und trinken. Wenn der Wirt 3G plus einführt, dürfen seine Gäste auch tanzen. Die Corona-Sperrstunde um ein Uhr nachts ist generell gestrichen worden.

In einem Hotelzimmer darf zusammen übernachten, wer möchte (bisher galten hier die Kontaktbeschränkungen). Kommen dürfen nur Geimpfte, Genesene und Menschen mit einem negativen Corona-Test (3G). In Beherbergungsbetrieben muss ein solcher beim Einchecken und danach alle 72 Stunden vorgelegt werden.

Clubs und Diskotheken dürfen seit Oktober wieder öffnen. Besucher können ohne Maske und Abstandsregeln tanzen. Rein darf allerdings nur, wer geimpft, genesen oder einen negativen PCR-Test vorzeigen kann (3G plus). Ein Antigentest reicht dafür nicht. Unter den gleichen Zugangsbedingungen dürfen auch Bordelle wieder öffnen.

Auch Volksfeste und Weihnachtsmärkte dürfen wieder stattfinden. Für sie gilt die 3-G-Regel, wonach nur Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete Zutritt haben.

Kontaktdaten

Seit Freitag, 15. Oktober, fällt in vielen Bereichen die Pflicht, Kundendaten zu erfassen. In der Gastronomie oder bei kulturellen Veranstaltungen müssen Kunden und Besucher dann keine persönlichen Daten mehr angeben. Nur noch in Bereichen, in denen aus Sicht der bayerischen Regierung das Risiko für viele Ansteckungen besonders hoch ist, müssen die Daten weiter erfasst werden. Dazu zählen: alle geschlossenen Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen, Clubs, Diskotheken, Bordelle sowie gastronomische Angebote mit Tanzmusik. Das gilt auch für körpernahe Dienstleistungen und Gemeinschaftsunterkünfte (etwa Schlafsäle in Hütten).

Sonderregeln für Gottesdienste und Versammlungen nach dem Versammlungsrecht

In geschlossenen Räumen gibt es für Gottesdienste und Versammlungen keine Höchstzahl an Besuchern mehr, wenn dort die 3-G-Regel eingehalten wird. Wenn die jeweilige Kirche oder der Versammlungsleiter dies nicht will, gilt weiter die bisherige Besucherbeschränkung, die sich nach dem verfügbaren Platz richtet. Bei Demonstrationen unter freiem Himmel muss der Mindestabstand eingehalten werden. Für die Maskenpflicht gelten die allgemeinen Regeln, das Gesangsverbot in Kirchen entfällt komplett.

Krankenhausampel statt Sieben-Tage-Inzidenz

Bis zum September haben sich in Bayern viele Regeln nach der örtlichen Sieben-Tage-Inzidenz gerichtet. Das ist nahezu komplett entfallen (mit einer Ausnahme: 3G gilt erst bei einer Inzidenz von mehr als 35 - siehe oben). Die Staatsregierung hat allerdings eine sogenannte Krankenhausampel eingeführt - mit den Stufen Gelb und Rot. Momentan steht sie auf Grün.

Gelb ist erreicht, wenn in einer Woche mehr als 1200 Covid-19-Patienten in Bayerns Krankenhäuser kommen (egal ob auf Intensiv- oder Normalstation). In diesem Fall verhängt die Staatsregierung landesweit oder regional schärfere Regeln - zum Beispiel Kontaktbeschränkungen für Nicht-Geimpfte, Personenobergrenzen bei Veranstaltungen oder eine FFP2-Maskenpflicht.

Rot ist erreicht, wenn bayernweit mehr als 600 Corona-Patienten auf einer Intensivstation liegen. Dann verfügt die Regierung "weitere Maßnahmen", die allerdings nicht näher erläutert werden und sich auch auf einzelne Regionen beschränken können.

Wer als geimpft und genesen gilt

Als genesen gilt, wer vor mindestens 28 Tagen und höchstens einem halben Jahr positiv auf das Coronavirus getestet wurde und das nachweisen kann. Als geimpft gilt, bei wem seit der abschließenden Impfung mehr als 14 Tage vergangen sind (nachzuweisen durch ein digitales Impfzertifikat oder den Impfpass aus Papier). Die abschließende Impfung ist in der Regel die Gabe der zweiten Dosis, der Impfstoff von Johnson & Johnson wird nur einmal gespritzt. Zudem kann es sein, dass bei ehemaligen, genesenen Covid-19-Patienten vom Arzt eine einzelne Dosis für die Immunisierung als ausreichend erachtet wird.

Regeln bei der Einreise nach Bayern

Bis zum Mai hatte Bayern eine eigene Corona-Einreiseverordnung. Seit dem 13. Mai aber gilt die bundesweite, die zum 1. August entscheidend verschärft worden ist. Demnach muss jeder, der aus dem Ausland nach Deutschland einreist, einen negativen Corona-Test vorlegen - sofern er älter als 12 Jahre und nicht geimpft oder genesen ist. Auch entfällt künftig die Kategorie "Risikogebiet", stattdessen werden Länder künftig als "Hochrisikogebiete" oder "Virusvariantengebiete" klassifiziert. Für Einreisende von dort gelten Quarantäne-Pflichten. Die Reise-Regeln im Überblick.

Hier finden Sie den Wortlaut der 14. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (14. BayIfSMV), die seit dem 2. September und bis mindestens zum 29. Oktober gültig ist.

© SZ.de/mmo/vewo/amm/cws/infu/van/kbl/sim/sonn
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