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Martin Sonneborn:"Ich akzeptiere keinen Ausländer als Chef des EU-Parlaments"

Martin Sonneborn ist enttäuscht von Franz Beckenbauer: Ich dachte, wir hätten beide ehrenamtlich für unser Land gearbeitet.

(Foto: imago stock&people)

Der Europaabgeordnete Martin Sonneborn über den Abgang von Martin Schulz aus Brüssel, Donald Trump - und seinen Versuch, eine kommunistische Plattform innerhalb der FDP zu gründen.

Irgendwann reichte es Martin Sonneborn nicht mehr, Satiriker für das Titanic-Magazin oder die heute-show zu sein. Er musste sich unbedingt für seine Spaß-Partei ins EU-Parlament wählen lassen. Das hat er nun davon: Viel zu viel Geld, das er gar nicht ausgibt, weil er lieber zuhause in Brüssel mit seiner Familie Nudeln isst.

Weil er sich nirgendwo richtig vertreten sah, gründete er 2004 die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei), den politischen Ableger der Satirezeitschrift Titanic, für die er vor zwei Jahren in das Europaparlament gewählt wurde. Früher war Sonneborn schon mal Mitglied in der FDP und wollte mit Freunden in Berlin bei den Liberalen eine "kommunistische Plattform etablieren". Anschließend wurde er auch Mitglied in fast sämtlichen anderen Parteien. Auch bei der Sozialdemokratie: "Ich habe die SPD sehr geschätzt, unter Willy Brandt etwa. Jetzt aber haben sie den grotesken Politclown Sigmar Gabriel."

"Die Partei" klagt gegen die Bundestagsverwaltung

Inzwischen wird die Forderung seiner Partei, die Berliner Mauer wieder aufzubauen, vom designierten US-Präsident Donald Trump getoppt, der eine Mauer zu Mexiko errichten möchte. Für Sonneborn ist da Schluss mit lustig: "Wir betreiben ehrbaren Populismus seit 2004. Jetzt kommt ein dahergelaufener Schwachkopf und gewinnt mit unseriösem Populismus viel mehr Stimmen." Dies sei "erniedrigend und demütigend", sagt er im Gespräch mit der SZ.

Zu den weiteren Forderungen seiner Partei gehört "ein Existenzmaximum von einer Million Euro". Auch will sie "Peter Altmaier und Sigmar Gabriel fracken", "weil wir glauben, dass ungeheure Energiereserven in diesen Kolossen schlummern, die uns auf Jahre hinaus unabhängig machen vom Russengas. Das ist moderne Turbopolitik!"

Doch gerade hat er Probleme mit der Bundestagsverwaltung, die von der Satirepartei rund 72 000 Euro an Zuschüssen zurückfordert und eine Strafzahlung von rund 384 000 Euro erlassen hat.

In dem Interview der Serie "Reden wir über Geld" spricht Sonneborn zudem darüber, dass er besonders stolz darauf sei, dass die Titanic "die WM 2006 nach Deutschland geholt" habe. Von Franz Beckenbauer und seine Rolle im Bestechungsskandal allerdings sei er menschlich enttäuscht: "Ich dachte, wir hätten beide ehrenamtlich für unser Land gearbeitet."

© SZ.de/lala/hgn

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