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Lernmethoden im Vergleich: Online oder vor Ort?
Lernmethoden im Vergleich: Online oder vor Ort?

Ideal für den Lernerfolg: die Kombination von Präsenz- und Online-Fortbildungen. Foto: Adobe Stock

Bildung aktuell

Lernmethoden im Vergleich: Online oder vor Ort?

Unterschiede zwischen Online- und Präsenz-Weiterbildungen: Flexibilität und Kosteneffizienz bei Online-Kursen treffen auf persönliche Erfahrung und Netzwerken bei Präsenzveranstaltungen.

Lebenslanges Lernen ist heute für jeden Berufstätigen zur Pflicht geworden. Fort- und Weiterbildungen sind nicht nur ein Mittel, um mit den neuesten Entwicklungen Schritt zu halten, sondern auch ein Schlüssel, um die eigene Karriere voranzutreiben. Befeuert vom Digitalisierungsdruck während der Pandemie konkurriert die klassische Fortbildung in Präsenz neuerdings stark mit Online-Kursen, die ausschließlich digital via Internet stattfinden. Viele fragen sich, welche Lernform die bessere ist: online oder offline?

Für die Online-Weiterbildung spricht in der Tat einiges. Sie ist im Vergleich zu Präsenzkursen flexibler und erlaubt es den Lernenden, ihren eigenen Zeitplan zu gestalten. Davon profitieren besonders Berufstätige, die nebenbei weiterlernen möchten, ohne ihre gewohnten Arbeitsabläufe zu beeinträchtigen. Hinzu kommt die örtliche Unabhängigkeit. Online-Trainings können von überall absolviert werden. Das spart nicht nur Reisekosten und -zeit, es ermöglicht Lernenden auch von verschiedenen Standorten aus an dem gleichen Training teilzunehmen. E-Learning-Anbieter profitieren ebenfalls: Wurde ein Online-Kurs, etwa für die Schulung neuer Mitarbeitender, einmal erstellt, kann er künftig für alle Neueinstellungen genutzt werden. Ebenso lässt sich E-Learning mit einfachen Mitteln konzernweit ausrollen. Dadurch, dass jeder Teilnehmer exakt die gleiche Schulung durchläuft, haben Unternehmen mit E-Learning außerdem den Vorteil, dass sie zu hundert Prozent kontrollieren können, welches Wissen vermittelt wurde.

Von MOOCs zu Webinaren

Für die Online-Weiterbildung steht inzwischen eine ganze Reihe von Formaten zur Verfügung. Nur ein paar Beispiele: Erklärvideos erörtern komplexe Themen mit Hilfe von Animationen, illustrierten Grafiken und Sounds. Massive Open Online Courses (MOOCs), oft von renommierten Universitäten angeboten, erlauben es, komplexe Themen wie Kl oder Finanzwesen zu studieren. Lernplattformen wie Coursera, Udemy oder LinkedIn Learning bieten eine Vielzahl von Kursen in verschiedenen Bereichen wie Programmierung, Grafikdesign, Unternehmertum und anderes mehr. Sehr beliebt sind inzwischen Webinare - Online-Seminare, bei denen man über das Internet und Conferencing-Tools wie Zoom an einem Vortrag, einer Präsentation oder einem Workshop teilnimmt. Die virtuell Anwesenden können nicht nur zuhören, sondern auch Fragen stellen und manchmal auch bei interaktiven Aktivitäten mitmachen. Solche Webinare werden oft für Bildungs- oder Informationszwecke genutzt, aber auch für Verkaufspräsentationen, Schulungen oder Unternehmensmeetings. Die digitalen Seminare punkten vor allem damit, dass sie sich einfach in den Arbeitstag integrieren lassen, ohne dafür einen ganzen oder gar mehrere Tage investieren zu müssen. Viele Firmen bieten inzwischen Webinare in Eigenregie für ihre Mitarbeitenden an - interne Pflichtveranstaltungen, etwa jährliche Sicherheitsunterweisungen oder anwendungsorientierte Programm-Schulungen.

Barbara Müller beispielsweise, Verantwortliche für das Thema Lernen bei einem mittelständischen Pharmaunternehmen, organisiert Webinare für medizinische Fachangestellte und Ärzte. „Bei uns hat Corona den Schub für Webinare gebracht“, sagt Müller. „Während vorher viele Mitarbeiter Vorbehalte gegen digitales Lernen hatten, waren während Corona alle gefordert, diese neuen Kanäle auszuprobieren.“ Das hat sich ausgezahlt. Die angesprochene Zielgruppe hat damals gelernt, welche Vorteile mit Webinaren verbunden sind: „Bei uns kommen die Mitarbeiter aus allen Teilen Deutschlands. Ein wesentlicher Punkt für viele bei uns war deshalb, dass der Fahraufwand zu den Präsenzveranstaltungen entfällt“, erklärt die Lernmanagerin. Entsprechend positiv war die Resonanz. „Ich habe mit großer Begeisterung die tollen Kurse absolviert und bin wirklich erfreut, dass es somit neben dem Praxisalltag möglich ist, auf unkomplizierte Art und Weise Weiterbildungen überhaupt durchzuführen“, schreibt eine Webinar-Teilnehmerin.

Webinare werden nicht nur firmenintern angeboten und genutzt, sondern auch von externen Dienstleistern für ein breites Publikum bereitgestellt. Von MS Office-Schulungen, Führungsseminaren und IHK oder Handwerkskammer (HWK)-Weiterbildungen bis hin zu Sprachkursen können Interessierte online auf Portalen wie Udemy inzwischen alle möglichen Themen belegen. Auch viele Kurse, die eigentlich immer einen praktischen Teil haben, wie zum Beispiel Erste-Hilfe-Kurse, finden sich inzwischen im Netz. Viele Anbieter stellen Zertifikate aus, die die Teilnahme oder eine bestimmte Kompetenz bestätigen.

Vor Ort weiter attraktiv

Trotz der Vorteile von Online-Veranstaltungen präferieren viele Angestellte weiterhin klassische Präsenzschulungen vor Ort. Das ist auch in Barbara Müllers Firma so. Sehr erstaunlich ist das nicht, denn bei Weiterbildungen geht es nicht nur um die reine Vermittlung von Fachwissen. Neben praktischen Übungen und dem physischen Face-to-Face-Kontakt spielt vor allem auch der persönliche Erfahrungsaustausch eine wichtige Rolle. Barbara Müller ist diese Einschränkung bewusst: „Die Affinität zum E-Learning ist schon auch ein bisschen typabhängig“, sagt sie. „Manche finden es super, weil sie das gut in ihre Arbeitsabläufe integrieren können. Andere können damit nichts anfangen, weil ihnen das Persönliche fehlt. Mitarbeiter, die überhaupt nicht Computer-affin sind, kann man damit nicht gut erreichen.“

Vor allem Netzwerken und der persönliche Kontakt erweisen sich bei Präsenzkursen für viele als ungemein wertvoll. Teilnehmer können neue Kontakte knüpfen und alte pflegen. In der Regel gibt es gemeinsame Pausen, ein gemeinsames Mittagessen, eventuell sogar einen gemeinsamen Ausklang. Netzwerken und Interaktivität ist bei Internet-Kursen mit Community zwar auch möglich, jedoch weniger intensiv als auf einer Präsenzschulung. „Wir versuchen diesen Nachteil ein Stück weit aufzufangen, indem wir bei digitalen Meetings Subgruppen bilden“, sagt die Teammanagerin. „Beispielsweise kann man in Microsoft Teams oder in Zoom auch Kleingruppen bilden und diese dann bestimmte Aufgaben bearbeiten lassen. Wir schauen auch, dass die Gruppen nicht zu groß werden, damit auch noch der Mut da ist, Fragen zu stellen.“

Eine ganze Reihe von Studien hat die Effizienz von Online- versus Präsenz-Weiterbildung untersucht. Die Meta-Studie „Does eLearning work? What the scientific reseach says“ hat mehrere dieser Studien ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass E-Learning-Angebote geringfügig besser abschneiden als Präsenzkurse. Letztendlich besteht bezüglich der Effektivität aber kaum ein Unterschied zwischen Präsenz und Digital. Als deutlich effektiver hat sich allerdings die Synthese aus beiden Lernformen erwiesen. Das so genannte Blended Learning ist leistungsfähiger als die beiden anderen Methoden alleine. Blended Learning kombiniert Elemente aus beiden Ansätzen - Präsenz- und E-Learning - indem es sowohl physische als auch Online-Komponenten in einen Lehrplan integriert. Die beiden Lernformen werden so verzahnt und zu einer Einheit zusammengeführt, dass die Vorteile der jeweiligen Lernform eingebracht und die Nachteile der jeweils anderen Lernform zurückgedrängt werden. Teilnehmer können also sowohl von der Flexibilität des Online-Lernens als auch von der persönlichen Interaktion in Präsenzveranstaltungen profitieren. Insgesamt gibt es kein richtiges“ oder falsches“ Format für Weiterbildungen. Die Wahl zwischen Online- und Präsenzangeboten hängt von individuellen Bedürfnissen, Lernstilen und Zielen ab. Während Online-Weiterbildungen Flexibilität und Zugänglichkeit bieten, ermöglichen Präsenzveranstaltungen stärker interaktive und persönliche Lernerfahrungen. Abseits vom Format sollten Verantwortliche nicht aus den Augen verlieren: Fortbildungen müssen fachlich fundiert sein. Weiterbildungsanbieter sollten aus Sicht der Befragten Fachexpertise, hohe Qualitätsstandards, Praxisnähe und Vereinbarkeit mit dem Beruf sicherstellen.

Klaus Manhart

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 23.02.2024

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