CDU nach Merkel:Tierchen und die Anti-Merkel-Troika

Lesezeit: 8 min

Peter Altmaier

Wer ist das? Wie ein Tierchen, sagte Peter Altmaier vor der Bundestagswahl, betrachte er jedes neue Amt: "Das schaue ich mir an und frage: Was bist du für eins?" Tatsächlich hatte der 60-Jährige schon gefühlt fast jedes partei- oder bundespolitische Amt inne.

Was macht der? Merkel hat Altmaier das Wirtschaftsministerium anvertraut, was sich wie ein Trostpreis angefühlt haben muss. Er war zuletzt kommissarisch für das Finanzministerium zuständig und hätte die Macht über das Geld gern behalten. Vorher war Altmaier Beamter in der EU-Kommission, parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, Innenstaatssekretär, Umweltminister, Chef des Kanzleramts und Minister für besondere Aufgaben.

Wofür steht er? Altmaier ist einer der liberaleren, moderneren Christdemokraten. Doch ein zentrales Thema, für oder gegen das er kämpft, hat Altmaier gar nicht. Wohl gerade deshalb, weil er eher Generalist ist als Fachpolitiker, beauftragte ihn die Kanzlerin 2017 mit dem Schreiben des Wahlprogramms.

Warum kann er sich Chancen ausrechnen? In seiner Karriere ist Altmaier immer an eine Art gläserne Decke gestoßen und als ewiger Zweiter verharrt. Im Dezember 2017 sagte er im SZ-Interview zur Frage nach der Kanzlerkandidatur, er bewerbe sich nur auf offene Stellen. "Nach meiner Vorstellung wird die nächste Ausschreibung erst erfolgen, wenn ich schon im Vorruhestand bin." Er schließt eine Kanzlerkandidatur also bislang aus Timing-Gründen aus.

Carsten Linnemann

Wer ist das? Im Streit um die Zukunft von Verfassungsschutzchef Maaßen hat Carsten Linnemann sich lautstark zu Wort gemeldet. Die Bürger fragten "zu Recht, ob wir in Berlin alle verrückt geworden sind", sagte er dem Spiegel. "So kann es jedenfalls nicht weitergehen", sagte er dem Deutschlandfunk.

Was macht der? Der nordrhein-westfälische Ökonom sitzt seit 2009 im Bundestag. Er ist als Fraktionsvize zuständig für Wirtschaft und Energie und leitet die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union.

Wofür steht er? Linnemann ist ein Wirtschaftsliberaler. Er ist einer der vehementesten Kritiker der Euro-Rettung. Sein anderes großes Thema ist der "politische Islam", den es seiner Meinung nach zu bekämpfen gilt.

Warum kann er sich Chancen ausrechnen? Für eine Kanzlerkandidatur ist Linnemann zwar noch nicht politisch reif. Doch der 41-Jährige ist ein unverbrauchter Abgeordneter, ein neues Gesicht, das sich während der peinlichen Maaßen-Debatte volksnah positioniert hat. Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble hat ihn in einem Interview erwähnt, als es um die CDU-"Personalreserve" ging: Linnemann sei "ein starker Kerl".

Julia Klöckner

Wer ist das? Julia Klöckner hat in Rheinland-Pfalz als Spitzenkandidatin zwei Landtagswahlen verloren. Trotzdem gilt sie nach wie vor als eine der Hoffnungen der Union.

Was macht die? Merkel hat der Weinkönigin das Landwirtschaftsministerium anvertraut. Dort war sie bereits Staatssekretärin, bevor sie 2011 zurück nach Mainz ging. Klöckner ist eine der fünf Vizeparteichefs.

Wofür steht sie? Die 45-Jährige ist gegen Abtreibung und steht der islamischen Religion misstrauisch gegenüber. Im Wahlkampf 2016 grenzte sie sich von Merkels Flüchtlingspolitik ab. Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat will sie durch Alternativen ersetzen, statt Landwirte durch ein Verbot zu verprellen.

Warum kann sie sich Chancen ausrechnen? Klöckner ist ein Liebling der Basis, als Parteivize gewinnt sie immer wieder mit großen Mehrheiten.

Jens Spahn

Wer ist das? "Der größte Merkel-Kritiker", "umstrittener Star der Union", "innerparteilicher Oppositionsführer", so oder ähnlich wird Jens Spahn gerne beschrieben. Tatsächlich bildet Spahn mit Klöckner und Linnemann eine Art Anti-Merkel-Troika.

Was macht der? Spahn ist mit 22 Jahren als jüngster direkt gewählter Abgeordneter der Geschichte in den Bundestag eingezogen. 16 Jahre später ist er immer noch da und inzwischen Gesundheitsminister. Außerdem sitzt er im Parteivorstand.

Wofür steht er? Spahn gehört zum konservativen Flügel. Mit Klöckner und Linnemann macht er Krach, wenn es um Flüchtlingspolitik und Muslime geht. Er befürwortet Fallpauschalen, mit denen Krankenhäuser Operationen und Untersuchungen wie Produkte abrechnen. Außerdem verteidigt er das Informationsverbot zu Abtreibungen. Für Empörung sorgte seine Aussage, Hartz IV bedeute keine Armut, sondern sei "die Antwort der Solidargemeinschaft auf Armut".

Warum kann er sich Chancen ausrechnen? Unverhohlener Ehrgeiz treibt den 38-Jährigen, der sich sicher noch höhere Ämter erhofft. Er steht für einen konservativen Wandel: Wer Merkel satt hat, unterstützt Spahn.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema