Kino:Fröhliche Filmzeit überall

Kino: Wenn Weihnachtsgeschenke durchdrehen: Der Grusel-Spaß "Gremlins" von 1984 ist kein klassischer Weihnachtsfilm, aber ein ziemlich aufregender.

Wenn Weihnachtsgeschenke durchdrehen: Der Grusel-Spaß "Gremlins" von 1984 ist kein klassischer Weihnachtsfilm, aber ein ziemlich aufregender.

(Foto: imago/Prod.DB/imago/Prod.DB)

Weihnachtszeit ist Kinozeit. Doch welche Filme soll man sich an den Feiertagen ansehen? Ein Überblick über Neues, Bewährtes und Abseitiges.

Von Josef Grübl

Wo Weihnachten draufsteht, muss nicht unbedingt Weihnachten drin sein. Das mag zu Hause unter dem Baum zu Verstimmungen führen, im Lichtspieltheater des Vertrauens ist das eher ein Segen. Denn kaum etwas ist so vorhersehbar wie der Weihnachtsfilm. Im Fernsehen laufen derzeit überall solche Romanzen oder Komödien über Menschen mit Feiertagsproblemen, auch die Streaming-Portale produzieren ständig mehr davon. Dass diese Filme quasi alle gleich sind, scheint niemanden zu stören: Fast immer treffen zerstrittene Familien aufeinander, fast immer droht das Fest im Chaos zu enden. Aber warum brennt dabei stets die Tanne?

Neue Weihnachtsfilme

Wer Weihnachten ins Kino geht, bekommt dieses Jahr alles Mögliche geboten - nur so gut wie keine aktuellen Filme über Weihnachten. Die Anfang Dezember angelaufene Familienfest-ohne-Familie-Komödie "Fast perfekte Weihnachten" entpuppte sich als veritabler Flop und ist bereits wieder von den Spielplänen der Münchner Kinos verschwunden. (Wer den Film trotzdem sehen will, hat noch in Erding oder Fürstenfeldbruck Gelegenheit dazu.)

Im Rache-Thriller "Silent Night - Stumme Rache" trägt Hauptdarsteller Joel Kinnaman zwar einen herrlich geschmacklosen Weihnachtspullover, in Festtagsstimmung ist er trotzdem nicht: Sein Sohn wurde von Gangstern getötet, sein Kalendereintrag am 24. Dezember lautet: "Kill them all". Das Publikum erwartet also eine Krawall-Orgie ohne Klingelingeling (und ohne Dialoge), zu sehen ist der neue Film von John Woo unter anderem im Mathäser, den Museum Lichtspielen oder dem Autokino Aschheim.

"Wer weiß, was der Weihnachtsmann uns bringt?", fragt Fanny Ardant in der neu angelaufenen Romanverfilmung "Monsieur Blake zu Diensten": Darin verkörpert die französische Schauspiel-Ikone eine Schlossbesitzerin, die einen neuen Butler engagiert. John Malkovich spielt ihn, eigentlich ist er aber gar kein Hausdiener - man sieht ihm aber an, wie viel Spaß ihm das macht. Der Film spielt in der Vorweihnachtszeit, zu sehen ist er unter anderem im ABC, Rottmann oder Theatiner.

Neue Familienfilme

Kino: Wünsch dir was: Im Disney-Jahresausklangsfilm "Wish" legt sich ein Mädchen mit einem selbstverliebten König an. Das Abspannlied singt in Deutschland Helene Fischer.

Wünsch dir was: Im Disney-Jahresausklangsfilm "Wish" legt sich ein Mädchen mit einem selbstverliebten König an. Das Abspannlied singt in Deutschland Helene Fischer.

(Foto: Disney)

Weihnachten feiern die meisten im Kreise ihrer Liebsten, daher stehen in den Kinos am Jahresende besonders viele Familienfilme auf den Spielplänen. Am gefragtesten ist Hollywoods derzeitiger Lieblingsjüngling Timothée Chalamet als Schokoladenfabrikant "Wonka": Die aktuelle Nummer eins der Kinocharts kommt als buntes Filmmusical daher, es wird gesungen und getanzt - und mit Hugh Grant als Oompa-Loompa-Wichtel gibt es auch viel zu lachen. Paul Kings Film ist in fast allen großen Kinos in München und im Umland zu sehen. Ebenso stark vertreten ist der diesjährige Disney-Jahresausklangfilm "Wish", der von einem Mädchen erzählt, das sich mit einem selbstverliebten König anlegt: Dieser kontrolliert die geheimsten Wünsche seiner Untertanen. Die Story mag zwar etwas zusammengeschustert sein, dafür haben die Filmfiguren (unter anderem eine Ziege und ein Stern) Kuscheltierpotential.

Kino: Wie wurde Willy Wonka zum Schokolade-Fabrikanten und wie traf er die Oompa-Loompas? Der Film "Wonka" mit Timothee Chalamet in der Titelrolle erzählt es familiengerecht.

Wie wurde Willy Wonka zum Schokolade-Fabrikanten und wie traf er die Oompa-Loompas? Der Film "Wonka" mit Timothee Chalamet in der Titelrolle erzählt es familiengerecht.

(Foto: IMAGO/Supplied by LMK/IMAGO/Landmark Media)

Neu in vielen Münchner Kinos angelaufen ist der amerikanische Animationsfilm "Raus aus dem Teich". Darin geht es um eine Entenfamilie, die ihren heimatlichen Teich Richtung Jamaika verlässt. So weit kommen die Enten aber nicht: Sie verfliegen sich und landen in New York - wo sie beinahe als gut durchgebratene (Weihnachts-)Enten enden. Natürlich geht die Sache gut aus, ihre gefiederten Freunde (Gänse, Tauben und ein Papagei) helfen ihnen.

Schon etwas länger in den Kinos laufen die "Neuen Geschichten vom Pumuckl", die streng genommen kein Film sind, sondern drei Episoden einer neuen Fernsehserie. Das Publikum liebt den Pumuckl trotzdem, Großeltern, Eltern und Kinder strömen seit Wochen in die Kinos.

Weihnachtsfilm-Klassiker

Kino: Im Lieblings-Weihnachtsfilm der Deutschen, gibt es gar kein Weihnachten, aber es ist Winter. Im ARD-Programm ist "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" quasi in Dauerschleife zu sehen; im Gasteig HP8 spielt ein Orchester live dazu.

Im Lieblings-Weihnachtsfilm der Deutschen, gibt es gar kein Weihnachten, aber es ist Winter. Im ARD-Programm ist "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" quasi in Dauerschleife zu sehen; im Gasteig HP8 spielt ein Orchester live dazu.

(Foto: Degeto; WDR/dpa)

Vor 20 Jahren lief eine britische Ensemblekomödie an, die außergewöhnlich gut geschrieben und mit Hugh Grant, Emma Thompson, Colin Firth, Keira Knightley und Liam Neeson auch außergewöhnlich gut besetzt war. "Tatsächlich ... Liebe" ist ein moderner Weihnachtsfilm-Klassiker, der in den letzten Wochen des Jahres mindestens so präsent ist wie Mariah Careys Evergreen "All I Want For Christmas": Diesen gibt es in Richard Curtis' Film auch zu hören, jetzt ist der Film in einer restaurierten 4K-Fassung wieder auf der großen Leinwand zu sehen, unter anderem im Arri Kino, im Rio oder Monopol. Am 26. und 27. Dezember wird er auch mit Live-Musikbegleitung durch das Prague Royal Philharmonic im Gasteig HP8 aufgeführt.

Einen Tag später, am 28. Dezember, gibt es am selben Ort ein Wiedersehen mit einem tschechisch-deutschen Märchenfilmklassiker: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" läuft in der Weihnachtszeit in einer Art Fernseh-Dauerschleife, doch im HP8 ist er mit Live-Orchester auf der großen Leinwand zu sehen. Der mittlerweile 50 Jahre alte Film zählt in Umfragen regelmäßig zu den beliebtesten Weihnachtsfilmen der Deutschen - auch wenn es darin gar nicht um Weihnachten geht.

Wem das alles zu lieblich ist, dem sei zum Fest ein Klassiker des Achtzigerjahre-Hollywood-Kinos empfohlen. "Gremlins - Kleine Monster" erinnert daran, was mit Weihnachtsgeschenken bei unsachgemäßer Behandlung passiert: Wird das Kuscheltier nass, platzen Monster aus seinem Fell. Wenn diese dann auch noch aus einem Christbaum heraus friedliebende Menschen attackieren, ist es endgültig vorbei mit stiller Nacht. Joe Dantes Blockbuster aus dem Jahr 1984 steht am Tag vor Heiligabend auf dem Spielplan des City Kinos.

Abseitiges für Weihnachtsmuffel

Die Feiertage lassen sich auch ohne Geschenke, Glockengebimmel oder Glühweinexzesse überstehen. Im Werkstattkino etwa, das Lars von Triers Fortsetzung seiner "Geister"-Serie aus den Neunzigerjahren zeigt. In "Geister - Exodus" aus dem Jahr 2022 geht es zurück ans Reichskrankenhaus in Kopenhagen: Dort ist zwar ebenfalls Weihnachten, für Besinnlichkeit ist an diesem Ort des Schreckens aber keine Zeit. Gezeigt wird die ganze Serie am Stück, der gruselige Spaß dauert etwa fünf Stunden.

Im XXL-Format kommt auch der jüngste Kinohit aus Japan daher - allerdings eher, was die Größe seiner Hauptfigur betrifft: "Godzilla Minus One" huldigt dem ältesten Franchise-Monster der Filmgeschichte - und gönnt ihm einen Neubeginn. Zu Beginn ist die Echse also noch unversehrt, nach einem Atomunfall aber mutiert sie zu einem Feuer speienden Rachewesen. Da kommen garantiert keine Feiertagsgefühle auf, zu sehen ist die Monstersaga unter anderem im Cinema, Mathäser oder Monopol.

Ebenfalls nach Japan geht es im neuen Film von Wim Wenders (zu sehen unter anderem im Maxim, Arena, Theatiner oder Studio Isabella): "Perfect Days" erzählt die Geschichte eines glücklichen Manns, der in Tokio Toiletten putzt. Da scheppert nichts, da singen nirgendwo Engels-Chöre und toben keine Monster: der perfekte Film für Menschen, die sich ein paar friedliche Stunden wünschen.

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