Telekommunikation:Wieso die Telekom so viel verdient

Telekommunikation: Telekom-Chef Tim Höttges klagt über einen "extrem brutalen Wettbewerb" in Europa.

Telekom-Chef Tim Höttges klagt über einen "extrem brutalen Wettbewerb" in Europa.

(Foto: Christoph Hardt/IMAGO/Panama Pictures)

Der Konzern hat sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt, vor allem wegen einer Tochterfirma. Doch nun wird es wieder schwieriger.

Von Björn Finke, Bonn

Timotheus Höttges trägt sein Unternehmen nah am Herzen. Bei der Bilanzpressekonferenz in der Bonner Firmenzentrale zeigt sich der Vorstandschef der Deutschen Telekom in einem schwarzen Rollkragenpullover mit T-Logo auf der Brust. Der Manager führt den Konzern und seine 200 000 Beschäftigten schon seit zehn Jahren, und da der Vertrag des 61-Jährigen Ende 2026 ausläuft, wird nicht mehr allzu viel Zeit hinzukommen. Höttges beginnt die Pressekonferenz an diesem Freitag daher mit einem Rückblick: Als er Chef wurde, habe der Börsenwert hinter den Rivalen Vodafone und Telefónica gelegen, die Firma sei schwerfällig gewesen, habe bei Kritikern als "angestaubter Beamtenladen" und "Milliardengrab für Kleinanleger" gegolten.

Heute dagegen sei der einstige Staatsmonopolist an der Börse mehr wert als die großen europäischen Rivalen zusammen. Die Zahl der Kunden weltweit sei seitdem um die Hälfte auf 300 Millionen gestiegen, das Unternehmen habe seit 2014 mehr als 170 Milliarden Euro investiert, vor allem in die Netze, bilanziert der Manager zufrieden. Die Gefahr ist jedoch groß, dass Höttges' verbleibende Zeit an der Konzernspitze mühsamer und weniger erfolgreich wird als diese zehn Jahre. Denn sowohl im wichtigen Markt USA als auch in Deutschland warten Herausforderungen.

Das vergangene Jahr brachte aber recht solide Ergebnisse: Zwar sank der Umsatz wegen Wechselkurs-Effekten leicht auf 112 Milliarden Euro, doch das bereinigte Betriebsergebnis wuchs um vier Prozent auf 40,5 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwartet Höttges weiter steigende Gewinne: "Wir trauen uns zu, noch eine Schippe draufzulegen." Unter dem Strich blieben fast 18 Milliarden Euro als Gewinn hängen - der Wert wurde dadurch massiv erhöht, dass der Konzern die Mehrheit an seinem Funkturmgeschäft, also den Handymasten, in Österreich und Deutschland verkauft hat. Ohne diesen Effekt wäre der Gewinn um fast 13 Prozent gefallen. Die Aktionäre sollen von dem Geldsegen profitieren, die Dividende klettert um zehn Prozent auf 0,77 Euro je Anteilsschein. Außerdem konnte das Unternehmen seinen Schuldenberg ein wenig abtragen. Insgesamt scheinen die Anteilseigner freilich bessere Zahlen erwartet zu haben, denn der Aktienkurs sank am Freitag.

Im Mobilfunkgeschäft in Deutschland schlugen sich die Bonner Ende vorigen Jahres besser als die Konkurrenz. Die Telekom gewann von Oktober bis Dezember 289 000 Vertragskunden hinzu, während es beim O2-Anbieter Telefónica nur 284 000 und bei Vodafone Deutschland lediglich 95 000 waren. Mehr als die Hälfte der Gewinne steuert allerdings ohnehin die amerikanische Tochter T-Mobile US bei. An der Gesellschaft hält der Dax-Konzern etwas mehr als die Hälfte der Anteile. Als Höttges den Chefposten antrat, wurde diskutiert, diese Beteiligung abzustoßen. Der Manager entschied sich dagegen, was sich im Nachhinein als goldrichtig erwiesen hat.

Der Konzern hat nun eine eigene Baufirma

In den USA zahlen die Verbraucher deutlich mehr für ihre Handyverträge als in Europa, der Markt ist sehr lukrativ. Höttges sagt, der Erfolg der dortigen Tochter "hilft uns, damit wir die Rekord-Investitionen in Deutschland" und den anderen europäischen Märkten stemmen könnten. Das sei ein Vorteil der Telekom gegenüber europäischen Rivalen. Dagegen würden sich in den zersplitterten europäischen Märkten viele Anbieter schwertun, ihre Investitionen wieder einzuspielen, es herrsche "extrem brutaler Wettbewerb".

Doch auch in den Vereinigten Staaten wird die Konkurrenz härter, so arbeitet der dortige Rivale Dish nun mit dem mächtigen Internetkonzern Amazon zusammen. Zugleich müssen die Bonner im deutschen Heimatmarkt weiter kräftig investieren - etwa in den Glasfaserausbau für schnelles Internet zuhause. Hier sind die Baukosten gestiegen, außerdem haben Bauunternehmen wenig freie Kapazitäten. Um Abhilfe zu schaffen, hat die Telekom sogar eine eigene Tiefbaufirma gegründet.

Zum Jahreswechsel konnten die Bonner 7,9 Millionen Haushalten solche besonders rasanten und zuverlässigen Anschlüsse anbieten, ein Plus von 2,6 Millionen binnen zwölf Monaten. Im laufenden Jahr soll die Zehn-Millionen-Marke übertroffen werden. Allerdings bucht bisher nur jeder achte Haushalt die teureren Glasfaseranschlüsse, die übrigen bleiben bei den günstigeren Kupferleitungen. Höttges gesteht ein, dass der Konzern "die Vermarktung verbessern" müsse, das Ziel sei es, dass in den kommenden Jahren 30 bis 40 Prozent der Haushalte die neue Glasfaseroption wirklich nutzten.

1&1 baut ein viertes Handynetz auf

Hart umkämpft wird der deutsche Mobilfunkmarkt bleiben. Dort gibt es jetzt mit 1&1 einen vierten Netzbetreiber. Das Unternehmen des Milliardärs Ralph Dommermuth wird in den kommenden Jahren eigene Handymasten bauen und ansonsten das 5G-Netz des Rivalen Vodafone Deutschland mitnutzen können - zu recht vorteilhaften Konditionen. Demnächst steht eine wichtige Entscheidung der Bundesnetzagentur an. Ende 2025 laufen die Nutzungsrechte für bestimmte Mobilfunkfrequenzen aus, die bisher bei Telekom, O2 und Vodafone Deutschland liegen. 1&1 verlangt, dass diese in einer Auktion neu versteigert werden, damit auch der Neuling zum Zuge kommen kann. Das könnte dann teuer werden. Die Netzagentur schlug allerdings in einem Positionspapier vor, die Nutzungsrechte der drei Konzerne einfach zu verlängern, verbunden mit Auflagen, Funklöcher zu schließen. Die Behörde regt eine Verlängerung um fünf Jahre an, Höttges spricht sich sogar für acht Jahre aus.

Daneben darf sich der Manager bald mit schwierigen Tarifverhandlungen herumschlagen. Die beginnen im März. Bei der vergangenen Tarifrunde vor zwei Jahren einigten sich der Konzern und die Gewerkschaft Verdi auf Lohnerhöhungen unterhalb der Inflationsrate. Diesmal werden die Arbeitnehmer einen ordentlichen Zuschlag fordern. Das könnte die Kosten der Firma mit 79 000 Beschäftigten in Deutschland kräftig erhöhen. Höttges sagt dazu, das Management pflege ein "sehr, sehr gutes Miteinander" mit den Gewerkschaftern. Es klingt ein wenig wie eine Beschwörung.

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