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Mediatorin über Sondierungsgespräche:Was die Mediatorin den Verhandlungsführern empfiehlt

FDP-Chef Christian Lindner drohte bereits mehrfach mit Neuwahlen. Wie sinnvoll sind Drohungen in dieser Phase der Verhandlungen?

Es zeigt nur, wie unentspannt die Verhandlungsführer sind. Herr Lindner muss uns das doch gar nicht erzählen. Jeder weiß doch, dass es zu Neuwahlen kommen wird, wenn die sich nicht einigen. Bislang sind die noch nicht in Verhandlungsstimmung, wäre es so, dann würden die abends nach getaner Arbeit noch schön zusammen essen geht, statt sich gegenseitig zu drohen.

Wie verhandelt man denn richtig? Zuerst die einfachen Fragen und dann die Knackpunkte. Oder andersrum?

Als Konfliktmanager sagen wir, dass man erst mal gemeinsam Handschuhe einkaufen gehen sollte, bevor man zusammen heiße Eisen anfasst. Also erst mal sollten ein paar leichtere Sachen angepackt werden bevor es ans Eingemachte geht. Es andersrum zu machen, ist Ausdruck einer Kampfstrategie.

Nehmen wir einmal an, Grüne und CSU seien Mann und Frau mit Problemen. Sollte man denen wirklich eine Partnerschaft empfehlen?

Ich würde ihnen jedenfalls nicht empfehlen, gleich eine unbefristete Ehe einzugehen, sondern ihnen die Vorteile einer Verlobungsphase andienen.

Einer der strittigsten Punkte scheint der Familiennachzug von geduldeten Flüchtlingen zu sein. Wie kann es da zu einer gemeinsamen Position zwischen CSU und Grünen kommen?

Ich bin bei diesem Thema aufgrund meiner eigenen Geschichte parteiisch: Ich kam selbst mit 17 als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland und weiß wie man zunächst als Geflüchteter, dann als Migrant und dann als Deutsche mit Migrationshintergrund behandelt wird. Wenn wir die Geflüchteten zu Menschen machen wollen, die Teilhabe am Leben in Deutschland haben sollen, dann brauchen diese Menschen neben dem praktischen Halt wie Unterkunft, Job, eigenes Geld, auch einen emotionalen Halt - und den können sie in der Familie finden. Viele junge syrische Männer mit denen ich rede, sagen mir, dass sie es kaum aushalten, dass ihre Schwester oder Mutter noch in Syrien oder der Türkei sind. Sie können sich hier auf nichts konzentrieren, weil die Zukunft ihrer Familie so vollkommen ungeklärt ist. Zudem gibt es auch viele geflüchtete Kinder hier, denen ihre Eltern unendlich fehlen.