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Wiesn 2021:Münchner Oktoberfest ist offiziell abgesagt

Coronavirus - Theresienwiese - Oktoberfest

Leere. So wird die Theresienwiese wohl auch zur Wiesn-Zeit aussehen, das Volksfest ist nämlich abgesagt.

(Foto: dpa)

Wegen der Corona-Pandemie muss das größte Volksfest der Welt auch 2021 ausfallen. Damit ist auch die letzte Hoffnung dahin, dass diesen Herbst auf der Wiesn wieder gefeiert werden kann.

Von Heiner Effern und Franz Kotteder

Das Oktoberfest muss auch in diesem Jahr ausfallen - und damit zum zweiten Mal in Folge. Die Pandemie lasse ein solches Volksfest - "das größte und das internationalste der Welt" - nicht zu, erklärten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Montag in einer Pressekonferenz. "Schweren Herzens, aber doch mit hoher Vernunft" habe man sich zur Absage durchgerungen", sagte Söder. Die Verantwortung für die Gesundheit der Bürger sei schlicht höher zu gewichten "als das berechtigte und auch nachvollziehbare Interesse der Bevölkerung" an einem Volksfest, ergänzte Reiter, der formal die Entscheidung zu treffen hatte.

Damit ist auch die letzte Hoffnung dahin, dass diesen Herbst auf der Wiesn gefeiert werden kann - und schon gar nicht eine Woche länger, wie so manche Politiker noch in der Enttäuschung nach der Absage im vergangenen Jahr gefordert hatten. Der Ausfall des Oktoberfests kommt wegen der immer noch hohen Ansteckungszahlen auch diesmal nicht überraschend. Schon über Wochen hatten Reiter und Söder die Erwartungen mit öffentlichen Äußerungen gegen Null tendieren lassen.

Auch der Zeitpunkt der Entscheidung ist fast der gleiche wie 2020, und ebenso der Grund, nur dass die heurige Wiesn der dritten und nicht der ersten Welle der Corona-Krise zum Opfer fällt. Wenn das Oktoberfest zu einem Superspreader-Event würde, könnte man eine der stärksten Marken Bayerns "für alle Zeiten beschädigen", sagte Ministerpräsident Söder.

Nicht einmal das nun spürbare Fortschreiten der Impfkampagne konnte das Oktoberfest retten. Eine Wiesn mit begrenztem Zutritt entspreche nicht seinem Verständnis von einem Volksfest, sagte OB Reiter. Prognosen habe es schon viele gegeben, eine verlässliche Sicherheit für ein Fest für sechs Millionen Besucher gebe es aber nicht. "Es geht rauf und runter." Eine "ausgelassene und angstfreie Atmosphäre", das Kennzeichen der Wiesn, könne so nicht aufkommen. Es tue ihm leid "für die vielen, vielen Millionen Fans und Freunde der Wiesn".

Er finde es auch persönlich schade, das Oktoberfest sei "ein wesentliches Datum im Terminkalender des Oberbürgermeisters", sagte Reiter. Am schlimmsten träfe es aber Schausteller, Standlfrauen oder Bedienungen, auf die die Absage "teilweise existenzielle Auswirkungen" habe. Die Stadt selbst verliere auch einen Umsatz von etwa 1,2 Milliarden Euro. Für die Schausteller soll es als Ausgleich wieder einen "Sommer in der Stadt" geben, bei dem sie dezentral ihre Buden und Fahrgeschäfte aufbauen können.

Clemens Baumgärtner (CSU), als Referent für Arbeit und Wirtschaft zugleich auch Wiesn-Chef, sprach in einer ersten Reaktion von einer "sinnhaften Entscheidung", die von Söder und Reiter getroffen wurde. Die Besucher des Oktoberfests sollen es genießen, und das geht nicht, wenn man davon krank wird, so einfach ist das." Auch der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer, hatte wie die meisten seiner Kollegen schon mit dieser Entscheidung gerechnet. "Natürlich ist das für uns eine große Enttäuschung und ein schwerer Schlag", sagte er, "es tut uns in der Seele weh."

Man habe bis zuletzt gehofft, dass die Entscheidung sich noch aufschieben hätte lassen, bis die Prognosen ein Oktoberfest in diesem Jahr ermöglicht hätten. "Aber die politische Entscheidung hätte ich auch nicht treffen wollen", sagte er. Eine Sparversion der Wiesn, womöglich mit Zulassung nur für Geimpfte und negativem Test wäre nach Inselkammers Ansicht keine Alternative gewesen: "Das hat mit der Original-Wiesn nichts zu tun, wir wollen das gescheit machen oder gar nicht." Alles andere wäre auch schädlich für die Veranstaltung selbst, meint er, "denn die Leute wollen auch keine billige Kopie, die wollen das Original".

Fast noch schwerer als die Wirte, die in absehbarer Zeit zumindest wieder die Gastronomie im Freien aufmachen dürfen, trifft die Schausteller die erneute Absage des Oktoberfests. "Uns wird jetzt im zweiten Jahr in Folge die Existenzgrundlage förmlich unter den Füßen weggezogen", sagt Peter Bausch, Sprecher der Münchner Schausteller: "Das ist für uns besonders schlimm, weil die Wiesn ja eine große Strahlkraft für alle anderen Volksfeste hat und für jedes kleine Schützenfest, von dem wir im Rest des Jahres leben. Man kann sagen: Wenn die Wiesn ausfällt, gibt es auch in Posemuckel keinen Eiermarkt."

Für die Schausteller bedeute das letztlich das Verbot, mit ihrem Betrieb ihrer Arbeit nachzugehen. Die Überbrückungshilfe decke zwar die Fixkosten weitgehend, aber die Kosten für die privaten Lebenshaltungskosten seien dabei natürlich nicht erfasst. "Wir sind alle keine Träumer", sagt Bausch, "aber nach den Ankündigungen von Biontech und den Aussagen von Finanzminister Olaf Scholz hatten wir immer noch gehofft, dass zumindest ein bisschen was noch geht."

© SZ.de/infu, van
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