Crossover:Heimatsounds mit orchestralem Glanz

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Crossover: Rampensau, jetzt mal mit klassischer orchestraler Begleitung: "Pam Pam Ida"-Frontmann Andreas Eckert.

Rampensau, jetzt mal mit klassischer orchestraler Begleitung: "Pam Pam Ida"-Frontmann Andreas Eckert.

(Foto: Nicolas Keckl)

Bei "Mundart meets Classic" treffen die Münchner Symphoniker auf "dicht & ergreifend", Andreas Eckert, Ami Warning und den Oimara.

Von Oliver Hochkeppel, München

Zunehmend finden in der Musik nicht nur die Stile, sondern sogar die Genres zusammen und verbinden sich zu der universalen Sprache, die Musik eben idealerweise sein kann. So haben selbst altehrwürdige klassische Orchester verstärkt ihre Tempel verlassen und mit Vertretern des Bereichs zusammengearbeitet, der an den Musikhochschulen immer noch leicht abwertend unter "Popularmusik" verortet ist. Umgekehrt war es bis Corona ein großer Trend, dass Pop- und Jazz-Größen ihren Werken ein Orchester- oder mindestens ein Streicher-Arrangement verpassten. Was sich aber nun Südpolmusic, der Produzent Max Kronseder und das Team der Münchner Symphoniker ausgedacht haben, darf freilich als bislang unerhört erachtet werden: Ihr Projekt unter dem Titel "Mundart meets Classic" führt live ein Symphonieorchester mit führenden Vertretern des bayerischen Hip-Hop, Pop und Soul zusammen. Zur Premiere passenderweise auf dem Münchner Nockherberg, bevor es auch nach Augsburg und Nürnberg geht.

Rückgrat des Unternehmens sind die Münchner Symphoniker. Das 1945 von Kurt Graunke gegründete dritte bedeutende Münchner Symphonieorchester ist seit jeher experimentierfreudiger als die Philharmoniker und das Rundfunk-Symphonieorchester. Schon was das Zugehen auf aufstrebende Jungstars der Klassikszene angeht - so arbeitete man früh mit später etablierten Namen wie Juan Diego Flórez, Joyce DiDonato, Arabella Steinbacher, Maximilian Hornung oder Daniel Ottensamer, aber auch mit Stars aus Klassik-Seitenarmen wie dem Dogen der spanischen Gitarre Pepe Romero.

Crossover: Seit jeher für musikalische Grenzüberschreitungen zu haben: die Münchner Symphoniker.

Seit jeher für musikalische Grenzüberschreitungen zu haben: die Münchner Symphoniker.

(Foto: Peter von Felbert)

Vor allem aber schwärmt man seit langem in andere Genre-Gefilde aus, ob zusammen mit Schauspielern wie Max Müller, Stefan Hunstein oder Herbert Knaup ober bei Crossover-Programmen etwa mit der Soul-Sängerin Joy Denalane, den Weltmusikern von Quadro Nuevo, den Hip-Hoppern von Einshoch6 oder zuletzt den Neuen-Volxsmusikern von Dreiviertelblut. Zwischenzeitlich hatte man für die Ausflüge in die sinfonische Unterhaltungsmusik sogar einen Ableger namens Munich Symphony Pops nach dem Vorbild der legendären Boston Pops gegründet. Eine besondere Spezialität des Orchesters ist außerdem die Filmmusik, und das schon seit den Fünfzigerjahren. Über 650 Scores spielte man seither ein, darunter Howard Shores Oscar-nominierten Soundtrack für "Das Schweigen der Lämmer" oder die Musik für Filmklassiker wie "Die unendliche Geschichte 3" oder "Das Boot", viele davon im altehrwürdigen eigenen Saal in den Bavaria Musikstudios.

Beste Voraussetzungen also für dieses Mundart-Experiment. Mit ausgetüftelten Arrangements werden die Münchner Symphoniker gleich vier Top-Acts der Szene unterlegen und hervorheben. Einmal Andreas Eckert, den Frontmann von Pam Pam Ida, jener "Gäng" aus dem Altmühltal, die sich mit bislang vier Alben seit 2015 an die Spitze des hiesigen Indie-Pop in Mundart gespielt hat. Nicht zuletzt dank der Rampensau-Qualitäten von Eckert, der von der Ausstrahlung, der Stimmgewalt und der Emotionalität her eine Art bayerischen Freddie Mercury abgibt. Dann darf sich der Stenz vom Tegernsee an der Wucht einer orchestralen Begleitung erfreuen: Beni Hafner, besser bekannt als Oimara, ist mit witzigen Dialekt-Songs wie "Bierle in da Sun" oder "Heid is ma wurscht" zum Helden der bayerischen Internet-Generation geworden.

Besonders spannend dürfte das Zusammentreffen mit dicht & ergreifend ausfallen. Das Duo mit Fabian Frischmann alias Lef Dutti und Mike Huber alias George Urkwell - zwei Niederbayern aus der Nähe von Dingolfing, die allerdings in ihrer Wahlheimat Berlin zu ihrem Style fanden - hat sich in kaum sechs Jahren zur Hallen-füllenden Hip-Hop-Dampflokomotive entwickelt, die mit ihren wuchtigen, gerne sozialkritischen Texten quasi im Alleingang bayerischen Rap auf die Landkarte brachte. Als "special guest" ist schließlich auch noch Ami Warning mit von der Partie. Die Münchner Singer/Songwriterin mit karibischen Wurzeln singt zwar als einzige der Genannten nicht in Mundart, sondern auf Englisch und Hochdeutsch, dafür aber trotzdem mit einem eigenen "Dialekt". Nicht nur wegen ihrer einzigartigen, ungewöhnlich tiefen und rauen Soul-Stimme, sondern auch wegen des Münchner Flairs, das sie mitunter in ihre Songs packt.

Alles zusammen ergibt das eine musikalische Packung mit bayerischem Vorzeichen, die man so noch nicht gesehen hat, auch und erst recht nicht im sonst zum Derblecken genutzten Festsaal des Nockherbergs.

Münchner Symphoniker feat. dicht & ergreifend, Andreas Eckert, Oimara, Ami, Do., 15. Sept., 20 Uhr, Festsaal Paulaner am Nockherberg, Tel. 21 83 73 00; Fr., 16. Sept., 20 Uhr, Kongress am Park, Augsburg; Sa., 17. Sept., 20 Uhr, Serenadenhof, Nürnberg

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