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Verkehr in München:München legt mehrere Brückenjahre ein

Ein filigraner Steg könnte den Giesinger Berg auf kürzestem Wege überbrücken.

Elegante Lösung: Ein filigraner Steg könnte den Giesinger Berg auf kürzestem Wege überbrücken.

(Foto: Karl + Probst)

Die Stadt wird in den nächsten Jahren viel Geld ausgeben, um neue Verbindungen zu schaffen - vor allem für die, die ohne Auto unterwegs sind.

Von Andreas Schubert

In vielen Rankings liegt München ja ganz weit vorne. Nur bei den Brücken muss sich die Stadt mächtigeren Gegnern geschlagen geben. Freilich ist weithin bekannt, dass es in München rund zweieinhalb Mal so viele Brücken gibt (etwa 1000) wie in Venedig (etwa 400) und ein paar mehr als in Berlin. Hamburg dafür ist mit 2500 Brücken unangefochtener Brücken-Europameister. Und wird das wohl noch eine Zeit lang bleiben.

Freilich dürfte das den meisten Münchnern wurscht sein. Sie wissen natürlich, dass mit einer ganz bestimmten Brücke die Erfolgsgeschichte ihrer Stadt ihren Anfang nahm. Deshalb sei hier nur kurz auf Herzog Heinrich den Löwen eingegangen, der um das Jahr 1158 eine Brücke über die Isar bauen ließ, nachdem er die bei Föhring gelegene Zollbrücke des Freisinger Bischofs Otto I. zerstört hatte (was den Bischof gar nicht freute). Diese neue Brücke mussten die Fuhrwerke passieren, die wertvolles Salz aus den Abbaustätten in Reichenhall oder Hallein Richtung Westen geladen hatten. Und das ließ sich der geschäftstüchtige Heinrich gut bezahlen.

Aus dem kleinen Weiler apud munichen wuchs über die Jahrhunderte jene Stadt, die heute, Jahrhunderte später, in Sachen Wirtschaft oder Lebensqualität immer wieder Rekorde bricht - zumindest bis jetzt. Wie auch immer dieses Jahr ausgehen mag: In Sachen "mia san mia", also was das bayerische Selbstbewusstsein angeht, wird München uneinholbar vorne bleiben - da kann sich das ferne Hamburg, wie man hierzulande gerne sagt, seine vielen Brücken getrost an den Hut stecken.

Und doch will die Stadt in den nächsten Jahren eine Menge neuer Brücken bauen, was auch mit einem Rekord zusammenhängt. München reißt regelmäßig die Bestmarke bei der Kategorie Stauhauptstadt, weshalb die Politik inzwischen vieles tut, um den Radverkehr zu fördern, nicht zuletzt, nachdem das Bürgerbegehren Radentscheid 2019 einen Rekord beim Unterschriftensammeln erzielt hat. So hat der Stadtrat vergangenen Sommer ein Brückenbau-Paket mit 47 Maßnahmen beschlossen, das sowohl Neubauten als auch Sanierungen beinhaltet. Prominentestes Beispiel ist der Neubau des weithin sichtbaren Arnulfstegs, der in der Nähe des Hauptbahnhofs die Maxvorstadt respektive Neuhausen mit der Schwanthalerhöhe verbindet und vielen Radlern so die lästige Querung über die Donnersbergerbrücke oder die Hackerbrücke erspart.

Auch an der Stelle, wo Heinrich der Löwe einst seine gewinnträchtige Zoll-Idee verwirklichte, an den heutigen Ludwigsbrücken, wird eifrig gebaut, weil sie marode sind. Auch hier soll den Radlern künftig deutlich mehr Platz eingeräumt werden. München legt sozusagen mehrere Brückenjahre ein, um Versäumtes nachzuholen.

© SZ vom 12.06.2020/vewo
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