Klassik:Die schönsten Advents- und Weihnachtskonzerte in München

Klassik: Diese Engelsfigur trompetet in der spätbarocken Asamkirche in der Sendlinger Straße.

Diese Engelsfigur trompetet in der spätbarocken Asamkirche in der Sendlinger Straße.

(Foto: Catherina Hess)

Auch jenseits von Bachs Weihnachtsoratorium ist das Münchner Angebot an klassischer Weihnachtsmusik groß. Eine Auswahl der Konzerte im Überblick.

Von Paul Schäufele

Das Jauchzen und Frohlocken gehört zur Weihnachtszeit wie der Duft nach Tannennadeln und eine durch lavaheißen Glühwein lädierte Zunge. Schließlich gelangt das Evangelium besonders nachhaltig durchs Ohr in den Geist, weiß der notorisch musikaffine Martin Luther. Den einschlägigen Bach-Kantaten kommt dabei besondere Bedeutung zu, doch auch jenseits des Weihnachtsoratoriums ist das Münchner Angebot an klassischer Weihnachtsmusik groß. Hier ein paar Anregungen.

Der Fixstern Bach

Klassik: Johanna Soller ist die neue künstlerische Leiterin des Münchener Bachchors und dessen Orchesters.

Johanna Soller ist die neue künstlerische Leiterin des Münchener Bachchors und dessen Orchesters.

(Foto: Simon Pauly)

Die Aufführungen der Bach'schen Großwerke durch den Münchener Bach-Chor sind Fixsterne im städtischen Konzertkalender. Doch heuer kommt Bewegung in die traditionelle Konstellation. Zum ersten Mal stellt sich Johanna Soller, neue künstlerische Leiterin des Chores, dem Erbe. "Das sehe ich gelassen", sagt die junge Dirigentin. "Denn ich habe eine eigene Auffassung von dem Stück: Das innige Mitempfinden ist für mich zentral, die kontemplativen Momente, in denen die Handlung stillsteht." Zumal der Chor die Offenheit mitbringe, die es braucht, auch lange Eingeübtes zu ändern. "Und das Werk ist es wert, jedes Mal neu entdeckt und entwickelt zu werden", sagt sie.

Unterstützung bei der Aufführung aller sechs Kantaten bekommt sie von vielversprechenden jungen Solisten, so von der Belgierin Flore Van Meerssche (Sopran) sowie vom Münchener Bach-Orchester, das zum ersten Mal vollständig auf historischen Instrumenten spielt. Wem die drei Stunden Oratorium zu lang sind: Der Bach-Chor hat im Dezember auch eine anspruchsvolle Auswahl an Weihnachtsliedern im Programm.

Das ist das große "andere" Weihnachtsoratorium, wenn das des Bach-Chors das "eine" ist: Auch das Orchester der Klangverwaltung, das seit dem Tod von Enoch zu Guttenberg unter wechselnden Dirigenten spielt, präsentiert eine Gesamtaufführung des Oratoriums. Eigentlich hätte Kent Nagano am Pult stehen sollen. Dieser musste aus persönlichen Gründen absagen, weshalb nun Thomas Guggeis, der jungreife Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt, das Projektorchester und die phänomenale Audi Jugendchorakademie leitet. Das bedeutet für den 30-jährigen Guggeis eine zweifache Rückkehr in heimisches Terrain, hat der gebürtige Dachauer doch selbst früher in der Jugendchorakademie gesungen.

Wer an Aufführungen des Weihnachtsoratoriums denkt, dem kommen in aller Regel würdige Chorsängerinnen und -sänger, gestandene Orchestermusizierende und reife Ensembleleiter in den Sinn. Dass dieses Jahr schon mit Soller und Guggeis der Altersschnitt der Münchner Aufführungen gesenkt wird, ist so erstaunlich wie erfreulich. Noch weiter nach unten drückt ihn der Verein Bayerische Philharmonie. Unter der Leitung von Mark Mast werden Kammerorchester und Kammerchor der jugendfördernden Bayerischen Philharmonie eine frische Sicht auf die Eingangskantate und die drei Kantaten für die Feiertage zwischen Neujahr und Epiphanias bieten.

Klassik: Das Ensemble Resonanz spielt Bachs Weihnachtsoratorium als Hausmusik.

Das Ensemble Resonanz spielt Bachs Weihnachtsoratorium als Hausmusik.

(Foto: Gerhard Kühne)

Für viele prägt sich der weihnachtliche Musikgenuss als Spagat zwischen Festkonzert und vor dem häuslichen Kamin angestimmtem "Stille Nacht" aus. Das Ensemble Resonanz dagegen versucht die beiden Pole zu versöhnen - Bachs Weihnachtsoratorium als Hausmusik! E-Gitarre und Hammond-Orgel mimen eine Continuo-Gruppe, treffen dabei auf barocke Violen. Das Hamburger Ensemble - Ensemble in Residence der Elbphilharmonie - wird für seinen genreübergreifenden Ansatz geschätzt. Nur eklektisch soll es sein, performativ und einmalig. Gediegen wird diese Fassung der ausgewählten dreißig Oratoriums-Nummern also nicht werden, ein Erlebnis hingegen allemal.

Karten unter muenchenticket.de

Die Knaben aus Wien

Klassik: Die Wiener Sängerknaben machen auf ihrer Jubiläumstour auch Station in München.

Die Wiener Sängerknaben machen auf ihrer Jubiläumstour auch Station in München.

(Foto: Lukas Beck)

Freilich ist es ein guter Brauch, die eigenen Notenbüchlein im Lichte des Weihnachtsbaums aufzuschlagen. Doch für kompliziertere Fälle überlässt man das Feld lieber den Experten. Die können ziemlich jung sein, denn die Adventszeit ist auch die Zeit der Knabenchöre. Einer davon kann heuer sein 525-jähriges Bestehen feiern und macht auf seiner Jubiläumstour Station in München. Die Wiener Sängerknaben stellen ihr anspruchsvolles Chorprogramm vor, in dem neben den schönsten Weihnachtsliedern eine Motette von Lodovico Viadana ebenso seinen Platz hat wie eine Bearbeitung von Schuberts "Erlkönig" oder "On the road again" von Willie Nelson.

Karten unter bellarte-muenchen.de

Buon natale aus Cremona

Klassik: Kopf des Ensemble Phoenix Munich, das immer in unterschiedlichen Besetzungen, aber immer mit ihm spielt: Joel Frederiksen.

Kopf des Ensemble Phoenix Munich, das immer in unterschiedlichen Besetzungen, aber immer mit ihm spielt: Joel Frederiksen.

(Foto: Priska Ketterer)

Cremona ist musikalisch fruchtbarer Boden. Stradivari, Guarneri und Monteverdi sind nur ein paar der Namen, die man mit der lombardischen Provinzhauptstadt verbindet. Einleuchtend, dass das Ensemble Phoenix Munich ihr sein Weihnachtskonzert widmet. Unter dem Titel "Weihnachten in Cremona" versammelt das Ensemble für Alte Musik herausragende Werke Claudio Monteverdis, so die Motette "Ab aeterno ordinata sum" für Bass-Solo, in der der Ensemblegründer Joel Frederiksen glänzen kann. Mit "Noe noe psallite" des Monteverdi-Lehrers Ingegneri steht eine ausdrückliche Weihnachtsmotette auf dem Programm, die von seltener aufgeführten Werken etwa eines Tiburtio Massaino flankiert wird. Dabei kommt das Ensemble musikalisch ganz schön herum. Nur wenige Tage später entführt es mit "villancicos" (Weihnachtsliedern) nach Spanien und wirft dabei mit dem Barockmeister José Cascante (aus Bogotá) auch einen Blick nach Lateinamerika.

Karten unter www.joelfrederiksen.com

  • Ensemble Phoenix, So., 3. Dezember, 15 Uhr, Bayerisches Nationalmuseums, Mars-Venus-Saal
  • O Magnum Mysterium, Do., 7. Dezember, 19 Uhr, Instituto Cervantes, Alfons-Goppel-Straße 7

Knuspern mit Gretel und Hänsel

Klassik: Zur Weihnachtszeit greift das Staatstheater am Gärtnerplatz auf seine bewährte Inszenierung von "Hänsel und Gretel" zurück, die Regisseur Peter Kertz 1974 eingerichtet hatte.

Zur Weihnachtszeit greift das Staatstheater am Gärtnerplatz auf seine bewährte Inszenierung von "Hänsel und Gretel" zurück, die Regisseur Peter Kertz 1974 eingerichtet hatte.

(Foto: Christian POGO Zach)

Während die Mehrheit der Weihnachtsgestimmten ihren Lebkuchen kulinarisch verwerten, nutzen andere ihn, um dem Immobilienmarkt zu entfliehen. Und schaffen es damit zu einer Hauptfigur der Dezember-Oper par excellence. Das Staatstheater am Gärtnerplatz greift auf seine bewährte Inszenierung von "Hänsel und Gretel" zurück, die Regisseur Peter Kertz 1974 eingerichtet hatte. Auf über 500 Aufführungen kommt die Oper damit am Gärtnerplatz. Von Donnerstag, 30. November, an kommen einige dazu, darunter auch Familienvorstellungen, bei denen Kinder neben ihren erwachsenen Begleitpersonen nur 10 Euro für ihre Karte zahlen.

Eine etwas andere Fassung der Oper Engelbert Humperdincks hat sich Rainer Hipp ausgedacht. Unter seiner Regie kommen das Kammerorchester Concierto München (Dirigent: Carlos Domínguez Nieto) und das Ensemble des Münchner Puzzletheaters zusammen, um mit "Gretel und Hänsel" eine verschlankte Version des spätromantischen Werks vorzustellen. Figurentheater, Musik und Text werden zu einem knapp einstündigen Bühnenspektakel verdichtet, das Kinder ab vier Jahren genießen können.

Karten unter www.gaertnerplatztheater.de und kulturundspielraum.de

  • Hänsel und Gretel, 30. November bis 4. Januar, Gärtnerplatztheater
  • Gretel und Hänsel, 1. und 2. Dezember (mehrere Aufführungen), Pasinger Fabrik, August-Exter-Straße 1, Concierto München

Benefiz und Brainlab

Klassik: Beyond Holy Night hieß es schon im Dezember 2022 (Foto), nun gibt es eine Neuauflage dieses etwas anderen Weihnachts-Benefizkonzerts mit dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper und der Hermann-Levi-Akademie in der Firmenzentrale der Brainlab AG in Riem.

Beyond Holy Night hieß es schon im Dezember 2022 (Foto), nun gibt es eine Neuauflage dieses etwas anderen Weihnachts-Benefizkonzerts mit dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper und der Hermann-Levi-Akademie in der Firmenzentrale der Brainlab AG in Riem.

(Foto: Roman Job)

Die Ensembles der Bayerischen Staatsoper verschönern den Dezember durch drei sehr verschiedene Konzerte. Am Nikolaustag spielt das Staatsorchester unter anderem Beethovens Siebte. Damit bestreitet es - unter Leitung des Gastes Thomas Guggeis - sein alljährliches BMW-Benefizkonzert.

Gut zwei Wochen danach interpretiert das Staatsorchester unter seinem Chef Vladimir Jurowski mit dem Münchener Bach-Chor die Frühform von Bachs h-Moll-Messe (BWV 232 I). Im Zuge dieses Konzerts im Münchner Dom werden Spenden für den Verein Kulturraum München gesammelt. Und schon zum zweiten Mal treffen sich Opernstudio und Hermann-Levi-Akademie, um im Foyer der Brainlab-Firmenzentrale im Münchner Osten Weihnachtslieder aus aller Welt mit endemischen Stücken zu kombinieren. Für den Medienwechsel sorgen Videokünstlerin Manuela Hartel und Regisseurin Catharina von Bülow, die das Klangereignis mit überraschenden Projektionen kontrapunktieren.

Karten unter www.staatsoper.de

Schlittenfahrt mit Familie Mozart

Klassik: Die Hofkapelle München ist bekannt für ihre spielfreudigen Interpretationen der Musik des 18. Jahrhunderts.

Die Hofkapelle München ist bekannt für ihre spielfreudigen Interpretationen der Musik des 18. Jahrhunderts.

(Foto: Evi Lemberger)

Und so schön es ist, die Festtage mit den Angehörigen zu verbringen - vereinzelt soll es dabei schon zu Friktionen gekommen sein. Für Entlastung sorgt die Hofkapelle München, die ein alternatives Angebot macht: "Weihnachten mit Familie Mozart". Das Originalklang-Ensemble ist bekannt für seine spielfreudigen Interpretationen der Musik des 18. Jahrhunderts. Für das Konzert hat sich das Orchester mit seinem Leiter Rüdiger Lotter einige besonders vergnüglich blitzende Klassik-Juwelen ausgesucht. So lädt es mit Leopold Mozart zur "Musikalischen Schlittenfahrt" ein, möchte mit dem zweiten Violinkonzert des Sohnemanns brillieren und mit Arcangelo Corellis Concerto grosso Opus 6, Nummer 8, dem "Weihnachtskonzert", einen pastoralen Ausklang finden.

Karten unter muenchenticket.de

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