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Maybrit Illner zum Jamaika-Bündnis:"Koalitionsverhandlungen live" - dieser Anspruch konnte nur scheitern

maybrit illner; Maybrit Illner

Zu Gast bei Maybrit Illner: Gesine Schwan, Armin Laschet, Cem Özdemir, Joachim Herrmann und Wolfgang Kubicki (v.l.)

(Foto: ZDF und Jule Roehr)
  • In der Talkrunde bei Maybrit Illner ging es um eine mögliche Jamaika-Koalition.
  • Eingeladen waren unter anderen die drei Vertreter einer solchen möglichen Koalition: Cem Özdemir von den Grünen, Joachim Herrmann von der CSU und Wolfgang Kubicki von der FDP.
  • Zu Koalitionsverhandlungen im Live-TV kam es an diesem Abend jedoch nicht.

Armin Laschet ist verantwortlich für den größten Erfolg, den die CDU in diesem Jahr eingefahren hat. Im Mai gewann er die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, löste Rot-Grün ab und wurde Ministerpräsident. Aus seinem Bundesland, genauer gesagt aus Köln, kommt auch die Band AnnenMayKantereit, deren Debütalbum gut die Überschrift für diese Sendung hätte liefern können: "Alles nix Konkretes".

Die ZDF-Redakteure hatten sich für die Talkrunde mit Maybrit Illner einen weniger feuilletonistischen Titel überlegt: "Wenn vier sich streiten - mit Jamaika in die Zukunft?" Eingeladen waren neben Laschet die drei anderen Vertreter einer möglichen Jamaika-Koalition: Cem Özdemir von den Grünen, Joachim Herrmann von der CSU und Wolfgang Kubicki von der FDP.

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Seit Tagen diskutiert Deutschland über die neuartige Konstellation. Seit Tagen werden in den Medien Schnittmengen berechnet, Schmerzgrenzen gezogen und Sondierungsmöglichkeiten dargelegt. Und seit Tagen denkt manch unbeteiligter Beobachter, Regierungsarbeit sei schlimmer als Fußpilz, so sehr zieren sich die Vertreter der vier Parteien, mal konkret zu sagen, was sie vom jeweils anderen trennt und was sie verbindet.

Zugegeben, Claus Kleber, der "Heute-Journal"-Moderator, hatte den Talk mit äußerst steiler These angekündigt. Gleich würden hier "Koalitionsverhandlungen live" stattfinden. Eine derart hohe Erwartungshaltung musste enttäuscht werden. Aber auch wer weniger anspruchsvoll war, erfuhr in den 60 Minuten nicht, ob das Schiff nach Jamaika schon auf Kurs ist oder noch im Hafenbecken von Kiel dümpelt.

Kiel als Musterbeispiel für eine Jamaika-Koalition

Dort, in Schleswig-Holstein, besteht seit einigen Monaten das derzeit einzige Jamaika-Bündnis der Republik. Nach allem, was man hört, arbeitet es effizient und störungsfrei, was, wie Kubicki in der Sendung betont, vor allem daran liegt, dass die Beteiligten, anders als in Berlin, "über Jahre hinweg Beziehungen zueinander aufgebaut haben".

Kurioserweise geht es bei Illner aber zunächst gar nicht um Jamaika. Zu Beginn wird ein Einspielfilm mit krawalligen Zitaten von Martin Schulz gezeigt, die er nach seiner Wahlniederlage gemacht hat. Ein Gutteil der Sendezeit geht dann dafür drauf, die Befindlichkeit der SPD zu ergründen.

Gesine Schwan, Politikprofessorin und zweimalige Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, ist als deren Vertreterin geladen. Sie hält erst mal einen kleinen demokratietheoretischen Vortrag über die Funktion der Opposition.

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Die Sozialdemokraten hatten nach dem desaströsen Ergebnis am Sonntag sofort angekündigt, dass sie für eine erneute große Koalition nicht zur Verfügung stehen. Kubicki kritisiert diesen Schritt als feige und trotzig. Die SPD habe ihre "Förmchen aus der Sandkiste" genommen, wolle nur um Mitleid heischen und müsse eben erkennen, dass sie bei den Bundestagswahlen "drei Mal hintereinander strategische Fehler begangen habe".