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Schneefall:Hunger, Kälte und Krankheiten

Bayern, 1946/47: "Hunger und Kälte waren die Begleiter dieses harten Winters", zog die SZ am 22. Februar 1947 Bilanz - mitten in einem der kältesten Winter des vergangenen Jahrhunderts. Mit eisigen Temperaturen einher gingen zu dieser düsteren Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auffallend mehr Krankheiten wie Lungen- und Rippenfellentzündungen oder schwere Erfrierungen. In vielen städtischen Haushalten waren die Wände von Eis überzogen, erinnern sich Zeitzeugen. Flüsse froren zu, sodass eigentlich zugesagte Kohlelieferungen nicht auf den Weg gebracht werden konnten, oder am Ende gar nicht in Bayern ankamen, weil sie bereits in der britischen Besatzungszone abgefangen wurden. Gleiches geschah auch mit Getreidelieferungen aus den Vereinigten Staaten, was die ohnehin knappe Lebensmittelversorgung verschärfte. Dass unter der Eislast auf den Flüssen - wie etwa in Vohburg - Brücken zusammenbrachen, machte die Versorgungslage nicht einfacher. "Der Kalorienstand von 1550 im Tage werde erhalten bleiben", zitierte die SZ damals die amerikanische Militärregierung. Die gab Bayerns Bauern die Schuld am Mangel von Brotgetreide und Fleisch; sie würden ihrer Abgabepflicht nicht voll nachkommen. Der Soziologe und Politologe Alf Mintzel, der als Bub mit seiner Familie in Nürnberg lebte, hielt über diese Zeit fest: Ihm sei übel gewesen "von der Leere des Magens". Seine Mutter habe das Wenige rationiert. "Jeder schielt argwöhnisch auf den Teller des anderen, ob er nicht ein Quantum zu wenig erhalten hat", hielt Mintzel fest.

Bayern, 1928/1929: Der Winter bringt arktische Verhältnisse. Vielerorts frieren Flüsse und Seen zu, in Augsburg verstopfte das von Lech und Wertach mitgeführte Treibeis die Flussläufe und verursachte Überschwemmungen. Dafür durften die Augsburger über bizarre Eisgebilde an den Kanälen staunen. Im gleichen Jahr wurde in Hüll - einem dünn besiedelten Ortsteil von Wolnzach bei Pfaffenhofen - die kälteste je in Deutschland offiziell registrierte Temperatur gemessen: Die Einwohner frieren am 12. Februar bei 37,8 Grad unter null.

Straßenverkehr

Sieben Fehler beim Autofahren im Winter

Grafing, 1924: Die Grafinger Zeitung meldet am 19. Januar 1924, endlich sei es wieder einmal gelungen, ein Schlittenrennen abzuhalten. Dieses in Altbayern so beliebte Vergnügen sei vier Jahre nacheinander geplant gewesen, immer aber buchstäblich ins Wasser gefallen. "Die heurigen Schneeverhältnisse aber boten vollste Garantie", schrieb das Blatt.

Leopoldsreut, 1890: Die Höhenlage und der gefürchtete Böhmwind, der über die Kammhöhe stürmt, sorgten lange Zeit für extreme Winter, die acht Monate dauern konnten. An den Häusern türmten sich meterhohe Schneewehen auf. Tote wurden oft lange im Haus aufgebahrt, bis man sie endlich mit dem Schlitten ins Tal bringen konnte. Nicht wenige Bewohner verliefen sich im Schneegestöber und sind erfroren. Die Freyunger Waldpost schilderte das harte Leben in Leopoldsreut um 1890 recht eindringlich: "So ungenügend die Kleidung der Jugend gegen die sibirische Kälte ist, ebenso unzureichend ist die Kost, deren Hauptbestandteile Kraut und Kartoffel bilden, die der früh auftretende Winter sie vielfach nicht ernten lässt. Und doch muss unsere Jugend so aufwachsen unter Entbehrungen der strengsten Art, damit ihr Körper gestählt und sie befähigt sind, den Unbilden der Witterung zu trotzen, die von einem Holzarbeiter verlangt, bei den denkbar geringsten Löhnen stets im Kampf mit den Elementen zu leben, um sich und seine Familie kümmerlich fortbringen zu können." Weil das Leben gar so kümmerlich blieb, bis zuletzt ohne elektrischen Strom, verließen 1963 die letzten Bewohner das Dorf.

Bayerischer Wald, 1866: "Aus dem baierischen Wald" heißt Adalbert Stifters letzte Erzählung, zwei Dutzend Seiten Prosa über eine Schneekatastrophe im Jahr 1866. Stifter behauptet: "Ich habe den vielleicht in 1000 Jahren nicht wieder vorkommenden Schneefall im bairischen Walde unter erschütternden Umständen erlebt." Das war im November 1866. Stifter wurde eingeschneit in Lackenhäuser am Fuße des Dreisessels.

München, 1788: Der 30. Dezember 1788 war mit minus 31,5 Grad so frostig wie kein anderer Tag im 18. Jahrhundert. Um solcherlei Ungemach zu entgehen, verließ König Ludwig I. später oft schon im Oktober seine Residenzstadt gen Süden und kehrte erst im Frühjahr wieder zurück.

Wetter "Uns geht's versorgungstechnisch gut"

Eingeschneit in Jachenau

"Uns geht's versorgungstechnisch gut"

Seit Tagen ist die Gemeinde Jachenau weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Während die Feuerwehr Lebensmittel organisiert, machen die Einwohner Zwangsurlaub und genießen die Stille.   Von Matthias Köpf