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Coronavirus-Newsblog für Bayern:Derzeit 550 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt

  • Seit gut einer Woche gelten in Bayern strenge Ausgangsbeschränkungen. Sie werden nun bis zum 19. April verlängert, bis zum Ende der Osterferien.
  • Auch der Verwaltungsgerichtshof, bei dem Klagen eingereicht worden waren, hat keine einstweilige Anordnung gegen sie erlassen.
  • Es mangelt an Schutzausrüstung wie Kittel oder Masken, deswegen schließen auch bereits Arztpraxen.
  • Laut Staatsregierung sind inzwischen 14 437 Personen in Bayern positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden (Stand: Montagmittag). Welche Landkreise wie stark betroffen sind, zeigt diese interaktive Karte. 133 Menschen sind an den Folgen einer Infektion gestorben.

Drei weitere Corona-Tote in Würzburger Seniorenheim

Montag, 30. März, 19.24 Uhr: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus sind erneut drei mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Es handele sich um zwei Frauen im Alter von 105 und 94 Jahren sowie einen 88 Jahre alten Mann, teilte das Landratsamt Würzburg am Montagabend mit. Alle drei hätten unter schweren Vorerkrankungen gelitten. Erst am Sonntagabend hatte das Heim den Tod eines 80-Jährigen gemeldet. Insgesamt sind im Raum Würzburg 17 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben, ein Großteil davon in der Senioreneinrichtung. Die übrigen positiv auf das Virus getesteten Menschen des Heimes wurden am Wochenende auf Stationen innerhalb der Einrichtung isoliert.

Bayern verlängert Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen

Montag, 30. März, 19.04 Uhr: Bayern hat die Aufhebung des Sonn- und Feiertagsverbots für Lastwagen verlängert. Die Regelung infolge der Corona-Krise gilt bis zum 19. April, wie das Innenministerium am Montag in München mitteilte. "Auch in den kommenden Wochen müssen wir sicherstellen, dass unsere Geschäfte und Firmen rund um die Uhr bestmöglich mit Waren beliefert werden können", erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Schon Anfang März hatte das Ministerium das Sonntagsfahrverbot für Transporte von haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln für den Einzelhandel in Bayern gelockert. Diese Lockerung soll auf jeden Fall bis 30. Mai 2020 bestehen bleiben. Das Sonn- und Feiertagsfahrverbot ist in Paragraf 30 Straßenverkehrs-Ordnung geregelt. Es untersagt eine Vielzahl von Transporten mit schweren Lkw sonntags und feiertags von 0 bis 22 Uhr.

Neuer Corona-Schnelltest wird gerade in Bayern entwickelt

Montag, 30. März, 18.32 Uhr: In die von der Coronavirus-Pandemie besonders betroffenen Regionen will die Staatsregierung zusätzliche Hilfe schicken. Dabei geht es nicht nur um Ärzte, wie Ministerpräsident Markus Söder am Montag erläuterte, dort sollen auch mehr Testmöglichkeiten geschaffen werden oder Polizisten den Gesundheitsämtern helfen, Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen. Zudem bekämen diese Landkreise mehr Material wie Schutzmasken oder Kittel - auch weil man erwäge, in den dortigen Altenheimen eine generelle Masken- und Schutzpflicht zu verhängen. Bezogen auf die Zahl der Einwohner gibt es vor allem in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach viele Fälle. Nach wie vor am stärksten betroffen ist der Landkreis Tirschenreuth, in dessen Kleinstadt Mitterteich vor zwei Wochen die erste Ausgangssperre verhängt wurde. Im nahen Krankenhaus von Weiden werde "am Limit gearbeitet", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Bei voller Belegung würden Patienten in andere Krankenhäuser etwa in Amberg oder Regensburg gebracht. "Niemand muss die Sorge haben, dass für ihn kein Bett mehr zur Verfügung stünde", sagte Herrmann. Um Patienten zu verteilen, wird in den 26 Rettungsleitstellen Bayerns nun die Funktion eines "Ärztlichen Leiters" eingeführt: Notärzte, die die Belegung der Krankenhäuser steuern sollen. Bayernweit gebe es auch auf den Intensivstationen noch Kapazitäten, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), in manchen Gegenden wie in Rosenheim aber "durchaus Engpässe".

Deshalb sollen eben diese 26 Regionen bis Ende der Woche Pläne und Standorte für mögliche Hilfskrankenhäuser benennen, wie Huml sagte. Möglich sei zum Beispiel, Reha-Kliniken umzufunktionieren oder auch Container-Bauten zu errichten. Die Staatsregierung geht davon aus, dass die Zahl der Infizierten deutlich steigt und damit der Bedarf an Pflegebetten in den Kliniken. Laut Huml sind auf den Intensivstationen derzeit allein 550 Betten mit Covid-19-Patienten belegt - von insgesamt etwa 4000 im Freistaat, die allerdings ja auch für andere Kranke zur Verfügung stehen. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hegt derweil die Hoffnung, schon bald werde in Bayern einen Corona-Schnelltest entwickelt sein. Er habe mit Firmen gesprochen, in der ersten Maihälfte sollten die Geräte in genügend großer Zahl produziert sein, sagte Aiwanger. Dann könnte eine Infektion "in wenigen Minuten" festgestellt werden, und zwar bei mehreren Zehntausend Personen am Tag.

Verwaltungsgerichtshof lässt Ausgangsbeschränkungen in Kraft

Montag, 30. März, 15.32 Uhr: Nach dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof hat auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die bayerischen Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise fürs Erste bestätigt. Die zuständigen Richter lehnten es am Montag ab, diese durch eine einstweilige Anordnung vorläufig außer Vollzug zu setzen, wie das Gericht mitteilte. Die Entscheidungen in einem Hauptsacheverfahren stehen allerdings, ebenso wie beim Verfassungsgerichtshof, noch aus.

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Die Antragsteller vor dem Verwaltungsgerichtshof hatten argumentiert, die Pandemie-Maßnahmen seien gesetzlich nicht gedeckt. Der zuständige Senat stellte allerdings fest, dass "die angegriffene Verordnung aller Voraussicht nach eine hinreichende gesetzliche Grundlage findet" und lehnte deshalb eine einstweilige Anordnung ab. Die Einschränkungen der Grundfreiheiten seien "angesichts der infektionsrechtlichen Bedrohungslage gerechtfertigt", hieß es. Die Richter nehmen die Staatsregierung aber auch ausdrücklich in die Pflicht: Sie müsse "laufend" überprüfen, ob und inwieweit die Einschränkungen aufrechterhalten werden müssen.

Arztpraxen schließen, weil Schutzmasken fehlen

Montag, 30. März, 15.03 Uhr: Arztpraxen geraten zunehmend wegen fehlender Schutzmasken unter Druck. Etwa 60 Praxen hätten deshalb bis Ende vergangener Woche den Betrieb eingestellt, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mit. "Waren es vor zwei Wochen noch Einzelfälle, dass Praxen schließen, melden sich nun verstärkt Ärzte, die ankündigen, ihre Praxen zu schließen", sagte ein Sprecher. Zwar seien weitere Einzelchargen mit Masken aus der Bestellung des Bundes bei der KVB eingetroffen. Teils fehle aber die notwendige Zertifizierung, die nun nachträglich erreicht werden solle. Nach wie vor gebe es keine Entspannung in Bezug auf die Ausstattung der Praxen mit der dringend benötigten Schutzausrüstung. "Von einer zufriedenstellenden Belieferung aller rund 18 000 Praxen im Freistaat sind wir noch weit entfernt", berichtete der Sprecher.

Söder wirbt erneut um Verständnis für die weitreichenden Maßnahmen

Montag, 30. März, 13.19 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat erneut um Verständnis für die weitreichenden Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie geworben. Die Lage sei weiter "sehr ernst", man dürfe keine falschen Hoffnungen wecken. "Wir wissen, dass es keine leichte Zeit ist", sagte Söder, und dass dies auch psychisch belaste. Die Einschränkungen seien aber "keine Maßnahme des Staates, die übervorsichtig ist".

Die Zahl der Infektionen im Freistaat ist laut Söder von Sonntag- bis Montagmorgen um knapp 1200 auf insgesamt 14 437 gestiegen. Weitere 23 Menschen starben. Zwar sei ein "ganz leichter Trend" erkennbar, dass sich die Ausbreitung des Coronavirus verlangsame. Aber erst Mitte April könne man beurteilen, ob die Regelungen griffen - das müsse dann bundesweit geschehen. Deshalb sei es falsch, jetzt über mögliche Lockerungen der Einschränkungen zu reden, sagte Söder. "Eine Exit-Debatte, so verständlich sie sein mag, ist jetzt zur Unzeit." Wie bei anderen Krankheiten gelte: Wer zu früh aufstehe, der riskiere einen "Rückfall". Ohne die in den vergangenen Wochen beschlossenen Einschränkungen wäre die Zahl der Infizierten in Bayern um etwa die Hälfte höher.

Angesichts der vielen Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung am Wochenende sagte Söder: "Einige haben es übertrieben." Laut Innenministerium gab es am Wochenende landesweit 50 000 Kontrollen durch die Polizei. Dabei seien etwa 10 000 Verstöße festgestellt worden, von denen etwa 2300 etwa mit einem Bußgeld geahndet wurden. In Landshut ist ein Mann sogar ins Gefängnis gekommen: Er soll dreimal gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen haben, wie die Polizei mitteilte. Der 27-Jährige habe sich am Samstag draußen mit einem Freund zum Alkoholtrinken und Rauchen getroffen. Bereits in den Tagen zuvor habe er zwei Anzeigen wegen Verstößen gegen die Beschränkungen erhalten und mehrere Hundert Euro Strafe gezahlt. Trotzdem habe sich der Mann uneinsichtig gezeigt. "Da haben wir ihn für eine Woche aus dem Verkehr gezogen", sagte ein Polizeisprecher. Noch bis zum Wochenende solle der 27-Jährige in Landshut in Gewahrsam bleiben.

Bayern verlängert Ausgangsbeschränkungen bis 19. April

Montag, 30. März, 12.37 Uhr: Im Freistaat werden die Ausgangsbeschränkungen bis Mitte April verlängert. Damit dürfen alle Bayern bis zum Ende der Osterferien ihre Wohnung nur mit einem triftigen Grund verlassen, wie es in der Anordnung heißt - also vor allem wenn sie zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu einem Arzt gehen. Auch mit Freunden spazieren zu gehen, bleibt verboten - das darf man nur mit denjenigen, mit denen man zusammenlebt. All diese Regelungen gelten seit gut einer Woche und nun auch bis zum Ende der Osterferien, nachdem es die Staatsregierung morgen formal beschlossen hat. Das gab Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittag bekannt.

Als der Freistaat die Regeln am Freitag der vorvergangenen Woche erlassen hatte, galten sie zunächst für zwei Wochen, also bis zum kommenden Freitag. Nun werden sie bis zum 19. April verlängert. Dass es vorher keine Lockerung der Coronavirus-Beschränkungen geben könne, hatte am Wochenende auch die Bundesregierung deutlich gemacht. Die Verlängerung gilt auch für die Schließung von Geschäften und Restaurants und für das generelle Besuchsverbot in Altenheimen und Krankenhäusern. Ebenfalls bis zum 19. April bleiben in Bayern alle Schulen, Kindertagesstätten und Freizeiteinrichtungen geschlossen - das war aber schon länger klar. Die Einschränkungen weiter zu verschärfen, sei nicht geplant, sagte Söder. Und auch nicht, eine Schutzmaskenpflicht in Supermärkten einzuführen, so wie das Österreich plant. Generell schloss Söder das aber nicht aus.

Aktuelles zum Coronavirus aus dem Münchner Umland

Seit Ende Januar ist das Coronavirus in Deutschland nachgewiesen, der erste Patient war ein Mann aus dem Münchner Umland. Die Landeshauptstadt und die angrenzenden Landkreise sind von der Pandemie in Bayern mit am stärksten betroffen. In diesen Newsblogs informiert die Süddeutsche Zeitung über die Entwicklung in einzelnen Landkreisen:

Aktuelle Meldungen und Informationen aus der Stadt München

Die Lage im Landkreis München

Die Lage im Landkreis Freising

Die Lage im Landkreis Starnberg

Die Lage im Landkreis Fürstenfeldbruck

SPD: Sommersemester nicht auf Studienzeit anrechnen

Montag, 30. März, 11.30 Uhr: Wegen der Corona-Krise sollte das anstehende Sommersemester an den bayerischen Universitäten nicht wie geplant auf jeden Fall durchgeführt werden, das fordert die SPD. Wie in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche Professoren will auch der SPD-Wissenschaftspolitiker Christian Flisek stattdessen, es als "Nicht-Semester" beziehungsweise "Nullsemester" werten. Das bedeutet, es wird nicht auf Regelstudienzeit und Maximalstudiendauer angerechnet und die BAföG-Zahlungen müssten weitergehen.

In der vergangenen Woche hatte die Staatsregierung mitgeteilt, dass die Vorlesungszeit an den Universitäten und Hochschulen am 20. April beginnen soll, notfalls in Form von Internetvorlesungen. Ein Ausfall sei trotz Corona-Krise keine Option. Die technischen Möglichkeiten, einen ausschließlich digitalen Lehr- und Prüfungsbetrieb anzubieten, seien aber nicht an allen Hochschulen und Universitäten gleichwertig vorhanden, sagte Flisek. "Es ist kaum vorstellbar, dass alle Veranstaltungen in allen Studiengängen einfach in digitaler Form ohne nennenswerte Einbußen durchgeführt werden können." Gleichwohl solle das Sommersemester nicht komplett ausfallen. "Ich halte es für sehr sinnvoll, überall da, wo es möglich ist, Lehr- und Prüfungsveranstaltungen digital anzubieten."

Vorratskäufe verteuern Nudeln und Mehl nicht

Montag, 30. März, 10.58 Uhr: Trotz Hamsterkäufen hat die Corona-Krise im März nicht zu breiten Preissteigerungen bei besonders begehrten Produkten in Bayern geführt. Teigwaren wie Nudeln wurden im Vergleich zum Februar sogar um 3,6 Prozent billiger, wie aus dem neuen Verbraucherpreisindex des Landesamts für Statistik hervorgeht. Mehl kostete 1,3 Prozent weniger, der Preis für Toilettenpapier blieb konstant. Minimal teurer wurden Trockengemüse und konserviertes Gemüse, die um 0,2 Prozent zulegten, sowie Suppen und Nahrungsmittelzubereitungen, deren Preise um ein Prozent anzogen. Reis und Reiszubereitungen verteuerten sich um 2,3 Prozent.

Verband warnt: Jugendherbergen vor endgültigem Aus

Montag, 30. März, 7.53 Uhr: Die Jugendherbergen in Bayern warnen mangels finanzieller Hilfen vor einer Schließung aller 58 Häuser im Freistaat. Sie seien in der Corona-Krise bisher durch keinen Schutzschirm oder andere Unterstützungsleistungen erfasst, erläuterte der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks. In einem Schreiben wandte er sich an die Abgeordneten von Landtag und Bundestag sowie an Bürgermeister und Landräte der betroffenen Orte. "Ohne Unterstützung durch Bund und Land ist der Landesverband zur dauerhaften Aufgabe der Standorte gezwungen", heißt es darin.

Mit der Verfügung zur Schließung unter anderem von Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben mussten Mitte März auch die Jugendherbergen komplett zumachen. Der Umsatz aller Jugendherbergen sei auf null gesunken. "Alle bestehenden Buchungen wurden vollständig durch die Gäste storniert. Bislang sind keinerlei neue Buchungen für den weiteren Jahresverlauf eingegangen", heißt es in dem Brief. Nach der Absage vieler Schulfahrten sei bis Ende 2020 auch nicht mit Buchungen wesentlicher Gruppen zu rechnen. Gleichzeitig müssten Löhne und Gehälter der Mitarbeiter weiter bezahlt werden, ebenso die Unterhaltskosten für die Häuser. "Das System 'Jugendherbergen in Bayern' droht, in der bisher gekannten Form zu zerfallen", schreibt der Verband. Nur durch rasch wirksame Maßnahmen könnten endgültige Schließungen verhindert werden.

Weiterer Toter in Würzburger Seniorenheim

Sonntag, 29. März, 21.17 Uhr: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus ist ein 13. Bewohner nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus gestorben. Das teilte das Landratsamt Würzburg am Sonntagabend mit. Der 80 Jahre alte und schwer vorerkrankte Mann sei am Wochenende verstorben. In der Region Würzburg sind damit 14 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben, 13 davon waren im Seniorenheim St. Nikolaus wohnhaft. Am Freitagabend starb ein 57-Jähriger in einem Würzburger Seniorenzentrum der AWO.

Fast 600 Anzeigen am sonnigen Wochenende in München

Sonntag, 29. März, 19.52 Uhr: Der Grund dürfte das schöne Wetter gewesen sein: Von Freitag- bis Sonntagmorgen hat die Münchner Polizei 595 Menschen angezeigt, weil sie sich nicht an die Regeln hielten, mit denen das Coronavirus eingedämmt werden soll. Alleine 344 Anzeigen gab es von Samstag- bis Sonntagfrüh, so viele wie an keinem anderen Tag bisher. Meist hielten sich die Betroffenen nicht daran, dass die eigene Wohnung derzeit nicht ohne triftigen Grund verlassen werden darf. In 43 Fällen dagegen hatten die Leute zum Beispiel ihre Geschäfte nicht geschlossen. Kontrolliert wurden an beiden Tagen mehr als 13 000 Menschen.

Im Blick hatte die Polizei auch Freizeitziele im Umland; ein Ausflug sei kein "triftiger Grund", die Wohnung zu verlassen, hatte die Münchner Polizei zuvor gewarnt. An Starnberger See und Ammersee seien viele Spaziergänger und Sportler unterwegs gewesen, heißt es von der oberbayerischen Polizei; die meisten hätten sich aber an die Regeln gehalten.

Söder informiert am Montag über weiteren Anti-Corona-Kampf

Sonntag, 29. März, 17.55 Uhr: Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montagmittag über das weitere Vorgehen informieren: Für 12.30 Uhr hat die Staatskanzlei zu einer Pressekonferenz eingeladen. Ein zentraler Punkt neben aktuellen Zahlen und Entwicklungen dürfte sein, ob und bis wann die umfangreichen Ausgangsbeschränkungen, die in Bayern zunächst bis einschließlich 3. April befristet wurden, verlängert werden. Dass sie verlängert werden, daran gibt es kaum Zweifel.

Kanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU) hatten zuletzt bereits deutlich gemacht, dass schnelle Lockerungen der Kontaktbeschränkungen für Bürger noch nicht im Raum stehen. Braun sagte dem "Tagesspiegel": "Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen." Für die konkreten Regelungen sind allerdings die Länder zuständig. Aber auch Söder selbst hatte zuletzt vor einem zu frühen Ende der Auflagen und Beschränkungen gewarnt.

SPD: In Corona-bedingter Schließzeit keine Kita-Gebühren

Sonntag, 29. März, 17.23 Uhr: Die SPD-Landtagsfraktion möchte in der Corona-Krise die Eltern von Kita-Kindern von den Gebühren befreien. Dazu solle die Landesregierung einen Fonds auflegen, um den Trägern der Einrichtungen - Kommunen, Kirchen, private Anbieter - die Einbußen zu erstatten. Für die Zeit der noch bevorstehenden Schließungen sollten keine Elternbeiträge mehr eingezogen werden, heißt es in einem Brief der familienpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Doris Rauscher, an Sozialministerin Carolina Trautner (CSU).

Bereits geleistete Beiträge sollen zurückerstattet werden. Für die Gebühren sind in Bayern die Kommunen und Träger der Kitas zuständig. Diese sollen über einen Sonderfonds unterstützt werden, so Rauschers Vorschlag. Die Höhe des Fonds sei noch nicht abschätzbar, da die Kosten von der Dauer der Kita-Schließungen abhängen, sagte eine Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Zunächst waren weder das Sozialministerium noch der Bayerische Gemeindetag für eine Stellungnahme erreichbar.

Kunst und Corona: #MuseumFromHome

Sonntag, 29. März, 14.43 Uhr: Wegen der aktuellen Ausgangsbeschränkungen in Bayern bieten viele Kunst- und Kultureinrichtungen digitale Alternativen zum Museumsbesuch an. Der bayerische Staatsminister für Kunst, Bernd Sibler, dankte den Kulturschaffenden für ihre Kreativität und den Erfindergeist. "Kunst und Kultur können gerade in diesen schwierigen Zeiten eine sinnstiftende und verbindende Funktion einnehmen", sagte Sibler am Sonntag.

Viele Kultureinrichtungen lassen sich nun digital besuchen. Das ägyptische Museum in München etwa bietet Interviews, Erklärfilme und digitale Rundgänge an. Auf Facebook, Instagram und Twitter stellen Kuratoren der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen unter dem Hashtag #Kunstminute berühmte Gemälde vor. Über das Landeskulturportal wird ein virtueller Spaziergang durch zahlreiche Einrichtungen angeboten. Mehr als 320 000 digitalisierte Objekte aus Museen und Bibliotheken lassen sich dort besichtigen. Einen Überblick, was Münchens Museen und Ausstellungshallen digital zu bieten haben, gibt es auch hier.

Ministerium: 13 263 Coronavirus-Fälle und 110 Tote

Sonntag, 29. März, 12.36 Uhr: In Bayern sind mittlerweile 13 263 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Das teilte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag mit. Den Angaben zufolge sind bislang 110 Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert waren, gestorben.

600 Flüchtlinge in Ankerzentrum unter Quarantäne

Sonntag, 29. März, 10.51 Uhr: Etwa 600 Bewohner des Ankerzentrums in Geldersheim in Unterfranken sind nach vereinzelten Coronavirus-Infektionen unter Quarantäne gestellt worden. Sieben der untergebrachten Flüchtlinge und ein externer Beschäftigter seien positiv auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden, wie die Regierung von Unterfranken mitteilt. Die infizierten Bewohner sollten in einem gesonderten Gebäude unterkommen. Für die Einrichtung gelte ein Aufnahme- und Verlegungsstopp.

Auch die Münchner Wohlfahrtsverbände sorgen sich um die Stimmung in den Flüchtlingsunterkünften. Schon in normalen Zeiten leben gut 6000 Flüchtlinge in der Stadt unter prekären Umständen, durch die Corona-Krise fallen viele Hilfsangebote weg.

Polizei: "Das war absoluter Wahnsinn"

Sonntag, 29. März, 10.38 Uhr: Zum Start in das frühlingshafte Wochenende haben in Bayern Hunderte Menschen gegen die in der Corona-Krise erlassenen Auflagen verstoßen. Die Polizei meldete in fast allen Regierungsbezirken zahlreiche Einsätze in Zusammenhang mit der seit dem 21. März geltenden Ausgangsbeschränkung. Ein Sprecher der Polizei Oberbayern Nord sagte am Sonntag, die Beamten seien zwischenzeitlich von der Anzahl der Einsätze "überrollt" worden. Weil etwa der erforderliche Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten worden sei, sich Menschen in die Sonne legten oder Grillfeste veranstalteten, rückte die Polizei alleine dort mehr als 150 Mal aus. "Das war absoluter Wahnsinn", sagte der Polizeisprecher. An der Isar in München schickte die Polizei die Menschen per Lautsprecher-Durchsage nach Hause.

Auch in der Oberpfalz beschäftigten Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen die Beamten. Hier waren sie gut 140 Mal im Einsatz. In Mittelfranken stand etwa die Hälfte aller Einsätze mit den Ausgangsbeschränkungen in Zusammenhang. Im südlichen Schwaben war es dagegen ruhiger. "Wir haben Berge und Hütten abgesucht, aber man hat sich an die Verbote gehalten", sagte ein Sprecher der Polizei Schwaben Süd am Sonntag.

Experte: Coronavirus heftiger für Arbeitsmarkt als Finanzkrise

Sonntag, 29. März, 7.54 Uhr: Die aktuelle Corona-Krise wird nach Meinung von Experten den Arbeitsmarkt in Bayern massiv beeinträchtigen. Die aktuelle Situation habe wesentlich stärker zugeschlagen als die Finanzkrise 2009, sagte ein Experte aus dem Arbeitsministerium in München der Nachrichtenagentur dpa. Eine genaue Prognose über die Entwicklung der Arbeitslosen- und Kurzarbeiterzahlen in den nächsten Monaten sei derzeit zwar nicht möglich. Sicher sei aber, dass sich die Kurzarbeit massiv erhöhen werde. Auch von steigenden Arbeitslosenzahlen sei auszugehen. "Die Lage ist momentan extrem schwierig. Alles hängt von der Länge der Pandemie und der Wirkung der notwendigen Maßnahmen zu deren Eindämmung ab", sagte er.

Die am Dienstag (31. März) durch die Regionaldirektion der Bundesagentur veröffentlichten Zahlen für den Monat März werden nicht die aktuelle Situation des Arbeitsmarkts widerspiegeln, da der Stichtag für die Berechnung, der 12. März, vor den von Bund und Freistaat verhängten Ausgangsbeschränkungen sowie Betriebs- und Schulschließungen lag, so der Fachmann. Einen Hinweis darauf, dass zunächst die Kurzarbeit in Bayern sehr stark steigen werde, seien die Kurzarbeitsanzeigen der Unternehmen. Am 20. März lagen den Arbeitsagenturen 14 600 Anzeigen von Betrieben vor. Tendenz deutlich steigend. Zum Vergleich hatte diese Zahl im Januar bei 262 Kurzarbeitsanzeigen gelegen.

25 000 Euro Spenden für verteilten Knödelteig

Samstag, 28. März, 18.32 Uhr: Eine Knödelteig-Verteilaktion hat in der Oberpfalz 25 000 Euro für den guten Zweck eingebracht. Die Firma Burgis hatte gegen Spenden tonnenweise Kloßteig und vorgeformte Knödel ausgegeben, die in der Corona-Krise nicht an die Gastronomie geliefert werden können. Die Bilanz nach zwei Tagen: Es sind sogar noch etwas mehr als die geplanten 60 Tonnen geworden. "Weil so viele Leute anstanden", sagte eine Sprecherin am Samstag. Insgesamt seien in der eingerichteten Drive-In-Station auf dem Werksgelände in Neumarkt in der Oberpfalz etwa 2500 Autos vorgefahren, hieß es weiter. Burgis-Mitarbeiter packten die Produkte in die Kofferräume und die Autofahrer steckten ihr Geld vom Fenster aus in eine Spendenbox. Das am Freitag und Samstag gesammelte Geld geht an die örtliche Diakonie.

Einzelhändler: "Seit dem 18. März machen wir null Euro Umsatz"

Samstag, 28. März, 16.48 Uhr: Obwohl die Umsätze der Einzelhändler in der Corona-Krise massiv eingebrochen sind, hat der Handelsverband Bayern für die drastischen Maßnahmen der Politik Verständnis. "Wir stehen als Einzelhandelsverband voll und ganz hinter den Entscheidungen", sagte Verbandspräsident Ernst Läuger dem Münchner Merkur. Allerdings: "Wenn der Staat das öffentliche und wirtschaftliche Leben einschränkt, ist er auch dafür verantwortlich, diese Schäden zu begrenzen." Seit dem 18. März sind viele Geschäfte wegen der Corona-Krise geschlossen.

Nicht alle Hilfsmaßnahmen greifen Läuger zufolge wie gewünscht: "Wir bekommen von Händlern gemeldet, dass die Hürden bei Krediten, für die der Staat bürgt, so hoch sind, dass sie in den kommenden vier Wochen nicht zum Greifen kommen." Der Verbandspräsident plädierte für einen Steuererlass, um der gebeutelten Wirtschaft unter die Arme zu greifen. "Die beschlossenen Stundungen von Steuern helfen nur kurzfristig." Der Handelsverband rechnet derzeit im bayerischen Einzelhandel - ohne die Lebensmittelgeschäfte - mit Umsatzeinbußen von 185 Millionen Euro pro Tag. "Seit dem 18. März machen wir null Euro Umsatz. Zwar mag der ein oder andere Einzelhändler zusätzlich über das Internet verkaufen, das reicht aber bei Weitem nicht aus, um den Verlust auf der anderen Seite zu kompensieren", erklärte Läuger. "Abgesehen von Lebensmitteln halten sich die Menschen gerade generell im Konsum zurück." Seiner Einschätzung nach werden in Bayern im April 180 000 Beschäftigte in Kurzarbeit gehen.

Lesen Sie mehr dazu, wie Bayerns Händler den Lieferservice entdecken: Weil die Geschäfte geschlossen bleiben, werden in vielen bayerischen Städten jetzt alle Waren nach Hause gebracht - mit erstaunlichem Erfolg.

11 862 Coronavirus-Fälle und 85 Tote in Bayern

Samstag, 28. März, 15.03 Uhr: In Bayern sind inzwischen 11 862 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Das teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen am Samstag (Stand 10 Uhr) auf seiner Homepage mit. Den Angaben zufolge sind bislang 85 Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert waren, gestorben.

Auch Privatbahnen dünnen ihr Angebot weiter aus

Samstag, 28. März, 14.20 Uhr: Nach der Deutschen Bahn streichen in der Corona-Krise jetzt auch mehrere Privatbahnen Verbindungen in Bayern. Züge würden deswegen von Montag an seltener fahren, teilte die Länderbahn am Samstag mit. Außerdem würden Haltestellen entfallen, hieß es weiter. Weil immer weniger Menschen mit dem Zug fahren, werden einige Verbindungen außerhalb der Hauptverkehrszeit - also früh morgens, spät abends und teilweise am Wochenende - gestrichen. Laut der Länderbahn betrifft das den Zug alex Nord, die Oberpfalzbahnen 1 und 3, die Waldbahnen 1 bis 3 und die Berchtesgardener Landbahn. Auch die Takte, in denen die manche Züge tagsüber unter der Woche fahren, werden größer. Außerdem werde streckenweise der Verkehr von Zügen eingestellt, die eine Grenze überfahren, teilte die Länderbahn mit. Das bedeute Haltausfälle bei dem Zug alex Süd und den Oberpfalzbahnen 2 und 3, hieß es weiter. Auch Passagiere der Oberpfalzbahnen 4 und 5 müssen sich wegen Haltausfällen umstellen. Für bestimmte Abschnitte wird aber ein Ersatzverkehr eingerichtet.

Ministerin: Väter dürfen zur Geburt in den Kreißsaal

Samstag, 28. März, 13.40 Uhr: Werdende Väter dürfen auch in der Corona-Krise bei der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus dabei sein. Darauf hat am Samstag Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) abermals hingewiesen. Auch engste Angehörige dürften nicht von Besuchen in den Kliniken nach Geburten ausgeschlossen werden. Zuvor hatten vereinzelt Kliniken wegen des Ansteckungsrisikos mit dem neuartigen Coronavirus Väter nicht mehr in die Kreißsäle gelassen. Ansonsten bleibt es laut Ministerium aber dabei: Besuche in Krankenhäusern sind derzeit verboten.

"Die Geburt eines Kindes ist ein außergewöhnliches Ereignis. Deshalb haben wir hierfür eine Ausnahme vorgesehen", sagte Huml. Die Hygiene-Abteilung eines Krankenhauses muss allerdings festzulegen, welche Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu treffen sind. "Dazu zählen insbesondere das Tragen von Schutzkleidung und zeitliche Vorgaben für den Besuch", hieß es in der Mitteilung. "Außerdem muss der Gesundheitszustand des Besuchers überprüft werden." Es dürfe kein Hinweis auf einen Infekt der Atemwege vorliegen.

Wie die aktuellen Regeln in München sind, hat SZ-Redakteurin Ekaterina Kel hier zusammengefasst.

Aiwanger: "Nicht zu früh Maßnahmen zulassen, die wieder Ansteckungsrisiken erhöhen"

Samstag, 28. März, 12.46 Uhr: In der Debatte, wann die weitreichenden Einschränkungen gegen die Coronavirus-Pandemie wieder aufgehoben werden können, rudert Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zurück. In einem Interview mit der Passauer Neuen Presse sagte er: "Wir müssen uns zumindest so organisieren, dass wir abhängig von der medizinischen Entwicklung für verschiedene Zeitabläufe gerüstet sind. Je länger es dauert, umso teurer wird es, trotzdem dürfen wir nicht zu früh Maßnahmen zulassen, die wieder Ansteckungsrisiken erhöhen." Noch am Mittwoch hatte Aiwanger, der auch bayerischer Vize-Ministerpräsident ist, gesagt: "Wir halten das natürlich nicht monatelang durch, sondern meine Einschätzung ist, irgendwann ab Mitte April müssen wir die Kurve gekratzt haben." Dafür wurde er nicht nur von führenden Politikern der Freien Wähler kritisiert, auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vor verfrühten Spekulationen gewarnt.

Melde-Plattform für Ärzte und Medizinstudenten gestartet

Samstag, 28. März, 11.47 Uhr: Für Ärzte und Medizinstudenten, die beim Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus mithefen wollen, gibt es nun ein eigenes Melde-Portal. Da sich in den vergangenen Wochen so viele Unterstützer Pandemie gemeldet haben, hat die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) zusammen mit dem Gesundheitsministerium eine Website zur freiwilligen Registrierung der ärztlichen Helfer eingerichtet - "um Angebot und Bedarf an zusätzlicher ärztlicher Mitarbeit zueinander zu bringen", wie BLÄK-Präsident Gerald Quitterer sagt. Unter freiwillige.blaek.de können sich Medizinstudenten und Ärzte aus dem In- und Ausland registrieren. Zudem gibt es für Praxen, medizinische Versorgungszentren, Gesundheitsämter und Betreiber von Bürgertelefonen die Möglichkeit, sich zu melden, wenn noch Unterstützung gesucht wird. Die eingesetzten Helfer werden entlohnt. Zudem haben sich nach Angaben von Gesundheitsministerin Melanie Huml bereits mehr als 1700 Pflegerinnen und Pfleger, die derzeit nicht in ihrem Beruf tätig sind, für einen möglichen Einsatz gemeldet. Dafür gibt es die Online-Plattform www.pflegepool-bayern.de.

Sportvereine rechnen mit Schaden in Höhe von Hunderten Millionen Euro

Samstag, 28. März, 9.23 Uhr: Der bayerische Sport erwartet wegen der Folgen der Corona-Krise Hunderte Millionen Euro Schaden. Über ein Online-Meldesystem können sich seit der vorigen Woche Vereine und Verbände mit den zu erwartenden Einbußen melden. Bis Freitag gingen dabei beim Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) etwa 1000 Einträge ein, "Tendenz: stark ansteigend", wie der BLSV bekanntgab. "Aufgrund der ersten Erkenntnisse geht der BLSV schon jetzt von einem geschätzten Schaden von insgesamt mehr als 200 Millionen Euro für den organisierten Sport in Bayern aus", hieß es in einer Mitteilung. Als drängendste Probleme wurden die Liga-, Sport- und Trainingsbetriebe, die Sportanlagen und die Kosten für Betreuer und Trainer identifiziert. BSLV-Präsident Jörg Ammon forderte Unterstützung von der Politik: "Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln, gerade in dieser schwierigen Zeit benötigen wir schnellstmöglich staatliche Unterstützung in Form eines finanziellen Hilfspakets, um die Existenz unserer Sportvereine und Sportfachverbände zu sichern."

Streit über Einsatz von Asylbewerbern als Helfer in der Landwirtschaft

Samstag, 28. März, 7.48 Uhr: Der von der Politik erlaubte Einsatz von Asylbewerbern als Erntehelfer in der Corona-Krise empört den Bayerischen Flüchtlingsrat. "Grundsätzlich begrüßen wir natürlich, dass Geflüchteten der Zugang zur Arbeit erleichtert wird", schreibt er in einer Erklärung. Jedoch dürfte dies nur unter fairer Bezahlung, umfassenden Schutzmaßnahmen und langfristig stattfinden: "Wir merken uns das und werden die Staatsregierung nach der Krise daran erinnern!" Viele geduldete Flüchtlinge kämpften seit Jahren vergebens darum, arbeiten zu dürfen oder eine Ausbildung anzufangen, sagte Johanna Böhm vom Flüchtlingsrat. Jetzt, da aufgrund der Corona-Krise Erntehelfer nicht ins Land dürften oder aus Selbstschutz fernblieben, sollen Geflüchtete einspringen, aber nur kurzfristig. Eine Bleibeperspektive solle daraus nicht entstehen. "Das ist eine ungeheuerliche opportunistische Ausbeutung", so Böhm.

Bayerns Innen- und Landwirtschaftsministerium teilten am Freitag mit, dass Ausländerbehörden angehalten seien, Asylbewerbern eine Erntehelfertätigkeit nach Möglichkeit ab sofort zu erlauben. Das sei von öffentlichem Interesse, die Behörden sollten ihre gesetzlichen Spielräume nutzen und notwendige Beschäftigungserlaubnisse "offensiv erteilen". Zuletzt hatten vor allem die Spargel-und Hopfenbauern die Sorge geäußert, dass wegen der Corona-Krise nicht genügend ausländische Helfer in den Freistaat kommen könnten. Die Hinweise gelten laut Innenministerium für Asylbewerber im laufenden Verfahren ebenso wie für bereits abgelehnte Asylbewerber. Entsprechende Beschäftigungserlaubnisse würden allerdings nur zeitlich beschränkt für die Zeit der Erntehelferarbeit erteilt.

Zwölfter Bewohner in Würzburger Heim stirbt nach Corona-Infektion

Freitag, 27. März, 17.41 Uhr: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus ist ein weiterer mit dem neuen Coronavirus infizierter Bewohner gestorben. Wie das Landratsamt mitteilte, starben damit bislang zwölf Bewohner an Covid-19. Viele davon waren über 80 Jahre alt und hatten Vorerkrankungen. Details zu dem neuerliches Todesfall wurden nicht bekanntgegeben. Die Einrichtung ist seit Wochen ein Schwerpunkt bei Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Bayern. Inzwischen sind nach Angaben der Stadt alle zumeist hochbetagten Bewohner sowie alle Mitarbeiter der Einrichtung auf das Coronavirus getestet worden, davon 44 Bewohner und 32 Mitarbeiter positiv. Alle drei Tage sollen die Tests wiederholt werden.

Bußgeldkatalog: Verstoß gegen Corona-Auflagen kann teuer werden

Freitag, 27. März, 15.50 Uhr: Wer in Zeiten der Corona-Pandemie gegen das Abstandsgebot von 1,5 Metern verstößt, kann mit einem Bußgeld von 150 Euro belangt werden. 150 Euro Bußgeld drohen auch Personen, die ohne triftigen Grund ihre Wohnung verlassen. Das geht aus dem neuen Bußgeldkatalog hervor, den das Gesundheits- und das Innenministerium am Freitag erlassen haben. Das Regelwerk sieht aber auch bedeutend schärfere Sanktionen vor. Wer beispielsweise ohne Befugnis eine Klinik oder vergleichbare medizinische Einrichtung betritt, muss mit 500 Euro Bußgeld rechnen. Das gleiche Bußgeld gilt für das unbefugte Betreten von Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen, Altenheimen und Seniorenresidenzen. Wirte, die ihr Gasthaus öffnen, können sogar mit 5000 Euro Bußgeld bestraft werden.

Gesundheitsministerin Melanie Huml und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) appellierten an die Bevölkerung, die Corona-Regeln einzuhalten. "Wir müssen gemeinsam alles unternehmen, um das gefährliche Virus bestmöglich einzudämmen", sagte Huml. Herrmann erklärte: "Verstöße werden wir konsequent sanktionieren. Wo notwendig wird die Polizei die Kontrollen weiter verstärken." Laut Huml und Herrmann geht es nicht darum, die Bevölkerung zu kriminalisieren. "Aber jeder muss verstehen, dass es beim Coronavirus für viele Menschen um Leben und Tod gehen kann", sagte Huml. Deshalb sei große Vorsicht und Rücksichtnahme geboten, um weitere Infektionen möglichst zu vermeiden.

Herrmann betonte, dass sich der "weit überwiegenden Teil der Bevölkerung vorbildlich an unsere Schutzregeln hält". Es gebe aber auch Leute, die aus Unwissenheit oder Uneinsichtigkeit gegen die Vorgaben verstoßen. Deshalb forderte der Innenminister die Bevölkerung auf, "nicht nach Schlupflöchern zu suchen, um beispielsweise die Ausgangsbeschränkungen zu umgehen". Der Bußgeldkatalog ist eine Richtschnur für die Kreisverwaltungsbehörden, sie sind für den Erlass der Bußgelder zuständig. Außerdem wurde er der Polizei zur Verfügung gestellt. Nachlesen kann man ihn beispielsweise auf der Internetseite des Innenministeriums.

Zahl der bestätigten Infektionen steigt auf 10 180

Freitag, 27. März, 15.35 Uhr: Die Zahl der Corona-Infektionen in Bayern ist über die 10 000-er-Marke gestiegen. Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit betrug sie am Freitagvormittag 10 180. Das sind 1338 Infektionen oder 15,1 Prozent mehr als am Vortag. 761 Infizierte wurden in Kliniken behandelt. Die Zahl der Corona-Toten hat sich um sieben auf 59 erhöht.

Firma verteilt 60 000 Kilo Knödelteig gegen Spenden

Freitag, 27. März, 14.52 Uhr: Wohin mit 60 000 Kilogramm Knödelteig? Die Firma Burgis aus Neumarkt in der Oberpfalz hat gegen Spenden Produkte verteilt, die wegen der Corona-Krise nicht an die Gastronomie geliefert werden können. Dafür richtete sie auf ihrem Werksgelände eine Drive-In-Station ein. Der Andrang sei enorm gewesen, sagte eine Sprecherin am Freitag. Es gab wahlweise Kloßteig und vorgeformte Knödel in verschieden großen Beuteln. Die Abholer wurden um freiwillige Spenden gebeten. Manche gaben für einen Beutel 100 oder 200 Euro, sagte die Sprecherin. Das Geld steckten die Autofahrer vom Fenster aus direkt in eine Spendenbox. Burgis-Mitarbeiter packten die Beutel in den Kofferraum, so dass Kontakt vermieden und Abstand eingehalten wurde. Die Spenden gehen an die Diakonie in Neumarkt. Durch die vorübergehende Schließung der Gaststätten wegen des Coronavirus waren die Lagerräume des Herstellers noch voll mit Ware. Diese hätten sie nicht in die Biogasanlage geben wollen, so die Sprecherin. Wie viel Geld zusammenkam, war zunächst unklar.

Polizei rät von Wochenend-Ausflügen ab

Freitag, 27. März, 14.45 Uhr: Mit Argwohn blickt die Polizei dem Wochenende entgegen - des schönen Wetters wegen. Die Münchner Polizei etwa appellierte am Freitag, nicht in die Parks oder an die Isar zu strömen. Man solle sich weiterhin auf das engere Umfeld "um den eigenen Wohnbereich herum beschränken", um so "an bestimmten Orten keine unnötige Mehrbelastung zu verursachen". Vor allem in den Parks werde man aufpassen, dass keine Gruppen entstehen und nicht gegen den gebotenen Mindestabstand verstoßen wird. Zwar ist es in Bayern nach wie vor erlaubt, für "Sport und Bewegung an der frischen Luft" die Wohnung zu verlassen - aber nur alleine oder mit Menschen, mit denen man zusammenlebt. Zu anderen muss ein Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) rief erneut dazu auf, auf Ausflüge in die Berge zu verzichten. "Es ist nicht der Sinn der Sache, wenn Leute zuhauf über 50 oder 100 Kilometer meinen, in die Berge fahren zu müssen. Da rate ich dringend davon ab", sagte Herrmann.

30 000 Azubis werden frühestens im Juni mit der Ausbildung fertig

Freitag, 27. März, 14.16 Uhr: Wegen der Corona-Krise können mehr als 30 000 Azubis in Bayern vorerst ihre Abschlussprüfungen nicht absolvieren. Die für dieses Frühjahr vorgesehenen Termine sind deutschlandweit abgesagt, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mitteilte. Allein in Oberbayern betrifft das 11 000 Azubis, die Nachholtermine sind nach Angaben der IHK München und Oberbayern für Mitte Juni geplant. Die absehbare Folge ist, dass zumindest diejenigen, die von ihren Betrieben nicht übernommen werden oder den Arbeitgeber wechseln wollen, erst später mit Abschlusszeugnis auf Stellensuche gehen können. Die Industrie- und Handelskammern sind zuständig sowohl für kaufmännische Berufe als auch für mehr als 130 technische Berufe, darunter Industriemechaniker und Mechatroniker.

Landtagsabgeordnete können bald auch per Videokonferenz debattieren

Freitag, 27. März, 13.35 Uhr: Auch die Landtagsausschüsse werden bis auf Weiteres nur in Schrumpf-Besetzung tagen: Die Zahl der Teilnehmer wird wie schon bei den vergangenen beiden Plenarsitzungen auf ein Fünftel reduziert - wobei die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse von allen Fraktionen wechselseitig anerkannt werden. Zudem können sich Abgeordnete per Video zuschalten lassen. Darauf habe man sich am Freitag im Einvernehmen mit allen Fraktionen verständigt, sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Was Sitzungen per Video betrifft, so verständigten sich die Fraktionen nach Angaben Aigners darauf, dass jedenfalls die Ausschussvorsitzenden im Landtag vor Ort sein sollen. Wer sich von dem Fünftel der Abgeordneten, die überhaupt noch teilnehmen sollen, lieber per Video zuschalten will, der soll dies tun. Die Regelungen sollen ab den Osterferien gelten.

Nach elf Todesfällen: Würzburger Seniorenheim wird nicht teilevakuiert

Freitag, 27. März, 13.02 Uhr: Das Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus in dem - Stand Freitag - elf Bewohner nach einer Coronavirus-Infektion gestorben sind, wird nicht teilevakuiert. Nach langer Debatte habe man entschieden, stattdessen nicht-infizierte und infizierte Bewohner auf verschiedene Stationen innerhalb der Einrichtung zu verteilen, sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt, der auch Stiftungsratschef der Einrichtung ist. Alle Heimbewohner wurden inzwischen getestet, 44 waren positiv, das ist fast die Hälfte. Laut OB zeigten sich die Probleme in dem Heim "wie in einem Brennglas".

In Würzburg wurden unterdessen auch in anderen Heimen Infizierungen festgestellt, andernorts in Bayern häufen sich die Fälle ebenfalls. Insofern werde genau beobachtet, wie in Würzburg vorgegangen werde, sagte der OB. Er zählte mehr als ein halbes Dutzend Argumente sowohl für eine Evakuierung wie dagegen auf. Unterm Strich waren offenbar vor allem das Transportrisiko, der logistische Aufwand, die zusätzliche Belastung für den Rettungsdienst sowie die Vermeidung eines neuen Infektions-"Hotspots" maßgeblich für die Nicht-Evakuierung. Der OB appellierte erneut eindringlich an alle in Frage kommenden Institutionen, das Heim mit Material und Personal zu unterstützen. Die Heimmitarbeiter arbeiteten "bis zur Erschöpfung".

Die Bundeswehr hat personelle Unterstützung bislang abgelehnt. Bei aller Trauer um die elf Verstorbenen - der derzeit ausschließlich im Heim tätige Arzt Michael Schwab bat auch darum, die Zahl richtig einzuordnen. Im Heim seien viele hochbetagte Bewohner untergebracht, nicht wenige seien um die hundert Jahre alt. Auch während einer "normalen Grippewelle" stürben in dem Heim "regelmäßig acht bis zehn" Bewohner. Nach den ersten Infizierungen habe er "überraschend geordnete Verhältnisse im Heim vorgefunden". Die Mitarbeiter seien aber an der Grenze der Belastbarkeit.

Die Bahn dünnt ihr Angebot weiter aus

Freitag, 27. März, 12.44 Uhr: Wegen der Corona-Krise wird der Zugverkehr im Freistaat weiter reduziert. Demnach sollen von Montag an vor allem "freizeitorientierte Angebote, Schülerzüge und Taktverstärker" ausfallen, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Der neue Fahrplan entspreche damit oft dem Wochenendfahrplan, allerdings mit zusätzlichen Verbindungen am frühen Morgen, damit Berufstätige weiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren könnten. Wem es aber möglich sei, solle von einer Reise absehen oder sie außerhalb der Stoßzeiten durchführen. Für die Münchner S-Bahn heißt das, dass sie von kommender Woche an auch werktags nach dem Samstagfahrplan fährt.

Zwar sind die Fahrgastzahlen der Bahn stark zurückgegangen. Zuletzt wurden aber auch immer wieder Klagen laut, dass auf vielbefahrenen Pendlerstrecken die Züge in der morgendlichen Stoßzeit nach wie vor voll seien - zu voll, um sich von Mitfahrenden auf Distanz halten zu können. Fahrgastvertreter hatten deshalb gefordert, nicht noch weniger Züge fahren zu lassen. Nach Angaben der Bahn wird nun zum Beispiel auf der stark frequentierten Verbindung Augsburg-München der Fahrplan dementsprechend weniger stark gekürzt. Laut Bahn soll das neue Grundangebot Planbarkeit schaffen und für Passagiere die Gefahr kurzfristiger Zugausfälle minimieren. Derzeit verzeichnet sie nach Angaben ihres bayerischen Regionalchefs Klaus-Dieter Josel keinen erhöhten Krankenstand. Sie will aber gerüstet sein, um einen stabilen Fahrplan aufrecht erhalten zu können. Den Reisenden empfiehlt sie, sich im Internet unter www.bayern-fahrplan.de über die aktuelle Lage zu informieren.

Bayern nimmt mindestens zehn Patienten aus Italien auf

Freitag, 27. März, 11.36 Uhr: Bayern will Italien jetzt bei der Versorgung von Covid-19-Patienten unterstützen. Nach Angaben der Staatskanzlei sollen "als Zeichen der Solidarität" mindestens zehn schwer kranke Patienten in bayerischen Krankenhäusern aufgenommen werden. "Bayern wird Covid-19-Patienten in jenem Umfang aufnehmen, wie dies die anderen Bundesländer tun, die sich bislang dazu bereiterklärt haben", sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Wie viele Patienten letztlich aufgenommen werden, sei noch nicht beschlossen. "Das läuft jetzt an, die Fachebenen planen augenblicklich, wie die Umsetzung stattfinden kann", hieß es. Mit Italien müsse zunächst geklärt werden, wer sich für die Verlegung nach Bayern eigne und auf welchem Weg er hierhergebracht werden könne. Noch ungeklärt ist bislang auch, in welche Krankenhäuser die Patienten kommen. "Grundsätzlich eigenen sich da natürlich die großen Kliniken besonders, mit solchen Herausforderungen umzugehen. Aber jetzt im Moment ist das noch alles im Planungsstadium", sagte die Sprecherin.

Verfassungsgericht lässt Ausgangsbeschränkungen weiter gelten

Freitag, 27. März, 11.10 Uhr: Die Ausgangsbeschränkungen in Bayern bleiben weiter in Kraft: Der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs lehnte es ab, diese durch eine einstweilige Anordnung außer Vollzug zu setzen, wie das Gericht mitteilte. Ein Kläger hatte argumentiert, die Verordnung zu den Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise greife in unverhältnismäßiger Weise in Freiheitsrechte der Bürger ein. Er hat deshalb Popularklage erhoben und will erreichen, dass die Verordnung für verfassungswidrig und nichtig erklärt wird. Er forderte zudem, sie sofort per einstweiliger Anordnung außer Vollzug zu setzen.

Der Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Peter Küspert, der in besonderen Eilfällen selbst entscheidet, lehnte Letzteres nun ab. Bei einer überschlägigen Prüfung könne nicht von offensichtlichen Erfolgsaussichten, aber auch nicht von einer offensichtlichen Aussichtslosigkeit des Hauptantrags im Popularklageverfahren ausgegangen werden, hieß es in der Mitteilung des Gerichts. Die Entscheidung über den Erlass einer einstweiligen Anordnung müsse deshalb anhand einer Folgenabwägung getroffen werden. Und danach stellte Küspert fest: "Angesichts der überragenden Bedeutung von Leben und Gesundheit der möglicherweise Gefährdeten überwiegen die Gründe gegen das Außerkraftsetzen der angegriffenen Verordnung."

Fast kein Betrieb mehr an Bayerns Flughäfen

Freitag, 27. März, 11.04 Uhr: Die Flughäfen in Bayern haben wegen der Corona-Krise auf Kurzarbeit umgestellt, auf ihren Start- und Landebahnen ist nahezu nichts mehr los. Etwa 6000 Passagiere am Tag verzeichnet der Münchner Airport im Moment noch, zu normalen Zeiten sind es im Schnitt etwa zwanzig Mal so viele. Auch die Lufthansa, die dort ihr nach Frankfurt zweites großes Drehkreuz betreibt, hat Kurzarbeit beantragt. In Nürnberg bleibt der Flughafen nur noch für den Frachtverkehr, Rückholflüge deutscher Urlauber und Notlandungen offen. Seit Donnerstag wird in Memmingen nicht mehr geflogen.

Söder: Jetzt nicht über ein Ende der Beschränkungen spekulieren

Freitag, 27. März, 9.35 Uhr: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat vor verfrühten Spekulationen über ein Ende der wegen der Corona-Krise geltenden Beschränkungen und Auflagen gewarnt. "Wenn wir erfolgreich sein wollen, und wenn wir aus dieser Krise herauskommen wollen, müssen wir diesen Weg, den wir jetzt beschritten haben, weitergehen", sagte Söder in einer Videobotschaft. "Deswegen mein Tipp: Noch nicht vorzeitig darüber spekulieren, wann und wie Maßnahmen gelockert werden können. Sondern jetzt ist es wichtig, die nächste Zeit gemeinschaftlich durchzustehen." Söder reagierte damit womöglich auch auf eine Äußerung seines Stellvertreters, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Der hatte gesagt, natürlich müsse man den Ausstieg "schon im Auge behalten". Schon beim Einstieg habe man gesagt, dass man die Situation nicht monatelang durchhalte. "Meine Einschätzung ist: Irgendwann ab Mitte April müssen wir die Kurve gekratzt haben."

Grüne und FDP wollen zeitweilig auf Online-Sitzungen umsteigen

Freitag, 27. März, 8.09 Uhr: Grüne und FDP im Landtag fordern wegen der Corona-Krise mehr Möglichkeiten für parlamentarische Beratungen per Livestream. "Für die Tagung und die Beschlussfähigkeit der Ausschüsse sollten wir unseres Erachtens über eine Weiterentwicklung der reinen Präsenzsitzungen nachdenken", schreibt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Jürgen Mistol, in einem Brief an Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Die technischen Voraussetzungen dafür, zeitweilig auf Onlinesitzungen umzusteigen, seien vorhanden. Andere Parlamente, wie das Europäische Parlament oder der Landtag in Baden-Württemberg, hätten dies bereits vorgemacht - auch der Bundestag habe schon entsprechende Geschäftsordnungsänderungen auf den Weg gebracht: "Sitzungen sind auch als Video-Konferenz und Abstimmungsverfahren sind online möglich. Die in Bayern vorgesehene Sitzungsöffentlichkeit kann über ein Livestreaming der Sitzungen sichergestellt werden", heißt es in dem Schreiben weiter. Die FDP-Fraktion habe bereits ähnliche Überlegungen angestellt, schrieb ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Matthias Fischbach per Mail an Aigner.

Als Begründung nennt Mistol die unklaren Perspektiven: "Wir alle wissen nicht, wie lange uns dieses Virus noch in Atem hält, wann wir in unserem gewohnten Alltag fortfahren können. Auch im Landtag haben wir uns bislang nur auf die Zeit bis nach den Osterferien verständigt." Es sei wichtig, ein Verfahren im Landtag zu finden, das es ermögliche, den Parlamentsbetrieb und insbesondere auch die Ausschussarbeit weitgehend wieder aufzunehmen. "Auch in Krisenzeiten gilt: Demokratie steht niemals still. Die Handlungs- und Beschlussfähigkeit des Landtags sollte daher immer gewährleistet sein." Wegen der Ansteckungsgefahr fanden die Landtagssitzungen zuletzt mit einer reduzierten Anzahl von Abgeordneten statt. Zudem wurden die Beratungen auch zeitlich verkürzt, um die Gesundheit der Abgeordneten nicht unnötig zu gefährden.

Erneut wird eine Münchner Messe verschoben

Freitag, 27. März, 7.29 Uhr: Erneut verschiebt die Münchner Messe eine ihrer Großveranstaltungen - diesmal trifft es die "Automatica", auch wenn sie erst in drei Monaten stattfinden sollte. Das aber sei "aus gesundheitlichen wie wirtschaftlichen Aspekten" nicht vertretbar, sagte Messe-Geschäftsführer Falk Senger. Die Möglichkeit teilzunehmen, werde für Aussteller wie Besucher immer geringer, dazu komme die Unwägbarkeit der weiteren Entwicklung, heißt es in einer Mitteilung der Messe und des Fachverbands VDMA Robotik + Automation. Die "Automatica" wird nun auf den Dezember 2020 verschoben. Sie ist nach eigenen Angaben die weltweit wichtigste Messe für Automation, also zum Beispiel für Industrieroboter und Montagetechnik, und findet alle zwei Jahre statt.

Gänzlich abgesagt wurde am Freitag die diesjährige Sport- und Freizeitartikel-Messe "Outdoor by Ispo", die vom 28. Juni bis 1. Juli in München geplannt war. Sie soll er wieder im kommenden Jahr stattfinden.

Elfter Bewohner in Würzburger Seniorenresidenz verstorben

Donnerstag, 26. März, 19.40 Uhr: Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus ist ein elfter mit dem Coronavirus infizierter Bewohner gestorben. Zwischenzeitlich seien alle Bewohner des Heims sowie das gesamte Pflegepersonal getestet worden. Eine Entscheidung über eine mögliche Evakuierung oder eine andere Trennung der gesunden von erkrankten Bewohnern sei noch nicht getroffen worden. Mit Experten des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sollten die Ergebnisse im Laufe des Abends "interpretiert und auf dieser Basis die notwendige Strategie festgelegt" werden, teilte das Heim mit. Entscheidungen sollten am Freitag bekanntgegeben werden. Die Einrichtung ist seit Wochen ein Schwerpunkt bei Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Bayern.

Umfrage: Jede dritte Firma in Bayern will Personal abbauen

Donnerstag, 26. März, 18.55 Uhr: Die Corona-Krise könnte einen rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit in Bayern zur Folge haben. Mehr als jedes dritte bayerische Unternehmen sieht sich zum Personalabbau gezwungen, wie eine Umfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags unter 1200 Betrieben ergeben hat. "Die Corona-Krise schlägt in einer Geschwindigkeit und einem Ausmaß auf die Wirtschaft durch, wie wir es noch nie gesehen haben", sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. "Die Aussichten auf einen bescheidenen Aufschwung vom Jahresbeginn haben sich komplett zerschlagen." Gut vier Fünftel der Betriebe - 82 Prozent - rechnen demnach mit Umsatzrückgängen in diesem Jahr, mehr als die Hälfte davon fürchtet drastische Einbußen von mehr als einem Viertel. Die Industrie- und Handelskammern fürchten eine große Welle von Firmenpleiten, wenn die versprochenen staatlichen Hilfen nicht schnell bei den Unternehmen ankommen. "Sonst droht bei ausbleibenden Umsätzen ein Insolvenz-Tsunami", sagte Gößl dazu. Politik, Gesundheitsexperten und Wirtschaft müssten gemeinsam planen, öffentliches und wirtschaftliches Leben nach Ostern "so schnell wie möglich, aber auch so verantwortungsvoll wie nötig" wieder hochzufahren.

Einige Kliniken lassen Väter nicht mehr in den Kreißsaal

Donnerstag, 26. März, 17.15 Uhr: Wegen des Ansteckungsrisikos mit dem Coronavirus verbieten einige Kliniken Vätern, bei der Geburt ihres Kindes dabei zu sein. "Manche wollen das Risiko lieber nicht eingehen", sagte Eduard Fuchshuber von der Bayerischen Krankenhausgesellschaft am Donnerstag in München. "Es wäre einfach eine Katastrophe, wenn das Virus dadurch eingeschleppt würde." In wie vielen Kliniken in Bayern werdende Väter draußen bleiben müssen, sei aber unklar. Eigentlich gilt bayernweit die Entscheidung des Gesundheitsministeriums: Besuche in Krankenhäusern sind verboten - eine Ausnahme ist die Geburt des eigenen Kindes. Doch dem Klinikum Fichtelgebirge geht das nicht weit genug. "Die Väter können die Kinder leider erst nach der Entlassung in den Arm nehmen", teilte eine Sprecherin mit. Auch die Regiomed-Kliniken in Oberfranken und Thüringen wollen um jeden Preis verhindern, dass nach dem Besuch eines infizierten Vaters ein Kreißsaal geschlossen werden muss. Regiomed will Eltern zumindest ermöglichen, während der Geburt per Video miteinander zu kommunizieren. Außerdem dürften Vater nach der Geburt die ersten Stunden im Familienzimmer verbringen.

Genau anders herum ist es am Klinikum Nürnberg, Ingolstadt und Passau, am Universitätsklinikum München, Augsburg und Würzburg sowie im Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg: Dort dürfen Väter nach Angaben der Häuser bei der Geburt dabei sein, müssen das Krankenhaus danach aber gleich wieder verlassen. Am Krankenhaus Tirschenreuth ist die Station für Gynäkologie und Geburtshilfe am vergangenen Wochenende geschlossen worden, um Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten zu schaffen. Die ambulante Versorgung sei aber weiterhin gewährleistet, hieß es.

Mehr als 1000 Lehrer melden sich für Corona-Hilfen in Gesundheitsämtern

Donnerstag, 26. März, 17.09 Uhr: Mehr als 1000 Lehrer haben sich freiwillig zur Unterstützung der Gesundheitsämter in der Corona-Krise gemeldet. "Die überwältigende Resonanz zeigt die große Hilfsbereitschaft und Solidarität unserer Lehrkräfte", sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Das Kabinett hatte beschlossen die Gesundheitsämter kurzfristig mit zusätzlichen Mitarbeitern zu verstärken und alle Ministerien gebeten, Beamte zur Verfügung zu stellen. "Die vom Kultusministerium abgeordneten Lehrkräfte werden an den Gesundheitsämtern verschiedene Verwaltungsaufgaben übernehmen. Sie werden dort beispielsweise bei der Ermittlung von Kontaktpersonen helfen, Bürgeranfragen beantworten oder bei Organisationsaufgaben unterstützen", hieß es weiter.

Freie Wähler starten Suche nach Bayerns "Exitstrategie Coronavirus"

Donnerstag, 26. März, 16.59 Uhr: Trotz nicht absehbarer Folgen der Corona-Krise arbeiten die Freien Wähler im bayerischen Landtag bereits an Plänen für die Zeit nach der Krankheitswelle. Eine am Donnerstag gegründete Arbeitsgemeinschaft "Exitstrategie Coronavirus" befasse sich ab sofort mit dem, "was nach dem Ende der Pandemie kommt - also Maßnahmen, die greifen sollen, sobald wir in ein normales Leben zurückkehren können", teilte die Fraktion mit. Bis Anfang April gilt in Bayern eine massive Ausgangsbeschränkungen, Schulen und Kindergärten sind bis mindestens nach den Osterferien geschlossen. "Wir fordern daher einen breit verfügbaren Antikörpertest, mit dem die Grundimmunisierung der Bevölkerung bestimmt werden kann. Personengruppen, die einen schweren Covid-19-Verlauf zu erwarten haben, müssen besser isoliert und geschützt werden", sagte Fraktionschef Florian Streibl. Außerdem sei eine regelmäßigere und bessere Evaluierung der bereits von der Staatsregierung verhängten Maßnahmen notwendig, hieß es weiter. "Etwa ab dem ersten April-Wochenende werden wir beurteilen können, ob diese Maßnahmen greifen, ob wir nachsteuern müssen oder lockern können", betonte Streibl. Richtschnur für eventuelle Lockerungen der jetzigen Ausgangsbeschränkungen sei, "dass wir unser Gesundheitssystem und die dort mit vollem Einsatz arbeitenden Menschen nicht überfordern. (...) Ziel ist es, einen goldenen Mittelweg zwischen dem Schutz der Menschen, der gesellschaftlichen Freiheit und wirtschaftlicher Produktivität zu beschreiten." FW-Chef Hubert Aiwanger erregte großen Ärger im bayerischen Kabinett mit seinen Andeutungen zu einem möglichen Ende der Einschränkungen. Er sprach von einer Rückkehr zum normalen Wirtschaftsleben bereits Mitte April. Man könne die jetzt geltenden Einschränkungen nicht monatelang durchhalten, sagte Aiwanger mit Blick auf den zu erwartenden Schaden.

Dieter Reiter fordert mehr Kurzarbeitergeld für längere Zeit

Donnerstag, 26. März, 14.59 Uhr: Angesichts der hohen Lebenshaltungskosten in München fordert Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eine Erhöhung des Kurzarbeitergelds. Die staatliche Leistung, mit der die Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit zumindest teilweise aufgefangen werden, müsse deutlich aufgestockt werden - viele Münchner kämen sonst nicht über die Runden, schreibt Reiter an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). "Gerade die im Durchschnitt deutlich schlechter bezahlten Jobs im Handel und in der Gastronomie sind hiervon überproportional stark betroffen." Wer mit nur noch 60 Prozent seines ohnehin niedrigen Einkommens die Fixkosten in alter Höhe schultern müsse, werde über kurz oder lang nicht ohne staatliche Hilfe auskommen. "Wenn wir vermeiden wollen, dass sich die Gesundheitskrise zu einer sozialen Krise entwickelt, müssen wir jetzt dringend handeln", steht im Brief Reiters an seinen Parteifreund. Viele Firmen haben bereits Kurzarbeit angemeldet, weil das Auftragsvolumen stark zurückgegangen ist. Kurzarbeitergeld ist auf ein Jahr begrenzt, kann aber in Ausnahmefällen auch länger bezahlt werden. Reiter fordert, es nicht nur zu erhöhen, sondern auch die Bezugsdauer zu verlängern.

Zahl der Coronavirus-Fälle steigt um 1155 auf fast 9000

Donnerstag, 26. März, 14.47 Uhr: 1155 bestätigte neue Infektionen - die Zahl der Coronavirus-Fälle in Bayern ist von Mittwoch auf Donnerstag so stark gestiegen wie noch nie. Sie liegt nun bei 8842, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mitteilte. Die Hälfte all dieser Infizierten lebt in Oberbayern. Wie viele von ihnen bereits wieder als gesund gelten, dazu gibt es keine Statistik. Denn Ärzte oder Gesundheitsämter müssen nach dem Gesetz zwar Coronavirus-Infektionen melden, nicht aber das Ende einer Erkrankung, wie das LGL wissen lässt. An den Folgen einer Infektion sind bereits 52 Menschen in Bayern gestorben.

Kultusministerium prüft, das Fos/Bos-Abi zu verschieben

Donnerstag, 26. März, 14.32 Uhr: Auch die Abiturprüfungen an den bayerischen Fach- und Berufsoberschulen (Fos/Bos) könnten verschoben werden. Das Kultusministerium prüfe derzeit, ob eine Verschiebung "möglich ist", sagte ein Sprecher. Durch einen neuen Termin hätten die Schüler genügend Zeit für ausstehende Klausuren. Momentan gilt noch der 25. Mai als offizieller Prüfungsbeginn. Das Abitur an den Gymnasien wurde wie die Mittlere-Reife-Prüfungen und das Übertrittszeugnis bereits verschoben. Die Unsicherheit ist bei Fos/Bos-Abiturienten groß, sagt Pankraz Männlein. Der Chef des Berufsschullehrerverbands fordert Antworten aus dem Ministerium vor den Osterferien, von Spekulationen hält er aber nichts: "Niemand weiß, ob die Schulen am 20. April wieder geöffnet sind. Wichtiger als unsichere Termine sind faire Prüfungsbedingungen und ausreichend Vorlauf."

Ärzte aus Tschechien dürfen nun doch nach Bayern pendeln

Donnerstag, 26. März, 14.20 Uhr: Tschechien lenkt bei der strittigen Frage der grenznahen Berufspendler teilweise ein. Wer im Gesundheits- und Rettungswesen sowie in sozialen Diensten arbeitet, aber in Tschechien lebt, darf die Grenze nun doch weiter täglich überschreiten. Das habe Innenminister Jan Hamáček auf Grundlage entsprechender Wünsche aus den beiden Nachbarstaaten entschieden, teilte seine Sprecherin am Mittwochabend mit. Diesen Berufen komme eine Schlüsselaufgabe bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie zu, hieß es zur Begründung. Für alle anderen tschechischen Berufspendler gilt, dass sie in den jeweiligen Nachbarländern für einen längeren - empfohlen wird ein dreiwöchiger - Zeitraum arbeiten müssen. Nach ihrer Rückkehr nach Tschechien kommen sie in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne. Wegen dieser Regelung waren viele Kliniken vor allem nahe der bayerisch-tschechischen Grenze besorgt.

Bezirk Oberbayern verschickt kostenlos Liederhefte

Donnerstag, 26. März, 14.04 Uhr: Unter dem Motto "Singen hilft" will das oberbayerische Volksmusikarchiv kreativ gegen einen möglichen Lagerkoller angehen. Dazu versendet es kostenlos Liederhefte. Das Angebot solle dazu dienen, die Menschen in der Krisenzeit zu unterstützen, teilte der Bezirk Oberbayern mit. "Singen zu Hause - ob allein oder in Lebensgemeinschaften - ist ein lang erprobtes Mittel, das innere Wohlbefinden zu stärken", sagte Volksmusikpfleger und Archivleiter Ernst Schusser. Das gelte ganz besonders jetzt, wenn wegen der Corona-Krise das gemeinschaftliche kulturelle Leben nicht stattfinden könne. Interessierte Oberbayern können kostenlos diverse Liederhefte und Liederblätter bestellen, solange der Vorrat reicht. Telefon: (0 80 62) 51 64, E-Mail: volksmusikarchiv@bezirk-oberbayern.de.

Günstiges Essen für Lastwagenfahrer

Donnerstag, 26. März, 13.50 Uhr: Mit vergünstigten Essen an Raststätten und sauberen Sanitäranlagen für Lastwagenfahrer unterstützt die Staatsregierung Lastwagenfahrer bei ihrer wichtigen Arbeit in der Corona-Krise. Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) sagte, die Fahrerinnen und Fahrer bräuchten "gute Arbeitsbedingungen". Besonders wichtig sei, dass sie sich selbst gut versorgen könnten. Dass es in der aktuellen Pandemie dennoch volle Regale in den Geschäften gebe, sei auch ein Verdienst der Mitarbeiter der bayerischen Transportunternehmen. Um die Versorgung zu sichern, ist laut Schreyer bereits das Sonntagsfahrverbot für Lkw ausgesetzt, bei den Lenk- und Ruhezeiten gibt es vereinfachte Regeln, und Supermärkte könnten auch außerhalb der üblichen Zeiten beliefert werden. Sollte es an den Grenzen wegen der dortigen Kontrollen zu Staus kommen, in denen wichtige Lieferungen steckten, werde "innerhalb von wenigen Minuten" eine spezielle Fahrspur für den Warenverkehr freigeben.

Rotes Kreuz verteilt 50 Tonnen Schutzausrüstung

Donnerstag, 26. März, 12.42 Uhr: Die verschiedenen Hilfsorganisationen in Bayern haben nun für weitere zwei Wochen Schutzausrüstung wie Handschuhe, Masken, Kittel oder Desinfektionsmittel. Am Donnerstagvormittag hätten die fünf Bezirksverbände des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) das Material in einem zentralen Lager abgeholt, um es nun an die jeweiligen Kreisverbände zu verteilen, teilte das BRK mit. Die anderen Hilfsorganisationen verführen ebenso. Seit Wochen beschaffe das Rote Kreuz die Ausrüstung zentral für alle Organisationen. So sei es nun gelungen, "diese großen Mengen an Material zu bekommen", sagte BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Es gehe insgesamt um 50 Tonnen, das reiche nun für 14 Tage. Anfang März hatte das BRK intern die sogenannte "Alarmstufe 1" ausgerufen, die niedrigste von drei Alarmstufen, um überall in Bayern die "Alarmsicherheit einzelner Einheiten, des Materials und der Erreichbarkeiten" zu überprüfen.

Nur 100 Filialen der Hypovereinsbank sind noch offen

Donnerstag, 26. März, 11.20 Uhr: Die Hypovereinsbank schließt wegen der Corona-Krise vorübergehend mehr als 70 Prozent ihrer 337 Filialen für den Kundenverkehr. 30 Prozent - das wären etwa 100 Filialen - sollen täglich oder im wöchentlichen Wechsel geöffnet bleiben, wie die Münchner Tochter der italienischen Großbank Unicredit mitteilte. In Betrieb bleiben die Selbstbedienungszonen mit den Geldautomaten, und auch in den temporär geschlossenen Filialen sollen die Kundenbetreuer telefonisch und online erreichbar bleiben. Die Bank wolle weiter die flächendeckende Betreuung ihrer Kunden gewährleisten und gleichzeitig die Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern durch reduzierte physische Kontakte zu schützen, hieß es in der Mitteilung. Die meisten Filialen finden sich in Bayern, um die 80 von ihnen allein in München und Umgebung.

Fernseh-Gottesdienste finden mehr Zuschauer

Donnerstag, 26. März, 10.55 Uhr: In Zeiten verbotener Gottesdienste wegen der Corona-Krise boomen Kirchenformate in Fernsehen und Radio. "Die Zahlen bei Gottesdiensten und dem "Wort zum Sonntag" haben sich im Durchschnitt um 70 Prozent erhöht", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, der Deutschen Presse-Agentur in München. "Bei einigen kirchlichen Formaten hat sich der Zuspruch sogar nahezu verdoppelt." Auch die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat den Eindruck, "dass es enormen Zulauf gibt".

Diesen Eindruck bestätigen nicht nur die Einschaltquoten der Fernsehgottesdienste im ZDF. "Wir verzeichnen eine höhere Resonanz", sagt auch ein Sprecher des Bayerischen Rundfunks. Der Evangelische Gottesdienst des vergangenen Wochenendes habe rund 91 000 Zuschauer gehabt. Zum Vergleich: Am 8. März, vor dem Verbot aller Gottesdienste in Deutschland, waren es nur 18 000. Im Jahresdurchschnitt 2019 waren es 73 000. In der Mediathek verzeichnet kommt der Gottesdienst vom 22. März nach Senderangaben auf rund 4000 Videostarts - doppelt so viele wie vorher.

Aiwanger: "Wir halten das natürlich nicht monatelang durch"

Donnerstag, 26. März, 8.12 Uhr: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat ein mögliches Datum für eine Lockerung der massiven Beschränkungen in der Corona-Krise angedeutet. Besonders mit Blick auf die Wirtschaft sagte der stellvertretende Ministerpräsident im Bayerischen Fernsehen: "Wir halten das natürlich nicht monatelang durch, sondern meine Einschätzung ist, irgendwann ab Mitte April müssen wir die Kurve gekratzt haben." Derzeit seien vor allem Gastronomie und Hotellerie, aber auch global agierende Unternehmen aus Maschinenbau und Autoindustrie betroffen, sagte der Politiker der Freien Wähler. "Der Stillstand wäre nicht auf Dauer durchzuhalten, weil das die Wirtschaft so abwürgt, dass wir am Ende mehr Tote hätten, weil die Grundversorgung nicht mehr funktioniert."

Milchbauern befürchten deutliche Preisrückgänge

Donnerstag, 26. März, 7.12 Uhr: Die Corona-Krise führt zu Verwerfungen auf dem Milchmarkt. Während die Molkereien Mühe haben, die stark gestiegene Nachfrage in den Supermärkten zu bedienen, stottert der Export, das Geschäft mit der Gastronomie und gewerblichen Kunden ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Auf die Milchbauern kommen deswegen sinkende Preise zu, obwohl die Bürger derzeit rekordverdächtige Mengen an Milch und Milchprodukten kaufen, wie in der Branche berichtet wird. "Wir haben eine extreme Änderung der Warenströme innerhalb sehr kurzer Zeit", sagte Hans-Jürgen Seufferlein, der Direktor des Verbands der Milcherzeuger Bayern.

Zwar bestellt der Lebensmitteleinzelhandel bei den Molkereien derzeit so viel wie nie, wie Experten sagen. Die Gastronomie aber kauft deutschlandweit quasi nichts mehr, und der Verkauf ins Ausland ist derzeit ebenfalls sehr schwierig. "Molkereien mit starkem Exportanteil stehen an den Grenzen, und Spediteure sind deutlich länger unterwegs", sagte Markus Drexler, der Sprecher des Bayerischen Bauernverbands. Für die leidgewohnten Milchbauern sind das keine guten Nachrichten. Insbesondere bei Butter, Käse und Milch ist Deutschland ein Nettoexporteur, im Inland wird also mehr produziert als verbraucht. An den internationalen Terminbörsen für Agrarprodukte aber sinken derzeit die Preise, weil Exportware nach Übersee kaum noch verschifft werden kann. "Was die Milchbäuerinnen und Milchbauern auf sich zukommen sehen, sind massive Preisrückgänge", sagte Hans Foldenauer, der Sprecher des Bunds deutscher Milchviehhalter.

Spargel- und Obstbauern klagen über Corona-Folgen

Donnerstag, 26. März, 6.55 Uhr: Die Spargelsaison in Bayern hat begonnen. In diesem Jahr sind die Landwirte nicht in erster Linie vom Wetter abhängig, sondern haben vor allem mit den Folgen des Coronavirus zu kämpfen. Es fehlt an Erntehelfern, zudem sind die Bestellungen aus der Gastronomie weggebrochen, wie Peter Strobl, Geschäftsführer des Spargelerzeugerverbandes Südbayern, in Schrobenhausen sagt. Die Situation sei sehr schwierig. "Wir können die Spargelsaison ja nicht verschieben wie die Bundesliga ihre Spiele." Auch der Bayerische Bauernverband äußert sich besorgt. "Ohne die Saisonarbeitskräfte könnte das regionale Obst und Gemüse nicht in vollem Maße geliefert werden, es drohen Versorgungsengpässe", sagt ein Sprecher. Ausländische Saisonarbeitskräfte gelten als berufsbedingte Pendler. Als Nachweis genüge eine vom Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung. "Allerdings hilft das Formular wohl nur für den Transit durch Österreich; die Rumänen müssen aber noch durch Ungarn durch, und Ungarn hat für Ausländer die Grenzen dicht gemacht."

Bayerns Unis planen trotz Corona mit Sommersemesterstart am 20. April

Mittwoch, 25. März, 17.25 Uhr: Trotz der nicht ansatzweise kalkulierbaren Entwicklung in der Corona-Krise planen Bayerns Universitäten und Hochschulen mit einem Vorlesungsbeginn am 20. April. "Ein Ausfall des gesamten Sommersemesters ist für uns keine Option", sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU). Das Coronavirus stelle jeden vor bislang unbekannte, große Herausforderungen. "Dennoch müssen wir in dieser Extremsituation einen möglichst kühlen Kopf bewahren und klug und verantwortungsvoll handeln. Unter den Hochschulen herrscht Konsens, dass das Sommersemester 2020 stattfinden soll."

Der Freistaat und seine Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Technischen Hochschulen sowie Kunsthochschulen setzen daher alles daran, den Vorlesungsbetrieb im Sommersemester 2020 am 20. April 2020 starten zu können - wenn auch voraussichtlich unter veränderten Rahmenbedingungen. So würden die Online-Angebote täglich erweitert und alternative Lehrkonzepte entwickelt. "Wir werden unsere Hochschulen nach Kräften dabei unterstützen, ihren Studentinnen und Studenten unter diesen außergewöhnlichen Umständen ein adäquates Studienangebot machen zu können. Oberste Priorität hat dabei selbstverständlich die Gesundheit", betonte Sibler.

Kardinal Marx: Ostern ohne öffentliche Gottesdienste

Mittwoch, 25. März, 16.53 Uhr: Wegen der Corona-Pandemie werden auch die Kar- und Ostergottesdienste im Freistaat ausfallen. "Wir wissen und anerkennen, dass es keine andere Möglichkeit gibt, das Leben möglichst vieler Menschen zu retten", heißt es in einem Schreiben des Erzbischofs und Kardinals Reinhard Marx an die pastoralen Mitarbeiter des Erzbistums vom Mittwoch. Marx will die Gottesdienste nun ohne Öffentlichkeit im Münchner Liebfrauendom feiern und im Internet streamen. Entsprechend dem allgemein gültigen Verbot von Veranstaltungen dürfen die Gläubigen bis zum 19. April nicht mehr in Kirchen zusammenkommen. Gebete Einzelner sind aber erlaubt.

"Die Maßnahmen der Regierung sind harte Eingriffe in die Grundrechte der Menschen, auch eine Einschränkung der Religionsfreiheit, wie es sie wohl in unserem Land noch nie gegeben hat", schreibt Marx. Aber: "Wir tragen auch Verantwortung für das ganze Gemeinwesen, in dem wir leben." Gleichzeitig könne aber auch jeder zuversichtlich sein: "Wenn wir wieder zurückkehren in unsere Kirchen, wollen wir ein wirkliches Fest des Glaubens feiern, ein Fest der Auferstehung; das wäre schön!". Auch andere Bistümer planen Online-Übertragungen von Gottesdiensten. Die Kirchen selbst stehen laut Marx tagsüber den Menschen einzeln zum Gebet offen. Allerdings würden keine Heiligen Gräber aufgebaut. Zudem soll es für die Feiertage Vorlagen für Hausgottesdienste geben. Als Zeichen der Verbundenheit und Solidarität läuten im Einklang mit anderen deutschen Bistümern und Landeskirchen täglich um 19.30 Uhr Glocken, außer an Karfreitag und Karsamstag.

Verwaltungsgerichtshof muss Ausgangsbeschränkungen überprüfen

Mittwoch, 25. März, 16.25 Uhr: Die Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise müssen vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof überprüft werden. Es seien zwei Normenkontrollanträge eingegangen, über die zudem im Eilverfahren entschieden werden soll, sagte eine Gerichtssprecherin am Mittwoch. Die Antragsteller wehren sich gegen die Verordnung der Staatsregierung, die unter anderem das Verlassen der Wohnung nur noch mit triftigen Gründen erlaubt. Zunächst bekommt nun die Staatsregierung Gelegenheit zur Stellungnahme. Mit einer Entscheidung des zuständigen Senats sei deshalb voraussichtlich nicht mehr in dieser Woche zu rechnen, sagte die Gerichtssprecherin.

1000 Pflegekräfte melden sich freiwillig zum Corona-Einsatz

Mittwoch, 25. März, 14.05 Uhr: Innerhalb nur eines Tages haben sich in Bayern 1000 Pflegekräfte, die gerade pausieren oder in anderen Bereichen arbeiten, freiwillig zur Hilfe in der Corona-Krise gemeldet. Diese Zahl nannte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch im Landtag. Die Pflegekräfte reagierten damit auf einen Aufruf des Ministeriums. "Ich finde das großartig", sagte Huml. Sie betonte: "Es kommt darauf an, dass wir jetzt Solidarität zeigen, aber auch Entschlossenheit." Es gehe darum, das Gesundheitssystem nicht zu kollabieren lassen.

Weil die Krankenhäuser und Heime dringend mehr Personal brauchen, suchen das Gesundheitsministerium und die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) Personen mit einer Ausbildung oder Erfahrung in einem pflegerischen Beruf sowie Medizinisch-technische Assistenten (MTRA, MTLA) und Medizinische Fachangestellte (MFA), die beispielsweise den Job gewechselt haben. Freiwillige können sich auf einer Online-Plattform melden.

"Dicht an dicht" am Gipfelkreuz - Bergwanderer kassieren Anzeigen

Mittwoch, 25. März, 13.38 Uhr: Im Allgäu haben Bergwanderer aufgrund von Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkungen Anzeigen erhalten. Wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte, hatten sich die Ausflügler am Riedberger Horn "dicht an dicht" am Gipfelkreuz aufgehalten und somit gegen die wegen der Coronavirus-Krise festgelegte Abstandsregel von eineinhalb Metern verstoßen.

Die Beamten aus Oberstdorf hatten beobachtet, dass "unzählige Wanderer und Skitourengeher" teils aus anderen Landkreisen angereist und unterwegs waren. Der Sprecher des Polizeipräsidiums erläuterte, es sei zwar nicht wünschenswert, wenn die Wanderer über weite Strecken anreisen, verboten sei dies jedoch nicht. Bürgermeister aus dem Tegernseer Tal hatten wegen der vielen Ausflügler bereits verlangt, dass sich die Bürger in Bayern nur noch in ihren Landkreisen aufhalten dürfen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wies eine solche Verschärfung der Ausgangsbeschränkungen am Dienstag aber zurück. "Das wäre jetzt das falsche Signal", sagte er.

Experte: Zuzug nach München wird gebremst

Mittwoch, 25. März, 13.20 Uhr: Wegen der Corona-Krise könnte die Einwohnerzahl der Region München in diesem Jahr erstmals seit Jahren stagnieren. "Die Bevölkerung wächst hauptsächlich durch Zuwanderung aus dem Ausland", sagte der Geschäftsführer des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München, Christian Breu. "Für 2020 rechne ich mit Stagnation oder sogar einem Rückgang." Der Grund: Das Wachstum der Bevölkerung wird seit Jahren hauptsächlich von der wirtschaftlichen Entwicklung und den damit verbundenen neuen Arbeitsplätzen getrieben. Doch wenn die Wirtschaft zeitweise weitgehend stillsteht, entstehen auch weniger Arbeitsplätze. "Unabhängig von der Corona-Krise sind wir am Ende eines Konjunkturzyklus, der Zuzug hat sich 2018 bereits verlangsamt", sagte Breu. Zwischen 2009 und 2018 haben die Einwohnerzahlen Münchens und der acht umliegenden Landkreise nach den am Mittwoch veröffentlichten Daten um mehr als eine Viertelmillion auf 2,9 Millionen Menschen zugenommen.

Staatssekretär: 7289 Coronavirus-Fälle in Bayern und 41 Tote

Mittwoch, 25. März, 12.40 Uhr: In Bayern sind inzwischen 7289 Menschen positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden. Es gebe 41 Todesfälle, sagte Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) am Mittwoch. Eck ist wegen der Coronakrise für drei Monate vorübergehend vom Innen- ins Gesundheitsministerium gewechselt.

Landtag billigt das neue bayerische Infektionsschutzgesetz

Mittwoch, 25. März, 11.40 Uhr: Bei nur einer Gegenstimme hat der Landtag ein neues, weitreichendes Landes-Infektionsschutz verabschiedet. Alle Fraktionen unterstützten das Gesetz, mit dem die Staatsregierung deutlich umfassendere Befugnisse im Kampf gegen die Corona-Krise bekommen soll: Sie kann dann einen "Gesundheitsnotstand" ausrufen. Beschlagnahmungen von medizinischem Material und der Zugriff auf medizinisches und pflegerisches Personal werden dann erleichtert. "Es geht darum, Leben zu retten", sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Bernhard Seidenath (CSU). Man habe es mit einer "Katastrophensituation" zu tun, "wir haben den Höhepunkt der Pandemie noch längst nicht erreicht". Das Gesetz ist bis Ende des Jahres befristet. Dagegen votierte einzig der ehemalige Fraktionschef der AfD im Landtag, Markus Plenk.

Neben leichteren Beschlagnahmemöglichkeiten sieht das Gesetz unter anderem vor, dass Behörden etwa von Feuerwehren die Herausgabe von Mitgliederadressen verlangen können und von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns die Adressen von aktiven Ärzten und Ärzten im Ruhestand. Ziel ist, in Notsituationen zusätzlichen Personalbedarf decken zu können. Und wenn es hart auf hart kommt, können die Behörden sogar "von jeder geeigneten Person die Erbringung von Dienst-, Sach- und Werkleistungen" verlangen, wenn das "zur Bewältigung des Gesundheitsnotstands erforderlich ist".

Zugleich beschloss der Landtag eine spezielle gesetzliche Regelung, um die Kommunal-Stichwahlen am Sonntag, die wegen der Corona-Krise nur per Briefwahl durchgeführt werden, absolut rechtssicher zu machen. Dies wird nun mit einer Ergänzung im entsprechenden Gesetz explizit klargestellt, damit die Wahl deshalb nicht anfechtbar ist. Ihre Wahlbriefe können die Bürger noch bis Samstag um 18 Uhr in jeden beliebigen Briefkasten im Freistaat einwerfen. Am Samstagabend würden alle 19 559 Briefkästen noch einmal geleert und die Briefe dann bis Sonntagabend rechtzeitig zugestellt, kündigte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an. Diese Sonderleerungen habe die Post zugesagt, sagte Herrmann. Er dankte der Post ausdrücklich für dieses Angebot. Es könne damit jeder wählen, egal wo er sich befinde.

Weiterer Bewohner des Würzburger Altenheims St. Nikolaus gestorben

Mittwoch, 25. März, 10.14 Uhr: Unter den Bewohnern der Würzburger Senioreneinrichtung St. Nikolaus ist ein zehnter Mensch an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Das gab Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU-Mitglied) bekannt. Alle zehn Toten seien hochbetagt gewesen und hätten erhebliche Vorerkrankungen gehabt. Dort würden nun alle Bewohner und Mitarbeiter auf das Virus getestet. Die Testkapazitäten seien am Dienstag eingetroffen, es sei sofort mit den Tests begonnen worden, sagte Schuchardt, der Stiftungsratsvorsitzende des Würzburger Bürgerspitals, zu dem das St.-Nikolaus-Heim gehört. Man habe noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob positiv auf das Coronavirus getestete Heimbewohner künftig anderweitig untergebracht werden sollen.

In der Einrichtung sind aktuell 32 Mitarbeiter und 29 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden, weitere zehn Bewohner werden derzeit in einem Krankenhaus behandelt. Ein Ersatz von Mitarbeitern durch Sanitätspersonal der Bundeswehr, wie ursprünglich angedacht, sei nicht möglich. Das Bundeswehrpersonal stehe nicht zur Verfügung, sagte Schuchardt.

55 Euro Buße in Augsburg bei Verstoß gegen Ausgangsbeschränkung

Mittwoch, 25. März, 8.50 Uhr: Während noch an einem landesweiten Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen gearbeitet wird, hat die Stadt Augsburg bereits ein einheitliches Bußgeld festgelegt. Wer nach einer ersten Belehrung durch den Ordnungsdienst nicht Folge leiste, bekomme eine Anzeige, erklärte ein Sprecherin der Stadt. Im Sofortvollzug würden dann pro Person 55 Euro kassiert. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte am Dienstag angekündigt, dass ein Katalog mit Bußgeldhöhen erstellt werden soll, an denen sich die Kommunen orientieren können, wenn sie Verstöße gegen die Coronavirus-Vorschriften ahnden. Grundsätzlich können nach Angaben des Ministeriums Bußgelder von bis zu 25 000 Euro verhängt werden.

Die Autobahnen leeren sich

Mittwoch, 25. März, 7.12 Uhr: Als Folge der Corona-Krise gibt es auf den bayerischen Autobahnen derzeit deutlich weniger Staus als sonst. So zählte der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) schon in der vergangenen Woche ein Minus von mehr als 50 Prozent: Statt an 1231 Stellen wie in der Vorwoche stockte der Verkehr nur noch an 571 Abschnitten. "Grund dafür ist das mit der Corona-Krise einhergehende, drastisch gesunkene Mobilitätsverhalten, wie zum Beispiel die Verlagerung der Arbeitsstätten in die eigenen vier Wände und die extrem eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten", erläuterte der ADAC Südbayern. "Megastaus gibt es aber nach wie vor, der meiste Stillstand findet aufgrund der verschärften Kontrollen an den Grenzübergängen statt." Auch an den derzeit 97 Baustellen im Freistaat könne der Verkehr stocken. Dennoch dürfte die Zahl der Staus weiter sinken, denn die derzeit geltenden, weit reichenden Ausgangsbeschränkungen traten erst am Samstag in Kraft.

Zu viele falsche Tücher im Abwasser - eine Folge von Corona?

Mittwoch, 25. März, 6.45 Uhr: Hamsterkäufe von Klopapier könnten den Kläranlagen in Neu-Ulm Probleme bereiten. Die schwäbische Stadt geht davon aus, dass viele Bürger kein Toilettenpapier mehr bekommen haben und deswegen nun ersatzweise andere Materialien auf dem Klo benutzen. Die Experten der Stadtentwässerung hätten "zuletzt vermehrt Produkte wie Feucht-, Kosmetik- oder Küchentücher" in der Kanalisation und den Pumpwerken entdeckt, teilte die Stadt mit. "Die Pumpen in unseren Pumpwerken können diese Stoffe nicht transportieren", sagte Abteilungsleiter Jochen Meissner. "Es kann zu Ausfällen im gesamten System kommen." In den Kläranlagen werde zudem durch die falsch entsorgten Tücher der Sauerstoffaustausch im Reinigungsprozess gestört, was dazu führe, dass die Anlagen nicht mehr die volle Reinigungsleistung erbringen.

Rückblick: Die ersten acht Wochen

Am 27. Januar 2020 ist der erste Coronavirus-Fall in Bayern bekannt geworden. Die Entwicklungen der ersten acht Wochen, bis zum 24. März 2020, finden Sie in diesem Artikel zum Nachlesen.

© SZ.de/dpa/kast/pvn/amm/fema/kbl/mmo
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