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Überschwemmungen in Südostbayern:Mehrere kleine Erdrutsche in Garmisch-Partenkirchen

Das Gebiet rund um die Partnachklamm soll gemieden werden. An der A 8 verteilten Einsatzkräfte 4000 Sandsäcke. In Passau sinkt der Pegel nur langsam.

Nach den Überschwemmungen in der Nacht zum Dienstag normalisiert sich die Lage im Landkreis Rosenheim langsam. Wie das Landratsamt am Dienstagvormittag berichtete, konnte auf der Autobahn 8 (München-Salzburg) in beide Richtungen jeweils wieder eine Fahrspur freigegeben werden.

Weil die Autobahn komplett überschwemmt worden war, musste sie zwischen Frasdorf und Achenmühle zuvor vorübergehend komplett gesperrt werden. Das Wasser stand teils fast einen Meter hoch auf der Fahrbahn. Es kam zu erheblichen Behinderungen, auch auf den Ausweichrouten. Die parallel zur Autobahn verlaufende Umleitung war ebenfalls wegen Überschwemmungen gesperrt, sie ist auch wieder passierbar.

Nachdem der Verkehr auf der A 8 am Vormittag langsam und spurweise wieder freigegeben worden war, hatten die Einsatzkräfte dann allerdings am Nachmittag ein kleines Stück weiter östlich noch einmal alle Mühe, die Autobahn einigermaßen befahrbar zu halten, als Wasser vom Moorgebiet Wasserwiesen auf die Fahrbahn zwischen Bad Aibling und Rosenheim-West drückte. Am Abend begannen Einsatzkräfte laut Polizei damit, in Fahrtrichtung Österreich zwischen Bad Aibling und Rosenheim-West 4000 Sandsäcke zu verteilen, um zumindest eine Fahrspur freihalten zu können. Neben dem Wasser bereiteten der Polizei auch Gaffer Probleme.

Die Rosenheimer Rettungsleitstelle, die kurzfristig ihr Personal aufstocken musste, registrierte zahlreiche Unfälle, weil Autos an überspülten Straßenabschnitten ins Schleudern gekommen waren. Hatten die Rettungskräfte im Landkreis Rosenheim am frühen Morgen bereits 150 Einsätze hinter sich, so stand der Zähler am späten Vormittag schon bei 400. Im Ort Achenmühle pumpte die Feuerwehr Keller aus und kämpfte zum Teil mit größeren Mengen ausgelaufenen Heizöls.

Auch die Südostbayernbahn hatte mit den massiven Regenfällen auf ihren Strecken zu kämpfen. Gesperrt ist derzeit noch die Strecke zwischen Prien und Aschau. Die Strecke zwischen Wasserburg und Rosenheim ist nach einer Sperrung inzwischen wieder freigegeben, ebenso zwischen Traunstein und Waging und zwischen Siegsdorf und Ruhpolding.

Die Deutsche Bahn sperrte wegen des Hochwassers zwei Bahnstrecken südlich von Murnau. Reisende Richtung Oberammergau oder Garmisch-Partenkirchen mussten auf den Bus umsteigen. Auch die Bundesstraße 2 musste bei Murnau gesperrt werden, ein Streifenwagen der Polizei blieb dort bei einer Kontrollfahrt im Wasser stecken.

Im Wandergebiet rund um die Partnachklamm, die Partnachalm und das Graseck in Garmisch-Partenkirchen kam es zu mehreren kleinen Erdrutschen. Zuvor hatte die Polizei am Dienstagnachmittag mitgeteilt, es hätte einen Erdrutsch in der Partnachklamm gegeben, dies wurde aber kurz später korrigiert. Es wird darum gebeten, das Wandergebiet zu meiden. Die Feuerwehr und Mitarbeiter des Bauhofs seien seit Stunden mit schwerem Gerät im Einsatz. Wegen der Hochwasserlage an der Partnach und am Ferchenbach war die Partnachklamm am Dienstag nicht geöffnet worden, auch am Mittwoch soll sie geschlossen bleiben.

In Vachenlueg, einem Ort in der Gemeinde Anger im Berchtesgadener Land, kam am Vormittag ein grasbewachsener Hang ins Rutschen, ein Teil der Mure staute sich an zwei Wohnhäusern und hinterließ einen noch nicht genau zu beziffernden Sachschaden. Die Rettungskräfte räumten sicherheitshalber auch einige Nachbarhäuser. Verletzte hat es bei dem Hangrutsch nach ersten Angaben nicht gegeben.

Die Pegel vieler Bäche und Flüsse erreichten lokal sehr unterschiedliche Hochwasserwarnstufen. Die höchste Meldestufe vier galt am Vormittag nur für die Mangfall am Pegel Feldolling, die zuständigen Wasserwirtschaftsämter rechneten angesichts des fortschreitenden Hochwasserscheitels mit einer ähnlichen Einstufung auch für den Inn bei Wasserburg. Da die meisten Niederschläge im Einzugsgebiet des Inns fielen, schlossen die Behörden eine höhere Meldestufe auch für Passau nicht aus, wo der Inn in die Donau mündet. In der niederbayerischen Dreiflüssestadt ist das keine Seltenheit. Inzwischen sinkt der Pegel jedoch, allerdings nur langsam.

Die Bäche und Flüsse konnten vergleichsweise viel Regenwasser aufnehmen, weil die Ausgangspegel nach einer längeren Trockenphase relativ niedrig waren. Trotzdem traten durch die Regenmassen viele kleine Gewässer über die Ufer. So setzte der Jenbach bei Bad Feilnbach einen Campingplatz unter Wasser. Am Oberlauf im Jenbachtal hatte die Bergwacht schon um vier Uhr früh zwölf Kinder in einem Jugendcamp aus ihren Zelten geholt und in eine Bergwachthütte ins Trockene gebracht.

Der bayerische Hochwassernachrichtendienst hatte am Montagnachmittag besonders im Süden des Freistaates Überflutungen im Bereich der Meldestufen eins und zwei angekündigt, wobei vier die höchste Warnstufe ist. Im Landkreis Traunstein wurde am Dienstagvormittag aber tatsächlich bereits die Meldestufe drei erreicht. Auch hier sind einige Straßen wegen Überflutung gesperrt. In den Kreisen Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen wird dies im Laufe des Tages erwartet.

Auch an der Isar etwa in München wurde mit noch steigenden Fluten gerechnet. Der bayerische Hochwassernachrichtendienst erwartet für Dienstagabend einen Pegelstand knapp unter der Meldestufe drei. Die Landeshauptstadt forderte die Bürger in Flussnähe auf, sich auf Überschwemmungen vorzubereiten. Keller sollten kontrolliert und Heizöltanks gesichert werden.

Weil für Mittwoch und Donnerstag trockenes Wetter vorhergesagt wird, soll sich die Hochwasserlage den Angaben zufolge schnell wieder entspannen.

© sz.de/imei/kpf/amm
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