Beeinflussung von Abgeordneten, Geheimverträge, Parteiensponsoring: Transparency International mahnt Maßnahmen in verschiedenen Bereichen an, in denen Deutschland bei der Korruptions-Vorsorge nachbessern muss.
Der Prozess um eines der schwersten Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak steht vor dem Abschluss. Mehr als sechs Jahre nach dem Massaker an 24 irakischen Zivilisten in der Stadt Haditha erwartet den verantwortlichen Unteroffizier ein mildes Urteil.
Kurzmeldungen
im Überblick
"Deutschland muss endlich internationale Konventionen zur Korruptionsbekämpfung verabschieden": Transparency International prangert deutsche Versäumnisse bei der Bestechungsvorbeugung an - und weist darauf hin, dass die Bundesrepublik in manchen Punkten auf einer Stufe mit Staaten wie Syrien stehe. Insgesamt stellt die Organisation der Bundesrepublik aber ein gutes Zeugnis aus.
Von
Barbara Galaktionow
Der Druck auf Bundespräsident Christian Wulff nimmt weiter zu. Wegen der Kredit- und Medienaffäre haben Transparency International und der Deutsche Journalisten-Verband ihre Teilnahme am Neujahrsempfang abgesagt. Zudem setzen Medienhäuser Wulff unter Zugzwang, die Korrespondenzen zwischen ihm und den Zeitungen zu veröffentlichen.
Bilder
Dänemark, Neuseeland und Singapur - das sind die neuen und alten Sieger im alljährlichen Korruptions-Ranking. Andernorts in der Welt wird jedoch bestochen - und das nicht zu knapp.
Gewinner und Verlierer
in Bildern.
Christian Wulff versprach Transparenz und scheute dann doch davor zurück. Wohl auch aus Angst, dass Fragen und Antworten zu seiner Kredit- und Medienaffäre als "Steinbruch für eine Fortsetzung der Kampagne" gegen ihn benutzt werden könnten. Doch nun geben zahlreiche Medien ihre Rechercheergebnisse für eine Veröffentlichung frei - ein einmaliger Vorgang.
Von
Hans Leyendecker
Der CDU-Politiker Peter Altmaier drängt Bundespräsident Wulff zu detaillierter Aufklärung über die Kredit- und Medienaffäre. Er solle "die Fragen/Antworten ins Netz" stellen. CSU-Chef Horst Seehofer will dagegen einen Schlussstrich unter die Debatte ziehen - ähnlich wie Wulff selbst.
In der Union wächst die Sorge, dass die Affäre des Bundespräsidenten auch der Regierung schaden könnte. Sowohl in der Bundestagsfraktion als auch bei der niedersächsischen CDU scheint der Rückhalt zu schwinden. Immer mehr Parteifreunde erhöhen den Druck auf Wulff, die versprochene Transparenz umzusetzen - der bisherige Unterstützer Peter Altmaier macht den Anfang.
Rücktrittsforderungen von der Opposition und aus der FDP gab es bereits, jetzt fordern auch Unionspolitiker Christian Wulff zum Rückzug auf: "Mein persönlicher Rat an ihn wäre, dass er sich das nicht länger zumutet", sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Wellmann. Bundestagsvizepräsident Thierse appelliert an den Bundespräsidenten, seine Anwälte von ihrer Verschwiegenheitspflicht zu befreien.
Der Boxweltmeister und Oppositionsführer erhebt schwere Vorwürfe gegen ukrainische Behörden. Das deutsche Biathlon-Team zeigt beim Weltcup gute Leistungen. Zweitligist 1860 München erbringt Liquiditätsnachweis bei der DFL, Dirk Nowitzki rettet den Dallas Mavericks Sekunden vor Schluss den Sieg. Sport kompakt
Korruption gibt es überall auf der Welt, doch niemand leidet mehr darunter als arme Menschen. Die schlechtesten Erfahrungen gibt es mit Polizei und Justiz. In Zukunft wird es eher noch schlimmer - glauben nicht nur die Deutschen.
Von
Bernd Oswald
183 Staaten hat Transparency International in Kategorien zwischen "höchst korrupt" bis "sehr sauber" eingeteilt. Das Ergebnis: In Neuseeland wird am wenigsten geschmiert, in Nordkorea und Somalia grassiert die Korruption. Schlusslichter in der EU sind Italien und Griechenland.
Schmiergeld für alle: Viele Organisationen messen die weltweite Verbreitung von Korruption - und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ein Gespräch mit Christian Humborg, dem Geschäftsführer von Transparency International Deutschland, über einseitige Urteile und die Frage, ob schmieren schlimmer ist, als sich schmieren zu lassen.
Interview:
Anja Perkuhn
Die Bundeskanzlerin stellt sich im Streit um den Privatkredit hinter Christian Wulff. Er sei "ein guter Bundespräsident". Auch andere Regierungspolitiker stärken ihm den Rücken, doch die Opposition besteht auf Aufklärung: "Wir wollen genau wissen, was war."
"Peinlich hoch drei": Der Druck auf Bundespräsident Wulff wächst. In der Opposition mehren sich kritische Stimmen, die eine persönliche Stellungnahme zu den Vorwürfen noch vor Weihnachten einfordern. Wulff müsse endlich Antworten geben, wenn er nicht als "Salami-Präsident" in die Geschichte eingehen wolle.
Wer 50.000 Dollar übrig hat, kann sich ein Boden-Luft-Raketensystem kaufen: Der ehemalige südafrikanische ANC-Politiker Andrew Feinstein hat die dunkle Welt des internationalen Rüstungshandels erforscht und die Händler des Todes getroffen. Ein Gespräch über eine der korruptesten Branchen der Welt, deutsche Waffen in Libyen und darüber, wie man Waffenschieber wird.
Interview:
Jannis Brühl
Die Affäre weitet sich aus: Etwa 70 ehemalige und aktive Fußball-Schiedsrichter sollen wegen Steuerhinterziehung ins Visier der Fahnder geraten sein. Das wären doppelt so viele, wie bislang bekannt. Nach SZ-Informationen sollen Champagner und Ausgehanzüge als Kosten abgerechnet worden sein. Die Vorwürfe wirken sich auch auf die Transparenz-Offensive der Fifa aus.
Von
Thomas Kistner
Der Chef des Fußball-Weltverbands, Joseph Blatter, ruft Transpareny International, um die Korruption im eigenen Haus zu bekämpfen. Er kann wohl nicht mehr anders, denn demnächst könnten die Namen derer veröffentlicht werden, die über die Marketingagentur ISL Schmiergelder in Millionenhöhe kassiert haben.
Von
Thomas Kistner
Ein Komitee, dessen Mitglieder "die vom Fifa-Kongress verlangten Reformen, insbesondere die Nulltoleranz im Korruptionskampf" umsetzen sollen - so proklamiert Fifa-Präsident Sepp Blatter seine Transparenz-Offensive. Doch Taten lässt der Schweizer seinen Worten bisher nicht folgen: Die Namen der Fifa-Funktionäre, die sich bestechen ließen, verschweigt er weiter.
Von
Thomas Kistner
Weniger Korruption, mehr Transparenz und ganz viel DFB: Fifa-Präsident Sepp Blatter schließt einen Rücktritt aus und setzt bei seinen Reformplänen vor allem auf die Unterstützung von Theo Zwanziger und Franz Beckenbauer. Außerdem kündigt er überraschend an, die Gerichtsakten in der ISL-Affäre offenzulegen. Damit könnten hochrangige Funktionäre arg in die Bredouille geraten.
Gerade erst hat Air Berlin angekündigt, die Vorzugsbehandlung von Prominenten zu stoppen. Jetzt wird bekannt: Auch Abgeordneten des Bundestags soll die Fluggesellschaft Vorteile eingeräumt haben. Einem Bericht zufolge habe sie den Politikern Bonuskarten geschenkt, für die normale Kunden 40.000 Statusmeilen brauchen. Anti-Korruptions-Aktivisten sind empört. Dabei macht es die Lufthansa schon seit Jahren fast genauso.
Unter Berlusconi war Italien weit vorne: bei der Staatsverschuldung, der Korruption, der Jugendarbeitslosigkeit und der überbordenden Bürokratie. Wenn der Premier zurücktritt, hinterlässt er seinem Nachfolger gewaltige Probleme. Mittel gegen den kranken Mann Europas.
Von
Wolfgang Jaschensky und Michael König
Indiens Regierung wollte sich einen lästigen Kritiker vom Hals halten. Doch mit der Verhaftung des bekanntesten Antikorruptionsaktivisten des Landes wuchs die Wut im Volk über Vetternwirtschaft, Übervorteilung und Schmiergeldzahlungen. Jetzt musste die Regierung nachgeben und erlaubte den Hungerstreik des Gandhi-Anhängers Anna Hazare.
Die Schiedsrichter-Affäre nimmt immer größere Dimensionen an und erreicht jetzt auch den Fußball-Weltverband: Der "Spiegel" berichtet, die Fifa habe deutschen Unparteiischen Honorare auf ausländische Konten gezahlt. Es geht offenbar um "Beträge im sechsstelligen Bereich".
Von
Thomas Kistner