Starkbieranstich Diese Politiker werden heuer beim Nockherberg derbleckt

Markus Söder und sein Double auf dem Nockherberg.

(Foto: dpa)
  • Horst Seehofer und Markus Söder bekommen zentrale Rollen beim diesjährigen Singspiel, Martin Schulz hingegen kommt nicht einmal mehr vor.
  • Für Buch und Regie sind in diesem Jahr Richard Oehmann und Stefan Betz verantwortlich.
  • Angela Merkel wird nicht anwesend sein, dafür werden aber Sahra Wagenknecht, Wolfgang Kubicki und Claudia Roth erwartet.
Von Wolfgang Görl

Wie tief die einstige SPD-Hoffnung Martin Schulz mittlerweile gesunken ist, merkt man daran, dass er im neuen Nockherberg-Singspiel nicht mehr vorkommt. Dabei war er im vergangenen Jahr noch eine große Nummer, etwa als der Salvator-Schulz, seinerzeit dargestellt von Thomas Wenke, an die Salvator-Merkel die bange Frage richtete, ob denn Kanzler zu sein schwierig sei. Nun, das hat sich inzwischen erübrigt, wie sich überhaupt vieles verändert hat in den vergangenen zwölf Monaten. So ist ja auch Singspiel-Regisseur Marcus H. Rosenmüller nicht mehr dabei, Buch und Regie liegen jetzt in den Händen von Richard Oehmann und Stefan Betz. Was die beiden vorhaben, ist nach ihrer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen etwa so klar wie eine Prophezeiung des Orakels von Delphi: Man ahnt einiges, aber Genaues weiß man nicht - und so soll es ja auch sein.

So dürfen sich die Salvatorgemeinde und das Publikum, das am 28. Februar vor dem Fernseher sitzt, auf Überraschungen gefasst machen. An Themen mangelt es gewiss nicht, das findet auch Luise Kinseher, die als "Mama Bavaria" erneut die Salvatorrede halten wird. "Heuer ist es politisch so interessant und spannend wie noch nie", frohlockt Kinseher und fügt hinzu: In früheren Jahren sei die CSU fest im Sattel gesessen, "heuer sieht das ganz anders aus". Und auch der Niederbayer Stefan Betz, im normalen Leben Drehbuchautor und Schauspieler, sagt: "Seehofer und Söder haben viel dafür getan, dass sie eine große Rolle im Singspiel haben."

"Deutschland ist noch nicht bereit für einen Mann als Kanzlerin"

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Einiges haben Betz und Richard Oehmann, der einer der beiden Macher von "Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater" ist, aber dann doch verraten: "Die glorreiche 7" ist der Titel des Singspiels, was natürlich an den Westernfilm "Die glorreichen Sieben" erinnert und wohl auch erinnern soll. Und tatsächlich wird am Mittwoch auf der Nockherberg-Bühne ein Indianer erscheinen, verkörpert von Stefan Murr. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird er auch singen, und zwar eine der Kompositionen, die der Geretsrieder Musiker Tobias Weber eigens für die Salvatorprobe fabriziert hat.

Über Anton Hofreiter hätten sie "beim Schreiben am meisten gelacht", erzählen die Autoren

Luise Kinseher, der Thomas Lienenlüke als Textautor zuarbeitet, hat sich daran gewöhnt, dass die einen sagen, ihre Rede sei zu milde gewesen, und die anderen, sie habe zu hart hingelangt. "Zufrieden sind hinterher nie alle." Kinseher aber möchte ihre Linie beibehalten: "Die Figur der Mama Bavaria ist keine, die draufhaut. Sie ist eine strenge Mutter, die aber einen liebenden Blick auf ihre Kinder wirft." Verblüfft hat die Kabarettistin Kinseher, dass ihr Markus Söder neulich gesagt habe, die Nockherberg-Rede sei etwas ganz Besonderes. "Ich vermute, dies liegt an der Mutation, die der Mann gerade durchmacht."

Diese Mutation, orakelt Oehmann, "wird im Singspiel vielleicht erzählt". Wenn das so ist - man kann nie sicher sein bei diesen Spaßvögeln -, dann kommt auf Stephan Zinner, der als Söder-Double längst eine vergnügliche Variante des Originals ist, schauspielerisch einiges zu. Als Seehofer kommt nach wie vor Christoph Zrenner zum Einsatz, Nikola Norgauer verkörpert die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen, die den beiden Singspiel-Autoren offenbar Kopfzerbrechen bereitet hat: "Was macht Frau Kohnen aus, außer dass sie blond ist und eine Brille hat? Für uns wäre es praktischer, die Politiker hätten alle ihre Marotten."

Was die wirklichen Politiker angeht, also jene, die beim Freibier vor der Bühne sitzen und hoffen, beim Derblecken auch dranzukommen, was diese Leute also betrifft, ist wie gewohnt das bayerische Kabinett geladen sowie die geschäftsführende Bundesregierung und selbstverständlich der Münchner Oberbürgermeister. Paulaner-Chef Andreas Steinfatt sähe zwar auch Kanzlerin Angela Merkel gern im frisch renovierten Starkbiertempel, doch daraus wird wohl nichts. Bereits zugesagt haben immerhin diverse Oppositionspolitiker, darunter die Linke Sahra Wagenknecht, Wolfgang Kubicki von der FDP sowie Claudia Roth und Anton Hofreiter von den Grünen. Für Hofreiter dürfte sich der Besuch in jedem Fall lohnen, denn er kommt ebenfalls im Singspiel vor. Und über ihn, sagen die Autoren, "haben wir beim Schreiben am meisten gelacht".

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