Landtagswahl Söder gilt in der Münchner CSU als Risikofaktor

Wie schlimm es in München für die CSU kommen wird, steht noch nicht fest - doch Handlungsbedarf hat die Partei wohl erkannt.

(Foto: dpa)

Die CSU tut sich in München schwer und könnte Prognosen zufolge drei von neun Stimmkreisen an die Grünen verlieren. Was plant Markus Söder für die Landeshauptstadt?

Von Dominik Hutter

Offiziell geht es um eine Art Standortbestimmung: Die Münchner CSU reflektiert, wo sie gerade steht und wo sie hin will. Es gilt aber in der Partei als offenes Geheimnis, dass der Bezirksparteitag am Montagabend auch eine Art München-Agenda für die bevorstehende Landtagswahl am 14. Oktober hervorbringen soll. Denn bei der CSU schrillen längst alle Alarmglocken: Die Prognosen sind nicht nur landesweit historisch schlecht - erste Modellrechnungen gehen davon aus, dass in München bis zu drei der neun Stimmkreise an die Grünen fallen könnten. Das wäre für die aktuell nur viertstärkste Landtagsfraktion eine Sensation - und für die Münchner CSU eine Schmach. Aktuell haben die Christsozialen sieben der derzeit noch acht Stimmkreise inne, lediglich Milbertshofen ging 2013 an die SPD. Modellrechnungen sagen den Sozialdemokraten allerdings den Verlust dieses Stimmkreises voraus.

Dass es im neuen Stimmkreis München-Mitte eng für die CSU werden könnte, war von Anfang an klar - die Innenstadt gilt als rot-grüne Hochburg. Doch nun steht auch Schwabing zur Disposition, das Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle 2013 nur mit knappem Vorsprung gewinnen konnte - und das, obwohl mit der Stimmkreisreform einige zentrumsnahe Gebiete an München-Mitte abgetreten werden mussten. Was normalerweise zugunsten der CSU hätte laufen müssen. Sowohl die Wahlforscher der Plattform wahlkreisprognose.de als auch deren Kollegen von election.de sehen aber die CSU in Schwabing nicht mehr in der Siegerrolle. Profitieren soll aber nicht Spaenles Langzeitrivalin Isabell Zacharias von der SPD, sondern der Grüne Christian Hierneis, der erstmals bei einer Landtagswahl antritt. Der Münchner Chef des Bundes Naturschutz könnte sich das Direktmandat schnappen.

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Für den ohnehin angeschlagenen Spaenle wäre eine Niederlage nicht nur blamabel - sie könnte ihn ganz aus dem Maximilianeum katapultieren, da bei einem schlechten landesweiten Wahlergebnis auch ein guter Listenplatz nicht zwingend weiterhilft. Der Bezirkschef hat erst vor einigen Monaten sein Ministeramt verloren, das Landtagsmandat ist sehr wichtig für ihn. Deutlich weniger zu verlieren hat Hans Theiss, der für die CSU in München-Mitte antritt. Der 40-jährige Arzt ist derzeit CSU-Stadtrat, vermutlich wäre seine an der Spitze stark ausgedünnte Fraktion dankbar, wenn sie weiterhin mit ihm rechnen könnte. München-Mitte fällt laut election.de mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent an den Grünen-Kandidaten Ludwig Hartmann, und auch wahlkreisprognose.de attestiert ihm einen deutlichen Vorsprung. Uneins sind sich die Auguren über Milbertshofen: wahlkreisprognose.de sieht die Grünen mit Katharina Schulze vorne, election.de die CSU-Kandidatin Tina Pickert. Die bisherige Erststimmensiegerin Ruth Waldmann (SPD) ist bei beiden aus dem Rennen.

Ob das alles so eintrifft, ist freilich offen. Prognosen sind bekanntlich Momentaufnahmen und keine Wahlergebnisse, und die Vorhersagen für einzelne Stimmkreise beruhen nicht auf repräsentativen Umfragen vor Ort, sondern auf einem komplizierten (und geheimen) Rechenverfahren. Bei der CSU herrscht dennoch Gewissheit, dass dringend etwas unternommen werden muss in der Landeshauptstadt, in der immerhin jeder zehnte bayerische Wähler wohnt. Richtig gut lief es nicht in letzter Zeit, das räumen CSU-Politiker durchaus ein. Der "Kulturkampf" mit den Münchner Theaterchefs, die hektische Plakataktion im Vorfeld der "Ausgehetzt-Demo" wie auch die Demo selbst gelten nicht als Pluspunkte bei der Wählerakquise. Ministerpräsident Markus Söder hat bereits ein speziell auf München zugeschnittenes Wahlprogramm angekündigt, seine Zufriedenheit mit den eigenen inhaltlichen Akzenten der Hauptstädter hält sich offenbar in Grenzen. Andererseits gilt der nicht überall beliebte Söder unter Münchner Christsozialen selbst als Risikofaktor.

Söder selbst hat schon einmal vorgemacht, wie er sich Großstadtwahlkampf vorstellt. Bei einer Veranstaltung mit Theiss sang er ein Loblied auf München und das großstädtische Leben. Mit lockerem Auftreten legte er dar, wie er selbst sich echte Metropolenpolitik vorstellt. Vor einigen Tagen absolvierte er einen Unterstützungsbesuch beim geplanten Isarflussbad. Verkehrsministerin Ilse Aigner pflegt derweil ihre Liebe zu Seilbahnen über dem Häusermeer. Die München-Agenda ist noch geheim - bis zum Parteitag. Urbane Themen wie Wohnen und Verkehr dürften aber wohl einen festen Platz darin einnehmen.

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