bedeckt München

Studium speziale:Zukunftsforschung, Freizeitwissenschaft, Brauwesen? Kann man studieren

Mehr als 20 000 Studiengänge gibt es in Deutschland, teils recht kuriose. Wo arbeiten Arboristen? Was macht ein Ingenieurspsychologe? Hier erzählen sie es.

15 Bilder

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

1 / 15

Das Fach: Internationalen Frauenstudiengang

Wo man es studieren kann: Hochschule Bremen

Und die Männer? "Wir hatten einmal einen Kurs zu Mensch-Computer-Systeme. Etwa 20 Studentinnen - und plötzlich saß ein männlicher Student mit uns im Raum. Er hatte die Professorin gefragt, ob er an der Veranstaltung teilnehmen dürfe, weil sie in seinem Informatikstudium nicht angeboten wurde. Über einen Mann im Kurs mussten wir erst abstimmen, per Handzeichen. Das Ergebnis fiel einstimmig aus: Er durfte bleiben. Wirklich unter uns sind wir Frauen ohnehin nur in den ersten drei Semestern. Ab dem vierten haben wir Veranstaltungen mit allen anderen."

Das sagt Studentin Nadine Knoke. Hier erzählt sie außerdem von dem Moment, als sie begann, in Quellcode zu denken.

Studieren in Corona-Zeiten: Tipps, Tricks und Unterhaltsames zum Start ins Wintersemester - immer montags im kostenlosen Newsletter SZ Studium von jetzt, dem jungen Magazin der Süddeutschen Zeitung.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

2 / 15

Das Fach: Sorbistik

Wo man es studieren kann: Uni Leipzig

Woran man die Studierenden erkennt: "Im Schriftverkehr untereinander und mit den Lehrenden verwenden wir gern die sorbische Schreibweise unserer Namen, bei mir ist das 'Maks Bagańc' anstelle von 'Max Baganz'. Das ist ein kleiner Standard-Gimmick in der sorbischen Welt."

Das sagt Student Max Baganz. Hier erzählt er außerdem, warum es mehr sorbische Popkultur braucht.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

3 / 15

Das Fach: Vegan Food Management

Wo man es studieren kann: Fachhochschule des Mittelstandes in Bamberg

Warum man es studiert: "Mit 13 bin ich Vegetarier geworden, nachdem ich im Netz Videos gesehen habe, wie Kaninchen geschlachtet werden. Ich hatte damals als Jugendliche selber Kaninchen und fand es grausam. Vier Jahre später bin ich Veganerin geworden, weil auch für andere Produkte wie Milch oder Käse Tiere leiden. Ich mag Tiere und mir war schnell klar, dass ich etwas studieren möchte, um mich hinterher für das Wohl der Tiere einzusetzen. Meine erste Idee war: Tiermedizin. Veterinärmediziner müssen Sezierkurse belegen, und die Tiere, an denen sie lernen, wurden oft extra dafür getötet. An manchen Unis gibt es Module, bei denen die Studierenden das Impfen in Massentierbetrieben üben. Und ein nicht ganz untypischer Arbeitsplatz für Tierärzte ist das Schlachthaus. Tiermedizin kam für mich einfach nicht mehr in Frage. Irgendwann habe ich bei Facebook einen Post der Tierrechtsorganisation Peta gesehen. Darin wurde auf den Studiengang Vegan Food Management hingewiesen. Das ist ein indirekter Weg, um meinem Anliegen nachzugehen: Ich kann was für Tiere tun, ohne Tiermedizin zu studieren."

Das sagt Alisa Zitzmann. Hier erklärt sie, warum sich manchmal auch Nicht-Veganer für das Fach entscheiden.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

4 / 15

Das Fach: Arboristik

Wo man es studieren kann: Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen

Welche Themen dort auf dem Studenplan stehen: "Dass man am Anfang viele naturwissenschaftliche Grundlagen lernen muss, Chemie, Physik, Mathematik, war nicht ganz überraschend, ist aber für viele ein großer Brocken. Dass auch so viel juristisches Wissen vermittelt wird, hatte ich nicht erwartet. Aber im Nachhinein wird klar, warum: Man muss später im Beruf oft auch rechtliche Fragen klären, beispielsweise wenn darum gestritten wird, ob ein Baum in der Stadt gefällt werden darf oder nicht."

Das sagt Student Goy Gerdes. Hier erklärt er, warum man viele Baumarten, die man in Parks gewohnt ist, heute gar nicht mehr anpflanzen könnte.

-

Quelle: Illustraton Jessy Asmus

5 / 15

Das Fach: Frisistik (Friesische Philologie)

Wo man es studieren kann: Uni Kiel

Worüber man Seminararbeiten schreibt: "Ich analysiere gerade eine 24-minütige Tonaufnahme eines Friesen aus meinem Heimatdorf, der den ersten Weltkrieg erlebt hat. Er hat am Hindenburgdamm mitgearbeitet, der Sylt mit dem Festland von Schleswig Holstein verbindet. Alleine das Transkribieren dauert schon ewig. Dazu kommt, dass der Mann teilweise nuschelt. Auch mein Professor versteht nicht alles. Aber der Aufwand lohnt sich trotzdem, weil sich noch niemand mit dieser Aufnahme auseinandergesetzt hat. Ein Stück Kulturgeschichte."

Das sagt Student Thede Thießen. Hier erzählt er außerdem, wie es ist, wenn man in manchen Kursen der einzige Teilnehmer ist.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

6 / 15

Das Fach: Hazard Control/Gefahrenabwehr

Wo man es studieren kann: Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Die Grundlagenlektüre: "Ein klassisches Standardwerk fällt mir jetzt nicht ein, aber es gibt einen Roman, den so gut wie jeder in meinem Studiengang gelesen hat: Blackout - Morgen ist es zu spät von Marc Elsberg. Da geht es darum, dass in Europa alle Stromnetze zusammenbrechen und welche Auswirkungen das auf sämtliche Bereiche der Gesellschaft hat. Ich habe davon zum ersten Mal von einem Professor im ersten Semester gehört. Das Buch wurde schnell von allen gehyped - ich fand es auch sehr spannend."

Das sagt Studentin Luisa Ruck. Hier erzählt sie, wie sie sich in Planspielen auf den Ernstfall vorbereitet.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

7 / 15

Das Fach: Klinische Linguistik

Wo man es studieren kann: Uni Bielefeld

Was in dem Fach besonders schwierig ist: "In einem Seminar zu Stimmstörungen mussten wir eine Hausarbeit schreiben, bei der auch Selbsterfahrung gefordert wurde: Jeder bekam eine stimmtherapeutische Methode zugewiesen und musste sie nicht nur vorstellen, sondern an sich selbst ausprobieren. Das fand ich ungewohnt und gar nicht so leicht."

Das sagt Studentin Larissa Faber. Hier erzählt sie, warum sie ihr Fach Laien gegenüber lieber als Sprachtherapie bezeichnet.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

8 / 15

Das Fach: Bayerische Geschichte

Wo man es studieren kann: Ludwig-Maximilians-Universität in München

Was andere zu dem Fach sagen: "Die meisten sind sehr verwundert, und manchmal kommt auch die Frage, ob die Konzentration auf bayerische Geschichte nicht etwas provinziell sei. Aber dann verweise ich immer auf die europäischen Vernetzungen, zum Beispiel auf Bayerns wichtige Rolle im Ringen der Großmächte."

Das sagt Studentin Laura Fuchs. Hier erklärt sie, warum man manchmal bis nach Washington reisen muss, um das Bundesland besser zu verstehen.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

9 / 15

Das Fach: Zukunftsforschung

Wo man es studieren kann: Freie Universität Berlin

Was man im Studium macht: "Es geht darum, Szenarien zu entwerfen. Ein Szenario beschreibt einen möglichen zukünftigen Kontext. Dafür schauen wir, wo wir Signale für Veränderungen sehen. Dabei arbeiten wir mit vielen, ganz unterschiedlichen Quellen. Das können Studien sein, Nachrichtenschnipsel, Trendberichte. Dann überlegt man sich: Was ist, wenn sich das in die Zukunft weiterentwickelt. Nehmen Sie zum Beispiel die E-Scooter: Irgendwann kamen die ersten Leute damit an. Dann hat man sich überlegt, wie sich unsere Städte verändern würden, wenn E-Scooter plötzlich ein Riesenthema wären. So kann man Szenarien erarbeiten, indem man verschiedene Studien heranzieht, daraus aber nicht nur Zahlen herausrechnet, sondern versucht, Zukunftsbilder zu bauen. Und ein Gefühl dafür zu bekommen, in welche Richtung es gehen kann. Entscheidend ist, dass man nicht nur ein Zukunftsbild erstellt, sondern verschiedene nebeneinander stellt, um den Vergleich und die Vielfalt zu haben."

Das sagt Student Johannes Kleske. Hier erzählt er, wie er mit dem Wissen aus dem Studium Unternehmen berät.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

10 / 15

Das Fach: Hebammenwissenschaft

Wo man es studieren kann: Uni Lübeck

Welcher Kurs im Studium besonders verhasst es: "Zumindest am Anfang waren es Forschungsmethoden I. Da lernt man, wie Studien aufgebaut sein sollten und was man bei der Datenerhebung beachten muss. Mittlerweile finde ich es ganz spannend, aber viele schreckt wahrscheinlich alleine schon der Statistikpart ab."

Das sagt Studentin Jule Marie Krüger. Hier erklärt sie, wie das Fach sie darauf vorbereitet, im Kreißsaal die richtigen Entscheidungen zu treffen.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

11 / 15

Das Fach: Ingenieurpsychologie

Wo man es studieren kann: Hochschule Furtwangen

Was sich andere unter dem Fach vorstellen: "Im ersten Moment ist der Studiengang Ingenieurpsychologie den meisten unbekannt. Wenn ich sage, was ich studiere, fragen viele: Ticken Ingenieure anders? Brauchen Ingenieure ihre eigenen Psychotherapeuten? Aber eine Psychotherapie-Praxis für Ingenieure mache ich später nicht auf, dafür qualifiziert mich mein Studium nicht. Eher würde ich in die Produktgestaltung gehen, zum Beispiel bei einem Automobilhersteller. Auch da spielt die Psychologie eine große Rolle: Wie fühlt es sich an, die Autotür zuzuschlagen? Wie ist der Klang?"

Das sagt Student Alexander Weber. Hier erklärt er, warum unsere Beziehung zum Ticketautomaten so gestört ist.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

12 / 15

Das Fach: Angewandte Freizeitwissenschaft

Wo man es studieren kann: Hochschule Bremen

Das Aha-Erlebnis im Studium: "Im Studium hatte ich nicht nur ein Aha-Erlebnis, sondern viele kleine. Mit jedem Modul lernt man mehr und nimmt seine Umgebung anders wahr. Wir hatten zum Beispiel im dritten Semester die Aufgabe, eine Stadtführung zu konzipieren, Schwerpunkt: Fassadengestaltung. Seither gehe ich mit ganz anderen Augen durch die Straßen. Die Säulen am Bremer Rathaus haben zum Beispiel alle einen Fußkranz. An einer Säule fehlt der aber. Das hat mich gewundert. Ich bin dem nachgegangen und habe herausgefunden, dass an der Stelle in den 60er Jahren einmal eine Straßenbahn hineingefahren ist. Ohne mein Studium würde ich solche Dinge nicht bemerken."

Das sagt Studentin Leona Köver. Hier erklärt sie, warum viele Menschen die Freizeit im ersten Moment für wenig studierwürdig halten.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

13 / 15

Das Fach: Betriebswirtschaftslehre für Leistungssportler

Wo man es studieren kann: Universität Oldenburg

Was an dem Fach anders ist: "Am Tag stehe ich vier bis fünf Stunden ich auf dem Tennisplatz, dazu kommen eineinhalb Stunden Fitness, außerdem Physiotherapie. 30 Wochen im Jahr bin weltweit auf Turnieren unterwegs. Es ist gar nicht so einfach, ein Studium zu finden, das man neben der aktiven Profilaufbahn machen kann. Über einen Tenniskollegen bin ich zu diesem Bachelor in Oldenburg gekommen. Ein ganz normales BWL-Studium ist es nicht. Im Seminar quatscht man mit den Kommilitonen nebenher eher mal über die Olympiavorbereitungen oder die letzten großen Turniere statt über Supply-Chain-Management. Wir können Fächer wie Sportmarketing und Sportmanagement belegen."

Das sagt Studentin Vivien Heisen. Hier erklärt sie, was sie studiert hätte, wenn sie nicht auf den Studiengang in Oldenburg gestoßen wäre.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

14 / 15

Das Fach: Archäologie von Münze, Geld und von Wirtschaft

Wo man es studieren kann: Universität Frankfurt (Main)

Die größte Überraschung im Studium: "Wie weit römisches Geld um die Welt gereist ist. Ich habe mich in einem Semiar intensiver mit Indien befasst und darüber eine Hausarbeit geschrieben. Ich war erstaunt über die Unmengen der Silbermünzen, die man dort fand. Vor allem zwei Kaiser sind auf Geldstücken abgebildet: Augustus und Tiberius. Das könnte heißen, dass der Handel zu deren Regierungszeit stattfand. Es kann aber auch sein, dass man indische Geschäftsleute mit Münzen bezahlt hat, die im Römischen Reich längst ausrangiert waren und sie erst später nach Indien kam. In der Forschung ist das eine große Kontroverse. Ich tendiere dabei zu der zweiten Erklärung."

Das sagt Studentin Diana Grethlein. Hier erklärt sie, warum sie zu wissenschaftlichen Zwecken mitunter Geld fälschen muss.

-

Quelle: Illustration Jessy Asmus

15 / 15

Das Fach: Brauwesen und Getränketechnologie

Wo man es studieren kann: Technische Universität München

Wie sich durch das Studium der Alltag ändert: "Ich trinke Bier nicht mehr wie früher, und bei meinen Studienkollegen ist es genauso. Wir analysieren sofort, wenn wir in der Kneipe zusammensitzen: Wie ist die Farbe, wie der Geruch, wie der Schaum? Schon am Schaum kann man viel erkennen. Etwa ob über CO2 oder Stickstoff gezapft wurde. Der Schaum kann ein Hinweis darauf sein, dass die Gläser nicht richtig gespült wurden. Man erfährt also auch Dinge, die man nicht wissen will."

Das sagt Student Michael Zeilmann. Hier erklärt er, warum Bier ein komplexes Getränk ist.

© SZ.de

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite