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Studium speziale: Bayerische Geschichte:"Man muss natürlich nicht aus Bayern kommen"

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Laura Fuchs ist angehende Bayernhistorikerin - und findet ihr Fach überhaupt nicht provinziell. Wer das Bundesland erforschen will, muss dafür manchmal sogar bis nach Washington reisen.

Protokoll von Eva Dignös

Laura Fuchs, 22, studiert im ersten Master-Semester Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Warum ich das Fach studiere: "Mein Großvater war sehr geschichtsinteressiert. Er hat alle möglichen Bücher zu historischen Themen gesammelt und mir, schon als ich klein war, von Akteuren und Ereignissen der bayerischen Geschichte erzählt. Ich habe ihm gern zugehört, war zum Beispiel immer ganz besonders begeistert von Alexander dem Großen - da ging es natürlich noch nicht um bayerische Geschichte - und von den bayerischen Königen, Ludwig II. zum Beispiel. Dass mich mein Großvater so früh dafür begeistert hat, war sicher einer der Gründe für meine Entscheidung, Geschichte zu studieren. Und als es dann im Master die Möglichkeit gab, sich ganz auf bayerische Geschichte zu konzentrieren, war das für mich perfekt. Ich komme aus dem Bayerischen Wald und fühle mich in Bayern verwurzelt. Deshalb wollte ich immer schon mehr über die Geschichte meines eigenen Landes wissen, weil sich viele Entwicklungen oft erst dann begreifen lassen, wenn man sich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt hat. Es gibt da oft erstaunliche Parallelen. Aber man muss natürlich nicht aus Bayern kommen für dieses Studium. Es gibt auch zahlreiche Studierende aus anderen Bundesländern."

Laura Fuchs Serie Studienexot Studienexotin

Laura Fuchs studiert in München Bayerische Geschichte.

(Foto: privat)

Was überraschend war: "Nur mit Deutsch kommt man nicht weit. Fremdsprachenkenntnisse sind sehr wichtig. Ich beschäftige mich gerade mit dem Kulturtransfer zwischen Bayern und Mailand im 16. Jahrhundert. Da sind viele Quellen auf Italienisch. Auch Französisch und Latein sind wichtig. Bayern hatte in der Geschichte oft eine Schlüsselposition im Ringen der Mächte. Schon damals ging es um Globalisierung, das sind Themen, die hoch aktuell und hoch spannend sind. Es liegen übrigens auch viele Quellen in Washington im Archiv. Das hat mit der US-amerikanischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Aber davon abgesehen, haben wir schon den Vorteil, dass viele Dokumente in bayerischen Archiven gut erreichbar sind. Und viele historische Schauplätze kann man in einer Tagesexkursion besuchen."

Was die anderen sagen: "Die meisten sind sehr verwundert, und manchmal kommt auch die Frage, ob die Konzentration auf bayerische Geschichte nicht etwas provinziell sei. Aber dann verweise ich immer auf die europäischen Vernetzungen, zum Beispiel auf Bayerns wichtige Rolle im Ringen der Großmächte."

Was man können sollte: "Geschichte ist ein Lesestudium und Wissen eignet man sich nicht nur, aber hauptsächlich durchs Lesen an. Auch sprachliche Sicherheit und Ausdrucksfähigkeit sind ganz wichtig. Und der Wille, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, auch wenn die Quellenlage auf den ersten Blick nicht günstig ist. Dann geht man verschiedenen Hinweisen nach, muss herausfinden, was in welchem Archiv sein könnte. Dafür braucht man schon eine gewisse Ausdauer. Aber wenn sich die Stücke dann nach und nach wie bei einem Puzzle zusammensetzen, ist das unwahrscheinlich erfüllend. So ging es mir bei meiner Bachelorarbeit. Ich habe mich mit dem Wirtschaftsfunk beim Bayerischen Rundfunk in den 50er und 60er Jahren beschäftigt. Das ist ein Bereich, der bisher wenig von der Forschung beachtet worden ist. Ich konnte also selbständig forschen, war in den verschiedensten Archiven und hatte auch die Möglichkeit, mit einer Zeitzeugin zu sprechen. Zeigen zu können, dass ich eine eigenständige Arbeit auf die Beine stellen kann, war ein sehr wichtiger Moment im Studium."

© SZ.de/berk
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