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Studium speziale: Arboristik:"Bäume wachsen nicht einfach so"

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Bäume sind eine Wissenschaft für sich. Goy Gerdes muss sich im Studium nicht nur mit Laub und Ästen befassen - sondern auch mit allerlei Paragrafen.

Protokoll von Eva Dignös

Bäume haben Goy Gerdes schon vor seinem Studium beschäftigt: Er absolvierte eine Ausbildung zum Forstwirt. Anschließend schrieb er sich an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen für den Bachelor-Studiengang Arboristik ein.

Warum es gerade dieses Fach sein musste: "Arboristik war gar nicht meine erste Wahl. Eigentlich hatte ich an Forstwirtschaft gedacht, habe aber keinen Studienplatz bekommen und mich deshalb für Arboristik eingeschrieben, auch mit dem Gedanken, noch mal zu wechseln. Am Anfang sind die Veranstaltungen gleich, danach geht es in der Arboristik dann aber um Bäume und Gehölze in der Stadt, um ihren Schutz, ihre Pflege und ihre nachhaltige Entwicklung. Ich habe schnell gemerkt, dass mich das mehr interessiert als die klassische Forstwirtschaft."

Goy Gerdes Studium Speziale

Goy Gerdes studiert Arboristik in Göttingen.

(Foto: privat)

Mit welchen Themen ich nicht gerechnet hatte: "Dass man am Anfang viele naturwissenschaftliche Grundlagen lernen muss, Chemie, Physik, Mathematik, war nicht ganz überraschend, ist aber für viele ein großer Brocken. Dass auch so viel juristisches Wissen vermittelt wird, hatte ich nicht erwartet. Aber im Nachhinein wird klar, warum: Man muss später im Beruf oft auch rechtliche Fragen klären, beispielsweise wenn darum gestritten wird, ob ein Baum in der Stadt gefällt werden darf oder nicht."

Der typische Studierende: "Die meisten sind sehr naturverbunden, viele Kletterer sind dabei - oft echte Freigeister."

Was man später damit macht: "Die Berufsaussichten sind sehr gut. Die Kommunen merken, dass das städtische Grün immer wichtiger wird. Man kann als Sachverständiger arbeiten oder in der Planung und Betreuung von städtischen Grünanlagen. Kaum jemandem ist bewusst, wie aufwendig die Pflege von Stadtbäumen ist: Bäume wachsen nicht einfach so, sondern da muss ständig etwas getan werden, damit sie gesund bleiben, damit es nicht zu Verwachsungen oder toten Ästen kommt, die abbrechen und Menschen gefährden könnten."

Mein größtes Aha-Erlebnis: "Im vierten Semester, im Modul 'Produktion und Pflanzung', sind mir die Auswirkungen des Klimawandels erst richtig bewusst geworden. Viele Baumarten, die man heute in Parks und an Straßen gewohnt ist, könnten jetzt gar nicht mehr gepflanzt werden. Man muss bei der Auswahl berücksichtigen, welche klimatischen Bedingungen in 20, 30 Jahren herrschen. Buche und Eiche haben mit den steigenden Temperaturen jetzt schon Probleme, deshalb muss man Arten nehmen, die damit besser zurechtkommen, die Silberlinde beispielsweise. Die Bäume sollen ja alt werden, damit sie dann groß genug sind, um in der Stadt Schatten zu spenden. Städtisches Grün wird in einigen Jahren anders aussehen, da wird man umdenken müssen."

© SZ.de/jerb
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