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Studium speziale: Gefahrenabwehr:"Die Ausgangssituation war eine Naturkatastrophe"

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Luisa Ruck studiert Gefahrenabwehr. Hier erzählt sie, wie sie sich in Planspielen auf den Ernstfall vorbereitet - und warum ein Roman eines der wichtigsten Bücher im Studium ist.

Protokoll von Julian Erbersdobler

Luisa Ruck studiert in Hamburg Hazard Control/Gefahrenabwehr.

Warum nicht einfach BWL: "Viele meiner Kommilitonen sind schon von klein auf bei der Feuerwehr. Ich bin eher die Ausnahme. Nach dem Abi hat mich einfach keiner der klassischen Studiengänge angesprochen. Ich bin dann zufällig auf den Studiengang Gefahrenabwehr in Hamburg gestoßen. Hazard Control ist ein Ingenieursstudium. In den ersten Semestern stehen vor allem Mathe, Physik und Chemie auf dem Stundenplan. Später kommen dann noch Fächer wie Ökotoxikologie oder Großschadenmanagement dazu. Um mir das Studium finanzieren zu können, arbeite ich nebenbei noch in der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter-Unfallhilfe. Gemeinsam mit anderen Behörden und Organisationen planen wir internationale Übungen im Katastrophenschutz. In meiner Bachelorarbeit beschäftige ich mich mit der Frage, wie man die nachhaltiger gestalten kann. Können wir Plastik sparen? Und wie vermeiden wir unnötige Flüge?"

Was man später damit macht: "Ungefähr die Hälfte meiner Kommilitonen will zur Berufsfeuerwehr. Andere zieht es wie mich eher in Richtung internationaler Katastrophenschutz. Aber es gibt auch noch andere Optionen, zum Beispiel bei Schadensversicherern, Ingenieursbüros oder Umweltbehörden."

Luisa Ruck

Luisa Ruck studiert Hazard Control in Hamburg, zu Deutsch: Gefahrenabwehr.

(Foto: privat)

Was an dem Studium anders ist: "Besonders gut finde ich den Praxisbezug. Mein Jahrgang war für ein einwöchiges Praktikum an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Ahrweiler bei Bonn. Wir sollten dort als Stab zusammenarbeiten und wurden in zwei Gruppen eingeteilt, etwa 15 pro Team. Dann begann das Szenario. Die Ausgangssituation war eine Naturkatastrophe, mit der wir umgehen mussten. Nach und nach bekamen wir mehr Infos zugespielt. Am Anfang gab es eine vorläufige Lagekarte, später Details wie beispielsweise die Anzahl der Verletzten. Das war eine ziemlich coole Erfahrung."

Die Grundlagenlektüre: "Ein klassisches Standardwerk fällt mir jetzt nicht ein, aber es gibt einen Roman, den so gut wie jeder in meinem Studiengang gelesen hat: Blackout - Morgen ist es zu spät von Marc Elsberg. Da geht es darum, dass in Europa alle Stromnetze zusammenbrechen und welche Auswirkungen das auf sämtliche Bereiche der Gesellschaft hat. Ich habe davon zum ersten Mal von einem Professor im ersten Semester gehört. Das Buch wurde schnell von allen gehyped - ich fand es auch sehr spannend."

Das größte Aha-Erlebnis: "Man kann in einer Krisensituation nicht über jedes kleine Detail Bescheid wissen. Wichtig ist, das große Ganze im Blick zu behalten. Das ist am Anfang gar nicht so leicht. Man muss sich von der Vorstellung lösen, alles wissen und kontrollieren zu müssen. Manche Aufgaben muss man an andere delegieren. Das gehört dazu."

Das spannendste Hausarbeitsthema: "Ich habe mich mit den schädlichen Auswirkungen von Nonylphenolethoxylaten auf die Umwelt beschäftigt. Das sind chemische Substanzen, die vor allem in der Textilindustrie Verwendung finden. In diesem Zusammenhang habe ich mir angeschaut, wie zum Beispiel Gewässer in China in Mitleidenschaft gezogen werden."

Was denken andere über den Studiengang: "In 95 Prozent der Fälle muss ich erklären, was Hazard Control bedeutet. Viele denken, dass ich irgendwas Militärisches studiere. Aber es geht eigentlich in eine andere Richtung."

© SZ.de/berk
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