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Studium speziale: Vegan Food Management:"Die eine Nichtveganerin hat leider schnell abgebrochen"

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Alisa Zitzmann wollte erst Tiermedizin studieren - aber schreckte wegen der Sezierkurse zurück. Über eine Tierrechtsorganisation fand sie einen passenderen Studiengang.

Protokoll von Bernd Kramer

Alisa Zitzmann studiert Vegan Food Management an der Fachhochschule des Mittelstandes in Bamberg.

Das hätte ich sonst studiert: "Mit 13 bin ich Vegetarier geworden, nachdem ich im Netz Videos gesehen habe, wie Kaninchen geschlachtet werden. Ich hatte damals als Jugendliche selber Kaninchen und fand es grausam. Vier Jahre später bin ich Veganerin geworden, weil auch für andere Produkte wie Milch oder Käse Tiere leiden. Ich mag Tiere und mir war schnell klar, dass ich etwas studieren möchte, um mich hinterher für das Wohl der Tiere einzusetzen. Meine erste Idee war: Tiermedizin. Veterinärmediziner müssen Sezierkurse belegen, und die Tiere, an denen sie lernen, wurden oft extra dafür getötet. An manchen Unis gibt es Module, bei denen die Studierenden das Impfen in Massentierbetrieben üben. Und ein nicht ganz untypischer Arbeitsplatz für Tierärzte ist das Schlachthaus. Tiermedizin kam für mich einfach nicht mehr in Frage. Irgendwann habe ich bei Facebook einen Post der Tierrechtsorganisation Peta gesehen. Darin wurde auf den Studiengang Vegan Food Management hingewiesen. Das ist ein indirekter Weg, um meinem Anliegen nachzugehen: Ich kann was für Tiere tun, ohne Tiermedizin zu studieren."

Alisa Zitzmann studiert Vegan Food Management

Alisa Zitzmann studiert Vegan Food Management.

(Foto: privat)

Das größte Aha-Erlebnis im Studium: "Wir machen viele Exkursionen. Ganz zu Anfang waren wir bei einem Tofu-Hersteller in der Produktion. Mir war nicht klar, wie groß die Anlagen sind. Vegane Lebensmittel sind ein riesiger Trend."

Als Nichtveganer: "Kann man das Fach selbstverständlich auch studieren. Ich glaube, wir alle sind sehr tolerant. Man kann das Fach auch studieren, weil man den wachsenden Markt sieht und sich gute Chancen ausrechnet. In meinem Jahrgang leben alle vegan, aus einem anderen habe ich gehört, dass es da nicht so war. Aber die eine Nichtveganerin hat leider schnell abgebrochen."

Der typische Professor: "Ist Veganer. Aber nicht zwangsläufig. Wir haben auch allgemeine Fächer wie BWL. Sie sagen dann manchmal in der ersten Sitzung: Ich bin kein Veganer, aber ich unterrichte Sie trotzdem. Sie bemühen sich aber alle sehr, den Stoff mit Beispielen aus unserem Bereich zu veranschaulichen."

Was man hinterher damit wird: "Das Studium ist sehr breit. Wir beschäftigen uns mit Lebensmitteltechnik, dem Konsumentenverhalten der veganen Zielgruppe, mit veganen Produkten aus dem Non-Food-Bereich, aber auch mit Tierschutz und Tierethik. Eine Absolventin ist zum Beispiel gar nicht in die Lebensmittelbranche gegangen, sondern zu einer Tierschutzorganisation. Ich würde gern im Qualitätsmanagement eines Lebensmittelproduzenten arbeiten. Manche sagen, sie würden nie zu einem Unternehmen gehen, dass auch mit Fleisch oder anderen tierischen Produkten arbeitet. Aber das muss jeder selbst klären. Ich bin offen: Wenn ich einem konventionellen Lebensmittelunternehmen helfen kann, die vegane Sparte zu vergrößern, ist das doch eine gute Sache."

© SZ,de/edi
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