Die Europäische Union ist der faszinierende Sonderfall der Weltpolitik: kein Staat und auch kein Bündnis, unvollendet und krisengebeutelt, und doch unerlässlich. Seit mehr als einem Jahr halten die Schulden Europa im Würgegriff. In der schier endlosen Abfolge von Not-Gipfeln und Sparbeschlüssen gerät aus dem Blick, was die Union für ihre Bürger bedeutet. Sechs große europäische Tageszeitungen haben sich auf die Suche gemacht nach dem Europa der Menschen, den kritischen Geistern, den Erfolgreichen, den Klischeehubern. Die Entdeckungen wurden geteilt. Entstanden ist so eine Beilage, die in dieser Woche in El País (Madrid), The Guardian (London), Gazeta Wyborcza (Warschau), La Stampa (Turin), Le Monde (Paris) und der Süddeutschen Zeitung erscheint.
Exklusiv
Man nennt sie Eiserne Kanzlerin und Frau Bismarck: Bundeskanzlerin Merkel ist in der Schuldenkrise zur mächtigsten Politikerin Europas aufgestiegen. Erstmals reflektiert sie im Interview mit sechs europäischen Tageszeitungen über diese Macht, erklärt, was sie unter Solidarität versteht - und warnt die EU-Staaten vor einer Überforderung Deutschlands in der Schuldenkrise.
Das
Interview im Wortlaut.
Die Franzosen, heißt es jedenfalls, sind arrogant und ein wenig feige, die Italiener geschwätzige Modeverrückte, die keine Steuern zahlen, und die Deutschen so pedantisch, dass sie auch im Urlaub penibel sämtliche Poolliegen mit ihren Handtüchern eindecken. Stimmt - aber nicht so ganz, sagen internationale Autoren, die entschlüsseln, was hinter den Klischees steckt.
Seit mehr als einem Jahr halten die Schulden die Europäische Union im Würgeblick, Not-Gipfel und Sparbeschlüsse wechseln einander ab. Doch was bedeutet die Union heute für ihre Bürger? Menschen aus Italien, Polen, Deutschland und Großbritannien erzählen, wie sie in Europa leben.
Protokolle:
Tonia Mastrobuoni, Cornelius Pollmer, Marta Piatkowska und Sam Jones
Sprachliche Differenzen und ethnische Spannungen: Sowohl in den Brüssler Cafés als auch in der EU-Kommission verlieren die Europäer das Verständnis füreinander, hat der griechische Schritsteller Petros Markaris festgestellt. Das Protokoll einer Reise.
Ihre Macht macht Angst, ihre Führung weckt Befürchtungen. Angela Merkel dirigiert Europa in der Eurokrise. Was denken die deutschen Nachbarn darüber? Im Porträt der italienischen Zeitung "La Stampa" wird die Bundeskanzlerin als Frau mit steiler Karriere beschrieben: vom "Augenstern" Helmut Kohls bis zur misstrauischen Stimme der Vernunft.
Von
Tonia Mastrobuoni ("La Stampa")
Video
Im Vorfeld des EU-Gipfels in der kommenden Woche versucht die Bundeskanzlerin, den Ton zu ändern: Weg von Krise, hin zu Wachstum. Doch - wie tickt Europa eigentlich? Was wollen die Bürger? Ein europäisches Zeitungsprojekt hat versucht, Antworten zu finden.
Von
Stefan Kornelius
Ideen zur Abspaltung des florierenden italienischen Nordens hatte die Lega Nord schon immer. Nun präsentiert sie gar eine neue Landkarte. Mit der Schweiz, Österreich, Bayern und Savoyen soll der Staat Padanien gebildet werden. Reine Folklore ist das nicht. In Italien finden abstruse Vorschläge mehr Zuspruch, als man gemeinhin denkt.
Von
Michele Brambilla ("La Stampa")
Der italienische Schriftsteller und Philosoph Umberto Eco wünscht sich eine stärkere europäische Identität. Er fordert ein verpflichtendes Austauschprogramm für Berufstätige - und will die Bildnisse von Thomas Mann, Roberto Rossellini und Claude Chabrol auf den Euro-Scheinen sehen. Nur gemeinsame Symbole könnten die Menschen wirklich begeistern.
Von
Gianni Riotta ("La Stampa")