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Weltwirtschaftsforum:"Ich werde die ganze Zeit gehört"

Greta Thunberg tritt am Dienstagmorgen bei einem Panel mit jungen Teilnehmern in Davos auf. Mit drei anderen Aktivisten diskutiert sie über den Klimawandel. Ihr Auftritt beeindruckt.

Für einen kurzen Moment runzelt Greta Thunberg die Stirn. Vor Beginn der Podiumsdiskussion an diesem Dienstagmorgen in Davos spielt der Moderator einen kleinen Film ein. Er zeigt Szenen des vergangenen Jahres; die weltweiten Demonstrationen von Fridays for Future, er zeigt andere Aktivisten und ihre Forderungen, aber er zeigt auch immer wieder Greta.

Es wirkt, als könne die 17-jährige Schwedin selbst kaum glauben, was passiert ist, seit sie vor einem Jahr das erste Mal in Davos aufgetreten ist und der versammelten Welt-Elite entgegenschleuderte: "Ich will, dass ihr in Panik geratet!" Binnen zwölf Monaten ist sie zur Ikone des Kampfs gegen den Klimawandel geworden, wurde vom US-Magazin Time zur "Person des Jahres" gekürt und erhielt 2019 den Alternativen Nobelpreis.

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Dieses Jahr ist Thunberg das wohl wichtigste Gesicht von Davos. Der Klimawandel ist mit aller Macht auf die Tagesordnung gedrängt. Ihre Podiumsdiskussionen sind nach wenigen Minuten ausgebucht. Allenfalls US-Präsident Donald Trump wird noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen an diesem zweiten Konferenztag in den Bündner Alpen. Es ist der Thunberg-und-Trump-Tag. Treffen will die Schwedin Trump nicht. Es bringt ja nichts, hat ihre Weggefährtin Luisa Neubauer gerade erst gesagt.

Sie ist ernst wie immer, wirkt fast durchscheinend, trägt einen hellrosafarbenen Pullover mit grauer Jogginghose und grauen Stiefeln. Die langen Haare sind zusammengebunden. Neben ihr auf dem Podium haben drei andere junge Aktivisten aus Sambia, Puerto Rico und Kanada Platz genommen. Wortgewaltige Teenager, gegen die manch deutscher Politiker farblos wirkt und die ihre Forderungen nach mehr Klimaschutz mit Nachdruck vorbringen. Es ist das "jüngste Panel" in Davos, wie der Moderator sagt. "Einen nachhaltigen Weg formen für eine gemeinsame Zukunft" lautet der Davos-typisch sperrige Titel der Veranstaltung.

"Es ist in diesem Jahr so viel passiert, was niemand erwartet hat", sagt Thunberg ruhig. "Wir bekommen viel Aufmerksamkeit, und das liegt nicht nur an mir, sondern an den vielen anderen jungen Menschen, die sich zusammengetan haben für dieses Thema." Sie selber könne sich nicht darüber beschweren, gehört zu werden: "Ich werde die ganze Zeit gehört." Es gehe um die Erkenntnisse der Wissenschaftler, die zu wenig gehört werden. "Darum geht's." Es sei bislang immer noch viel zu wenig passiert im Kampf um den Klimawandel.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, Zweite von rechts, am Dienstagmorgen beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos.

(Foto: AP)

Ganz so anklagend wie im Vorjahr muss Thunberg dieses Jahr womöglich nicht mehr auftreten. Kein Manager kann es sich noch erlauben, den Fridays-for-Future-Protest als Panikmache abzutun. Klaus Schwab, der Gründer des WEF sagte sogar, "Wir haben sie wieder eingeladen, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht zum Werkzeug für den Hype werden, der um sie herum entstanden ist." Ganz so, als sei die 17-Jährige die eigentlich Mächtige und nicht die 3000 Firmenchefs und Politiker, die jedes Jahr in Davos zusammenkommen.

Ganz zum Schluss der Diskussion will Thunberg aber noch mal ihre Botschaft platzieren. Sie holt einen Zettel heraus, liest Zahlen und Daten des Weltklimarats IPCC vor. Wie viel Gigatonnen CO₂ noch übrig sind, welche die Menschheit verbrauchen darf. Warum die Welttemperatur nicht weiter stark steigen darf. Warum die reichen Länder CO₂-neutral werden müssen. Warum sie den ärmeren Ländern dabei helfen müssen. "Seit dem Sommer wiederhole ich diese Zahlen, immer und immer wieder", ruft sie. "Aber es wird immer noch nicht ausreichend darüber berichtet. Ich werde sie daher immer wiederholen, bis das endlich zur Kenntnis genommen wird."

© SZ.de/mxh
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