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Kurios:Erlebnisse von SZ-Redakteuren

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Mitten in ... Madrid

Noelia Martínez Menéndez ist wieder in Madrid; sie hatte eine Zeit lang in Honduras gearbeitet, für eine spanische Nichtregierungsorganisation namens ACPP. Vor einigen Monaten brachten sie die Wirren um den von Putschisten abgesetzten und zunächst außer Landes geflogenen Präsidenten Manuel Zelaya in eine, nun, privilegierte Lage. Ihre Wohnung lag gegenüber der brasilianischen Botschaft, in der Zelaya nach seiner überraschenden Rückkehr seit September Unterschlupf findet.

Spanische Medien riefen Noelia an, weil sie schildern konnte, was vor ihrer Haustür geschah. Zum Beispiel, wie Sicherheitskräfte vor der Botschaft gegen Sympathisanten Zelayas vorgingen. Schlimm sei das gewesen, die Gewalt und, vor allem, das Tränengas einzuatmen. Einerseits.

Andererseits: "Danach waren endlich die Kakerlaken aus meiner Wohnung weg."

(Javier Cáceres, SZ vom 19./20.12.2009)

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Mitten in ... Mailand

Zwischen Via Cantù, Piazza Castello und Piazza Fontana pendelt in Mailand derzeit ein Tramwagen aus den 20er Jahren, der im typischen Tiffany-Blau gehalten ist. Drinnen kann man von Audrey Hepburn träumen oder einem Lieben Geschenke kaufen - von Tiffany. Die Krisenzeiten scheinen vorbei, Mailands Innenstadt glitzert wie mit zigtausend Juwelen geschmückt, und der Schmuck in der Tram ist sogar echt. Mit demokratischen Preisen für den Nachwuchs von 95 Euro aufwärts bis hin zu Stücken, die durchaus eine Belastung fürs Konto werden können.

Schwarzfahrer sollten fernbleiben und von Selbstbedienung ist abzuraten, denn dies ist die vermutlich erste Mailänder Tram mit (unauffällig elegant gekleidetem) Wachpersonal. Fast wie im Kino das Ganze - schade nur, dass man in der Boutique auf Schienen nicht frühstücken kann.

(Henning Klüver, SZ vom 19./20.12.2009)

Foto: AP

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Mitten in ... Stuttgart

"Ey komm, wir gehen Twitter", sagt der eine gelig-verstrubbelte Junge zum anderen gelig-verstrubbelten Jungen. Sie sind vielleicht neun, höchstens elf, beide mit Schlabberjeans, riesigen Kopfhörern, Kaugummi. Schlendern an die Computer im ranzigen Internetcafé. "Was ist Twitter?", fragt der andere. "Ne Seite, da schreibst du rein, was du gerade machst. Das sieht jeder auf der Welt, und die followen dich dann." "Krass." "Ja. Da sind echt alle, Usher und Britney auch."

Oh mein Gott, denkt man, sie sind ja fast noch Kinder, und nun lesen sie bestimmt den ganzen Nachmittag Schwachsinn, den Hollywoodsternchen und Tiger-Woods-Exen verbreiten. Kurz gestreckt, über die Trennwand auf ihre Bildschirme gelugt: Puh, ein Glück. Sie sind schon wieder woanders: freeslots.com, Online-Spielautomaten und Pokern.

Dann ist ja gut.

(Karin Prummer, SZ vom 19./20.12.2009)

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Mitten in ... Luzern

Über Schweizer gibt es viele Klischees, eins davon lautet: Sie sind leise, sie sind vornehm, und sollten sie weitere Neigungen haben, so liegt ihnen daran, die keinesfalls zu offenbaren. Ein Gespräch über Zeitungen in Luzern. Der Schweizer gibt an, täglich die Neue Zürcher Zeitung zu lesen, die NZZ also. Die NZZ ist eine Art FAZ, nur noch getragener, und wer jetzt denkt, ein Leben nur mit der NZZ kann doch kein Leben sein, auch in der Schweiz nicht - dem gibt der Gesprächspartner recht.

Er sagt, dass er zwei Zeitungen kauft, neben der NZZ auch den Blick (die der Bild-Zeitung relativ nahekommt). Am Kiosk aber sage er: "Bitte eine NZZ mit."

Jeder sage es so, und jeder Kioskmensch verstehe: eine NZZ sowie einen Blick, und den Blick bitte in die NZZ einrollen. Unfassbar? Rüber zum Bahnhof. "Bitte eine NZZ mit." Es funktioniert!

(Detlef Esslinger, SZ vom 19./20.12.2009)

Erstausgabe der Zürcher Zeitung, Foto: AP

Mitten in ... Astana, Reuters

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Mitten in ... Astana

Der Samstagabend ist eine praktische Zeit, um essen zu gehen in der kasachischen Hauptstadt. Es ist eine vorweihnachtliche Stille der anderen Art, inmitten der Steppe. Grell geschmückt sind die Tannenbäume und bunt flackern die Lichtkaskaden am Straßenrand.

Es dauert etwas, bis man sieht, dass nichts los ist: Leer wirkt Astana, leer sind die Straßen, leer die Restaurants.

Die Krise, einerseits. Aber auch der Preis für die sehr kurzen zwölf Jahre als Hauptstadt. Viele fahren an den Wochenenden in das belebtere Almaty, zu ihren Familien und Freunden. Eine der im Reiseführer meistempfohlenen Gaststätten wirkt deshalb seltsam ruhig, nur der unbeachtete Fernseher im Rücken belebt die Atmosphäre.

Doch dann wird klar, es ist Fußball. Die Bundesliga. Live. HSV gegen Hoffenheim. 0:0. Ein echtes Ereignis.

(Frank Nienhuysen, SZ vom 12./13.12.2009)

Foto: Reuters

Mitten in ... Miami, AFP

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Mitten in ... Miami

Eine aktuelle Warnung an Transitreisende mit Zwischenstopp Miami: Passt auf und habt gute Nerven! Wen das Unheil ereilt, an Floridas Drehkreuz umsteigen zu müssen, dem gnade der Himmel respektive die Grenzbehörde.

Im Rahmen des sogenannten Heimatschutzes benehmen sich die Herrschaften wie Rambos an der Front. Nachdem man die Officers von Zoll und Passkontrolle sowie ihre Inquisitionsfragen passiert hat, landen Koffer und Taschen in Röntgenmaschinen von der Größe eines Atomkraftwerks. Was dann passiert, sehen ihre Besitzer erst am Zielort.

Mein Koffer wurde von Aufpassern aufgebrochen wie der Tresor eines Drogenbarons, die Schlösser haben sie offenbar mit Cruise Missiles gesprengt. Das Wrack wurde mit Tesafilm umwickelt.

Ich warte auf Ersatz. God Bless America!

(Peter Burghardt, SZ vom 12./13.12.2009)

Einreisekontrolle auf dem Flughafen Hartsfield-Jackson in Atlanta Foto: AFP

Mitten in ... Wien, picture-alliance

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Mitten in ... Wien

Standen an Jesu Krippe im Stall zu Bethlehem wirklich nur Ochs und Esel? Etwas ungeschlachte Spielgefährten für ein Neugeborenes. Auf dem Christkindlmarkt vor der Karlskirche mitten in Wien findet sich die kuschelige Alternative: Als Streicheltiere gibt es im strohgepolsterten Stall auch zwei Schweine. Wollschweine, eines weiß, eines schwarzgrau meliert, mit seidig dickem Lockenpelz und sanftmütigem Wesen.

Früher war das ungarische Mangalitza-Schwein sehr beliebt: Als fette und extrem schmackhafte Nahrungsquelle, als gutmütiger Hausgenosse und als Lieferant guter Sauwolle. Im k.u.k.-Österreich wob man daraus auch Feldmützen fürs Militär.

So gesehen ist die Rolle als niedlicher Streichelfreund im Advent doch eine erfreulich pazifistische Karriere für das Wollschwein.

(Michael Frank/SZ vom 12./13.12.2009)

Mangalitza-Wollschwein Foto: picture-alliance

Mitten in Absurdistan

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Mitten in ... Rom

Das Schauspiel läuft bei jedem Besuch gleich ab: Man trifft sich abends in größerer Runde, isst und trinkt im gelb erleuchteten Stadtteil Trastevere. Irgendwann schweifen die Blicke der Römer in die Runde, und einer bemerkt die Zeitung des deutschen Gastes, die aus der Reisetasche herausragt. Sekunden später stehen alle um den Fund herum, und das Spiel beginnt.

Wer das längste Wort findet, hat gewonnen. "Guck mal hier - Finanzministerium (ministero delle finanze), 17 Buchstaben."

"Huhuhu, Bruttosozialprodukt (prodotto nazionale lordo), 20, sticht!" Eine Handvoll Erwachsener steht um einen kleinen Bartisch herum und lacht, sucht, liest laut vor: "Hihi, Wirtschaftsschrumpfung! 22!" Die einzige Regel: Worte mit Bindestrich zählen nicht.

Das Spiel sollte endlich einen eigenen Namen bekommen, vielleicht den: Zeitungsbuchstabenzählwettbewerb?

(Philipp Crone, SZ vom 5./6.12.2009)

Foto: iStock

Mitten in Absurdistan

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Mitten in ... Gaza

Politik ist ein vergängliches Geschäft, Talal Abu Deyyah hat das lernen müssen in seinen Souvernirläden. Vor Jahren schon hat er den einen "PLO-Flag-Shop" getauft, den anderen "Chairman-Arafat-Shop" - mit palästinensischem Politkitsch wollte er sein Glück machen. Doch im heutigen Hamastan stehen weder die PLO noch Arafat hoch im Kurs. Abu Deyyah also muss diversifizieren, und natürlich hat er jetzt auch ein paar gottgefällige Hamas-Utensilien im Angebot.

Der neue Renner jedoch kommt aus Amerika. Oben im Regal, direkt neben Saddam, verstaubt noch die Kasperlepuppe von George W. Bush als Boxer. Ganz vorn in den Auslagen aber steht jetzt Barack Obama. Mit zweitem Vornamen heißt der bekanntlich Hussein, und sein Konterfei mit Palästinensertuch ziert eine Tasse, auf der geschrieben steht: "Abu Hussein, Palästina liebt dich." Doch auch das kann vergehen.

(Peter Münch, SZ vom 5./6.12.2009)

Foto: Getty Images

Mitten in Absurdistan

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Mitten in ... Port-au-Prince

Schwarz ist die Nacht in Port-au-Prince und still, so gesehen weihnachtlich. Obwohl an brüchigen Böschungen der haitianischen Hauptstadt manchmal Kerzen brennen oder kleine Flammen in Ölkannen, wenn das Licht der karibischen Sonne verschwunden ist. Straßenbeleuchtung gibt es nur vereinzelt, es gibt vieles nicht im Armenhaus der westlichen Welt.

Selbst an einer Tankstelle von Texaco sind ein paar Lampen ausgefallen, ,"T a o" heißt es da nur noch. Und zu späterer Stunde fahren keine Autos mehr, geschweige denn die bunten Sammeltaxis mit den schönen Namen Tap Tap: naive Malerei auf vier Rädern. "Jesus liebt dich" oder solche Sätze stehen auf Kreolisch drauf, irgendwo parken die rollenden Kunstwerke am späten Abend. Man geht früh ins Bett und wartet darauf, dass der nächste Tag besser wird für Haiti oder der übernächste oder irgendwann.

(Peter Burghardt, SZ vom 5./6.12.2009)

Foto: AP

Mitten in ... Kairo, dpa

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Mitten in ... Kairo

Ägyptens Straßenverkehr ist berüchtigt für Männer und Frauen in klapprigen Kisten und Eselskarren auf der Schnellstraße. Doch das Land ist auch die Wiege der Bürokratie: Es hat einen TÜV.

Das Kairoer Amt strahlt den Charme einer Baubude aus, selbst innen bröckelt der Putz. Hier eine Unterschrift, dort eine Marke, am Ende Stempel setzen lassen. Den Wagen angesehen hat der Mechaniker nicht. Nur Gewissensbisse bekommen, ein Loch ins neue Nummernschild zu bohren: Das Kennzeichen ist ein modernes Pharao-Edikt. Aber auch ein Geldschein trägt Hoheitssymbole.

Demnächst mache ich den ägyptischen Führerschein. In einer nahen Moschee bekommt man ein Gesundheitszeugnis: für 2,50 Euro. Ohne einen Arzt gesehen zu haben. Danach muss man um ein paar Plastikkegel fahren - rückwärts. Das wird gehen.

Tomas Avenarius, SZ vom 28./29.11.2009

Foto: dpa

Mitten in ... Zürich, ddp

Quelle: SZ

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Mitten in ... Zürich

Am Flughafen, in der so genannten Skymetro, die die verschiedenen Terminals verbindet. Die Menschen, die einsteigen, kommen gerade aus New York. Für sie ist es mitten in der Nacht, etwa vier Uhr früh. Violet hour.

Die Automatenstimme nimmt darauf keine Rücksicht, begrüßt die Ankömmlinge ausgesucht freundlich, mehrsprachig und vor allem: viel zu laut. Der Zug fährt ab. Aus dem Lautsprecher plätschert nun: Vogelgezwitscher, gefolgt von einem herzhaften Jodler. Zweifelnde Blicke im Zug, Stirnrunzeln.

Und Zürich legt nach: eine ebenso herzhaft muhende Kuh. Einsprachig, nicht unfreundlich, aber auch: viel zu laut. Nun ist auch der Letzte wach. Ein kleines Mädchen auf dem Arm der Mutter hat sich im Halbschlaf erschreckt: "Mama, wo ist die Kuh?" Mama antwortet: "Keine Angst, Schatz. Wir sind nur in der Schweiz."

Thomas Becker, SZ vom 28./29.22.2009

Foto: ddp

Mitten in ... New York, Getty Images

Quelle: SZ

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Mitten in ... New York

Das häusliche Bierbrauen ist seit langem ein Hobby, mit dem sich amerikanische Studenten die Abende in öden Provinzcolleges vertreiben - eine stille Rebellion von Nerds mit Bohème-Sehnsüchten gegen ihre Budweiser-Umgebung.

Leider ist zum Brauen nicht nur wochenlanges Warten nötig, während dem immer mal wieder etwas umgefüllt und durchgesiebt werden muss, sondern auch ein halbes Zimmer voller Schläuche und Plastikwannen. Wenn das Bier endlich fertig ist, ist die Freundin, mit der man es zu trinken hoffte, meist schon weg.

Der Brooklyn Brew Shop will jetzt Abhilfe schaffen mit einem hübschen Set, das Brauen so einfach machen soll "wie ein gutes Essen kochen, das man in ein paar Wochen genießen kann", so der Ladenbesitzer. Was soll man auch machen in einer Stadt, in die Flasche Schneider Weiße 3,99 Dollar kostet?

Jörg Häntzschel, SZ vom 28./29.11.2009

Foto: Getty Images

Mitten in ... Laos, Reuters

Quelle: SZ

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Mitten in ... Laos

An der Grenze zwischen Südlaos und Thailand auf dem Weg zum Flughafen Ratchathani. Auf dem Einreiseformular wollen sie mal wieder alles wissen, natürlich auch die Passnummer. Seit Jahren schreibe ich da irgendwelche Zahlen hin, schöne Zahlen, rhythmisch elegante Zahlen. Alle falsch.

Kurz vor dem ersten Beamten sagt der einheimische Führer, dass die Kontrollen hier sehr streng seien, die Beamten hätten viel Zeit, würden alles genauestens prüfen, und beim kleinsten Fehler müsste man mit einer längeren Zeitstrafe rechnen. Na prima, das Flugzeug wird weg sein. Noch fünf Leute vor mir. Drei Leute. Einer. Jeder wird scharf kontrolliert.

Dann ein lauter Ruf. An der Decke hängende Fernseher gehen an. Kickboxen. Lautes Stimmengewirr. Alle Beamten sind abgelenkt. So einsam wie an diesem Übergang bin ich noch nie über eine Grenze gekommen. Toller Sport.

Achim Zons, SZ vom 28./29.11.2009

Foto: Reuters

Mitten in ... Absurdistan

Quelle: SZ

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Mitten in ... Brüssel

Manneken Pis ist ein frecher Knirps. Nicht nur, dass er im Zentrum Brüssels - in aller Öffentlichkeit - sein ordinäres Geschäft verrichtet. Jetzt wird das wasserlassende Männlein auch noch aufmüpfig! Hin und wieder wird der nackte Knabe eingekleidet, trägt etwa Fußballtrikot oder, jüngst, einen blauen Talar. Dafür muss kurz das Wasser aus- und wieder angestellt werden.

Doch der frische Strahl ergießt sich zunächst nicht in den Brunnen, sondern schießt meterweit hinaus, dorthin, wo sich Touristen drängen, um die Kostümierung zu beobachten. Und trifft eine Asiatin.

Die Frau mustert mit finsterer Mine den Fleck auf ihrer Jacke, muss dann aber lachen. Ist ja nur Leitungswasser.

(Oliver Bilger /SZ vom 21./22.11.2009)

Foto: dpa

Mitten in ... Absurdistan

Quelle: SZ

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Mitten in ... Jerusalem

Es riecht nach Schweiß, das Neonlicht flackert, und Uriel Ben-Hamo traktiert sein Opfer mit Fäusten, Füßen und Knien. Keiner schlägt schneller, keiner tritt trockener, und keiner tut das mit so reinem Gewissen wie er. Eine israelische Zeitung hat ihn gerade zu einer Art Heiligen Krieger des Judentums ausgerufen, und er ist ziemlich stolz darauf.

Denn Uriel Ben-Hamo ist israelischer Kickbox-Meister - und angehender Schriftgelehrter. Tagsüber studiert der 18-Jährige in einer ultra-othodoxen Talmudschule, abends trainiert er in dieser Jerusalemer Sporthalle, bis die Gegner umfallen. Jeden Tag, nur am Sabbat ruht er. "Erst will ich Weltmeister werden, dann vielleicht Rabbi", sagt er. Einen Widerspruch zwischen Beten und Kämpfen sieht er nicht. Im Gegenteil, für ihn ergänzt sich das bestens: "Ich bete darum, im Ring zu gewinnen."

(Peter Münch /SZ vom 21./22.11.2009)

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Mitten in ... Absurdistan

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Mitten auf ... Kreta

Die Samaria-Schlucht liegt im Südwesten Kretas, in den Weißen Bergen. 13Kilometer lang, 600 Meter hohe senkrechte Felswände - sie gilt als längste Schlucht Europas und als eine der imposantesten. In der Hochsaison drängeln sich hier mitunter 3000 Touristen am Tag durch. Die Tour ist anstrengend und nicht ungefährlich.

Aus Sicherheitsgründen ist die Schlucht nur tagsüber und nur zwischen Mai und Oktober geöffnet. Man muss für fünf Euro eine Eintrittskarte lösen, die man am Ende der Tour einem Schalterwächter zurückgibt - zur Kontrolle. In den vergangenen Jahren kamen Touristen durch Steinschlag zu Tode. Die Beamten des Nationalparks Samaria reagierten prompt mit weiteren Sicherheitsmaßnahmen. Sie installierten Schilder, auf denen steht: "Great Danger!! Walk Quickly."

(Viola Schenz /SZ vom 21./22.11.2009)

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Mitten in ... Absurdistan

Quelle: SZ

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Mitten in ... Rom

Eigentlich wäre es die angenehmste Tageszeit auf dem Campo dei Fiori: der frühe Nachmittag, wenn sich der Marktlärm gelegt hat, die Touristen erschöpft Pause machen und noch keines der Putzfahrzeuge zu sehen ist, die später den Müll des Tages lautstark beseitigen werden. Wäre da nicht dieses Rattern - münzgroße Plastikrädchen auf Kopfsteinpflaster. Diese eiligen Anzugträger mit ihren Rollkoffern! Mitten in das vollkommene Freizeitgefühl tönt das, was wie kein zweites Geräusch an Arbeit und Hektik erinnert. Aber nein.

Es ist kein knatternder Businessmann, es sind Kinder. Die Last des Schulstoffs ist so groß, dass sie von den Schülern nur noch mit Schulranzenrollkoffern heimgekarrt werden kann. Wer täglich solche Mengen lernt, wird später mit Sicherheit erfolgreich. Da ist es gut, sich schon mal an das Rollenrattern zu gewöhnen.

(Philipp Crone /SZ vom 21./22.11.2009)

Foto: ddp

Mitten in Auckland, dpa

Quelle: SZ

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Mitten in ... Auckland

Wie alle Fluggesellschaften hatte auch Air New Zealand Probleme, ihre Sicherheitshinweise vor dem Flug an die Passagiere zu bringen. Die vielfliegenden Kiwis interessierten sich nicht mehr für die Notfallregeln via Videobildschirm.

Abhilfe schafft ein neues Filmchen mit dem Titel "The bare essentials of safety" - "Die nackten Grundregeln der Sicherheit". Die Sicherheitshinweise werden von adretten Stewardessen und Stewards vorgestellt - allerdings sind ihre nackten Körper dabei nur von einem Bodypainting bedeckt. Das sieht der Uniform der Flughelfer so ähnlich, dass man schon sehr genau hinsehen muss - und genau das passiert auch: Geschäftsmänner heben die Blicke von ihren Zeitungen und verfolgen interessiert, wie die freizügige Stewardess im Film die Notausgänge markiert.

Hoffentlich bleiben auch die richtigen Informationen hängen.

(Max Scharnigg, SZ vom 14./15.11.2009)

Foto: dpa

Mitten in Manaus, Reuters

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Mitten in ... Manaus

Es weihnachtet schon sehr in Manaus am Amazonas, wird ja höchste Zeit. An manchen Tankstellen sind die Zapfsäulen bereits mit grünen Adventsgirlanden umwickelt, und im Einkaufszentrum Manauara ist die Großkrippe mit Nikolaus aufgebaut.

Der Weihnachtsmann macht dort außerdem Werbung für Windräder und steht in einer weiteren Version aufgeblasen vor einem Spielwarengeschäft, einem der 227 Läden dieses kürzlich eingeweihten Ungetüms.

Diese neueste Shopping Mall - Brasilianer lieben Shopping Malls - ist sagenhaft modern und das garantiert größte am großen Fluss. Und sicher eines der kühlsten. Draußen 38 Grad, drinnen gefühlte 15.

Noch kälter ist zum Glück auch in dieser Metropole im Dschungel das Bier, stets eiskalt und die Flasche mit einem Thermoschutz ummantelt. In diesem Sinne: fröhliche Weihnachten und Prosit Neujahr!

(Peter Burghardt, SZ vom 14./15.11.2009)

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Mitten in Darjeeling, oh

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Mitten in ... Darjeeling

In Indien besitzt alles eine Seele zur Wiedergeburt. Sogar eine Spinne. Zumal an so einem Ort: am Grab von Tenzing Norgay im Zoo von Darjeeling. Der Sherpa stand zusammen mit Edmund Hillary als Erster auf dem Mount Everest. Dafür wird er in seiner Heimat Nepal genauso verehrt wie hier im Hochland von Westbengalen, wo er das ebenfalls im Zoo ansässige Himalaya-Institut leitete.

Eine Statue haben sie ihm zum Dank errichtet. Aber im Moment sind die Touristen mehr von dieser Spinne fasziniert. Sie ist groß wie eine Kinderhand und grün, und sie seilt sich gerade vom Marmorblock des Grabes ab.

Da humpelt ein alter Mann auf die Ausländer zu und schimpft furchterregend in gebrochenem Englisch: "Geht weg! Lasst sie in Ruhe! Fasst sie bloß nicht an!" Die Touristen erstarren in Ehrfurcht. Wer weiß, wer diese Spinne einmal war!

(Jochen Temsch, SZ vom 14./15.11.2009)

Foto: oh

Mitten in Rom, dpa

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Mitten in ... Rom

Auch die Römer versuchen ihre Vorfreude auf Weihnachten zu steigern, indem sie überall in der Stadt Krippen aufbauen, aber nicht im Puppenstubenformat, sondern am liebsten überlebensgroß. Eine davon hat ihren Stammplatz auf den Stufen der Spanischen Treppe, deshalb wundert man sich zunächst nicht über die Stellwände aus Spanpressplatten dort.

Doch seit wann gehören Grenzposten samt Stacheldraht und Sandsäcke zu den Requisiten der Heiligen Familie? Und der Refrain von Wind of Change der Scorpions, der sanft über die Stufen pfeift, mag auch nicht so recht zum bekannten Krippenspiel passen.

Unten, auf der Piazza di Spagna löst sich das Rätsel: Die Römer spielen dieses Jahr Berlin. "Irgendwann fällt jede Mauer" steht auf den bunt besprayten Stellwänden. In Rom anscheind nur ein wenig später als in Berlin.

(Laura Weißmüller, SZ vom 14./15.11.2009)

Foto: dpa

Mitten in Absurdistan

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Mitten in ... Umbrien

Der Agriturismo Bartoli liegt sehr entlegen in Umbriens Hügeln. Ein Geheimtipp, steht irgendwo. Und wirklich: Die einzigen Nachbarn sind ängstliche italienische Schafe. Zum Dinner sitzen Gäste und Familie zusammen. Mamma Marcella reicht Wildschwein, dazu einen Montefalco, der jeden Wanderschmerz vergessen lässt. An den Wänden hängen Familienfotos. Eines sticht heraus, es zeigt zwei auffallend attraktive junge Leute.

Der Gast will nett sein und lobt den Hausherrn für die hübschen Kinder. Die Runde guckt kurz, dann brüllen alle vor Lachen. "Nein", ruft der alte Bartoli, "nicht meine Kinder!"

Es sind, erklärt er mit feuchten Augen, Richard Gere und dessen frühere Freundin Cindy Crawford. Die zwei seien da gewesen, weil er in Umbrien einen Buddha-Tempel bauen wollte. Das habe aber nicht geklappt.

Darauf einen Montefalco.

(Marc Felix Serrao, SZ vom 7./8.11.2009)

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Mitten in Absurdistan

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Mitten in ... Gaza

Viel zu feiern gibt es nicht in Gaza, aber es wird viel geheiratet in diesen Tagen. Die Brautpaare nutzen die kurze Phase zwischen Sommerhitze und Winterregen, denn zur zünftigen Hochzeit gehört unbedingt ein Straßenumzug, der möglichst den ganzen Verkehr lahmlegt. Wer kein Geld hat, sucht sich einen Sponsor, und die Hamas hilft bekanntlich gern in allen Lebenslagen.

70 jungen Paaren hat die karitative Terrorgruppe nun den Weg ins Eheleben geebnet und das mit einem großen Umzug gefeiert. Von einem Sattelschlepper scheppert laute Musik, vorneweg marschiert die Hamas-Jugend im Pfadfinderstil, dahinter stolzieren die schwarzgewandeten Bräutigame mit kleinen Mädchen an der Hand.

Alle schauen, alle klatschen, nur die Bräute sind nicht zu sehen. "Das", sagt ein Beobachter am Straßenrand, "wäre gegen unsere Tradition."

(Peter Münch, SZ vom 7./8.11.2009)

Foto: AP

Mitten in Absurdistan

Quelle: SZ

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Mitten in ... Rom

Ein Bild der wundertätigen Madonna von Santa Maria in Via, ein leibhaftiger Kardinal, Mönche, eine ziemlich große Blaskapelle und 800 Menschen. Dazu ein paar Ordnungshüter und schon kann die Prozession losziehen. Wäre ja alles ganz einfach, wenn der Weg nicht am berühmten Trevibrunnen vorbeiführen würde - und Tausende Touristen können nicht irren, da muss es schön sein.

Durchkommen ist schon für vier Leute schwierig, doch das ficht die geistlichen Herren nicht an. Die Blaskapelle trifft halbwegs den Ton, die Touristen wundern sich, die Polizisten sind längst verschwunden. Und alle kommen erstaunlich problemlos aneinander vorbei.

Der Kardinal, völlig entspannt, streift fast den Tisch mit der riesigen Pizzaplatte. Nicht nur die Japaner zücken da ihre Kameras und lassen ein Blitzlichtgewitter losbrechen. Alles ganz normal in Rom.

(Petra Payer, SZ vom 7./8.11.2009)

Es wird auch gefeiert am und im Trevibrunnen, etwa zur Fußball-WM 2006. Foto: AP

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