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SPD:Chronik der Regionalkonferenzen: Wer führt die SPD künftig an?

SPD-Regionalkonferenzen: Gruppenfoto der Bewerber in Saarbrücken

Die SPD-Kandidaten beim Fototermin

(Foto: REUTERS)
  • Vom 14. bis zum 25. Oktober können die SPD-Mitglieder einen neuen Parteichef oder auch ein Führungsduo wählen.
  • Zuvor reisen die Kandidaten quer durch die Republik und werben auf 23 Regionalkonferenzen bei der Basis um Untersützung.
  • Was auf der Wahlkampftour geschieht, lesen Sie hier in unserer fortlaufend aktualisierten Chronik.

16. September, Baunatal: Heimspiel für Roth

Zum elften Mal treffen sich die Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz bei einer Regionalkonferenz, diesmal im nordhessischen Baunatal. Vieles kennt man: Der Saal ist proppenvoll, etwa 800 Leute, manche müssen stehen. Viele Menschen gesetzteren Alters, gute Laune, keine Selbstverständlichkeit in der SPD, neugierige Zuhörer, die das Treffen sichtlich genießen und großzügig Applaus spenden. Besonders großzügig werden in der Baunataler Stadthalle Christina Kampmann, NRW-Landtagsabgeordnete aus Bielefeld und Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, bedacht.

Kein Wunder. Nordhessen, eine inzwischen etwas geschliffene SPD-Hochburg ist die politische Heimat Roths, er war hessischer Generalsekretär, hier kennt ihn jeder Genosse. Heimspiel nennt man so etwas. Einige seine jungen Unterstützer sitzen im Saal, in roten Pullis, aufgedruckt sind die Namen der beiden Bewerber.

Kampmann und Roth geben sich allergrößte Mühe, als perfektes Duo aufzutreten. Kampmann scheut sich nicht zu erzählen, dass sie im früheren Leben einmal Standesbeamtin gewesen sei und habe viele Paare glücklich gemacht. Ihr habe Roth dankenswerterweise ein Ja-Wort gegeben. Den Leuten im Saal gefällts, Beifall. So wie, na klar, für Roth, der sich und die Kollegin anpreíst als "neue Gesichter" der SPD, die nicht von Scheitern und Misslingen reden, sondern ins "Gelingen verliebt" sind. Manchmal redet sich Roth in lautstarke Rage, wenn er über den Kampf gegen Rechte spricht oder seinen Traum von den vereinigten Staaten von Europa.

Eine Vorentscheidung ist in Baunatal natürlich nicht gefallen. Klar wird aber, dass die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis mit ihrem Kompagnon Dierk Hirschel sowie das Duo des Vize-SPD-Bundesvorsitzenden Ralf Stegner und Gesine Schwan in Nordhessen nicht zu den populärsten Teams gehören. Leute mit Ämtern und Würden in der Hessen-SPD rechnen damit, dass es bei dem für Oktober angesetzten Basisvotum keine klare Entscheidung geben wird, sondern zwei Duos in die Stichwahl gehen dürften. Dass Finanzminister und Vize-Kanzler Olaf Scholz nicht unter den Finalisten sein wird, können sich diese Leute zur Mitte des Vorstellungs-Rundreise allerdings nur schwer vorstellen.

15. September, Oldenburg: Brunner gibt auf

Spätestens jetzt ist klar: Die SPD wird in Zukunft von einem Duo geführt. Karl Heinz Brunner, SPD-Bundestagsabgeordneter und alleiniger Einzelkämpfer im Rennen um die Parteispitze, hat sich nach der Regionalkonferenz in Oldenburg aus dem Wettbewerb zurückgezogen.

An den Regionalkonferenzen in Filderstadt und Oldenburg hat Brunner schon gar nicht mehr teilgenommen. Eines der Hauptthemen dort: die Klimakrise. Für eine beschleunigte Energiewende brauche es Investitionen, so Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius: "Dazu gehört dann eben auch, die schwarze Null in Frage zu stellen." Nach dem Rückzug Brunners sind nun noch sieben Zweierteams übrig. Bereits zum Start der Regionalkonferenzen hatten die SPD-Oberbürgermeister Simone Lange und Alexander Ahrens ihre Bewerbung zurückgenommen.

14. September, Filderstadt: "Niemand ist in die Groko verliebt"

SPD-Regionalkonferenz in Nieder-Olm

Nieder-Olm grüßt die erkrankte Manuela Schwesig

(Foto: dpa)

Er habe "ein bisschen Schiss" gehabt, dass die lange Suche nach neuen Vorsitzenden der SPD schaden könnte, bekannte Baden-Württembergs SPD-Chef Andreas Stoch am Samstag in Filderstadt. Doch nach der zweieinhalbstündigen Regionalkonferenz zeigte er sich erleichtert: Die Veranstaltung sei "sehr lebendig" gewesen.

Für Leben sorgt mal wieder die Dauerdiskussion über das Wohl und Wehe der SPD in der großen Koalition. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert seine Partei auf, das ungeliebte Bündnis schnell zu verlassen. "Wir riskieren sonst die Glaubwürdigkeit und Existenz der Partei", warnt er. Im Team mit Umweltpolitikerin Nina Scheer präsentiert sich Lauterbach als deutlichster Groko-Gegner. SPD-Finanzminister Olaf Scholz weist darauf hin, dass die SPD auf einem Parteitag im Dezember darüber entscheide, wie es mit der Koalition weitergehe. Klara Geywitz, die mit Scholz antritt, stellt sicherheitshalber nochmal klar: "Niemand in diesem Saal ist verliebt in die Groko."

12. September, Nürnberg: "Die SPD war auch ein Depp"

"Der Glubb is a Depp" - dieses Bonmot hat der Nürnberger Sportreporter Klaus Schamberger geprägt und damit die lokale Fußballmannschaft gemeint, die immer wieder in die Bundesliga auf- und kurz darauf in die zweite Liga absteigt. Auf der Regionalkonferenz in Nürnberg, seiner Heimat, bemüht auch Dierk Hirschel den Spruch über den 1. FCN.

Wie die Nürnberger Nachrichten schreiben, ergänzt der Chefökonom der Gewerkschaft Verdi: "Und die SPD war auch ein Depp, denn sie hat in den 2000er Jahren Politik gegen Gewerkschaften und Arbeitnehmer gemacht." Das müsse sich ändern, fordern Hierschel und seine Teamkollegin Hilde Mattheis. Für die beiden ist außerdem klar: Die SPD muss aus der großen Koalition austreten. Sie seien von Anfang an dagegen gewesen.

11. September, Erfurt: Wahlkampfauftakt in Thüringen

Der Fußballclub Rot-Weiß Erfurt wurde zu DDR-Zeiten zweimal Meister. Heute allerdings spielt der Verein nur noch in der viertklassigen Regionalliga. Die SPD ist momentan ebenfalls weit weg von den großen Zeiten der Vergangenheit - und könnte bald die nächste Schlappe kassieren.

Vor der Regionalkonferenz im Erfurter Steigerwaldstadion eröffnet Thüringens SPD-Chef Wolfgang Tiefensee den Landtagswahlkampf. Am 27. Oktober wird gewählt und die SPD könnte unter zehn Prozent rutschen. Dennoch wirkt Tiefensee optimistisch, schreibt die Thüringer Allgemeine. Ralf Stegner sagt später: "Ich hoffe, die Wende beginnt in Thüringen."

10. September, Nieder-Olm: Herzen für Schwesig

Es ist der Tag, an dem die kommissarische SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig ihren Rückzug aus der Führung der Bundespartei bekannt gibt. Wegen ihrer Brustkrebs-Erkrankung will sie kürzertreten und sich auf die Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern konzentrieren.

Auf Anregung von Malu Dreyer, die die Partei nun nur noch zusammen mit Thorsten Schäfer-Gümbel führt, formen im rheinland-pfälzischen Nieder-Olm mehrere Hundert Teilnehmer ihre Hände zu Herzen. Von der Regionalkonferenz solle ein "ganz starkes Signal" an Schwesig ausgehe, sagte Dreyer - "dass wir Manuela wirklich Kraft und Stärke schicken". Was Schwesigs Rückzug für die SPD bedeutet, haben Peter Burghardt und Mike Szymanski aufgeschrieben.

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9. September, Friedberg: Heimspiel für Roth

Michael Roth ist der einzige hessische Kandidat im Bewerberfeld der Sozialdemokraten. Seine Teampartnerin Christina Kampmann und er galten anfangs nicht unbedingt als Favoriten auf den Parteivorsitz, machen bei den Regionalkonferenzen aber immer wieder auf sich aufmerksam. Das jüngste Duo des SPD-Wahlkampfs liefert auch in Friedberg "eine frische und offenbar gut eingespielte Präsentation" ab, wie die Gießener Allgemeine schreibt. Nach Auffassung der "Hessenschau" war Roths Auftritt allerdings offenbar eher zurückhaltend. Sie schreibt, Roth "war anwesend, aber hat er etwas gesagt?". Roth sei selbst beim Abschlussstatement nicht ans Mikrofon gestrebt, "selbst als seine wortgewaltige Teampartnerin Christina Kampmann es ihm in letzter Sekunde doch noch überreichte".

8. September, Bremen: Buhrufe für Pistorius

Der Bremer SPD-Landesverband ist eher im linken Spektrum der Partei zu finden. Die SPD regiert in der Hansestadt zusammen mit Grünen und Linken. Zur Regionalkonferenz erscheint auch der grüne Landesvorsitzende Hermann Kuhn. Dem Weser-Kurier sagt er: "Sonst kennt man in der Koalition immer nur die Papierlage, hier will ich in die Seele der SPD blicken."

In Bremen kann er viele eher linke Positionen beobachten, aber auch etwas Unmut beim Publikum. Das Land verschickt seit einiger Zeit Rechnungen an die Deutsche Fußball Liga, um sich die Kosten für Polizeieinsätze bei Hochsicherheitsspielen in der Bundesliga erstatten zu lassen. Boris Pistorius, als Innenminister in Niedersachsen ebenfalls mit Polizei und Sport beauftragt, findet das nicht gut. Der Staat habe die Aufgabe, im öffentlichen Raum für Sicherheit zu sorgen, sagt Pistorius. "Der Fußball ist nicht die Melkkuh der Nation". Pistorius erntet Buhrufe.

7. September, Bernburg an der Saale: Auf Augenhöhe im Osten

Im sachsen-anhaltinischen Bernburg stellen sich die SPD-Kandidaten erstmals im Osten Deutschlands der Basis vor. Immer wieder kommt die Runde auf Themen zu sprechen, die den Osten betreffen. Sei es bei der Frage nach gleichwertigen Lebensverhältnissen oder bei der Aufgabe, die Zivilgesellschaft zu stärken. Ralf Stegner sagt: "Menschen sollen vor Nazis keine Angst haben müssen, da stehen Sozialdemokraten in der ersten Reihe."

Sie habe "keine Lust", dass man sich weiter um den Osten "kümmert", sagt Klara Geywitz aus Brandenburg. Sie fordert einen Diskurs auf Augenhöhe, gerade in der SPD. Die Partei sei im Osten in allen Landesregierungen vertreten. "Das sollen die im Westen erst einmal nachmachen". Unser Korrespondent Cornelius Pollmer hat sich das Treffen in Bernburg angeschaut: Die SPD sucht Herz und Kopf.

6. September, Hannover: Wer wird der neue SPD-Papst?

"Wir standen uns in letzter Zeit zu oft selbst im Weg", sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil zum Auftakt. Wenn die Partei das hinter sich lasse, dann sei der Vorsitz auch wieder das schönste Amt neben dem Papst, sagt Weil mit Blick auf das berühmte Zitat des früheren Vorsitzenden Franz Müntefering.

In Hannover kann der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius seinen Heimvorteil nutzen. Über seine eigene Person muss er vor niedersächsischem Parteipublikum nicht viele Worte verlieren. Der Applaus verteilt sich bei der Vorstellung der Kandidaten aber meist gleichmäßig. Es gibt eher Konsens statt Kontroverse.

4. September, Saarbrücken: Die Ochsentour beginnt mit einer Überraschung

In Saarbrücken startet die SPD offiziell in den Wahlkampf um die Parteispitze. Und schon am ersten Tag gibt es eine Sensation: Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange und ihr Bautzener Teampartner Alexander Ahrens geben auf offener Bühne den Rückzug von ihrer Kandidatur bekannt. Sie wollen fortan lieber Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken unterstützen.

Diese dürfen sich gleich als erstes Duo vorstellen und machen bei den Mitgliedern einen guten Eindruck. Dagegen tut sich Olaf Scholz, der im Team mit Klara Geywitz als Favorit gehandelt wird, zum Auftakt noch eher schwer. Und Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der Mann mit der Fliege? Hat den Team-Gedanken wohl noch nicht so ganz verinnerlicht. Er gesteht sich selbst deutlich mehr Redezeit zu als seiner Partnerin Nina Scheer. Unser Kollege Mike Szymanski war dabei. Er kommentiert: Wer als Paar nicht funktioniert, kann einpacken. Im Wettkampf um den Vorsitz geht es nicht nur um Sachfragen, sondern auch um die Zusammenarbeit in der Partei.

1. September: Die Bewerbungsfrist ist um, so ist die Ausgangslage

Die erste Hürde ist übersprungen: 17 Kandidaten, also acht Duos und ein Einzelbewerber, haben die Voraussetzungen erfüllt, um offiziell ins Rennen um den SPD-Parteivorsitz einzusteigen. Dafür mussten sie die Unterstützung von mindestens einem Landesverband oder von fünf Kreisverbänden hinter sich bringen.

Sie treten nun bei 23 Regionalkonferenzen auf und stellen sich vom 4. September bis zum 12. Oktober den Parteimitgliedern vor. Danach können vom 14. bis zum 25. Oktober die Mitglieder abstimmen, bevor das Ergebnis einen Tag später verkündet wird. Hat dann niemand die absolute Mehrheit der Stimmen, so wird zwischen Erst- und Zweitplatzierten erneut abgestimmt.

Das sind die Kandidaten:

  • Olaf Scholz (61 Jahre), Bundesfinanzminister, Vizekanzler, SPD-Parteivize, und Klara Geywitz (43), frühere Generalsekretärin der Brandenburger SPD
  • Petra Köpping (61), Integrationsministerin von Sachsen, und Boris Pistorius (59), Innenminister von Niedersachsen
  • Norbert Walter-Borjans (66), früherer Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, und Saskia Esken (58), Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg
  • Gesine Schwan (76), Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, und Ralf Stegner (59), SPD-Parteivize
  • Karl Lauterbach (56), SPD-Fraktionsvize im Bundestag, und Nina Scheer (47), Bundestagsabgeordnete aus Schleswig-Holstein
  • Hilde Mattheis (64), Vorsitzende des Forums Demokratische Linke 21, und Dierk Hirschel (48), Chefökonom der Gewerkschaft Verdi
  • Michael Roth (49), Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, und Christina Kampmann (39), frühere Familienministerin in Nordrhein-Westfalen
  • Karl-Heinz Brunner (66), Bundestagsabgeordneter aus Bayern.

Bewerbung zurückgezogen:

  • Simone Lange (42), Oberbürgermeisterin von Flensburg, und Alexander Ahrens (53), Oberbürgermeister von Bautzen.
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