Bundesregierung:Die FDP...

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... hat natürlich die Sorge, dass jedes neue Bündnis mit der Kanzlerin wieder in der Katastrophe enden würde. Als die Wähler sie 2013 aus dem Bundestag katapultierten, war das innerparteilich die große Erzählung: die Kanzlerin ist schuld, sie hat uns im Stich gelassen. Das war damals einfach, es tat nicht so sehr weh, es lenkte die Trauer in Wut um. Das Fatale daran ist nur, dass die Analyse falsch war und sich trotzdem ins Bewusstsein der FDP gegraben hat. So gesehen ist es nur logisch, dass die FDP von heute diese Lesart noch nicht los ist.

Falsch war die Analyse, weil sie so tut als habe die FDP das meiste richtig gemacht und die Kanzlerin sie quasi erdrückt im gemeinsamen Bündnis. Das aber stimmt so nicht. Die Kanzlerin und mit ihr die gesamte Union stellte sich quer, als die FDP trotz der Weltwirtschaftskrise und der damit verbundenen Sorgen bis in die Mitte der Legislaturperiode auf der vollen, großen Steuersenkung beharrte.

Und sie konnte sich besonders gut querstellen, weil es Guido Westerwelle abgelehnt hatte, selbst Bundesfinanzminister zu werden. Damit hatte er den einzig relevanten Hebel aus der Hand gegeben und glaubte anschließend trotzdem, auf seinem Baum bleiben zu können. Er tourte als Außenminister um die Welt und beharrte auf der Steuersenkung in voller Höhe, bis das im Kabinett alles und alle lähmte. Und das führte zu dem Urteil, die FDP wolle oder könne nicht mehr vernünftig regieren. Wer das Verhalten der Liberalen studierte, ahnte früh, dass die Sturheit und der Streit untereinander 2013 in einem miserablen Wahlergebnis enden würden.

Daraus freilich hätte die FDP den Schluss ziehen können, dass es an den eigenen Fehlern lag. Das tut zwar erst mal weh. Aber es öffnet danach den Blick, was man beim nächsten Mal besser machen sollte. Wie man sich selbstbewusster, klüger, gelassener verhält. Während des Wahlkampfs ist das Lindner gelungen; bei den Sondierungen dagegen ist er in die alte Malaise zurückgefallen. Was wäre gewesen, wenn er von Anfang an erklärt hätte, Jamaika sei schwierig, aber er wolle das, man könne daraus gutes entwickeln, er brauche dafür eben diese und jene Inhalte. Optimistisch, selbstbewusst, ohne die Brocken hinzuschmeißen - damit hätte er Merkel viel mehr Probleme bereitet als mit seinem Abgang.

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