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Tierschutz:Wie der Circus Krone sich gegen ein Tierverbot wehrt

Circus Krone

Der Dompteur Martin Lacey junior tritt auch im Winterprogramm des Circus Krone in München mit seinen Löwen und Tigern auf.

(Foto: dpa)
  • Der Raubtier-Dompteur des Circus Krone hat für seine Petition "Keine Tierhaltungsverbote für Circusse in Bayern" über 50 000 Unterschriften gesammelt und diese dem Landtag übergeben.
  • In Bayern haben bereits einige Städte Tierhaltungsverboten eine Absage erteilt, so etwa Regensburg und Augsburg.
  • Tierverbote für Circusse gelten derzeit in Erding und Passau.

Von Barbara Hordych

Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat schon viele Delegationen im Maximilianeum empfangen. "Aber das ist jetzt wirklich eine Premiere", sagt sie. Nicht nur, weil der Besucher mit Namen Benjamin erst sechseinhalb Wochen alt ist. Sondern auch, weil er ein Löwenbaby mit weichem, braun gemustertem Fell ist. Der dreieinhalb Kilo schwere Raubtiernachwuchs ruht in eine Decke gekuschelt auf dem Arm von Martin Lacey junior. Der international renommierte Dompteur, verheiratet mit Jana Mandana, der Adoptivtochter der vor Kurzem gestorbenen Circus-Prinzipalin Christel Sembach-Krone, ist an diesem Mittwoch in Begleitung von Clown Tonito als Botschafter in seiner ureigenen Mission unterwegs.

50 128 Unterschriften - online und auf Unterschriftenbögen - allein aus Bayern hat der Engländer, der längst fließend deutsch spricht, mit seiner Petition "Keine Tierhaltungsverbote für Circusse in Bayern" gesammelt. Die Unterschriftenaktion zum Erhalt des Tierzirkus in Bayern und gegen ein "kommunales Wildtierverbot" im Freistaat startete er an Weihnachten 2016 zu Beginn der Winterspielzeit des Circus Krone, und sie entwickelte sich rasch zu einem großen Erfolg. Bereits Anfang April dieses Jahres waren die erforderlichen 32 000 Stimmen für ein Quorum an den Bayerischen Städtetag und den Landtag in Bayern erreicht.

"Wir verstehen uns selbst als Tierschützer und vertreten die Auffassung, dass Tiere in menschlicher Obhut geschützt und glücklich leben können", sagt Lacey Junior, während er den kleinen Benjamin sanft hin und her wiegt. Der Babylöwe gehöre bereits der 21. Generation von Raubtieren an, die seine Familie aufziehe. "Wir lieben unsere Tiere und es ist für uns unglaublich verletzend, wenn uns vorgeworfen wird, wir würden sie quälen", sagt Lacey. Von daher setzt der Mann, der in der Manege meist ein ganzes Rudel von mehr als zwanzig Tieren hinter sich hat, zum Gegenangriff an.

Von einem Arte-Fernsehteam ließ er sich für eine Dokumentation bei seiner Arbeit begleiten. Auch mit seinem "Lacey Fund" ist er um Aufklärung bemüht, er will beweisen, dass Tierhaltung auch im Zirkus artgerecht sein kann. Wenn er in den Wintermonaten im Münchner Stammhaus ist, aber auch, wenn Europas größter Zirkus in den Sommermonaten auf Tournee geht, lädt er in den jeweiligen Gastspielorten ganze Schulen zu seinen öffentlichen Raubtierproben ein.

Es sind dann immer mehrere Tausend Besucher, die den Mann bei seiner Arbeit im Raubtierkäfig erleben wollen, schließlich ist er mit seinen 39 Jahren schon sehr lange dabei im Zirkusgeschäft. Auf dem internationalen Circus-Festival in Monte Carlo erhielt er bereits mehrmals die goldenen und silbernen "Zirkus-Oscars", in seiner Heimat England wurde er zum "Showman of the Year" gekürt.

Und das in einer Zeit, in der eine wachsende Anzahl von Städten Haltungsverbote für bestimmte Tierarten, etwa Raubtiere oder Elefanten, auf kommunalen Plätzen erlässt. Derartige Verbote machen die Tourneeplanung gerade für Großzirkusse immer schwieriger, die auf städtische Plätze angewiesen sind, um großräumige Freigehege für ihren Tierbestand zu errichten. In Bayern haben bereits einige Städte Tierhaltungsverboten eine Absage erteilt, so etwa Regensburg und Augsburg. Die Debatte, in der sich Gegner wie Befürworter von Raubtiernummern in Zirkussen absurderweise gleichermaßen als "Tierschützer" empfinden, wird aber immer weiter geführt. Und haben in Erding und Passau bereits zu Verboten geführt.

Womit man wieder bei Barbara Stamm und im Bayerischen Landtag wäre. "Sie bekommen sofort die Nachricht, wenn Ihre Petition auf der Tagesordnung des Umweltausschusses steht", sagt die Landtagspräsidentin, während sie dem kleinen Benjamin ganz sachte mit den Fingern über das Köpfchen streicht. "Dann kommen Sie noch einmal vorbei und bringen Ihre Argumente persönlich vor."

In der Angelegenheit will und muss sie selbstverständlich professionelle Neutralität wahren. Doch wie steht es um ihre persönliche Beziehung zum Zirkus? "Ich bin sehr froh, dass es so etwas wie den Zirkus noch in der Stadt gibt; es ist für die Kinder und Familien von Bedeutung. Auch ich war früher mit meinen Kindern und später mit meinen Enkelkindern dort." Ob sie die Einladung zur nächsten Weihnachtspremiere annimmt, die Lacey und Clown Tonito daraufhin aussprechen, lässt sie allerdings noch offen. "Jetzt warten wir erst einmal ab, wie es mit Ihrer Petition weitergeht."

© SZ vom 20.07.2017/libo
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