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Gastronomie:Mexikanische Restaurants in München: Viva el cliché!

Mexikaner in München: Das Enchilada in der Gabelsbergerstraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Streifzug zeigt: Trotz imposanter Speisekarte geht es in vielen der Lokale vor allem ums Flüssige. Aber es gibt eine spannende Neueröffnung.

Von Franz Kotteder

Soll mal einer sagen, in München sei man nicht weltläufig! Ganz im Gegenteil, das Schöne an der Münchner Gastronomie ist ja gerade, dass man mit ihr nahezu jede Weltgegend kennenlernen kann. Es gibt tibetische Restaurants und georgische Lokale, äthiopische Cafés und israelische Grill-Bars, in denen man die spezielle Lebensart der Menschen in jenen Weltgegenden kennenlernen kann.

Welche Klischees über Mexiko viele Lokale transportieren

Freilich, das kann auch zu Fehlschlüssen führen. Wollte man anhand der in München gut vertretenen mexikanischen Lokale beurteilen, wie der Mexikaner und die Mexikanerinnen so ticken, ergäbe sich in etwa folgendes Bild: Die Menschen in dem schönen Land, das nach Ansicht vieler Kulinariker eine der besten Küchen der Welt aufweist, trinken den ganzen Tag über schweralkoholische Cocktails aus Eimern und essen dazu scharf gewürztes Hackfleisch oder Hühnchen, vermischt mit viel Bohnen und Mais, das in einen Teig mit der Konsistenz von nasser Wellpappe eingewickelt und wahlweise Burrito, Chivichanga oder Enchilada genannt wird. Trotzdem sind sie immer fröhlich, treten gern als Mariachi-Kapelle in Erscheinung und tragen wagenradgroße Sombreros. Viva el cliché!

Kulinarisch gesehen handelt es sich bei den meisten Lokalen genaugenommen um Tex-Mex-Schuppen, einer Verbindung der Küchen von Texas und dem nördlichen Mexiko. Das Essen ist scharf gewürzt und macht natürlich Durst, was wohl auch der Sinn der Essensaufnahme ist. Denn in Münchens Mexikanern geht es letztlich trotz imposanter Speisekarten meist doch mehr ums Flüssige.

Cocktails aus dem Masskrug

Zum Beispiel im Los Bandidos in der Thalkirchner Straße 71, einem Klassiker der Tex-Mex-Szene. Das Publikum ist recht jung hier und gemäßigt flippig. Die Mädchen orientieren sich makeuptechnisch gerne an der frühen Jennifer Lopez und die jungen Burschen tragen Frisuren, die glattrasierte Köpfe mit krönendem Haarbüschel kombinieren und irgendwie an das entzückende Kinderbuch "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" erinnern. Als reiferer Mensch ist man also froh, dass sich die anderen Gäste, wenn man das Lokal betritt, nicht zuraunen: "Schau hi, jetzt kommen sie schon zum Sterben hier rein!" Laut geht es zu, aber sehr entspannt.

Das Los Bandidos hat vermutlich schon viele Generationen von Jugendlichen in seine Form von mexikanischer Lebensart eingeführt, und die Musik, die der DJ auflegt, scheint noch von der Eröffnungsfeier zu stammen. Man hört zum Beispiel "Voulez-vous coucher avec moi?" von Labelle. Mitte der Siebzigerjahre war das ein Hit. Die Speisekarte umfasst um die 100 Positionen, aber eigentlich geht es um Tequila und Cocktails. Die gibt es hier vor allem im "Pitcher", im Masskrug also. Zur Happy Hour, die fast immer ist, wenn man nicht zu spät kommt, kostet der Caipirinha 8,90 Euro, pro Liter, versteht sich, der Tequila Sunrise und der Sex on the Beach nur 12,50 Euro. Für diesen Preis kann man sich's kaum selber machen.

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