bedeckt München 15°

Jahresrückblick München 2013:Turbulent, aufregend, unfassbar

Gorillas gegen die Wohnungsnot, das Triple des FC Bayern, ein grausamer Mord, Prügelvorwürfe gegen die Polizei und der Schwabinger Kunstschatz: 2013 war viel los in München. Ein Rückblick auf ein bewegtes Jahr.

Von Beate Wild

20 Bilder

Polizei München Au

Quelle: privat

1 / 20

Gorillas gegen die Wohnungsnot, das Triple des FC Bayern, ein grausamer Mord, die Landtagswahl und der Schwabinger Kunstschatz: 2013 war viel los in München. Ein Rückblick auf ein bewegtes 2013.

20. Januar 2013: Prügelvorwürfe gegen die Münchner Polizei

Für die Münchner Polizei beginnt 2013 mit einem handfesten Skandal. Der Polizeibeamte Frank W. bricht am 20. Januar der gefesselten Teresa Z. in der Haftzelle der Wache mit mindestens einem Fausschlag das Nasenbein und die Augenhöhle. Die 23-Jährige hatte wegen eines Streits mit ihrem Freund selbst die Polizei gerufen. Später auf der Wache eskaliert die Situation. Das Foto der verletzten Teresa Z. kursiert daraufhin in sämtlichen Medien. Der damalige Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sieht keine Schuld bei der Münchner Polizei und verteidigt die diensthabenden Beamten. Die öffentliche Kritik gegen ihn wird deshalb immer lauter.

Im August muss sich der Polizist schließlich vor Gericht verantworten und bekommt zehn Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe von 3000 Euro. Weil er Berufung einlegt, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Er ist nach wie vor vom Dienst suspendiert. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, soll gegen den Beamten ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden. Erst nach dem Urteil entschuldigt sich der neue Polizeipräsident Hubertus Andrä per Brief bei Teresa Z. Der bisherige Münchner Polizeipräsident ist mittlerweile befördert worden: Er ist nun Landespolizeipräsident.

Starkbieranstich auf dem Nockherberg

Quelle: Tobias Hase/dpa

2 / 20

27. Februar 2013: Neues Singspiel am Nockherberg

Bei Starkbieranstich auf dem Nockherberg begrüßt "Mama Bavaria" Luise Kinseher dieses Jahr die Politprominenz gleich mal mit dem Satz: "Morgen ist es vorbei. Dann tritt der wichtigste Bayer der Welt zurück. Dann waren wir mal Papst. Dann haben wir nur noch Horst Seehofer." Das gefällt der Salvatorgemeinde, der Applaus ist ordentlich.

Richtig enthusiastisch wird es dann aber beim Singspiel, bei erstmals der Filmemacher Marcus H. Rosenmüller ("Wer früher stirbt ist länger tot") Regie führt. Es ist ein gelungenes Debüt für "Rosi". Die Vorfreude auf das Derblecken 2014 ist seither groß.

Im Bild: Ein feines Näschen für Wahlkampfsitten offenbarten die Schauspieler Uli Bauer (li.) als Ude und Wolfgang Krebs als Seehofer auf dem Nockherberg.

-

Quelle: Goldgrund

3 / 20

4. März 2013: Goldgrund macht gegen Leerstände in München mobil

Als Gorillas verkleidete Aktivisten dringen in eine Wohnung im Münchner Glockenbachviertel ein. Sie packen Eimer, Besen und Pinsel aus - und beginnen zu renovieren. Dazu rappt einer der Affen, dass man das Haus nicht abreißen müsse, man könne es auch einfach restaurieren.

Anfang März taucht im Netz ein Video der Goldgrund-Aktivisten auf, in dem sich prominente Münchner für ein Wohngebäude in der Müllerstraße 6 starkmachen. Dabei sind unter anderen Mehmet Scholl, Marcus H. Rosenmüller, Luise Kinseher, die Sportfreunde Stiller, Blumentopf und auch Dieter Hildebrandt - alle als Gorillas verkleidet. Die Musik stammt von der Urban-Brass-Band Moop Mama.

Am 20. Oktober führt Goldgrund dann mit einer neuen Aktion die städtische Wohnungspolitik vor. Nach einer Bustour zu "Leckerbissen des Münchner Immobilienmarktes" präsentieren die Aktivisten ein weiteres leer stehendes Haus, dieses Mal in der Pilotystraße. Auch hier unterstützt die Prominenz, unter anderen Brigitte Hobmeier, Gerhard Polt, Jochen Busse und Frank-Markus Barwasser.

Jahreshauptversammlung FC Bayern München

Quelle: Marc Müller/dpa

4 / 20

20. März 2013: Uli Hoeneß und die Steuer

Am 20. März 2013 klingelt bei Uli Hoeneß am Tegernsee die Staatsanwaltschaft: Verdacht auf Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Trotz einer im Januar offenbar abgegebenen Selbstanzeige wird der Präsident des FC Bayern München vorübergehend festgenommen. Auch die Vereinsräume werden von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Die Öffentlichkeit erfährt von den Vorkommnissen erst am 20. April, als das Magazin Focus über die Steueraffäre berichtet. Seither ist nicht nur Fußballdeutschland gespalten: Während sich die einen voller Empörung von Hoeneß abwenden, erfährt er durch die Bayern-Fans und seinen Verein bedingungslosen Rückhalt. Am 30. Juli erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Hoeneß. Am 10. März 2014 soll vor dem Landgericht München II die öffentliche Hauptverhandlung beginnen.

Jahresrückblick 2013 - Justin Bieber

Quelle: dpa

5 / 20

28. März 2013: Justin Biebers Äffchen Mally

Teeniestar Justin Bieber (rechts im Bild) tritt an diesem Abend in der Münchner Olympiahalle auf. Sein Konzert wäre sich nicht der Rede wert, wenn er zu seinem Aufenthalt in München nicht sein Kapuzineräffchen Mally mitgebracht hätte. Der Zoll beschlagnahmt das Tier und übergibt es zur Quarantäne ins Tierheim München - weil die erforderlichen Papiere fehlen. Herr Bieber reist ohne seinen Affen weiter, er lässt ihn einfach zurück. Doch Mally scheint das nichts auszumachen, in der Obhut der Münchner fühlt er sich pudelwohl. Wochen später, nachdem Bieber keine Anstalten macht, das Äffchen aus dem Tierheim zu holen, bekommt es ein neues Zuhause im Serengeti-Park in Niedersachsen.

NSU Neo-Nazis Murder Trial: Day Three

Quelle: Getty Images

6 / 20

6. Mai 2013: NSU-Prozess beginnt

Vor dem Oberlandesgericht in München beginnt der NSU-Prozess. Auf der Anklagebank sitzen Beate Zschäpe als Hauptangeklagte sowie vier Mitangeklagte, die mutmaßlichen NSU-Helfer Ralf Wohlleben, Carsten S., André E. und Holger G.. Vor dem Gerichtsgebäude in der Nymphenburgerstraße haben sich zum Prozessauftakt hunderte Demonstranten versammelt, die gegen den rechtsradikalen Terror protestieren. Helle Aufregung herrscht, als zwei bekannte Neonazis auftauchen und Einlass in den Gerichtssaal begehren.

Erwartet wird ein Mammutprozess. Das Gericht soll klären, ob Zschäpe als Mitglied der rechtsradikalen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) mitverantwortlich ist für die zehn Morde, die das Neonazi-Trio begangen haben soll. Unter den Opfern waren acht türkische Mitbürger sowie ein Grieche und eine deutsche Polizistin. Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios. Ihre beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nahmen sich im November 2011 das Leben. Der NSU-Prozess findet in München statt, weil fünf der zehn Morde des Terrortrios in Bayern verübt wurden. Der Vorsitzende Richter ist Manfred Götzl.

Bereits vor Prozessbeginn hatte es einigen Wirbel um die Vergabe der Presseplätze gegeben. Nachdem sich nach einer ersten Auslosung türkische Medien benachteiligt gefühlt hatten, ordnete das Gericht eine erneute Vergabe der 50 Akkreditierungen an.

Lenbachhaus München

Quelle: dpa

7 / 20

7. Mai 2013: Das Lenbachhaus wird wiedereröffnet

München hat sein Lenbachhaus wieder. Nach rund vierjähriger Renovierungszeit wird das Museum, das nach Plänen des Londoner Architekten Norman Foster vergrößert wurde, im Mai wiedereröffnet. Schon bevor der erste Besucher die umgebaute Städtische Galerie betreten darf, sorgt der Bau für Stirnrunzeln. Zu pompös wirke der gold glänzende Panzer, der alle neu errichteten Bauteile umhüllt. Zu penetrant dominiere der wuchtige Klotz seine Umgebung, kritisierten Passanten und Anwohner. Doch schon kurz nach der Eröffnung verstummen auch die Kritiker. Die Villa Franz von Lenbachs ist mit einem Erweiterungsbau nun endlich ein großes Museum, das auch den Besucheransturm auf die Sammlung der "Blauen Reiter" problemlos bewältigen kann.

FIFA Club World Cup 2013

Quelle: dpa

8 / 20

1. Juni 2013: Der FC Bayern, das Triple und Pep

Dieser Tag wird dem FC Bayern München für immer in Erinnerung bleiben: Am 1. Juni 2013 gewinnt der Münchner Fußballclub den DFB-Pokal gegen den Vfb Stuttgart mit 3:2. Mit dem Sieg haben die Bayern das Triple geschafft - nach dem Gewinnen des Champions-League-Finales und der Bundesliga. Vor allem der zum Saisonende scheidende Trainer Jupp Heynkes wird für die drei Titel gefeiert.

Das Ruder bei den Bayern übernimmt in der neuen Saison der Spanier Pep Guardiola (im Bild), ehemaliger Fußballprofi beim FC Barcelona. Er hat mittlerweile den Status eines Kultrainers erreicht. In der neuen Bundesligasaison geht es dann auch weiter mit den Siegen des FC Bayern München - was die Liga nicht unbedingt spannender macht.

Soko "Cornelius" fahnet nach Messerstecher in München, 2013

Quelle: Stephan Rumpf

9 / 20

28. Mai 2013: Mord an der Isar

Ein brutales Verbrechen erschüttert München: Nach einer Spuck-Attacke auf der Erhardtstraße an der Isar will ein 31-jähriger Radfahrer seine Freundin schützen - und wird daraufhin von einem Unbekannten mit einem Messer angegriffen. Der 31-Jährige bricht zusammen und bleibt blutüberströmt auf dem Boden liegen. Kurze Zeit später stirbt er im Krankenhaus. Trotz intensiver Fahndung und DNA-Abgleichen hat die Polizei bis heute keine Spur von dem Täter.

-

Quelle: Alessandra Schellnegger

10 / 20

10. Juni 2013: Das Ägyptische Museum eröffnet wieder

In einem unterirdischen Neubau aus Stahl, Beton und Glas wird in München das Ägyptische Museum wiedereröffnet. Es liegt an der Gabelsbergerstraße gegenüber der Alten Pinakothek. Im Oberen Block residiert die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF), im Kellergeschoß das Museum - mit Fenstern zum Lichthof. Die Architekten sind Peter und Gottfried Böhm aus Köln, die Baukosten betragen mehr als 100 Millionen Euro, etwa 35 Millionen davon für das Museum. Ausgestellt sind nun etwa 2000 Objekte, die zwischen 5000 und 2000 Jahre alt sind.

Fraunhofer Schoppenstube

Quelle: Florian Peljak

11 / 20

22. Juni 2013: Die Fraunhofer Schoppenstube schließt

Monatelang sucht sie mit prominenter Hilfe nach einer neuen Bleibe für die Fraunhofer Schoppenstube, doch dann muss Wirtin Gerti Guhl doch aufgeben. Der 22. Juni 2013 ist der letzte Tag Münchens wohl berühmtester Boazn. Nach über 40 Jahren schenkt Gerti ihren Stammgästen das wortwörtlich letzte Bier aus, weil die Vermieter den Mietvertrag gekündigt haben. Die Stimmung ist wehmütig-fröhlich. Gerti macht noch einmal ihre Sprüche, die Gäste singen "Auf der Reeperbahn nachts um halb 1". In der Fraunhoferstraße 41 haben sich stets Feiernde quer durch alle Altersklassen getroffen, dazu Promis wie Udo Wachtveitl und stadtbekannte Nachteulen. Was bleibt, sind Erinnerungen. Wenigstens die kann einem keiner mehr nehmen.

-

Quelle: Stephan Rumpf

12 / 20

22. Juni 2013: Die Flüchtlinge und der Hungerstreik

Die Flüchtlingsproblematik in Bayern spitzt sich immer mehr zu. Am 22. Juni treten 95 Flüchtlinge auf dem Rindermarkt in München in den Hungerstreik. Die Asylbewerber protestieren gegen die aus ihrer Sicht unwürdigen Bedingungen, unter denen sie in deutschen Gemeinschaftsunterkünften leben müssen. Außerdem fordern sie die sofortige Anerkennung ihrer Asylanträge. Sie stammen aus ganz Bayern und sind nach einer Demonstration einfach auf dem Rindermarkt geblieben.

Während der nächsten Tage kommt es zu dramatischen Szenen: Hungernde Flüchtlinge fallen ins Koma und müssen in ein Krankenhaus gebracht werden, Unterstützer der Asylbewerber liefern sich hitzige Diskussionen mit Schaulustigen, die für den Streik kein Verständnis aufbringen und die Politik diskutiert, wie man mit der Situation umgehen soll, ist sich aber einig, dass sich der Staat nicht erpressen lassen darf. Am 30.6. räumt die Polizei schließlich in den frühen Morgenstunden das Camp.

Im September kommt es dann zu einem weiteren Asylbewerberprotest, als Flüchtlinge das DGB-Haus besetzen. Anfang November campieren Flüchtlinge vor dem Sozialministerium und treten in den Hungerstreik. Ende November hungern schließlich sogar unbegleitete minderjährige Somalier in der Bayernkaserne aus lauter Verzweiflung.

Nachtleben an der Isar in München, 2013

Quelle: Stephan Rumpf

13 / 20

Juli 2013: Streit um Feiern an der Isar

Kaum wird es mal ein bisschen wärmer und die Münchner genießen an schönen Sommerabenden ihr Bier im Freien, geht schon wieder der Ärger mit den Anwohnern los. In diesem Sommer steht ausnahmsweise nicht der Lärm am Gärtnerplatz im Focus, sondern um die Isarauen, die nach Ansicht einiger zur Party-Zone verkommt. Eigentlich hatte die Stadt mit der Renaturierung der Isar ausdrücklich bezweckt, dass die Münchner sich das Flußufer zurückerobern. Doch was jetzt hier passiert, geht vielen Anwohnern zu weit: Horden von Jugendlichen, die das Bier kastenweise zum Fluß schleppen und mit Ghettoblaster und Picknickausstattung im Freien feiern. Zu laut, zu viel Müll, zu viele zerbrochene Flaschen lautet die Bilanz. Im nächsten Jahr geht der Streit mit Sicherheit in die nächste Runde.

Josef Schmid und Sohn kippten auf der Rennstrecke um.

Quelle: Stephan Rumpf

14 / 20

27. Juli 2013: Seppi Schmid fliegt aus dem Rennen

Aus der Bahn geworfen: Das traditionelle Seifenkistenrennen am Gebsattelberg endet für Josef Schmid, dem OB-Kandidaten der Münchner CSU, mit einem Sturz. Nach der Fahrt mit dem CSU-Wagerl hat Schmid schmerzhafte Schürfwunden an Unterarm und Schulter und ein zerfetztes Trachtenhemd zu beklagen. Sein Sohn, der bei dem Unfall mit im Wagen sitzt, ist zwar unverletzt, jedoch in Tränen aufgelöst.

Dass das Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters für Schmid nicht ebenfalls desaströs endet, darum kämpft der CSU-Politiker derzeit - nicht ohne Erfolg. Sein stärkster Gegner ist Dieter Reiter (SPD), der vom Amtsinhaber Christian Ude den Münchner Wählern wärmstens empfohlen wird. Doch in einigen Umfragen liegt Schmidt gleichauf. Auch Sabine Nallinger (Grüne) mischt als Kandidatin noch mit. Und plötzlich ist sogar eine grün-schwarze Rathauskoalition nicht mehr undenkbar.

-

Quelle: Alessandra Schellnegger

15 / 20

15. September 2013: Ruth Waldmann gewinnt einziges SPD-Direktmandat

Wahlsonntag, kurz nach 23 Uhr: Im Schwabing ist der Jubel so laut, als hätte der FC Bayern gerade schon wieder das Triple gewonnen. Es sind zwar auch die Roten, die hier feiern, die Schreie aber kommen nicht von der Leopoldstraße, sondern aus dem Bürgerbüro der SPD in der Belgradstraße. Ruth Waldmann, Kandidatin im Stimmkreis Milbertshofen, ist soeben als einzige direkt gewählte Abgeordnete der Sozialdemokraten in den bayerischen Landtag eingezogen.

Das Direktmandat von Ruth Waldmann ist für die bayerische SPD auch so ziemlich das einzig Positive an dieser Landtagswahl in Bayern. Obwohl Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, eigentlich bekannt als Wählerliebling, angetreten ist, um den Sozialdemokraten zu besseren Ergebnissen zu verhelfen, können sie nur 20,6 Prozent der Stimmen gewinnen. Die CSU hingegen holt mit 49,3 Prozent wieder einmal die absolute Mehrheit.

Und was den Stimmkreis 104 von Ruth Waldmann angeht, darf man sich die berechtigte Frage stellen: Ist Milbertshofen also ein gallisches Dorf in einem Bayern, das fest in CSU-Hand ist? Eine rote Trutzburg im schwarzen Freistaat?

Christian Ude

Quelle: Stephan Rumpf

16 / 20

15. September 2013: Christian Udes letzter Sommer als OB

Nicht nur für Ruth Waldmann ist der 15. September ein Schicksalstag. Für Christian Ude geht am Abend dieses Wahlsonntags der Traum vom bayerischen Ministerpräsidenten zu Ende - und auch ein anstrengender Wahlkampf. Gerade in den Wochen vor der Wahl kämpft Ude wie kein anderer Politiker in Bayern. Er ist in allen Teilen des Freistaates unterwegs und kann so seine Kenntnisse in bayerischer Geographie festigen. Das Wahlergebnis schafft er jedoch nur um zwei Prozentpunkte zu verbessern. Für Ude dürfte es der letzte große politische Kraftakt gewesen sein, denn mit der Kommunalwahl am 16. März 2014 scheidet der 66-Jährige aus Altersgründen aus dem Amt. Und 2013 war auch Udes letzte Wiesn als Oberbürgermeister. Also ein letztes Mal Anzapfen und ein letztes Mal das Standkonzert am Fuße der Bavaria dirigieren.

Kunstfund Gurlitt

Quelle: dpa

17 / 20

4. November 2013: Schwabinger Kunstfund bei Cornelius Gurlitt

In einer Schwabinger Wohnung sind einem Medienbericht zufolge Zollfahnder auf einen vermeintlich milliardenschweren Nazi-Kunstschatz gestoßen. Es soll sich um Gemälde und Grafiken handeln, die von den Nazis konfisziert und als entartet klassifiziert worden sind - darunter Werke von Max Beckmann, Marc Chagall, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Max Liebermann, August Macke, Franz Marc, Henri Matisse, Pablo Picasso und Karl-Schmidt-Rottluff.

Bald wird bekannt, dass der Mann, der die 1500 Werke gehortet hat, Cornelius Gurlitt heißt und Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt ist, der während des Dritten Reiches im Auftrag des Nazi-Regimes mit Kunst gehandelt hatte. Es wird auch publik, dass die Staatsanwaltschaft Augsburg Gurlitts Kunstsammlung bereits im Februar 2012 beschlagnahmt und in ein Depot gebracht hatte. Die rechtliche Grundlage der Beschlagnahmung ist höchst umstritten.

Nach dem Bekanntwerden des Schwabinger Kunstfundes melden zahlreiche Erben der ursprünglich rechtmäßigen Besitzer der Werke ihre Ansprüche an. Diese durchzusetzen könnte jedoch jahrelange Gerichtsprozesse erfordern. In einem Interview mit dem Magazin Der Spiegel sagt Gurlitt: "Freiwillig gebe ich nichts zurück".

Heißt es anfangs noch, dass der Kunstschatz eine Milliarde wert ist, weiß man mittlerweile, dass die Gemälde und Grafiken nicht nur von bekannten Künstlern stammen, sondern zum Teil von dem 81-jährigen Gurlitt selbst gemalt wurden. Dieser soll einen Teil seiner Kunst nun auch zurück bekommen. Über das Wie und Wann wird noch zu entschieden.

Tohru Nakamura im Restaurant "Werneckhof" in München, 2012

Quelle: Stephan Rumpf

18 / 20

12. November 2013: Gourmetauszeichnungen für den Werneckhof

München hat einen neuen Gourmettempel - und zwar einen, mit dem keiner gerechnet hat: Geisels Werneckhof. Erst im April 2013 wird der damals 29-jährige Tohru Nakamura Chefkoch in dem Münchner Traditionslokal. Der Deutsch-Japaner krempelt die Küche komplett um, bringt französische und japanische Elemente auf die Speisekarte.

Und es scheint, als hätten die Eigentümer, die drei Brüder Carl, Michael und Stephan Geisel, die auch das Fünf-Sterne-Hotel Königshof führen, ein gutes Händchen bei ihren Personalentscheidungen. Das Restaurant in Altschwabing bekommt gleich zwei hohe Auszeichnungen und steigt ohne Umschweife in den Koch-Olymp auf: Der Michelin-Führer zeichnet das Lokal mit einem der begehrten Sterne aus und der Gault & Millau gibt dem Werneckhof den Titel "Entdeckung des Jahres". Sogar die New York Times lobt die Küche von Tohru Nakamura in den höchsten Tönen.

Beisetzung Dieter Hildebrandts

Quelle: dpa

19 / 20

20. November 2013: Dieter Hildebrandt stirbt

Die Nachricht von seinem Tod ist ein Schock: Jahrzehntelang hat Dieter Hildebrand sein Publikum nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Am 20. November stirbt der Kabarettist im Alter von 86 Jahren in München. Erst einen Tag davor war die Krebserkrankung des Kabarettisten öffentlich geworden. Seine Beisetzung am 2. Dezember wird schließlich ein heiterer Abschied, an dem viele Prominente und Kabarettgrößen teilnehmen. Auf Hildebrandts buntem Holzsarg sind eine Sonnenblume, der Schriftzug des Münchner Bundesliga-Zweitligisten "1860 München" und eine "Wolke 7" zu sehen. Ebenso ein Spruch von Erich Kästner: "Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!"

Letzter Verkaufstag im Möbelhaus XXXLutz auf der Theresienhöhe in München, 2013

Quelle: Stephan Rumpf

20 / 20

30. November 2013: XXXLutz schließt

Am letzten Wiesnsonntag wird die Nachricht öffentlich: Der Möbelmarkt XXXLutz auf der Theresienhöhe muss schließen. 160 Mitarbeiter sind ab sofort freigestellt. Sie sind vom Entschluss der Geschäftsführung völlig überrascht. Nach neun Jahren hat XXXLutz festgestellt, dass es in der Innenstadt nicht rentabel ist, einen Möbelmarkt zu betreiben. Es ist das letzte Möbelhaus im Zentrum, das nun den Rückzug antritt. Alle anderen Märkte sind schon längst an den Stadtrand oder ins Umland gezogen. Am 30. November ist schließlich der letzte Tag. Als Verkäufer sind Mitarbeiter aus anderen Filialen eingesetzt, die Münchner Belegschaft wurde ja bereits am 6. Oktober vor die Tür gesetzt. Gewerkschaften und Betriebsrat sind entsetzt. Bald soll nun auf der Schwanthalerhöhe ein neues Einkaufszentrum entstehen.

© Süddeutsche.de/afis
Zur SZ-Startseite