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Flaucher:Ballermann am Isarufer

Griller am Flaucher.

Schön, wenn es gesittet zugeht: ein Gruppe Griller am Flaucher.

(Foto: Robert Haas)

Partyzone Isar: Im Sommer grillen und feiern täglich Tausende zwischen Flaucher und Thalkirchner Brücke. Viele Anwohner beschweren sich über Lärm und Müll, die Enten und Gänse ziehen um - und im benachbarten Supermarkt geht zuweilen schon am Nachmittag der Alkohol aus.

Von Jakob Dreher

Die Isar zwischen Flaucher und Thalkirchner Brücke hat sich seit der Flussrenaturierung mehr und mehr zur Partyzone entwickelt. Nachmittags und abends wird gegrillt, in der Nacht ist Feiern angesagt. Im Sommer kommen Tag für Tag Tausende Menschen. Die Konsequenz: Es ist laut, vor allem am Wochenende hängen oft Rauchschwaden über dem Gelände, und der Müll bleibt oft einfach liegen. Bei Hans Bauer, dem Vorsitzenden des zuständigen Bezirksausschusses laufen deshalb regelmäßig Beschwerden von Anwohnern ein. "Man muss gegen die Feiernden einschreiten", sagt er. Den Leuten müsse klargemacht werden, wo gegrillt werden dürfe und dass abends Ruhe herrschen müsse.

Auch Andreas Knieriem, der Direktor des benachbarten Tierparks Hellabrunn, sieht die Situation kritisch. "Der größte Teil der sogenannten Isargriller verhält sich normal", sagt er, "aber gerade gegen Abend verwandelt sich das Ufer zunehmend in eine Partymeile." Im Schutz der Dunkelheit und nach einigen Bieren ließen viele ihren Müll zurück, bemängelt er. Abends wankten viele Betrunkene über die Brücke, dabei würden sie eine Gefahr für sich selbst und andere darstellen.

Enten und Gänse halten es nicht mehr am Flaucher aus

Die nächtlichen Gäste sind laut Knieriem auch für die Natur ein Problem: "Seit die Feiern an der Isar immer mehr geworden sind, leben die Enten und Gänse in unserem Park, weil sie es an der Isar nicht mehr aushalten", erzählt der Tierarzt. "Man muss die Leute für die Probleme sensibilisieren, ihnen klar machen, das man die Natur zwar gebrauchen aber nicht verbrauchen darf."

Wie viele Leute an die Isarufer in diesem Bereich kommen, lässt sich an einer Zahl erahnen: 12.200. So viele Kunden verzeichnete ein Lebensmittelmarkt an der U-Bahnstation Thalkirchen in der vergangenen Woche, in einer Winterwoche sind es normalerweise nur 5500. Der Markt hat sich mittlerweile auf die Kundschaft eingestellt. "Alles was erfrischt oder zum Grillen gebraucht wird, haben wir immer da", sagt die stellvertretende Marktleiterin Susan Werner.

Manchmal geht aber trotzdem etwas aus. Am Montag habe es bereits ab vier Uhr nachmittags keinen Wodka mehr gegeben, erzählen Ramona und ihre Freundinnen, die am Ufer sitzen und den Abend genießen. Das zeigt, worauf viele neben Grillgut und Erfrischungen aus sind: Alkohol. Auch der Türsteher am Eingang ist der speziellen Kundschaft geschuldet. "Ich passe auf, dass keiner klaut und schicke die weg, die zu betrunken sind", erklärt er.

78 Gitterboxen für den Abfall reichen nicht

Nicht nur im Supermarkt ist die Sicherheit ein Thema. Die Polizei fährt im Uferbereich regelmäßig Streife und setzt die Reiterstaffel ein, es kommt trotzdem häufig zu Beschwerden und Ordnungsstörungen. Das Baureferat hat einen Sicherheitsdienst und eine Grünanlagenaufsicht beauftragt und die U-Bahn-Wache ist an schönen Tagen immer an der Thalkirchner-Station vertreten.

Um den Müll am Ufer kümmert sich das Baureferat. Im ganzen Uferbereich wurden fünf Drei-Kubikmeter-Container und 78 Gitterboxen für Abfall aufgestellt, dazu kommen 15 Grillkohlebehälter. An schönen Wochenenden kommen zwei Sieben-Kubikmeter-Container dazu. Außerdem stehen Mülltütenspender an der Isar, um den Feiernden die Abfallentsorgung möglichst einfach zu machen. Trotzdem bleibt einiges an Müll zurück. Dieser Müll wird mehrmals wöchentlich, bei schönem Wetter täglich oder sogar noch öfter, von Reinigungspersonal entfernt.

"Deine Isar" ist eine private Initiative zur Reinhaltung des Ufers, die vom Baureferat unterstützt wird. Die Kampagne macht mit Plakaten aufmerksam: Slogans wie "Ganze Kerle, ganze Flaschen" sollen die Leute am Isarufer dazu anhalten, ihren Müll selbst zu entsorgen. "Wenn wir von zehn Leuten zwei dazu bringen zu anderen zu sagen 'Lass doch deinen Müll nicht liegen', haben wir schon gewonnen", sagt Frank Meißner, Sprecher des an der Kampagne beteiligten Vereins Isarfischer.

© SZ vom 24.07.2013/tba

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