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Neues Zuhause für Mally:Verliebt in Biebers Äffchen

Tierheimchef Karl Heinz Joachim mit Mally.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Justin Bieber musste sein Kapuzineräffchen dem Zoll überlassen, seitdem lebt Mally bei Karl Heinz Joachim im Tierheim in München. Nun ist die Frist für den Popstar abgelaufen - und der Tierheimchef muss nach einer neuen Bleibe für das Tier suchen. Im SZ-Gespräch erklärt er, warum er Bieber sogar dankbar ist.

Die Bilder gingen um die Welt: Ende März beschlagnahmte der Zoll am Münchner Flughafen den Kapuzineraffen des kanadischen Popstars Justin Bieber. Der 19-Jährige hatte das Tier ohne Genehmigung bei seiner Konzerttournee mitgeführt - seitdem lebt der kleine Mally im Münchner Tierheim in Riem. Bis zum Freitag hätte Bieber die nötigen Dokumente vorlegen müssen, um Mally zurückzubekommen. Nun könnte der Affe bald in einem deutschen Zoo in ein neues Zuhause finden. Ein Gespräch mit Tierheim-Leiter Karl Heinz Joachim.

SZ: Was wird denn nun aus Mally?

Karl Heinz Joachim: Das Management von Justin Bieber hat uns klar mitgeteilt: Mally soll zu anderen Kapuzineraffen in einen deutschen Zoo. Wichtig ist, dass da mindestens fünf andere Tiere sind, damit er artgerecht in einer Gruppe groß werden kann.

Momentan ist Mally bei Ihnen zur Pflege. Wie ist sein wertes Wohlbefinden?

Hervorragend! Der Mally hat sich wahnsinnig gut entwickelt. Als er kam, war er natürlich noch sehr jung und von der langen Flugreise nach München gestresst.

Wie wird der Affe bei Ihnen betreut?

Ich habe einen Pfleger, der vier Stunden am Tag nichts anderes tut, als sich mit dem Affen zu beschäftigen. Er muss sauber machen, er spielt mit ihm, er streichelt ihn.

Die Zoos müssten doch Schlange stehen für so ein weltberühmtes Tier . . .

Es gibt schon mögliche Abnehmer für Mally, aber wie konkret das Interesse ist, weiß ich noch nicht. Der Freizeitpark Hodenhagen in Niedersachsen hätte den Mally wohl ganz gerne, wie man hört. Aber erst mal sind noch einige tierärztliche Untersuchungen fällig, die nächste Woche stattfinden sollen. Danach fällt die Entscheidung: Kann der Affe gehen oder nicht?

Wieso kommt Mally eigentlich nicht in den Tierpark Hellabrunn? Das wäre doch nur angemessen, wo er doch in München zum Weltstar geworden ist.

Richtig. Nur leider geht das nicht, weil der Münchner Zoo keine Kapuzineraffen hat - und Mally braucht dringend Gesellschaft, er gehört unter Seinesgleichen.

Sie müssen Justin Bieber eigentlich sehr dankbar sein - dafür, dass er Ihnen so viel Aufmerksamkeit beschert hat.

Na ja, wichtig ist, dass die Leute erkannt haben: Es gibt ein Münchner Tierheim. Wenn die Münchner auf uns und unsere Arbeit aufmerksam geworden sind, dann ist das in der Tat positiv.

Andererseits ist so eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung auch nicht ganz billig.

Ja, da kommt schon ein bisschen was zusammen. Allein der Pfleger kostet 70 Euro am Tag, da sind die Tierarztkosten aber noch nicht eingerechnet. Aber die Kosten trägt die Bundesrepublik Deutschland, die ja jetzt neuer Besitzer von Mally wird. Und glauben Sie mir: Der Bund holt sich das Geld garantiert von Justin Bieber wieder. Der Zoll hat da seine Möglichkeiten.

Glauben Sie, dass die Mally-Affäre Justin Bieber eine Lehre sein wird?

Nein. Man hört ja, dass er schon den nächsten Affen hat, in Los Angeles kosten die 250 Dollar, für einen Popstar ein Klacks. Vielleicht wollte Justin Bieber ja einfach beweisen, dass er genauso großartig ist wie Michael Jackson, der hat ja auch immer seinen Lieblingsaffen um sich gehabt. Natürlich ist der Affe am Ende auch in einem Tierheim gelandet, in Florida.

Wenn man die Fotos von Ihnen und Mally betrachtet, hat man das Gefühl: Er ist Ihnen richtig ans Herz gewachsen.

Das stimmt. Der Mally mag's halt, wenn ich ihn auf den Arm nehme. Ich hole mir dann immer auch seinen Teddybären dazu, den Justin Bieber freundlicherweise hiergelassen hat. In dieser Konstellation fühlt er sich am sichersten, denn der Teddybär war ganz am Anfang seine Ersatz-Mama. So ein kleiner Affe klammert sich ja eigentlich ein Jahr lang an seiner Mutter fest. Manchmal klettert der Mally auch auf meinen Kopf, man muss ihm dann nur sagen, dass er einen nicht anpinkelt! Aber so was passiert halt, er ist ja noch ein Baby.

Hört sich so an, als würden Sie Mally bald schrecklich vermissen.

Vielleicht in den ersten Wochen. Bei mir ist es aber so: Je mehr ich an einem Tier hänge, desto glücklicher bin ich, wenn es dann einen guten Platz gefunden hat. Und letztlich können wir im Tierheim dem Mally nicht das geben, was er braucht.