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Video für die Schoppenstube:Rettungssingen für die Gerti

Marcus H. Rosenmüller, Christian Ude, Udo Wachtveitl und Otti Fischer, alle zusammen in einem Musikvideo. Nein, keine Sorge. Es handelt sich nicht um eine neue Münchner Boygroup. Die Promis haben sich zusammengetan, um der Fraunhofer Schoppenstube zu neuen Räumlichkeiten zu verhelfen.

Singen kann der gute Mann wirklich überhaupt nicht, das lässt sich leider nicht leugnen. Regisseur Marcus H. Rosenmüller ist mit seiner Strophe als erster dran: "Für viele ein Ort voller Herzlichkeit", schmettert er hinter der Theke der Fraunhofer Schoppenstube - und wird liebevoll von Wirtin Gerti zur Seite geschubst. Die Szene spielt in einem Videoclip, der am Donnerstag zur Rettung Münchens wohl berühmtester Boazn im Internet erschienen ist.

Dass er nicht singen kann, hat Rosenmüller schon beim Dreh vor knapp zwei Wochen selbst zugegeben. Aber er singt ja für einen guten Zweck, da drückt man schon mal ein Auge zu. Normalerweise verdient der Mann sein Geld glücklicherweise mit Filmen.

Der Clip ist eine Aktion der Münchner Künstlergruppe "Schicksalscombo", die ein Lied auf die Schoppenstube umgedichtet hat und Prominente je eine Zeile singen lässt. Vor allem der charmante Geist des Lokals soll dabei rüberkommen.

Das Schicksal der Kneipe ist hinlänglich bekannt: Für die Fraunhofer Schoppenstube, eine hundertjährige Volkssängerkneipe, die über 40 Jahre Lebensinhalt von Wirtin Gertrud Guhl war, ist Ende Juni Schluss. Der Mietvertrag wurde gekündigt, weil die Vermieter das Haus sanieren wollen.

Für Gerti und die vielen Stammkunden ist deshalb im vergangenen Jahr eine Welt zusammengebrochen. Seither ist Gerti, kräftig unterstützt von prominenten Freunden, auf der Suche nach einer neuen Bleibe für die Schoppenstube. Bisher hat sich nichts Geeignetes gefunden, nun soll das Video helfen.

Udo Wachtveitl stellt sich schon wesentlich besser an. Der Tatort-Kommissar singt die Zeile "Kultur ist nichts wert und fliegt raus", und das hört sich richtig gut an. Auch Otti Fischer, der zusammen mit Kabarettkollegen den Satz "drum Leidl - damit's ned so weider geht" zum Besten gibt, passt gut ins Bild. Den wohl wichtigsten Satz des Filmchens darf Oberbürgermeister Christian Ude sagen: "Die Gerti braucht jetzt einen ganz neuen Raum" - und der Chor der Stammgäste beendet den Satz: "sonst ist wirklich aus unser Traum".

Alle schauen dabei so weinerlich und traurig als wäre der Gerti gerade das Bier ausgegangen. Doch die Trauer war Regieanweisung. Den Münchnern soll der Ernst der Lage bewusst werden. Wenn sich nicht bald was findet, ist Ende Juni Schluss für immer. Bleibt nur zu hoffen, dass der Clip bei der Suche nach einer neuen Lokalität seine Wirkung nicht verfehlt. Am traurigsten schaut in dem Video übrigens die Gerti - und das ganz ohne Regieanweisung.