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Gedenkort:Der Bundespräsident räumt Fehler ein

Beim Festakt ist Steinmeier indes der einzige Repräsentant, der auch Fehler einräumt: Fehler der deutschen Sicherheitsbehörden, die in einem dilettantischen Befreiungsversuch auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck endeten, wo neun Geiseln und ein Polizist ums Leben kamen. "An dieser Katastrophe tragen auch wir bis heute schwer", sagt der Bundespräsident.

Eine Art Bitte um Entschuldigung vermeiden die Repräsentanten des Sports: Thomas Bach, der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), will weiter nichts wissen von der Forderung der Angehörigen, einmal im Rahmen der Eröffnungsfeier der Spiele eine Gedenkminute abzuhalten. Und Michael Vesper, Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds, verteidigt die Entscheidung von 1972, die Spiele trotz des Attentats nicht abzubrechen. Wiewohl Spitzer dies bis heute unverzeihlich findet, wiewohl Rivlin eben noch zum berühmten Satz des damaligen IOC-Präsidenten, die Spiele müssten weitergehen, gesagt hat: "An diesen Satz wird sich die Welt in ewiger Schande erinnern."

Doch das ist Politik, und im Mittelpunkt stehen ja die Angehörigen. Während der Feier treten sie nacheinander schweigend vor und enthüllen die Tafeln mit den Lebensläufen der Toten. Nachdem der letzte Ton der Hatikva, der israelischen Hymne, verklungen ist, lassen sich viele von ihnen vor der Tafel ihres ermordeten Ehemanns, Vaters, Bruders fotografieren. Viele gefasst, manche mit Tränen in den Augen. Und nach dem Ende des anschließenden Festakts in der BMW-Welt (die dafür ausgewählt worden war, weil sie als einziger Ort in der Nähe des Erinnerungsortes die für zwei Staatspräsidenten nötige Sicherheit bot) kommt es zu einem kurzfristigen, nicht-öffentlichen Treffen der Angehörigen mit Rivlin und Steinmeier. Die Politik lassen alle, so wird später berichtet, außen vor, die weiter erhobene Forderung der Angehörigen nach Entschädigung etwa. Darüber werde ein andermal gesprochen, sagt Spitzer. "Heute war nicht der Tag dafür."

Und trotzdem: Ilana Romano kann es noch gar nicht begreifen, "dieses Gefühl der Zufriedenheit und des Sieges", wie sie sagt - darüber, nach 45 Jahren erstmals Worte der Verantwortung und des Bedauerns gehört zu haben. Und Ankie Spitzer steht in der BMW-Welt, nicht weit von der Stelle, wo ihr Mann zur Geisel von Terroristen wurde und wo sie sich vor 45 Jahren schwor, stets dagegen zu kämpfen, dass diese Tat vergessen werde, da steht sie also nun und sagt: "Sie sehen mich: Es ist das erste Mal, dass ich in München lache."

© SZ vom 07.09.2017/libo
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