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Autofreie Straßen:Wo Fußgängerzonen besonders schön wären

Sendlinger Straße in München, 2017

Zumindest zeitweise könnten weitere Orte in München autofrei werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die CSU fordert, Straßen im Sommer für Autos zu sperren. Wir hätten da neun Vorschläge, welche Orte sich dafür anbieten.

Einfach mal dort spazieren gehen, wo sonst Autos und Lastwagen rollen. Einfach mal keinen Verkehrslärm ertragen müssen, sondern den öffentlichen Raum zu Fuß erobern. Die CSU wünscht sich, dass dies in München im Sommer vorübergehend möglich wird. Deshalb hat die Stadtratsfraktion kürzlich beantragt, an verschiedenen Sonntagen abwechselnd in jedem Stadtbezirk an geeigneten Straßenabschnitten temporäre Fußgängerzonen auszuweisen. Die Bürger täten ihrer Gesundheit etwa Gutes und leisteten gleichzeitig einen Beitrag zur Luftreinhaltung. Die Stadt, so die Überlegung der CSU, könnte dabei diese temporären Fußgängerzonen eigenständig "bespielen", also etwa über Themen wie Naturschutz und Gesundheitsprävention informieren oder auch touristische Aspekte präsentieren.

Die Idee, Straßen für den Verkehr vorübergehend zu sperren, ist beileibe nicht neu, die Grünen hatten es in der Vergangenheit wiederholt versucht. Und immer wieder hat die Stadtverwaltung eine Abfuhr erteilt. Denn so einfach ist es offenbar nicht. Für eine temporäre Sperrung braucht es laut Straßenverkehrsordnung einen konkreten Anlass, etwa eine Baustelle. Aber auch für ein Fest dürfen Straßen gesperrt werden. So entstanden seinerzeit aus der ursprünglichen Idee, die Ludwig- und Leopoldstraße kurzzeitig den Fußgängern zu überlassen, das Street Life Festival und der Corso Leopold. Es müsste sich also auch in den jeweiligen Stadtbezirken irgendein Anlass finden, eine Straße umzuwidmen.

Eine reizvolle Vorstellung: Jeden Sommersonntag ein Straßenfest, irgendwo in München.

Bunt und lebendig

(Foto: Robert Haas)

Würde man die Westendler fragen, wo denn die zentrale Meile des Stadtviertels verläuft, hätte die Schwanthalerstraße bestimmt gute Chancen. Natürlich nicht die mehrspurige Schneise unterhalb der Hangkante, sondern der holprige, enge und nur wenig gentrifizierte Abschnitt zwischen der mächtigen Betonburg an der Schießstättstraße und der Ganghoferstraße. Hier geht es alles andere als repräsentativ zu, jeder Vergleich mit Schnösel-Furten à la Leopoldstraße verbietet sich. Dafür ist es bunt und lebendig auf den eigentlich viel zu schmalen Gehwegen, an den Tischen der - nun ja - nicht immer und jederzeit nach Michelin-Sternen schielenden Imbiss-Lokale sowie in den zumeist recht kleinen Läden. Das östliche Entree verheißt Nostalgikern eine Reminiszenz an den längst untergegangenen Ostblock: Dort steht das "Gasthaus zum Riedwirt" vulgo das "Döner macht schöner"-Haus - ein seit vielen Jahren leer stehender und längst völlig verrotteter Altbau, der so marode ist, dass schon die Gehwege drumherum mit Absperrungen gesichert sind. Den Gegenpol bildet ein gepflegtes französisches Lokal nur eine Kreuzung weiter, dem wiederum ein dazugehörendes Café mit dem Namen eines Pariser Stadtviertels gegenüberliegt. So ließe es sich flanieren vom Ostblock in Richtung Westen, vorbei an Lokalen wie dem "Schweizerhaus" oder dem "Schwarzen Dackel" - was viel angenehmer wäre, wenn statt der parkenden Autos jede Menge Tische und Stühle mitten auf der Straße aufgestellt wären. Sommer im Westend, es könnte so schön sein.

Im Kreisel sitzen

(Foto: Robert Haas)

Ein Nachmittag in der Sonne. Ein Eis am Gärtnerplatz. Man sitzt auf einer der vielen Bänke, blickt auf das Gärtnerplatztheater, das endlich nicht mehr verhüllt ist. Man lauscht und hört nichts außer - den Dutzenden Autos, die ständig um einen herumkurven. Es mag auf Besucherinnen aus einer anderen Stadt erst einmal befremdlich wirken, dass sich die Münchner mitten in einen Kreisverkehr voller Blumenbeete legen, aber die Touristen und Tagesausflügler können auch nicht wissen, dass die Mitte des Platzes vor mehr als zehn Jahren noch eine Wiese war. Der Gärtnerplatz sah wie ein kleiner Park aus, und auch heute gibt es wirklich keinen Grund, warum so viele Autos und so viele Busse durch das Viertel fahren sollten. Vom Gärtnerplatz ist es nicht weit zur Trambahn, Haltestelle Reichenbachstraße. Und auch nicht weit zur U-Bahn. Haltestelle Fraunhoferstraße. Das Viertel verbindet die Innenstadt und die Isar, es gibt Dutzende kleine Geschäfte sowie Cafés und Bars und wenn die vielen parkenden Autos nicht wären, könnte man schon heute hervorragend durch die Straßen flanieren. Manche Menschen im Viertel wünschen auch sich eine Fußgängerzone, im vergangenen Jahr sammelte eine Initiative mehr als 800 Unterschriften ein. Die Leute forderten, dass nur noch Anwohner und im Viertel Arbeitende mit dem Auto in die Straßen fahren dürfen und die Reichenbachstraße zu einem Boulevard ganz ohne störende Fahrzeuge werde. Inmitten der Straße könnte man dann vom Viktualienmarkt zum Fluss laufen. Und wenn man inmitten des Kreisverkehrs sitzt, ist diese Vorstellung ziemlich schön.

Museen verbinden

(Foto: Robert Haas)

Geht es um die Aufhübschung des Museumsareals in der Maxvorstadt, taucht stets auch die Idee wieder auf, die Barer Straße für Autos dichtzumachen. Denn die nach einem französischen Kriegsschauplatz (Bar sur Aube) benannte Trasse bildet eine Schneise zwischen Alter und Neuer Pinakothek auf der einen und Pinakothek der Moderne plus Brandhorst-Museum auf der anderen Seite. Sie zu sperren, könnte eine großzügige autofreie Fläche inmitten der Maxvorstadt schaffen, einen künstlerischen Spazierweg zwischen 14. und 21. Jahrhundert sozusagen. Umfahrungsmöglichkeiten gibt es für Autofahrer zuhauf, die verkehrliche Bedeutung der Barer Straße ist überschaubar - auch wenn sie im Stadtplan noch wie eine Hauptverkehrsader daherkommt. Eher ungeschickt wäre es wohl, auch noch die Trambahn aus dem Straßenzug herauszunehmen - da die Pinakotheken gut per MVV erreichbar bleiben sollten, müssten die Flaneure diese Kröte wohl schlucken. Man kann dann ja, wenn man fußmüde ist, auch einsteigen. Vor allem, wenn es zu regnen beginnt.

Ohnehin fast perfekt

(Foto: Robert Haas)

Eigentlich erfüllt die Occamstraße zwischen Feilitzschstraße und Haimhauserstraße schon jetzt fast alle Kriterien, die für eine Fußgängerzone wichtig sind: Sie liegt zentral zwischen Englischem Garten und Münchner Freiheit. Sie beherbergt eine beträchtliche Zahl an Restaurants mit sonnigen Freischankflächen - japanische Küche ist ebenso vertreten wie die US-amerikanische in Form von Burgern oder die italienische. Dazu kommen Bars und das Vereinsheim mit der Kleinkunstbühne. Einzig die Autos, die den Straßenrand zuparken, stören das Bild. Das aber ließe sich problemlos durch ein schlichtes Durchfahrverbot lösen. Und die Parkplätze fehlen wahrscheinlich kaum jemanden. Wer mal ein paar Stunden dort in der Sonne verbracht hat, kommt schnell zu der Überzeugung, dass ohnehin niemand, der sein Fahrzeug dort einmal abgestellt hat, es je wieder bewegt. Die einzigen Autos, die vorbeifahren, sind diejenigen, die eine Abstellfläche suchen. Und das müssten sie dann halt woanders machen.