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Fußball-Europameisterschaft:Wo es in München heute bunt wird

Allianz Arena Stadium with rainbow colored corner flag agains discrimination football stadium trib

Bei einem Spiel gegen Eintracht Frankfurt im Mai 2019 stellte der FC Bayern Regenbogen-Eckfahnen auf - als "Zeichen für Toleranz und Vielfalt, gegen Rassismus und Homophobie", wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte.

(Foto: imago images / ActionPictures)

Das Stadion leuchtet nicht in Regenbogenfarben, aber anderswo wird das der Fall sein. Was ist geplant? Wer entscheidet, wie die Arena auszusehen hat? Und in wie vielen Farben kann sie leuchten?

Von Katja Schnitzler und Kassian Stroh

Heute Abend spielt Deutschland gegen Ungarn in München - doch das, was sonst außenrum los ist, scheint diesmal das eigentliche Spiel in den Hintergrund zu drängen. Groß ist die Aufregung über die Uefa, die das Ansinnen der Stadt München abgelehnt hat, das Stadion in Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Die Stadt wollte damit gegen ein neues, ihrer Ansicht nach schwulen- und lesbenfeindliches Gesetz in Ungarn protestieren und sich mit der LGBTIQ-Gemeinschaft solidarisieren. Die Uefa lehnte das Vorhaben ab und bezeichnete es als eine politische Aktion, die man nicht billigen könne.

Wo zeigt sich München am Mittwoch trotzdem in Regenbogenfarben?

Die Stadt will ungeachtet dessen ein Signal setzen: Das Rathaus ist mit sechs Regenbogenfahnen beflaggt, der Olympiaturm sowie eines der beiden Windräder in unmittelbarer Nähe der Fußballarena - und zwar das ältere und kleinere - werden am Abend illuminiert. Dutzende Trambahnen und Busse fahren heute mit Regenbogenfahnen durch München, das weithin sichtbare Riesenrad im Werksviertel strahlt bei Einbruch der Dunkelheit ebenfalls, das Kulturzentrum Bellevue di Monaco färbt sein Dachsport-Stadion. Und viele Münchner Firmen und Privatleute zeigen Flagge sowie den Regenbogen auf ihren Social-Media-Kanälen, zum Beispiel die Feuerwehr und die Polizei München auf Twitter.

Am Vormittag hat auch der Münchner Stadtrat getagt - diverse Mitglieder, auch führende Vertreter der grün-roten Rathauskoalition, erschienen in Regenbogenfarben gekleidet oder trugen entsprechende Halsketten, Schals und Masken, hier und da waren Regenbogenfahnen zu sehen.

Welche Protestaktionen sind geplant?

Schon nach der Debatte über die bunte Kapitänsbinde von Manuel Neuer hatte der Christopher Street Day (CSD) Deutschland zusammen mit Amnesty International und Queer BW, einer Interessenvertretung in der Bundeswehr, mehr als 20 000 Regenbogen-Artikel organisiert. Einige Dutzend Helfer wollen sich nun am Abend um das Stadion verteilen, um den Fans bis zu 11 000 Fähnchen, 5000 Klatschpappen und 4500 Aufkleber mit der Aufschrift "Don't Kick LGBTIQ Rights" in die Hände zu drücken. Falls die Uefa auch das verbietet, stelle man sich am Marienplatz auf, wie Henryk Hoefener vom CSD Deutschland erklärte.

In Ungarn ist derweil eine Gegenaktion geplant: Gábor Kubatov, Präsident des größten Klubs Ferencváros Budapest, rief die Vereine über Facebook dazu auf, ihre Stadion in den Nationalfarben zu beleuchten. "Lasst uns alle Stadien rot-weiß-grün färben! Heimat vor allem!", schrieb Kubatov, der auch als Vize der Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán fungiert. Der Aktion wollten sich unter anderem MTK Budapest und DVSC Debrecen anschließen, deren Management ebenfalls mit Fidesz-Politikern in Verbindung steht.

Welche anderen deutschen Städte unterstützen München?

Überall in Deutschland wird es heute ähnliche Aktionen geben. Unter anderem hat Augsburg angekündigt, seine Arena während des EM-Spiels Deutschland-Ungarn bunt erstrahlen zu lassen - ebenso wie die Betreiber der Stadien in Köln, Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt am Main. In Berlin wird zwar das Olympiastadion beleuchtet, das Brandenburger Tor allerdings nicht, wie der Senat entschieden hat.

Wer darf über die Beleuchtung der Fröttmaninger Arena entscheiden?

Da die Arena im Münchner Norden nicht der Stadt gehöre, könne er leider nicht bestimmen, was dort passiert, bedauert Oberbürgermeister Dieter Reiter. Das stimmt. Aber selbst wenn, hätte er dort derzeit nichts zu sagen. Tatsächlich ist das Stadion im Besitz der Allianz Arena München Stadion GmbH, die wiederum zu 100 Prozent dem FC Bayern gehört.

Jetzt, während der Europameisterschaft, hat die Uefa das Stadion gemietet - noch bis zum 9. Juli. Sie übernimmt in dieser Zeit also das Hausrecht und bestimmt, was im Stadion passiert und auch davor, auf der sogenannten Esplanade. Das alles hat sie zum Beispiel nach ihren Wünschen und denen ihrer Sponsoren umgestaltet, hat EM-Logos aufgehängt und die Namen der FC-Bayern-Sponsoren verdeckt. Am augenfälligsten: Der Schriftzug "Allianz Arena" wurde abgeschraubt.

Als Hausherrin ist die Uefa dann natürlich auch diejenige, die bestimmt, wie das Stadion zu leuchten hat. Während der EM ist das abends türkis mit einem grünen Band. Läuft ein Spiel in der Arena, dann leuchten außen die Flaggen der beiden Kontrahenten.

Wie funktioniert die Beleuchtung der Arena technisch?

Die Luftkissen in der Außenhülle des 2005 eröffneten Stadions konnten in den ersten Jahren nur in drei Farben erstrahlen: in Weiß, Rot und Blau. Diese Farben standen für den FC Bayern München und den TSV 1860 München, dem anfangs die Hälfte des Stadions gehörte - und Weiß kam als neutrale Illuminierung dazu. Dazu waren in jedem Luftkissen je drei entsprechende Neon-Röhren verbaut.

Vor gut sechs Jahren wurden sie abgelöst durch 300 000 LEDs, die in angeblich 16 Millionen Farben leuchten können und damit auch verschiedenste Muster möglich machen. Das wird immer wieder genutzt. Wenn die Stadion-GmbH eine bestimmte Illumination wünscht, schickt sie einen Entwurf an ein Münchner Lichtdesign-Büro, das diese dann programmiert. Je nach Aufwand sei das in einem Tag zu schaffen, sagt der Pressesprecher der Stadion-GmbH. Im Falle des Regenbogens wäre es sogar sofort möglich: Der ist bereits seit 2018 programmiert, als das Stadion zum Christopher Street Day schon einmal in Regenbogenfarben leuchtete.

Warum protestiert gerade die Stadt München gegen Ungarns neues Gesetz?

Die LGBTIQ-Bewegung hat ein besonderes Verhältnis zu München. Seit den 1960er-Jahren entwickelte sich die Stadt zu einer Schwulen-Metropole, insbesondere im Gärtnerplatzviertel. In den 1980er-Jahren wurde sie in einer Reihe mit San Francisco, New York und Amsterdam genannt. Heute hat München da kein Alleinstellungsmerkmal mehr, und auch hier erleben Schwule oder Lesben Diskriminierung, werden auf der Straße angepöbelt oder sogar körperlich attackiert.

Gleichwohl hat das Rathaus, in dem in den vergangenen 30 Jahren weitgehend SPD und Grüne das Sagen hatten, die LGBTIQ-Szene stets finanziell und mit eigenen Einrichtungen und Beratungsstellen unterstützt. Seit dem vergangenen Jahr ist die städtische Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ direkt im Büro des Oberbürgermeisters angesiedelt. München hat sich auch um die Ausrichtung der Gay Games im Jahr 2026 beworben.

Warum spielt Deutschland immer in München?

Erstmals in ihrer Geschichte findet die Fußball-Europameisterschaft über den ganzen Kontinent verteilt statt - in elf verschiedenen Städten. München ist der einzige deutsche Austragungsort. Dass hier die deutsche Nationalmannschaft alle ihre Vorrundenspiele bestreitet, ist kein Zufall: Die Uefa hat beim Spielplan darauf geachtet, dass es quasi ein Heimrecht der jeweiligen Mannschaft gibt. Dass das Spiel gegen Ungarn heute nicht in Budapest stattfindet - ebenfalls einer der elf Turnierorte -, liegt daran, dass sich Ungarn nicht direkt für die EM qualifiziert hatte, sondern erst in den sogenannten Playoffs. Deswegen wird Deutschland bevorzugt. Andernfalls hätte für das heutige Spiel das Los entschieden.

© SZ.de/saul
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