Late-Night-Shows Krachender Flop

Tatsächlich ist das Verhältnis des deutschen Fernsehpublikums zum Late-Night-Format, das in den USA eine so große, debattenprägende Bedeutung hat, immer ein kompliziertes gewesen. Den Feuilletonisten sind die Sendungen zu flach und dem breiten Publikum zu verstiegen. Die ernsthaften Versuche, ein solches Format bei uns zu etablieren, sind überschaubar.

Den spektakulärsten Flop landete 2004 Anke Engelke, die bei Sat 1 den desertierten Harald Schmidt ersetzen sollte und noch im selben Jahr krachend scheiterte. Zwischendrin versuchte sich mal Niels Ruf am Format, und auch der Komödiant Philip Simon startete mit seiner Nate Light kurz durch. Joko & Klaas liefern mit Circus Halligalli eine eher halbgare Late-Night-Version. Aber wirklich im Bewusstsein geblieben sind als Late-Night-Künstler nur Schmidt und Raab, die beide dem Format um die 16 Jahre die Treue hielten, wenn auch in unterschiedlichen Niveau-Ausprägungen. Aber wirklich recht machen kann man es ohnehin nie allen. Der Platz zwischen allen Stühlen ist quasi reserviert.

Joko & Klaas Joko und Klaas blank poliert
TV-Kritik "Circus HalliGalli"

Joko und Klaas blank poliert

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Manche schreckt selbst das nicht ab. "Ich würde sofort auf täglich gehen", sagt Pierre M. Krause, der schon eine Late-Night-Show betreibt. Mehr als 500 Ausgaben hat Krause, auch schon 40 und immer noch öffentlich-rechtliches Nachwuchstalent, über die Jahre abgeliefert. Allerdings nur einmal in der Woche und ganz versteckt im Dritten des SWR. Quasi in der Nische des Nischensenders.

Fragt man Krause, warum er nur einmal pro Woche ran darf, hat er eine klare Analyse parat. "Die Vorsicht und der Glaube an die Marktforschung überwiegen leider in den Sendern", sagt er und stuft den Wunsch nach einer Late-Night-Show vor allem auch als einen Wunsch von Menschen in den Medien ein. "Sie wollen es alle, sie gucken es alle, aber sie trauen sich nicht." Und er sagt: "Wenn wir den Dschungel brauchen, dann brauchen wir auch eine Late Night", und er verweist darauf, dass das Fernsehen Rituale brauche, dass es Rituale besser hervorbringen könne als andere Medien. "Dieser Stärke muss sich das Fernsehen bewusst werden, das markiert seine Existenzberechtigung."

Der Kabarettist Sebastian Pufpaff, der auch einen guten Late-Night-Gastgeber abgeben würde, authentisch und empathisch, warnt vor einer traurigen Alternative: "Dann wandern wir alle in Richtung Youtube ab", prophezeit Pufpaff. "Sollten wir einfach so weitermachen wie bisher, tragen wir das deutsche Fernsehen still und konsequent zu Grabe."

Kompliziertes Format

Ein bisschen was haben sie beim herkömmlichen Fernsehen schon kapiert, scheuen aber vor allem die Kosten. Aus der Not hat man beim ARD-Digitalableger One eine Tugend gemacht und überträgt jeden Abend die amerikanische Tonight Show mit Jimmy Fallon im Original mit deutschen Untertiteln. "Wir bekommen viel positive Rückmeldung, besonders auch von jungen Zuschauern", sagt die Programmchefin Karin Egle. Gerade hat der Sender den Vertrag bis Ende des Jahres verlängert. "Es ist relativ günstig, sonst könnten wir uns das nicht erlauben", sagt Egle. One sei ein kleiner Sender, der sich im Schnitt bei einem halben Prozent Marktanteil einpendelt.

Man muss dort nicht jedem gefallen. Das sei auch ein Vorteil. Einer, der schon eine Late-Night-Show hat, ist sich seiner Rolle als Spätabendunterhalter nicht ganz so sicher: Hannes Ringlstetter ist seit Dezember donnerstags mit seinem von den Machern der ORF-Late-Night Willkommen Österreich produzierten Format im Bayerischen Fernsehen zu sehen und spürt schon erste Erschöpfungserscheinungen. "Es ist das schwierigste Format, das man sich antun kann. Es gibt kaum Sachen, die anstrengender sind im Medienbetrieb", sagt er. "Wir fragen uns immer, was noch relevant ist, wenn wir am Donnerstag auf Sendung gehen", klagt er. Wenn Trump früh in der Woche was sage, dann greife das Jimmy Fallon auf und das Internet sowieso: "Soll ich dann am Donnerstag kommen und das auch noch machen?" Da habe eine tägliche Sendung Vorteile. "Die einzige Möglichkeit, auf Dauer zu bestehen, ist, wenn man einfach immer da ist." Die Chancen einer echten, also täglichen Late Night sieht er dennoch als eher gering an: "Ich glaube", sagt er, "dass wir keine Kultur haben, den Feierabend mit Late Night ausklingen zu lassen."

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