Mitten in Bayern:Empörung bitte!

Lesezeit: 2 min

Eine Landesausstellung mit dem Namen "Typisch Franken?" ohne erhöhten innerbayerischen Erregungspuls? Das wäre schlecht für die Resonanz. Aber es gibt noch Hoffnung.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Dieser Tage ist die Landesausstellung "Typisch Franken?" in Ansbach eröffnet worden, alles bestens, Zuspruch gibt es, an großen Worten ist kein Mangel. Kunstminister Markus Blume etwa will beobachtet haben, dass "Franken nun im Olymp angekommen" sei, was für die Einheimischen gewiss gut zu wissen ist. Allein um den Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, wird man sich leichte Sorgen machen müssen. Vor einigen Monaten hat er in den Nürnberger Nachrichten angedeutet, er wäre "richtig enttäuscht", wenn sich in der "Höhle des Löwen" - Franken - niemand auf den Schlips getreten fühlte. Stimmt natürlich: Eine zünftige innerbayerische Rauferei wäre schon gut für die Resonanz.

Nun mag ein Entrüstungssturm noch nicht auszuschließen sein, bislang aber ist er nicht über Loibl herniedergegangen. Was daran liegen könnte, dass Ausstellungskataloge etwas zum Mitnehmen und ins Regal stellen sind. Aber auch lesen?

Diesen sollte man. Schon die süffig niedergeschriebene Episode, wie da ein Museumschef eine Ausstellung politisch aufs Auge gedrückt bekommt, ist ein Stück bayerischer Kulturgeschichte. Der berüchtigte Sponti Horst Seehofer, damals Ministerpräsident, weist auf dem Tag der Franken 2016 eine Landesausstellung an, noch am selben Tag klingeln, so Loibl, "in Gestalt meines Handys die Alarmglocken". Ein "lieber Kollege von der Staatskanzlei" informiert ihn: "Du pass auf, auf Euch rollt was Fränkisches zu." Loibl habe das aber "ehrlich gesagt nicht ernst genommen" und sich "in bewährter Beamtenmanier" einfach mal tot gestellt. Bis er in die Staatskanzlei zitiert wurde.

So läuft das also. Nach der Episode knöpft sich Loibl dann die Franken vor. "Begeisterungsstürme in Form einer Bewerbungsflut" habe die angekündigte Ausstellung bei jenen nicht ausgelöst: exakt zwei "ernstzunehmende" Bewerber. Rumms. Was hinter den - unterstellten - "fränkischen Minderwertigkeitskomplexen" steckt? Laut Loibl verbirgt sich dahinter "eine in der Regel erfolgreiche politische Strategie", damit Politik und Verwaltung "vorsorglich und vorauseilend für gute fränkische Ausstattungen" sorgen. Zack.

Der Franke also quasi als versierter Komplexgewinnler. So hat die Gründung des "Museums der Zukunft" in Nürnberg laut Loibl "im Umkehrschluss" gerade nicht zur "Gegen- und Mitgründung" eines Museums im Süden Bayerns geführt! Öha. Dass jenes Neu-Museum die (wenn auch sündteure) Minimal-Filiale eines singulären Hauses in München ist, lässt der listige Loibl da mal lieber weg. Nicht dass sich am Ende wirklich keiner aufregt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB