Autodesign 2014:Fahrend auf der Stelle treten

Lesezeit: 6 min

Der neue BMW X6

Der neue BMW X6 ist nicht nur wuchtig, er sieht auch so aus.

(Foto: STG)

Wenn es einen Designtrend 2014 gibt, dann den, dass zu viel Form auf zu wenig Fläche untergebracht wird. Mercedes und BMW liefern Spektakuläres, während Audi vor dem Neuanfang steht.

Von Hans Ulrich von Mende

Neuwagenrückrufe sind inzwischen an der Tagesordnung, Rückrufe für Designflops wären zwar bisweilen wünschenswert, sind aber, soweit bekannt, noch nie vorgekommen. Man braucht schon Geduld, um auf die nächsten Modellauffrischungen zum Ausbügeln von Irrtümern zu warten. Meist dauert das einige Jahre.

Andererseits müssen Autodesigner die Entwicklung weit voraus denken, denn erst nach Jahren sind ihre Ideen zu Blech geworden. Eine Branche also, in der Zeitversatz eine zentrale Rolle spielt. Was auch bis in persönliche Verantwortungen reicht: So mancher Chefdesigner hat den Arbeitgeber schon wieder gewechselt, wenn sein letztes Modell noch nicht einmal auf der Straße rollt.

Winzlinge, die ihren Witz verlieren

Die eindringlichste Botschaft am Ende des Autojahres 2014 heißt: Die Kleinsten halten mit. Der neue Smart (Fahrbericht vorige Seite) strahlt bedingungslose Freundlichkeit aus. Er ist keinen Zentimeter länger geworden, der Wendekreis bleibt winzig. Dafür quillt die Karosse jetzt aus ihrem ursprünglichen Volumen. Aberwitzig erscheint uns das winzige Heckfenster, zusätzlich reduziert durch schwarz abgedeckte Glasflächen, ein Jammer im Vergleich zum Urmodell. Glupschaugen prägen nun seine Front und ein grinsender, dicker, fein gelöcherter Grill unter bauchiger Haube. Letztere ist dem Fußgängerschutz geschuldet und nicht etwa der Idee des Designers. Insgesamt wirkt das alles wenig smart. Auch der Innenraum frönt konsequent den ausrundenden Motiven. Die viertürige Variante, der Smart Forfour, hält da wacker mit und zeigt als Technikableger des Renault Twingo, dass Winzlinge ihren Witz verlieren, wenn sie einen auf dick machen.

Die eindringlichste Botschaft für das Modelljahr 2014 heißt: Auch die Kleinsten halten mit

Eine Etage höher diszipliniert sich der neue Opel Corsa. Er orientiert sich hart am Vorgänger, fördert aber gleichzeitig die neue Opel-Designsprache. Ein breiter Grill mit Chromspange, bekannt vom Adam, rutscht tiefer. Die Augen sind modisch gestuft, machen Platz für markentypisches Fahrlicht in Hakenform, denn jede Marke hat inzwischen ihr leuchtendes Erkennungsmotiv bei Nacht, vorne wie im Heck.

Als Detailfehler erkennt man beim Zweitürer die schwarze Zunge am hinteren Fenster, am Viertürer die ungelenke Fensteröffnungslinie an der C-Säule. Trost spendet dagegen der ruhige Innenraum. Material, Oberflächen und Details könnten insgesamt zurückhaltender sein. Bekannt ist, dass uns Opel unterhalb des Corsa demnächst noch den Karl bescheren wird. Nach dem was bisher zu sehen war, ist dieses Auto zu klein für manche Formidee. Weitere Modelle dürften aber folgen, der alte Opel hatte schließlich fünf Söhne, da ist noch Raum für neue Namen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB