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Opel Corsa E im Fahrbericht:Im konservativen Lager

Opel Corsa E Fünftürer

Der Einstiegspreis des neuen Opel Corsa liegt bei 11 980 Euro. Der Fünftürer ist 750 Euro teurer.

(Foto: Adam Opel AG)

Der Erfolg ist zu Opel zurückgekehrt - und mit ihm das Selbstbewusstsein. Umso erstaunlicher, dass die Macher des neuen Corsa der Mut verlassen hat. Reicht es trotzdem, um die starke Konkurrenz zu überflügeln?

Es ist paradox. Da ist der Corsa seit über acht Jahren auf dem Markt, und plötzlich liegt er an der Spitze der Zulassungsstatistik im Kleinwagen-Segment. 5912 Autokäufer entschieden sich im September für den in Eisenach und Saragossa gebauten Opel - fast 2000 mehr als für den ebenfalls betagten Škoda Fabia und knapp 100 mehr als für den kürzlich aufgefrischten VW Polo. Dennoch bringen die Rüsselsheimer Strategen zum Jahreswechsel die neue, fünfte Generation des Corsa zu den Händlern. Ist das ein unnötiger Zug, da der seit 2006 angebotene Corsa D noch gut funktioniert?

Neuvorstellung Opel Corsa

Inspiration vom kleinen Bruder

Nein, Opels Entscheidung ist goldrichtig. Denn die September-Zahlen waren für den Corsa ein Ausreißer nach oben. Seit Jahresbeginn liegt der Polo in der Absatz-Hitparade mit fast 6500 mehr verkauften Autos weit vorne. 2013 gewann der Wolfsburger das Rennen gar mit knapp 19 000 Autos Vorsprung. Und hinter dem Führungsduo lauert der neue, gelungene Škoda Fabia, der im November zu den Händlern kommen wird, als nächster ernstzunehmender Konkurrent.

Außen Evolution, innen Revolution

Für Opel hängt vom Erfolg des Kleinwagens viel ab. Es gilt, den mit den letzten Neuvorstellungen Mokka, Adam und Insignia Facelift begonnenen Aufschwung fortzuführen. Deshalb setzen die Rüsselsheimer beim Corsa auf Bewährtes. Beispiel Design: Von vorne ist er erst auf den zweiten Blick vom kleineren Adam zu unterscheiden, hinten ein geschrumpfter Klon des Astra GTC. In der Seitenansicht hat sich im Vergleich zum Vorgänger kaum etwas geändert. Man könnte das Team um den federführenden Designer Carsten Aengenheyster mit dem Vorwurf der Mutlosigkeit konfrontieren - was man gegenüber den Kollegen in Wolfsburg oder im tschechischen Mladá Boleslav in schöner Regelmäßigkeit tut. Doch die haben meist das Argument der Absatzzahlen auf ihrer Seite, was die konservative Herangehensweise der Opel-Gestalter umso verständlicher macht.

Das Cockpit des Opel Corsa E.

Im Innenraum macht der neue Opel Corsa in allen Bereichen einen Schritt nach vorne.

(Foto: Axel Wierdemann; Adam Opel AG)

Im Corsa-Innenraum setzt Opel jene Aufräumarbeiten fort, die schon der Adam und der Insignia über sich ergehen lassen mussten. Wo einst unzählige Knöpfchen und Drehregler die Mittelkonsole überfrachteten, rahmen nun nur noch wenige Tasten den Sieben-Zoll-Touchscreen des je nach Ausstattung zwischen 300 und 950 Euro teuren Intelli-Link-Bediensystems ein. Die wichtigsten Funktionen lassen sich nun über das Lenkrad oder das übersichtliche Touchscreen-Menü steuern - ein großer Schritt vorwärts gegenüber dem Vorgänger.

Schöner wohnen im neuen Corsa

Auch die Materialauswahl und das Platzangebot haben lobende Worte verdient. Haptisch angenehme Soft-Touch-Kunststoffe und schicke Applikationen in Metall-, Klavierlack- oder farbiger Ausführung lassen den Innenraum des Vorgängers schlagartig altbacken und langweilig aussehen. Platz gibt es vorne und hinten genug. In puncto Kniefreiheit sogar besonders viel, da die Rückseiten der Vordersitze in diesem Bereich über eine Aussparung verfügen - eine simple, aber wirkungsvolle Lösung. Der Kofferraum fasst 285 Liter, ist gut geschnitten und verfügt über zusätzlichen Stauraum unter dem Laderaumboden. Maximal stehen 1090 (Dreitürer) oder 1120 Liter (Fünftürer) für das Gepäck zur Verfügung.

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Test
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Dennoch ist das Interieur nicht frei von Schwächen. Zum einen sitzt die Klimaregelung etwas zu tief in der Mittelkonsole. Ob die im Lendenwirbelbereich ungewöhnlich geformten und mit zu weichen Außenwangen ausstaffierten Vordersitze auf Dauer unbequem werden, muss ein ausführlicher Test zeigen. Bereits auf den ersten Probefahrten wurden aber die Mängel des Navigationssystems offensichtlich. Die auf einem mit dem Auto per USB verbundenen iPhone (auch Android wird von dem System unterstützt) installierte und etwa 50 Euro teure Software "BringGo" scheiterte mehrfach, die richtige Route zu laden, stürzte hin und wieder ab und hatte Probleme mit der deutschen Grammatik.

Könnte man das letzte Manko als charmante Eigenheit akzeptieren, nervt das abrupte und rigorose Unterbrechen der Musikunterhaltung bei Navigationsansagen ungemein. Wenn die Lieblingstitel immer wieder unvermittelt unterbrochen werden, wünscht man sich insgeheim die gute alte Straßenkarte zurück - oder ein mobiles Navi an der Windschutzscheibe. Schon erstaunlich, dass die Autobauer mit ihren internetbasierten Navigationslösungen solche Schwierigkeiten haben, denn auch im neuen Škoda Fabia wirkte die Orientierungshilfe unausgereift.