Test Opel Meriva 1.6 CDTI:Gutgelaunter Familienfreund

Opel Meriva

Das Facelift des Opel Meriva ist am verchromten Kühlergrill zu erkennen.

(Foto: Adam Opel AG)

Die Ansprüche an einen Minivan sind eindeutig: viel Platz, angenehm im Umgang, anspruchsloses Wesen. Im Test muss der Opel Meriva zeigen, ob er das alles zu einem vernünftigen Preis realisieren kann.

Von Thomas Harloff

Freundlichkeit hat im Straßenverkehr leider selten Platz. Kampflustige Fahrer treffen auf immer aggressiver geformte Autos. Da ist der kürzlich umfangreich aufgefrischte Opel Meriva eine willkommene Ausnahme. Denn während andere Modelle ihre Scheinwerfer grimmig zusammenkneifen, blickt Opels Minivan mit weit geöffneten, wachen Augen in die Welt und zieht die Mundwinkel lächelnd nach oben.

Doch wie im Zwischenmenschlichen ist es auch bei Autos: Äußerlichkeiten können verführen. Auf Dauer aber zählen die inneren Werte.

Die erste Kontaktaufnahme verläuft positiv. Große Fensterflächen und weit nach oben verlagerte Sitze schaffen ein großzügiges Raumgefühl und eine gute Rundumsicht. Die verschieb- und versenkbare Rücksitzbank sorgt entweder für mehr Kniefreiheit im Fond oder vergrößert den Kofferraum. Für Gepäck stehen 400 bis 1500 Liter zur Verfügung. Die gegenläufig öffnenden Türen sollte man eher als Designspielerei denn als wirklich nützliches Merkmal interpretieren.

Der Innenraum des Opel Meriva

Materialien und Verarbeitung im Meriva-Cockpit sind okay. Allerdings sind die Bedienelemente unübersichtlich angeordnet.

(Foto: Adam Opel AG)

Flüsterdiesel ist lauter als gedacht

Bei der Güte der verwendeten Materialien hat Opel inzwischen zu den meisten Konkurrenten aufgeschlossen. Das gilt auch für den rundum soliden Meriva. Allerdings muss er sich bei der Bedienbarkeit Kritik gefallen lassen. Der Bildschirm lässt sich zwar als Touchscreen nutzen, ist aber viel zu weit vom Fahrer entfernt. Also muss die althergebrachte Mittelkonsole bemüht werden, die mit Drehknöpfen und Tasten überfrachtet und deshalb unübersichtlich ist.

Das im Testwagen installierte 1.6-CDTI-Triebwerk soll laut Opel ein "Flüsterdiesel" sein. Allerdings knurrt der Vierzylinder, sobald man den Zündschlüssel dreht, eher ungehobelt vor sich hin. Kultiviertheit und Laufruhe nehmen mit steigender Motortemperatur zwar zu, das typische Diesel-Nageln haben Opels Motoreningenieure dem Triebwerk jedoch nicht komplett austreiben können.

Doch das ist nicht das einzige Manko. Der Motor, der bereits die ab September 2014 gültige Euro-6-Abgasnorm erfüllt, kann seine Anfahrschwäche ebenso wenig verhehlen wie das ausgeprägte Turboloch. Ist er dort erst einmal herausgeklettert und die Nadel des Drehzahlmessers oberhalb von 2000 Umdrehungen angekommen, geht es flott voran. Von null auf 100 km/h beschleunigt der Meriva 1.6 CDTI in 9,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 197 km/h.

Der Motor des Opel Meriva 1.6 CDTI.

Der 1,6-Liter-Turbodiesel ist neu im Meriva-Programm. In Kürze folgt eine 110-PS-Variante, die besonders sparsam sein soll.

(Foto: www.weigl.biz; Adam Opel AG)

Agil, komfortabel und günstig

Fahrdynamisch gehört der Opel Meriva zu den besseren Vertretern seiner Klasse. Wer möchte, eilt ebenso sicher wie agil um Kurven, die sich mit der zielgenauen Lenkung sehr gut anpeilen lassen. Wer es eher gemütlich angehen lässt, genießt den ordentlichen Federungskomfort und die bequemen Sitze. Feinschliff braucht dagegen das etwas hakelige Getriebe, dessen Schaltwege zudem zu lang geraten sind.

Zusammengefasst ist der Opel Meriva ein homogenes Auto, das alles mitbringt, was ein Minivan haben muss. Kritik muss er sich für seinen Antriebsstrang gefallen lassen. Motor und Getriebe harmonieren zwar nicht schlecht, aber hier hat Opel weiterhin Nachholbedarf. Zumal er den versprochenen Durchschnittsverbrauch von 4,4 Litern nicht erreicht. Im Test hat er sich 6,0 Liter Diesel auf 100 Kilometer genehmigt.

Dafür stimmt der Preis. Mit dem 1,6-Liter-Dieselmotor kostet der Meriva 23 350 Euro aufwärts. In der getesteten Topausstattung "Innovation" schlägt er mit mindestens 24 890 Euro zu Buche. Zum Vergleich: Sein neuer Rivale VW Golf Sportsvan ist mit 150 Diesel-PS erst ab 28 350 Euro zu haben.

Technische Daten Opel Meriva 1.6 CDTI ecoFlex:

R4-Turbodieselmotor mit 1,6 Litern Hubraum; 100 kW (136 PS); max. Drehmoment: 320 Nm bei 2000/min; Leergewicht: 1518 kg; Kofferraum: 400 - 1000 l; 0 - 100 km/h: 9,9 s; Vmax: 197 km/h; Testverbrauch: 6,0 l / 100 km (lt. Werk: 4,4 l; CO₂-Ausstoß: 116 g/km); Euro 6; Grundpreis: 23 350 Euro

© SZ.de/reek/leja
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