bedeckt München 26°

Nissan GT-R im Test:Beim ersten Mal tut's noch weh

Der Nissan GT-R im Fahrbericht

Der Nissan GT-R ist schneller als ein Porsche 911 Turbo S - kostet mit 96 400 Euro aber nur die Hälfte.

(Foto: Nissan)

Ein Sportwagen soll Spaß machen. So wie der Nissan GT-R mit 550 PS. Aber wie viel bleibt davon übrig, wenn man auf der Autobahn stundenlang jede Bodenwelle spürt? Ein Selbstversuch.

Zuerst fallen diese riesigen Auspuffrohre auf. Vier Stück an der Zahl, in der Größe der Oberschenkel von Ben Johnson bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Als dieser vollgepumpt mit illegalen Substanzen den Startblock in Grund und Boden trat und die Goldmedaille über 100 Meter gewann.

Doping ist auch der einzige passende Begriff, der einem beim Nissan GT-R einfällt: 550 PS, V6-Biturbomotor, Doppelkupplungsgetriebe, von null auf 100 in 2,7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 315 km/h, zum Preis von etwa 96 000 Euro. Auf der Teststrecke des britischen Automagazins Top Gear schlug er bei seinem Debüt 2008 Aston Martin DB9, Ford GT und Lamborghini Murciélago LP640.

BMW 4er Coupé Zu perfekt, um ein BMW zu sein
BMW 435i Coupé im Test

Zu perfekt, um ein BMW zu sein

Er ist schön, schnell, stark - und teuer. Im Test zeigt das BMW 435i Coupé kaum Schwächen. Trotzdem wird es nicht jeden eingefleischten BMW-Fan überzeugen können.   Von Thomas Harloff

Die Sinnfrage sollte man bei solch einem Auto besser nicht stellen. Es gibt keinen, vom Spaß mal abgesehen. Dabei gilt der Nissan GT-R als alltagstauglicher Sportwagen. Der Kofferraum ist mit 315 Litern geradezu opulent für ein Auto dieser Art, auf den Notsitzen können tatsächlich zwei Personen Platz nehmen - wenn keiner von ihnen über 1,70 Meter groß ist. Aber es gibt auch die ruppige Seite des GT-R. Das straffe Fahrwerk zum Beispiel oder der Geräuschpegel, der nicht nur von Motor und Auspuff herrührt, sondern auch vom Fahrwerk, dem Getriebe und den Differentialen. Kein Problem bei einer ein- oder zweistündigen Tour am Wochenende durch die Berge. Führt der Weg über mehrere Stunden auf der Autobahn stur geradeaus, bleibt vom Fahrspaß jedoch nicht viel übrig. Oder?

Um das zu testen, mache ich mich an einem Freitagabend im Nissan GT-R auf den Weg von München in das rund 420 Kilometer entfernte Wiesbaden. Die Sitze des Sportwagens empfangen mich wie die Hände eines türkischen Masseurs. Hin- und Herrutschen unmöglich. Ich starte den Motor und der Nissan grollt tiefbrummend auf. Nur ein kleiner Druck auf das Gaspedal genügt und der Sportwagen schießt nach vorn. Separate Kupplungen sorgen dafür, dass es beim Schalten keine Verzögerungen gibt. Eine von ihnen übernimmt die geraden Gänge, die andere die ungeraden. Die Automatik wechselt blitzschnell die Gänge, im Sportmodus "R" in 0,15 Sekunden. Die Beschleunigung ist immens und presst mich in den Sitz. Das ist besser als jede Achterbahn. Während Standardfahrzeuge jede Bodenwelle schlucken, spürt man sie im GT-R. Selbst die Beschaffenheit des Fahrbahnbelags ist durch das Lenkrad zu erahnen. Trotzdem ist der Nissan irgendwie bequem.

Der Innenraum des Nissan GT-R

Herumrutschen gibt es nicht in den Sitzen des Nissan GT-R. Sie umfassen seinen Fahrer wie die Hände eines türkischen Masseurs.

(Foto: Nissan)

Ein Bordcomputer direkt aus der PlayStation

Nach einer Stunde stehe ich im ersten Stau. Zeit, sich mit dem Innenleben des Sportwagens zu beschäftigen. Auf dem Display in der Mitte des Cockpits gibt es Anzeigen zu Motoröldruck, Getriebeöldruck, Ladedruck. Hauptsache Druck. Eigentlich fehlt nur eine Anzeige zum eigenen Blutdruck. Dass diese Spielerei an die PlayStation von Sony erinnert, ist kein Wunder. Nissan entwickelte sie zusammen mit Polyphony Digital, dem Erfinder von "Gran Turismo". Ähnlich wie bei der Rennsimulation gibt es im Nissan GT-R aber eh nur eine Richtung, in der sich die Anzeigen bewegen: nach oben.

Der Motor des Nissan GT-R

Der V6-Motor des GT-R leistet 550 PS. Das beschleunigt ihn in 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

(Foto: Nissan)

Auf der Autobahn geht es derweil weiter. Ein BMW M3 prescht vorbei, bremst, hupt, lässt das Fenster herab und reckt seinen Daumen nach oben. So sieht wohl das internationale Erkennungszeichen für PS-Liebhaber auf deutschen Straßen aus. Ich quittiere es damit, dass ich mühelos an dem Daumen vorbeiziehe.