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VW Passat im Fahrbericht:Spießer aus Überzeugung

VW Passat Variant

Der neue VW Passat kostet zum Marktstart mindestens 30 250 Euro. Der Kombi, der weiterhin Variant heißt, kostet gut 1000 Euro mehr.

(Foto: Volkswagen AG)

Ja, der neue Passat ist langweilig. Aber auch richtig gut. Das liegt an viel ausgeklügelter Technologie, doch die kostet einen gehörigen Aufpreis. Und nicht alles, was angeboten wird, ist sinnvoll.

Pedanten hätten ihre helle Freude an diesem Bild. Akkurat sind die Mittelklasseautos aufgereiht, die dort auf dem Parkplatz des Flughafens in Olbia stehen. Millimetergenau sind sie ausgerichtet, wie Soldaten bei einer Militärparade. Ein Bild voll Symmetrie - und die passt wunderbar zum vorgestellten Auto.

Dutzende neue VW Passat stehen auf Sardinien zur ersten Ausfahrt bereit. Der Wagen der Wahl von Tausenden Außendienstlern und Familienoberhäuptern, der Inbegriff automobiler deutscher Gründlichkeit, will von der deutschen Journalistenmeute probegefahren werden. Da die mit reichlich Chrom verzierten Kühlergrills in der Sonne um die Wette funkeln, ergänzt ein Hauch von Kitsch die Szenerie.

Der neue VW Passat in Bildern

Biedermann mit Hightech-Spielereien

Einmal in der achten Generation des Wolfsburger Mittelklässlers platzgenommen, bleibt vom Kitsch nichts übrig. Der Deutschen liebster Dienstwagen, vom Hersteller in der höchsten Ausstattungslinie "Highline" zur Verfügung gestellt, präsentiert im Innern gerade Linien, eine saubere Verarbeitung und angenehme Materialien. Das Cockpit versprüht zwar einen technokratischen Charme, sorgt mit seinem klaren Design und dieser gewissen VW-Vertrautheit sofort für Entspannung, statt mit gestalterischen Experimenten zu überfordern.

Digitale Instrumente als nette Spielerei

Schaut man genauer hin, fallen dann doch einige Eigenheiten auf. Etwa der Bereich der Lüftungsdüsen. Deren waagerechte Streben erstrecken sich in Form einer Blende oberhalb des Handschuhfachs über die gesamte Beifahrerseite bis zum rechten Luftausströmer - eine ebenso simple wie elegante Lösung, die kein anderes Auto bietet. Oder eine nette Spielerei, die 650 Euro teure volldigitale Instrumentierung: Wo sonst analoge Tachos und Drehzahlmesser sitzen, befindet sich im Passat auf Wunsch ein TFT-Monitor mit einer Bildschirmdiagonale von 31 Zentimetern. Der stellt Geschwindigkeits- und Drehzahlmesser auch als Rundinstrumente dar, lässt sich vom Fahrer aber individuell anpassen. Will der Pilot lieber die aktuelle Route als das derzeitige Tempo genau im Auge behalten, lässt sich die Karte des Navigationssystems vergrößern. Gleichzeitig werden die Instrumente kleiner und deren Skalierung gröber - wenn auch der Unterschied zwischen den Ansichten nicht allzu groß ist.

Der Innenraum des neuen VW Passat Variant.

Auf Wunsch verfügt der neue Passat über digitale Instrumente. Die mittige Navi-Karte kann vergrößert werden.

(Foto: Volkswagen AG)

Ganz ohne Extrakosten gibt es viel Platz im Innenraum. Vor allem im Fond, dessen Bein- und Kopffreiheit manches Auto nicht bieten kann, das eine Klasse höher angesiedelt ist. Das lässt sich auch über den Passat-Kofferraum sagen: Die Limousine bietet ein Fassungsvermögen von 586 Litern, der Variant schluckt zwischen 650 und 1780 Liter Gepäck. In beiden Fällen lassen sich die Gepäckabteile einfach und bequem mit einem Handgriff erweitern. Wer 810 Euro extra investiert, muss beim Großeinkauf auf dem Supermarktparkplatz noch nicht einmal die Tüten aus der Hand legen. Ein kurzer Tritt unter die Heckstoßstange genügt, und die Kofferraumklappe öffnet sich von selbst - ein im Familienalltag sinnvolles, wenn auch teures Ausstattungsdetail.

Die 150-PS-Motoren überzeugen

Ein Passat muss aber nicht nur beim Wocheneinkauf, sondern vor allem auf der Autobahn überzeugen. Gerne in der Hand von Außendienstlern, die Strecke machen wollen, ohne ständig nachtanken zu müssen. Die werden bevorzugt den 150 PS starken Zweiliter-Turbodiesel wählen. Mit dem kann man nichts falschmachen, da der Kompromiss aus Kraft und Sparsamkeit stimmt.

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Zwar lockt ein weiterer Selbstzünder, ein ebenfalls zwei Liter großer TDI, mit 240 PS und einem um 160 Newtonmeter größeren Drehmoment-Maximum (500 statt 340). Aber der kostet im Vergleich zum kleinen Diesel ausstattungsbereinigt fast 9000 Euro Aufpreis - und präsentiert sich während der Testfahrt über die kurvigen Bergstraßen Sardiniens nicht ganz so potent, wie es die Daten vermuten lassen. Er begeistert mit toller Laufkultur, aber den letzten Druck im mittleren Drehzahlbereich lässt er vermissen - das Hubraummanko im Vergleich zu den auf dem Papier ähnlich starken Sechszylinder-Dieseln der Konkurrenz macht sich deutlich bemerkbar.