Energie:Gas ist doppelt so teuer wie im Vorjahr

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Energie: Ein Kraftwerk in Hannover: Deutschland braucht Gas zum Heizen, zur Stromerzeugung und als Rohstoff für die Industrie.

Ein Kraftwerk in Hannover: Deutschland braucht Gas zum Heizen, zur Stromerzeugung und als Rohstoff für die Industrie.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Je länger die Energiekrise andauert, desto mehr müssen Haushalte für Heizung und Strom zahlen. Ein Embargo auf russisches Gas würde die Lage verschärfen, warnt Eon.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Wer dieser Tage einen neuen Energieversorger sucht, etwa umzugsbedingt oder weil ein Vertrag ausläuft, erlebt ein ziemlich böses Erwachen. So zahlen Haushalte im bisherigen Jahresschnitt 13 bis 14 Cent je Kilowattstunde Gas, fast doppelt so viel wie im Mittel des Vorjahrs. Das berichtet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf Basis aktueller Tarife. Gas ist der mit Abstand wichtigste Brennstoff für Heizungen in Deutschland.

Der Verband verweist darauf, dass die Beschaffungskosten der Versorger in den vergangenen Monaten extrem gestiegen seien. "Seit dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine hat sich die Lage an den Energiemärkten noch einmal verschärft." So sei Gas im Großhandel fast fünfmal so teuer wie Anfang 2021, sagt BDEW-Chefin Kerstin Andreae. Zwar kaufen viele Versorger Gas über Jahre im Voraus ein, zudem besteht der Preis für Privatleute auch aus Netzentgelten und Steuern. Andreae mahnt gleichwohl: "Je länger das Preisniveau hoch bleibt, desto mehr werden sich die Großhandelspreise jedoch in den Tarifen niederschlagen und diese auch auf längere Sicht beeinflussen."

Energie: Kerstin Andreae war lange Grünen-Politikerin, bevor sie Ende 2019 als Hauptgeschäftsführerin zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wechselte.

Kerstin Andreae war lange Grünen-Politikerin, bevor sie Ende 2019 als Hauptgeschäftsführerin zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wechselte.

(Foto: Klaus W. Schmidt/imago images)

Deutschlands größter Energieversorger Eon betont, das Problem sei eine mögliche Verknappung von Öl und vor allem von Gas. Zwar boykottiert die EU Gasimporte aus Russland bislang nicht; im Raum steht aber das Risiko, dass Moskau von sich aus Lieferungen einstellen könnte. "Ein Gasembargo oder Lieferstopp würde das Problem verschärfen", warnt Eon-Chef Leonhard Birnbaum in seiner vorab veröffentlichten Rede zur Hauptversammlung in der kommenden Woche.

Für Haushalte, die zur Miete wohnen, ist die Lage noch intransparenter. Sie wissen in der Regel nicht, zu welchen Preisen ihr Vermieter Gas oder Öl für die Heizung bezieht. Die Kapriolen am Energiemarkt dürften mithin erst in den Heizkostenabrechnungen durchschlagen, die Mieter Mitte dieses und vor allem Mitte nächsten Jahres erwarten. Rolf Buch, Chef von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen Vonovia, sagt bereits: "Wir beraten unsere Mieterinnen und Mieter, damit sie Rücklagen schaffen und die Vorauszahlungen für Energie erhöhen."

Strom ist in diesem Jahr bislang 15 Prozent teurer als im Vorjahresschnitt

Doch das teure Gas zieht mittelbar auch den Strompreis nach oben. Denn wie viel Geld frisch erzeugter Strom an der Börse kostet, hängt von den Produktionskosten des letztteuren Kraftwerks ab, das gerade noch für die Versorgung gebraucht wurde. Nicht selten sind das Gasmeiler. In der Folge zahlen Privathaushalte im bisherigen Jahresmittel gut 37 Cent je Kilowattstunde Strom. Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahresschnitt, berichtet der BDEW.

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung betont, dass teure Energie vor allem Haushalte mit vergleichsweise niedrigen Einkommen belaste: Sie müssten zum Teil auf andere Dinge verzichten, damit sie trotzdem noch Heizkosten, Strom oder Sprit bezahlen können. "Wir sehen immer deutlicher, welchen sozialen Sprengstoff die Preisentwicklung der vergangenen Monate birgt", mahnt Malte Lübker vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung.

Um den Preisanstieg zu dämpfen, hat der Bundestag Ende April beschlossen, dass Stromkunden von Juli an keine EEG-Umlage mehr zahlen müssen. Diese Abgabe für die Förderung erneuerbarer Energien macht bislang gut 3,7 Cent pro Kilowattstunde Strom aus. Die Förderung will der Bund stattdessen mit Einnahmen für CO₂-Emissionsrechte und Zuschüssen bezahlen. Dies allein könne freilich "die extrem gestiegenen Beschaffungskosten nicht abfedern", unkt Andreae. Der BDEW fordert daher, dass der Bund als nächsten Schritt die Stromsteuer oder den Mehrwertsteuersatz auf Strom senken könnte.

Zudem hilft jede eingesparte Kilowattstunde, wie schon Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck betonte. "Energiesparen senkt nicht nur die Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher", wirbt Andreae, "sondern trägt auch dazu bei, dass unsere Gasspeicher befüllt werden und damit für eine Engpasssituation vorgesorgt werden kann."

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