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Bundesliga:Frankfurt fährt Ski in Berlin

GER, DFL, 1.FBL, Hertha BSC vs. Eintracht Fankfurt / 13.06.2020, OLympiastadion, Berlin, GER, DFL, 1.FBL, Hertha BSC vs

Daichi Kamada dribbelt unaufhaltsam durch den Berliner Strafraum.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Die Eintracht dribbelt und zaubert beim 4:1 im Olympiastadion. Freiburg überlistet Wolfsburg blitzschnell und kurios. Alles Wichtige zum Spieltag.

Von Tim Brack und Lisa Sonnabend

Hertha BSC - Eintracht Frankfurt 1:4 (1:0), Tore: 1:0 Piatek (24.), 1:1 Dost (51.), 1:2 Silva (62.), 1:3 N'Dicka (68.), 1:4 Silva (86.)

Unter Bruno Labbadia strotzte Hertha BSC im Berliner Olympiastadion zuletzt vor Selbstvertrauen. Auch gegen Eintracht Frankfurt war das zu merken - Krzysztof Piatek schoss die Führung, indem er sich mit Wucht zwischen zwei Frankfurter Verteidigern durchstieß. Wie diese heimstarke Labbadia-Elf zu schlagen ist? Mit zauberhaftem Kombinhationsfußball! Eintracht Frankfurt überbot sich mit schönen Toren: Erst traf Bas Dost aus spitzem Winkel, dann dribbelte Daichi Kamada famos durch den Strafraum und legte auf Andre Silva ab, der mit der Hacke verwandelte. "Er hat gewirkt wie ein Slalomläufer. Wenn er nicht ausschauen würde wie ein Japaner, hätte ich gedacht, er ist ein Österreicher, vielleicht ein guter Skifahrer", lobte sein Trainer Adi Hütter, selbst Österreicher. Auch Danny da Costa bewies seine Dribble-Künste: Er setzte sich gegen fünf Berliner durch, brachte den Ball zu Evan N'Dicka, der wuchtig ins Eck schoss. Silva traf sogar noch einmal. Bemerkenswert: Er war nach der Halbzeit eingwechselt worden. "Wir haben die Tore zu einfach kassiert. Wir haben nicht gut miteinander verteidigt und uns zu einfach ausspielen lassen", befand Labbadia.

Die Schlüsselszene trug sich aber vor all den Frankfurter Toren zu: Kurz vor der Halbzeit hatte Berlins Innenverteidiger Dedryck Boyata als letzter Mann Bas Dost zu Fall gebracht. Kurz vor dem Strafraum berührte er den Fuß des Stürmers leicht, aber eben im Vollsprint. Das reichte, um Dost aus dem Tritt zu bringen. Boyata sah Rot (zunächst wollte Schiedsrichter Robert Hartmann Gelb und Elfmeter geben, doch nach Ansicht der Videobilder entschied er sich um). Die Frankfurter nutzten die Überzahl dann beeindruckend. Das Selbstbewusstsein der Hertha dürfte nach dieser Abreibung ein bisschen geringer sein. Frankfurt hofft hingegen noch auf das internationale Geschäft. "Das tut zu diesem Zeitpunkt sehr, sehr gut. Die Mannschaft hat eine Top-Mentalität, unsere Mannschaft hat immer Charakter gehabt", sagte Hütter. "Wir müssten für die Europa-League-Qualifikation alle Spiele gewinnen und sind dann noch angewiesen auf die Konkurrenz. Aber man will immer das Bestmögliche aus einer Mannschaft herausholen."

Fortuna Düsseldorf - Borussia Dortmund 0:1 (0:0), Tore: 0:1 Haaland (90.+5)

Als der BVB Ende Mai mit 0:1 gegen den FC Bayern verlor, tat der Klub dem Rivalen einen großen Gefallen - die Meisterschaft war zwar noch nicht entschieden, aber vorentschieden. An diesem Samstag muckte das Team von Lucien Favre noch einmal ein wenig auf: Hätte Dortmund gegen Düsseldorf verloren, hätte der FC Bayern am Abend den 8. Meistertitel in Serie eintüten können. Diesmal erwies Dortmund den Münchnern den Gefallen nicht.

Der BVB trat gegen Düsseldorf lange ziemlich lahm auf. In der 17. Minute lief BVB-Mittelfeldspieler Achraf Hakimi allein auf das Fortuna-Tor zu, doch er schoss zu zaghaft, Florian Kastenmeier wehrte den Ball mit dem Fuß ab. Danach passierte lange nichts. Erst als nach 60 Minuten Erling Haaland eingewechselt wurde, sorgte der BVB für Unruhe. Raphael Guerreiro traf nach einem Konter - doch das Tor wurde aberkannt, der Portugiese hatte den Ball mit dem Arm angenommen. Die Fortuna verteidigte gut und hielt dagegen. Steven Skrzybski schob in der 82. Minute den Ball durch die Beine von Mats Hummels, der Pfosten bewahrte den BVB jedoch vor dem Rückstand. Acht Minuten später traf Skrzybski erneut den Pfosten. Und dann lief die fünfte Minute der Nachspielzeit - Haaland traf doch noch. Nach einer Flanke von Manuel Akanji kam der unbewachte Norweger mit dem Kopf an den Ball. BVB-Trainer Favre jubelte, als habe er die Meisterschaft gewonnen. "Am Ende war es ein wenig Glück für uns, aber wir haben alles probiert", sagte er später.

VfL Wolfsburg - SC Freiburg 2:2 (2:1), Tore: 1:0, 2:0 Weghorst (14., 27./Elfmeter), 2:1 Höler (43.), 2:2 Sallai (46.)

Um dem Streben nach der Europa League Vehemenz zu verleihen, stellte VfL-Trainer Oliver Glasner seine beiden imposantesten Stürmer gleichzeitig auf: Daniel Ginczek misst 1,91 Meter, Wout Weghorst gar 1,97 Meter. Ihre Wucht entfaltete sich nach zehn Minuten. Das erste Tor hatte etwas von einer gut einstudierten Choreografie: Ginczek kreuzte durch den Freiburger Strafraum, Weghorst setzte sich dahinter ab und schoss die Vorlage von Renato Steffen flach ins Tor. Die beiden breitschultrigen Stürmer des VfL spielten auch danach die Hauptrollen: Weghorst schmiss sich in eine Flanke, bekam dabei den Schuh von Nikolas Höfler ins Gesicht. Aus einer Platzwunde über seinem rechten Auge floss Blut. Weghorsts Kopfball war nicht ins Tor gegangen, aber im Nachgang von Ginczek hineingeschossen worden. Doch Schiedsrichter Sebastian Dankert gab den Treffer nach Videostudium wegen einer Abseitsposition nicht, dafür aber Elfmeter für Wolfsburg. Weghorst trat mit Verbandsturban an und traf.

Die Partie schien entschieden, auch wenn ein Kopfball-Tor von Ginczek wegen eines Handspiels nicht zählte. Freiburg jedoch zeigte den beiden großen VfL-Stürmern, dass sie die Kunst des Kopfballs beherrschen: Im Tiefflug traf Lucas Höler mit einem eleganten Flugkopfball kurz vor der Pause. Die Freiburger konnten die Energie in der Pause konservieren und trafen 18 Sekunden nach Wiederanpfiff erneut, diesmal kurios: Roland Sallai köpfte im hohen Bogen ins Tor. Von der Wucht der Wolfsburger war danach nicht mehr so viel zu sehen.

SC Paderborn 07 - Werder Bremen 1:5 (0:3), Tore: 0:1 Klaassen (20.), 0:2 Osako (34.), 0:3 Klaassen (40.), 0:4 M. Eggestein (60.), 1:4 Sabiri (67.), 1:5 Füllkrug (90. +1)

Der Tabellenletzte gegen den Tabellenvorletzten - das war das dramatischte Duell am viertletzten Spieltag, aber auch ein einseitiges. Das Abstiegsduell begann mit einer Dummheit, als im Strafraum dem SC-Verteidiger Jamilu Collins der Ball an den unnötig weit ausgestreckten Arm sprang. Zum Strafstoß trat Milot Rashica, seit 14 Spielen ohne Treffer, an - und bugsierte den Ball Torhüter Leopold Zingerle direkt in die Arme. Doch nur wenige Sekunden später schoss Theodor Gebre Selassie eine weite Flanke direkt auf den Kopf von Davy Klaassen, der im März zuletzt traf und im Gegensatz zu Rashica besser zielte.

Die schwächste Offensive der Liga kam an diesem Nachmittag richtig in Form. Nach einem Konter flankte der junge Joshua Sargent gefühlvoll auf Yuya Osako und der Stürmer, seit 17 Spielen ohne Treffer, konnte gar nicht danebenschießen, so nah stand er am Tor. Nach einer Standardsituation traf Klaasen nur 20 Minuten nach seinem letzten Treffer erneut. Nach der Pause erhöhte Maximilian Eggestein sogar auf 4:0 - es war sein erstes Saisontor. Der Regen prasselte immer heftiger auf Paderborn nieder. Der Tabellenletzte gab nicht auf, doch mehr als der Ehrentreffer durch den eingewechselten Abdelhamid Sabiri war nicht drin, ehe Niklas Füllkrug das fünfte Werder-Tor erzielte. Das erste seit seinem Kreuzbandriss im September. "Für uns war es ein wichtiger Sieg, und es war wichtig", sagte Werder-Coach Florian Kohfeldt, "dass wir die Tore geschossen haben. Wir stehen auf einem Abstiegsplatz. Es gibt keinen Grund, in irgendeine Form der Euphorie zu verfallen."

Zwar ist der Abstieg nach der hohen Niederlage für Paderborn noch nicht besiegelt, da Düsseldorf gegen Dortmund verlor, doch die Chancen auf den Klassenerhalt für den SC sind nun noch kleiner. "Wir dürfen so nicht auftreten, das ist nicht Bundesliga. Das sind nicht wir", sagte Paderborns Trainer Steffen Baumgart. "Wir müssen nicht Drumherum reden, es ist rechnerisch ganz weit weg." Werder darf dagegen nach dem starken Auftritt wieder hoffen, auch in der kommenden Saison in der ersten Liga zu spielen.

1. FC Köln - 1. FC Union Berlin 1:2 (0:1), Tore: 0:1 Friedrich (39.), 0:2 Gentner (67.), 1:2 Cordoba (90.+2)

Der 1. FC Union Berlin kann beinahe schon für die nächste Saison in der Bundesliga planen. Im Aufsteigerduell beim 1. FC Köln siegten die Köpenicker erstmals seit Ende Februar, drei Spiele vor Schluss wuchs der Abstand auf die Abstiegszone damit auf sieben Zähler an. Für die punktgleichen Kölner setzte sich der Sinkflug seit der Corona-Pause indes fort. Seit der Unterbrechung hat die Mannschaft von Markus Gisdol nicht gewonnen, am Samstag sorgten die Berliner Marvin Friedrich (39.) und Christian Gentner (67.) dafür, dass es so bleibt. Jhon Cordoba (90.+2) erzielte den Treffer zum Endstand. "Ich habe gar keine Lust, diese Saison irgendwie austrudeln zu lassen", sagte Gisdol. "Die Mannschaft kann das besser, und ich erwarte, dass wir wieder mehr investieren, hart spielen und an unsere Grenzen gehen."

Gelbe Karte des Tages: Beim SC Paderborn gab es gleich zwei Szenarien, deren zustandekommen an diesem Spieltag sehr wahrscheinlich schienen: dass der Abstieg Realität wird und dass Jürgen Gjasula den Gelbe-Karten-Rekord erneuert. Zumindest eines erfülte sich. Mit einer schlecht getimten Grätsche gegen Bremens Josh Sargent verdiente sich Gjasula seine 17. gelbe Karte in seiner ersten Saison in der Bundesliga. Da waren gerade 32 Minuten gespielt. Nun ist Tomasz Hajto (MSV Duisburg, 16 gelbe Karten) seinen Rekord nach 21 Jahren los. Und Gjasula hat noch drei Spieltage Zeit, um weiter zu sammeln.

Zitat des Tages: Paderborn-Trainer Steffen Baumgart auf die Frage eines TV-Reporters, ob er vor dem Duell gegen Werder auf die Tabelle geschaut habe: "Brauche ich nicht, ich bin ja gefühlt seit einem halben Jahr Letzter." Auch nach diesem Spieltag muss er nicht nachschauen.

Mitarbeiter des Tages: Claudio Pizarro hat in seiner nunmehr 22 Jahre lang andauernden Profi-Karriere viele Tore geschossen: meist späte, wunderschöne oder kuriose. Doch seinem Verein Werder Bremen konnte der 41-Jährige zuletzt auf dem Platz wenig helfen: Keinen einzigen Treffer erzielte er in dieser Saison, die letzten Spiele verpasste er wegen einer Oberschenkelverletzung. An diesem Samstag bewies der Peruaner nun, dass er nicht nur Stürmer, sondern auch ein guter Redner ist. Vor Anpfiff erzählte er in der Werder-Kabine den Teamkollegen von seinen Erfahrungen mit Druckspielen. Das zeigte Wirkung: So viele Treffer wie gegen Paderborn hat Werder lange nicht mehr erzielt. Und das ganz ohne Joker Pizarro, dafür mit Motivator Pizarro.

© SZ.de/dpa/ska
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